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Was bedeutet Sprachpolizei: Definition, Herkunft und Bedeutung


Die Sprachpolizei ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für Personen, Personengruppen und Institutionen, welche die Sprache einer Bevölkerung nachhaltig durch Vorschriften ändern wollen. Diese Spracherziehung soll dafür sorgen, dass bestimmte negativ besetzte Begriffe aus dem allgemeinen Wortschatz verschwinden. Die Sprachpolizisten stützen ihren Appell für eine bessere Wortwahl oftmals auf Ethik, Moral– und Wertvorstellungen, wodurch sie in der Lage sind, den Falschsprechenden moralisch zu dominieren. George Orwell griff das Konzept einer Sprachpolizei in seinem Werk „1984“ auf, wo ein Überwachungsstaat die Sprache der Menschen reglementierte, um dadurch deren Gedanken zu kontrollieren.

Gibt es heute eine Sprachpolizei

Sprache besteht aus Regeln. Regeln werden beachtet oder bei Nichtbeachtung in vielen Fällen durchgesetzt. Wichtige staatliche Bestimmungen wie etwa Verkehrsregeln setzt der Staat mithilfe der Polizei durch. Obwohl staatliche Verwaltungen zunehmend sprachliche Regelungen vorgeben bzw. anordnen, ist es tatsächlich noch keine echte polizeiliche Aufgabe, diese durchzusetzen. Deshalb kann derzeit in Deutschland der Begriff „Sprachpolizei“ nur im übertragenen Sinn verwendet werden.

Aber bereits in der Kindeserziehung wird mit einer Verbotsliste von Wörter gearbeitet. So verbieten Eltern ihren Kindern bestimmte vulgäre Ausdrücke, wie Arschloch oder Blödmann. Diese Form der Spracherziehung zielt auf das Einhalten einer gewissen Etikette ab, wonach Kinder über die Sprache lernen, sich zu benehmen. Elterliche Appelle, wie: „Das sagt man nicht“ – zeugen von dieser Reglementierung. Hier treten Eltern ganz sicher als Sprachpolizisten auf und wollen erreichen, dass ihr Nachwuchs eine gesellschaftskonforme Sprache erlangt.

Im gesamtgesellschaftlichen Kontext ist es etwas schwieriger und nicht ganz so eindeutig. Denn selbst der Begriff Sprachpolizei ist negativ belegt und wird deshalb strikt abgelehnt.

Wieso?
Gegner der Spracherziehung nutzen den Begriff „Sprachpolizei“, um auf die Anmaßung, bei der Durchsetzung von sprachlichen Regelungen, aufmerksam zu machen. Denn Personen, welche sich in ihrer Wortwahl nicht einschränken lassen wollen – benutzen die Bezeichnung einer Sprachpolizei gezielt, um den Spracherzieher auf seine autoritäre Vorgehensweise hinzuweisen. Die Gegenseite lehnt die Benutzung der Bezeichnung „Sprachpolizei“ ab, weil sie ihn mit Ausdrücken wie „Zensur“ und „Einschränkung der Meinungsfreiheit“ gleichsetzt. Nach den Vertretern dieser Meinung kann es im Geltungsbereich des Grundgesetzes eine solche Sprachpolizei nicht geben.

Geschichte zum Begriff der Sprachpolizei

  • Anders als in Deutschland wurde in Frankreich mit der 1634 durch Kardinal Richelieu gegründeten Académie française eine Institution geschaffen, welche die „Vereinheitlichung und Pflege der französischen Sprache“ zur Aufgabe hat. Nicht zuletzt sollen die Mitglieder dieser Sprachakademie bis heute durch Ablehnung fremdsprachiger Begriffe die Reinheit der französischen Sprache bewahren.
  • 1885 wurde der Allgemeine Deutschen Sprachverein (ADSV) gegründet. Er setzte sich im Deutschen Reich für die Ablehnung von Fremdwörtern und stattdessen für den Gebrauch entsprechender Begriffe der deutschen Sprache ein. Die Mitglieder verstanden sich selbst als „Sprachpolizisten“, was durch die Bezeichnung „Sprach-Schutzleute“ – welche in einem Zeitungsartikel erschien – zum Ausdruck kam.
  • In der Zeit des Nationalsozialismus war von staatlicher und parteilicher Seite der Sprachgebrauch streng reglementiert. Etwa in Presseanweisungen gab es ausführliche Vorgaben für die Wortwahl. Aber niemand kam mehr auf den Gedanken, dies als Maßnahmen einer Sprachpolizei zu bezeichnen. Die Propaganda-Sprache der Nationalsozialisten und ihre Wirkung hat Viktor Klemperer in seinem 1947 veröffentlichten Werk „LTI – Notizbuch eines Philologen“ beschrieben.
  • In seinem 1949 erschienenen Roman „1984“ kritisiert George Orwell den totalitären, freiheits- und demokratiefeindlichen Überwachungsstaat. Eine allgegenwärtige „Gedankenpolizei“ überwacht in dem ausgedachten Machtblock „Ozeanien“ die einfachen Parteimitglieder und die Masse des Volkes. Zu den Unterdrückungsmaßnahmen der Herrschenden gehört u. a. die Reinigung der Sprache. Die als schädlich angesehene gewöhnliche Sprache wird durch eine neue Ausdrucksweise, dem „Neusprech“, ersetzt. Zum Beispiel wird „Krieg“ ab sofort „Frieden“ genannt und „Sklaverei“ wird mit dem Wort „Freiheit“ bezeichnet.
  • In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts benutzte der Soziologe Michel Foucault den Ausdruck „Diskurspolizei“. 1984 beschimpfte der Schriftsteller Peter Handke die „Gruppe 47“ als Sprachpolizei.
  • Im Jahr 2018 meinte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, er sei nicht die Sprachpolizei, nachdem er darauf angesprochen worden war, die AfD angeblich nur in gemäßigter Weise zu maßregeln. Im gleichen Zeitraum kritisierte der damalige Innenminister Horst Seehofer den Präsident des Bundesverfassungsgerichts Andreas Voßkuhle mit dem Satz: „Die jüngste Kritik von Herrn Voßkuhle halte ich für unangemessen, weil der Präsident eines solchen Gerichts nicht Sprachpolizei sein sollte.“ Der Richter hatte zuvor Seehofers Satz von der „Herrschaft des Unrechts“ als abwegig zurückgewiesen. Der Innenminister verteidigte dann noch einmal das Wort „Sprachpolizei“ im Zusammenhang mit der Äußerung der Vokabel „Asyltouristen“. Er sagte, dass die EU-Kommission das Wort „Asyltouristen“ bereits vor zehn Jahren in einem Bericht an den Europäischen Rat verwendet habe, und schloss seine Kritik mit der Ansicht: „Aber wenn’s die CSU macht, kommt sofort die Sprachpolizei und will uns bevormunden.“
  • 2019 urteilten 63 Prozent der Deutschen, dass die Meinungsfreiheit nichts nütze, wenn jeder sprachliche Fehlgriff von der Sprachpolizei verfolgt werde.
  • Bei der Vorstellung des Spielplans 2021/2022 seines Theaters äußerte Dieter Hallervorden, dass es mit ihm kein sprachliches Gendern geben werde, weil die Entwicklung der Sprache nicht durch Zwang erfolgen dürfe.
  • 2021 wurde „Sprachpolizei“ bei der Wahl zum „Unwort des Jahres“ auf den zweiten Platz gewählt.

Was bedeutet Sprachpolizei heute: Definition und Bedeutung

Nach den bisher festgestellten Sachverhalten hat sich die Verwendung des Begriffs „Sprachpolizei“ von der alten, überkommenen Bedeutung des Wortes „Polizei“ als Befugnis zum Erlass von Regelungen – hier der Sprache – gelöst. Auch die rechtmäßige Gewalt zur Durchsetzung von Sprachregelungen ist nicht mehr gemeint.

Heutzutage wird die Bezeichnung „Sprachpolizei“ verwendet, um Versuche von Leuten zu kritisieren, welche nach eigenem Gutdünken neue Sprech- und Schreibweisen sowie den Gebrauch neuer Wortschöpfungen durchsetzen und bestimmte Worte verbieten wollen. Somit werden als „Sprachpolizei“ diejenigen bezeichnet, welche Zensur ausüben, auch wenn diese es in der guten Absicht tun. Ziel dieser neuen Sprachpolizei ist die Etablierung einer politisch-korrekten, anti-rassistischen und geschlechtergerechten Sprache. Deshalb werden negativ Wörter besetzte Wörter, wie Indianer und Eskimo, scharf kritisiert, da diese Worte eine Diskriminierung transportieren – so die Sprachpolizei von heute.

Weiterhin will man den Bürger zu einer Gendersprache bewegen, welche alle Geschlechter einbezieht. Sprachreglementierer sehen das soziale Geschlecht der Frauen in einer untergeordneten Rolle, da das Maskulinum bei Berufen und sonstigen Personen-Bezeichnungen überwiegt. So werden beispielsweise Bevölkerungsgruppen als Kunde, als Verbraucher, als Musiker oder Leser angesprochen. In allen Fällen werden Männer und Frauen zusammengefasst, allerdings unter männlich dominanten Einheitsbegriffen. Durch das Gendern sollen Frauen und Männer gleichermaßen unter neuer Begrifflichkeit zusammenfinden und auch diejenigen, welche sich nicht eindeutig einem Geschlecht zuordnen lassen wollen oder können, sollen einbezogen werden.

Und da Frauen bisher sprachlich unterrepräsentiert erscheinen und diese männlich dominante Einheitssprache ein Ausdruck dessen ist, soll durch die Gendersprache erreicht werden, dass sich das Bewusstsein der Geschlechtergleichstellung weiter etabliert.

Befürworter und Gegner sprachpolizeilicher Maßnahmen

Wie bei vielen gesellschaftlich bedeutsamen Themen stehen sich auch bei der Frage nach einer bewussten Umgestaltung der Sprache durch eine sogenannte „Sprachpolizei“ zwei entgegengesetzt denkende Lager unvereinbar gegenüber. Die eine Seite hat das Ziel einer positiven politischen, sozialen und kulturellen Veränderung durch eine Sprachplanung vor Augen. Ihre Gegner sehen die Gefahr, dass mit der Einschränkung sprachlicher Ausdrucksmöglichkeiten praktisch auch die Freiheit des Denkens beeinträchtigt wird, wie dies in George Orwells Roman „1984“ anschaulich beschrieben ist.

Neben Orwell hat auch schon Viktor Klemperer festgestellt, dass die Durchsetzung einer bestimmten Sprachform weitreichende Auswirkungen hat. In den von ihnen beschriebenen Fällen waren es negative Beeinflussungen der untergebenen Bevölkerung. Doch stets wird eine langfristig tiefe Veränderungen im Unterbewusstsein der Menschen bewirkt. Und dies wird lediglich durch die Benutzung und Umdeutung, sowie dem Verbot gewisser Wörter erreicht. Durch das Wortverbot wird also das Denken der Leute in eine gewollte Richtung gelenkt.

Sprachpolizei soll sprachlich verankerte Denkmuster auflösen

Wer totale Gleichheit, Antirassismus, Geschlechtergerechtigkeit und dergleichen auf die Fahnen geschrieben hat, findet diese Beeinflussungsmöglichkeit gut. Die Vertreter dieser Geisteshaltung meinen, eine solche Gehirnwäsche sei nötig, weil die herkömmliche Sprache ebenfalls Denkmuster im Unterbewusstsein der Menschen verankert hat. Es wird angenommen, die durch althergebrachte Sprache verursachte Denkweise sei verantwortlich für wirklich negatives, böses Verhalten gegenüber anderen Personen bzw. gegenüber Menschen, die anders sind. Deshalb müsse die Sprache von den aufgeklärten, erwachten, allen Menschen gleichermaßen freundlich gesinnten Vordenkern und Wegbereiterinnen verändert werden.

So werden Wörter, welche gestern noch politisch korrekt waren und für große Bevölkerungsgruppen weder unethisch, noch moralisch abwertend genutzt wurden, aus dem allgemeinen Sprachgebrauch gestrichen. Wörter, wie Eskimo oder Indianer werden hin- und wieder von der Sprachpolizei überprüft und gegebenenfalls auf den Index gesetzt.

Eine gesellschaftsverändernde Sprachpolitik ist jedoch nicht nur auf eine gesinnungs- und verhaltensmäßige Umpolung anderer Menschen aus, sondern sie hat auch Auswirkungen für deren Verfechter selbst. Diese können nun durch die Art zu schreiben und zu sprechen erkennen, wer zu ihren Gesinnungsgenossen zählt und wer nicht. So werden politischer Freund und Gegner schnellstens ausgemacht. Und nun kann man sich moralisch über andere Menschen hinwegsetzen, diese aufklären und durch bereits etablierte Wertvorstellungen und Überzeugungsarbeit, zum Anderssprechen animieren.

Es gibt somit Sprachgläubige, die der Überzeugung sind, eine veränderte Wortwahl würde echte Probleme real beseitigen. Sie glauben, wer nunmehr einen Schoko- oder Schaumkuss isst und diesen nicht mehr Negerkuss nennt, der Leiste einen Beitrag gegen realexistierenden Rassismus in der Welt.

Sie hoffen auch darauf, dass die Gleichberechtigung der Frau gefördert werde, wenn die Bank nicht mehr nur den Kunden anschreibt, sondern außerdem zugleich die Kundin, um mit beiden ein Geschäft zu machen. Das wollte die Bank auch zuvor schon, indem sie der Annahme war, durch den Gebrauch der geschlechtsneutralen Verwendung des Wortes „Kunde“ – gemäß der bis heute geltenden grammatikalischen Regeln – Frauen und Männer gleichermaßen angesprochen zu haben.

Nun aber, so die Annahme, erfahren beide Geschlechter durch die Doppelbenennung eine gleichberechtigte Anerkennung im realen Leben. Jedenfalls nimmt dies ein Teil derjenigen an, welche das sogenannte „Gendern“, also „den Gebrauch geschlechtergerechter Formulierungen zur sprachlichen Gleichbehandlung der Geschlechter“, zur Pflicht machen wollen.

Sprachpolizei als Symbol einer Bevormundung

Wer nicht so idealistische Vorstellungen von der Macht der Sprache hat und nicht glaubt, die Gleichstellung der Geschlechter werde durch diese Sprechweise tatsächlich erreicht, beharrt auf alte Sprachmuster. Diesen „Neusprechern“ wird von der Gegenseite vorgeworfen, dass sie mit der neuen Sprachverwendung lediglich ihre moralische ethische Überlegenheit zum Ausdruck bringen.

Dass mit der Sprache verknüpfte Anliegen, das sie vertreten, ist zwar von äußerster Wichtigkeit, wird allerdings zum Symbol ihres Machtanspruchs – so die Gegenseite. Denn wer mit Wertvorstellungen argumentiert, erreicht in einer aufgeklärten Gesellschaft immer eine Dominanz gegenüber Andersdenkenden, kann diese läutern und deren Gegenargumente stets unter einer moralischen Symbolik begraben.

Sprachpolizei kann Rassismus ein stückweit auflösen oder verklären

Weitere Vertreter einer sprachpolitischen Wende sind echte Betroffene. Es gibt viele Menschen, die auf Grund bestimmter Merkmale sich gewissen Menschengruppen zugehörig fühlen oder von anderen Menschen diesen zugerechnet werden. Sie empfinden sich verletzt, wenn bestimmte Bezeichnungen auf sie angewendet werden. Deshalb fordern diese Betroffenen neue Bezeichnungen.

So wurde das Wort Neger (von lateinisch: niger = schwarz) durch das sogenannte „N-Wort“ ersetzt. Dies ist natürlich vollkommen richtig und jeder verantwortungsvolle Staatsbürger erzieht seine Kinder schon dahin, dieses problematische Wort – nicht zu verwenden. Aber auch das „N-Wort“ bietet einen viel zu engen Bezug zum Wort Neger, weshalb man erst die Benennung „Schwarzer“, dann „Farbiger“ und derzeit „Person of Color“ als korrekte Benennung der Hautfarbe wählte.

Der Ansatz über die Sprache ein Bewusstsein zu schaffen, ist sicherlich nicht verkehrt. Aber vielleicht werden die Probleme, welche man eigentlich abschaffen möchte, nur noch größer, da diese fortan nicht mehr so offensichtlich sind. Rassismus und Diskriminierung haben in einer funktionierenden Gesellschaft nichts zu suchen. Der Nährboden für diese Probleme ist aber sicherlich nicht die Sprache. Sie dient lediglich als Ausdrucksform der Probleme. Den Sprachpolizisten wird deshalb auch vorgeworfen, dass sie die eigentlichen Probleme mit der Verwendung einer neuen Sprache nicht beseitigen, sondern nur verwaschen bzw. tarnen.

Sprachpolizei aus Möglichkeit der Geschlechtergleichstellung

Dennoch wird es als sozialer Fortschritt angesehen, dass die Sprachpolizei bestimmen kann, wer sich durch ein Wort verletzt fühlt oder welche Begriffe ab jetzt zu benutzen sind. Dabei solle es keine Rolle spielen, ob den abgelehnten Worten tatsächlich etwas Verletzendes anhaftet. Doch auch viele Frauen, vor allem in Ostdeutschland, fühlen sich durch Sprache nicht diskriminiert.

Allerdings liegt dies an den Lebensumständen und der Lebenswirklichkeit der Frauen, welche schon seit Generationen in Unabhängigkeit leben. So gingen Frauen in der ehemaligen DDR einer geregelten Arbeit nach, zogen Kinder auf und leisteten mindestens genauso viel, wie ihre Ehemänner. Die gesellschaftliche Stellung eines Geschlechts wird auch dadurch definiert, welchen Beitrag sie für Familie (im kleinen) oder für die Gesamtgesellschaft (im großen) leisten. Wer viel einbringt – sei es an Geldwert oder sonstigen Werten – wird höhergestellt – da diese Person wichtig für das Gemeinwohl ist. Und die Gleichberechtigung der Frau wurde in der ehemaligen DDR bereits vor Generationen vollzogen, weshalb es kein weitläufiges Bewusstsein für eine Nichtgleichstellung gibt.

Sprache ist lediglich die verbale Ausdrucksform einer Gesellschaft. Letztlich wird die Gleichstellung der Frauen nur dauerhaft erreicht, indem man den gesellschaftlichen Beitrag anerkennt – welchen Frauen leisten. Sei es im Beruf oder in der Kindererziehung. In einem System, welches alle Probleme, Errungenschaften und Entscheidungen mit einem Geldwert bewertet, wird auch der gesellschaftliche Beitrag am Geld oder Vermögen ausgerichtet. Somit ist eine wirkliche Anerkennung nur möglich, wenn Frauen nicht finanziell abhängig sind. Und deshalb behaupten Gegner einer Gendersprache, dass durch die Veränderung der Sprache lediglich ein Symbol dieses Zieles entsteht, welches allerdings bei häufigen Gebrauch seinen Symbolcharakter verlieren wird.

Ungenauigkeit der Sprache und drohender Freiheitsverlust

Auch das Lager der Gegenseite ist nicht ganz einheitlich. Die einen haben bloß ästhetische Bedenken, finden bestimmte Sprachveränderungen nicht schön oder halten sie für unpraktisch. Andere sehen die sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten verarmen, wenn z. B. die Unterscheidung nicht mehr möglich sein soll, dass nicht jeder Studierende auch ein Student ist. Ebenso solle die sprachliche Genauigkeit nicht unter den Tisch fallen müssen, dass ein Student nicht jederzeit ein Studierender ist, der studiert. Ein nicht geringer Teil derjenigen, welche die Bezeichnung „Sprachpolizei“ den gewaltsamen Sprachveränderern entgegenschleudern, sehen dagegen grundsätzliche, weitergehende Gefahren.

Wer meint, im übertragenen Sinn von einer Art „Sprachpolizei“ in Form von Behörden, Universitäten, Medien und dergleichen mehr gegängelt und zensiert zu werden, dem geht es auch um seine grundgesetzlich garantierte Freiheit. Diese Leute wollen sich ausdrücken können, wie ihnen der sprichwörtliche Schnabel gewachsen ist – was selbstverständlich absichtliche Beleidigungen und strafbare Äußerungen ausschließt.

Außerdem haben sie die sprachpolitischen Regelungen und die Unterdrückung vor Augen, wie sie in der Zeit des Nationalsozialismus und der des DDR-Sozialismus vollzogen wurden und extreme Konsequenzen hatte. Die aktivsten Widerständler gegen einen Sprachzwang wollen allen Anfängen in derartige falsche Richtung wehren, indem sie jeden Eingriff in die organische Entwicklung der Sprache ablehnen, um die Freiheit des Denkens auch im sprachlichen Ausdruck weiterhin zu ermöglichen.

Zusammenfassung

  • Eine offizielle, rechtsstaatlich ermächtigte „Sprachpolizei“ gibt es in Deutschland nicht.
  • „Sprachpolizei“ ist ein Begriff, der von Kritikern denen entgegengehalten wird, welche willkürliche Eingriffe in die Sprache befürworten.
  • Auseinandersetzungen über das richtige Sprachverhalten gab es in der Geschichte vielfach.
  • Wer Sprachvorschriften machen will, verfolgt damit oftmals gute Ziele wie etwa die Verhinderung der Herabwürdigung anderer Menschen.
  • Wer sich gegen Sprachvorschriften zur Wehr setzt, versucht sich mit dem Vorwurf des „Sprachpolizisten“ gegen Bevormundung und Sprach- sowie Denkverbote zu wehren.

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