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Was bedeutet Adoleszenz: Definition und Bedeutung


Als Adoleszenz wird in den Wissenschaften, etwa der Psychologie oder der Medizin die Lebensphase eines Menschen bezeichnet, die zwischen seiner Kindheit und seinem Erwachsenenalter liegt. Synonyme Bezeichnungen für diesen Lebensabschnitt sind etwa die Begriffe Jugendalter oder Jugendjahre.

Was bedeutet Adoleszenz

Das lateinische Wort „adolescere“, das Heranwachsen bedeutet, weist darauf hin, dass es in der Adoleszenz um eine Entwicklungsphase geht. Eine Phase, in der Abhängigkeiten der Kindheit, zum Beispiel von Eltern oder anderen Bezugs– und Betreuungspersonen gelockert werden und ein Mensch immer mehr Autonomie (Selbstständigkeit, Ich-Stärke, Eigenverantwortlichkeit) gewinnt.

Eine Phase, in der er zunehmend in eine erwachsene Rolle und damit verbundene Verhaltensweisen hineinwächst. Neben der Autonomieentwicklung ist die Adoleszenz durch einschneidende physiologische Veränderungen im Körper eines Menschen gekennzeichnet, ebenso von Veränderungen seiner sozialen Beziehungen und von der Entwicklung eines eigenen Wertesystems, eigener Einstellungen und Haltungen, zum Beispiel im Hinblick auf Religion oder Politik.

Der Psychoanalytiker Erikson, der im zwanzigsten Jahrhundert wirkte, bezeichnete die Adoleszenz auch als psychosoziales Moratorium. Das lateinische Wort „moratorius“ bedeutet „säumend“. Es geht in der Phase der Adoleszenz zwar um die Entwicklung von Eigenständigkeit, um die Ablösung von den Eltern und das Herausbilden eigener Werte und Normen, dies aber in der Regel und im besten Fall „gesäumt“ von einem noch schützenden Umfeld, etwa dem Elternhaus oder der Schule. Die Adoleszenz kann als Phase angesehen werden, in der Menschen ohne große Verpflichtungen neue Rollen und Verhaltensweisen ausprobieren und erproben können und die ihnen die Möglichkeit gibt, die Identität, die ihnen stimmig erscheint und ihnen guttut, zu festigen und zu stärken.

Physiologische Veränderungen in der Adoleszenz

Im Alter von etwa zwölf Jahren bei Jungen und zehn Jahren bei Mädchen beginnt eine circa zweijährige Phase ausgeprägten körperlichen Wachstums. In dieser Zeit entwickeln sich auch die primären Geschlechtsmerkmale wie Genitalien oder Geschlechtsorgane und die sekundären Geschlechtsmerkmale, etwa Brüste, eine tiefere Stimme oder Körperbehaarung. Die erste Menstruation (Menarche) bei Mädchen in der Regel im zwölften Lebensjahr und die Spermarche (Samenproduktion) bei Jungen, etwa im vierzehnten Lebensjahr, zeigt schließlich die Geschlechtsreife (lat. pubertas) an. Die Phase, in der die geschlechtliche Reifung eines Menschen geschieht, wird auch als Pubertät bezeichnet.

Strukturelle Entwicklung des Gehirns

Während der Adoleszenz strukturiert sich das Gehirn eines Menschen entscheidend um. Insbesondere entwickeln sich die sogenannten Frontallappen weiter. Diese Bereiche, die Teil einer als Großhirn bezeichneten Gehirnstruktur sind und direkt hinter der Stirn liegen, haben neben der Funktion der willkürlichen Motorik (Bewegung) eine sehr bedeutende Funktion im Hinblick auf Sprache, Urteilsfindung und Planung.

Aufgabe dieser Regionen sind hoch entwickelte Prozesse wie das Integrieren von Informationen, das Kontrollieren von Emotionen, die Handlungsplanung und Entscheidungsverantwortung. Die kognitive Entwicklung nimmt in der Adoleszenz stetig zu, in einigen Bereichen erreichen jugendliche schon das Niveau Erwachsener. Im Rahmen der Umstrukturierung des Gehirns während der Adoleszenz bilden sich nicht mehr benötigte Nervenzellen (Neuronen) mitsamt ihren Verbindungen zu anderen Nervenzellen zurück.

Autonomieentwicklung in der Adoleszenz

Während der Adoleszenz entwickelt ein Mensch eigene Wertvorstellungen und eine eigene Haltung zu bestimmten Aspekten des Lebens, zum Beispiel zu Religion, Freundschaft oder Sexualität. Er entwickelt eine eigene Identität. Von den Eltern oder anderen Erwachsenen gelebte Werte und Normen oder auch Moralvorstellungen werden von Jugendlichen in der Phase der Adoleszenz genauer betrachtet, überprüft und infrage gestellt. Damit verbunden ist auch eine Veränderung der bisherigen Beziehung zu den Eltern. Obwohl Jugendliche in der Adoleszenz oftmals eine starke Verbundenheit zu den Eltern haben, entwickeln sie gleichzeitig ein Bedürfnis der Abnabelung von diesen.

Das lange Zeit eher hierarchische Verhältnis zwischen Eltern und Kind wandelt sich in vielen Fällen mit der Zeit in ein eher partnerschaftliches. Dieser Prozess kann vor allem in der frühen Phase der Adoleszenz zu heftigen und häufigen Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Jugendlichen führen.

Auseinandersetzung mit körperlichen Veränderungen, Sexualität, Freundschaft

Während der Adoleszenz gilt es für einen Menschen, sich mit den körperlich-physiologischen Veränderungen des eigenen Körpers und mit Geschlechterrollen auseinanderzusetzen. Auch erste Liebesbeziehungen und Sexualität sind Erfahrungen und Herausforderungen, mit denen sich Jugendlichen beschäftigen und welche sie bewältigen müssen. Wenn sich die Beziehung zu den Eltern ändert, ist es für Jugendliche wichtig, intensivere, vertrauensvolle und von Respekt oder Intimität geprägte Beziehungen zu Freunden aufzubauen.

In der Adoleszenz kommt Peer-Groups eine wichtige Bedeutung zu. Sie fungieren als Ressource und geben Jugendlichen Halt, wenn es gilt, Aufgaben und Schwierigkeiten der Adoleszenz zu bewältigen.

Wann beginnt die Adoleszenz

Die Pubertät, die beginnende Geschlechtsreife, die einen Menschen zur Fortpflanzung befähigt, wird von vielen Wissenschaftlern als Eintritt in die Adoleszenz betrachtet. Wenn die Pubertät mit ihren biologisch-physiologischen Prozessen als Beginn der Adoleszenz angesehen wird, gilt es zu bedenken, dass Pubertät ein Prozess ist, also über einen gewissen Zeitraum verläuft und dessen Beginn nicht fest und nur biologisch determiniert ist. In heutiger Zeit zum Beispiel beginnt die Pubertät generell früher als bei den Menschen, die etwa vor hundert Jahren lebten. Außerdem gibt es immer wieder Menschen, bei denen sie früher oder später eintritt als bei den meisten Altersgenossen.

Wann endet die Adoleszenz

Eine eindeutige Festlegung des Endes der Adoleszenz ist schwierig. In westlichen Kulturen orientiert sich die Definition des Endes oftmals an subjektiven Faktoren, etwa selbstständig Entscheiden und Handeln, Verantwortung übernehmen und Eigenverantwortung tragen können. Diese Kompetenzen und Fähigkeiten entwickeln sich jedoch je nach Lebensumständen und Kulturkreis zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Nach einer Theorie des Psychoanalytikers Erikson sind unterschiedliche Lebensphasen eines Menschen dann beendet, wenn in diesen eine dort notwendige und wichtige Aufgabe bewältigt worden ist.

In der Adoleszenz ist dies nach Erikson die Aufgabe, ein Selbstwertgefühl zu entwickeln und die eigene Identität zu festigen. Der Übergang von der Phase Jugend zur Phase Erwachsenenalter gilt oftmals als vollbracht, wenn wichtige dem Erwachsenenalter zugesprochene Rollen und Tätigkeiten übernommen werden. Dabei kann es etwa um Berufstätigkeit gehen oder die Elternrolle.

Das Festlegen einer Altersgrenze, die das Ende der Adoleszenz markiert, birgt Schwierigkeiten. In westlichen Kulturkreisen ist heutzutage der Einstieg in die Berufstätigkeit, das Erlangen ökonomischer Selbstständigkeit oder die Gründung einer eigenen Familie bedingt durch lange Ausbildungszeiten oftmals zeitlich nach hinten verschoben.

Zentrale Rollen, die Erwachsenen zugeschrieben sind, werden dann vielfach später übernommen, als es in anderen Kulturen oder Gesellschaften üblich ist. In anderen Bereichen, die mit dem Erwachsen sein verknüpft sind, etwa Sexualität und Partnerschaft oder Konsumbeteiligung, sind Jugendliche heute in vielen Gesellschaften viel eher aktiv und selbstständig als es zu früheren Zeiten der Fall war. Internationale Forschung im Bereich der Entwicklungspsychologie definiert das Ende der Adoleszenz mit 21 Jahren.


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