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Was bedeutet Impfhysterie: Bedeutung und Geschichte


Impfhysterie drückt sich in einer emotional geführten Debatte über Risiken und Folgen einer Schutzimpfung aus. Rationales Denken, Pro und Contra Abwägungen werden durch Emotionen, welche man als Symbole an das Impfen knüpft, ersetzt.

Der Begriff Hysterie

Das Wort Hysterie hat seinen Ursprung im Altgriechischen und bedeutet übersetzt Gebärmutter. Der Begriff wurde im medizinischen Bereich verwendet, war lange Zeit ein Sammelbegriff für alle möglichen Erkrankungen bei Frauen, welche anatomisch bzw. physiologisch nicht erklärbar waren. So erlitten hysterische Frauen z.B. Ohnmachtsanfällen, Wutausbrüchen oder verloren körperliche und kognitive Fähigkeiten, wie das Laufen, Sprechen oder Stehen. Die Frauen wurden untersucht und da man in deren Anatomie und Physiologie keine Ursache für das Leiden fand, schob man es auf die Psyche.

Die Hysterie war somit ein Sammelbegriff für unerklärbare Geisteskrankheiten bei Frauen, wobei man annahm, dass die Ursache des Leidens von der Gebärmutter kommt. Diese Annahme stützte sich auf Beobachtungen von Ärzten, welche einen Zusammenhang zwischen Kinderlosigkeit und Hysterie ausmachen wollten. So schloss man daraus, dass die Hysterie vor allem Frauen betrifft, welche keine Kinder haben. Diese Vermutung bestand seit der Antike, daher die altgriechische Bezeichnung und reichte bis ins 19. Jahrhundert. Und noch heute nehmen Hobbypsychologen an, dass die Hysterie der Frauen entweder aus der Kinderlosigkeit herrührt oder auf ein unbefriedigtes Sexualleben zurückzuführen sei. Denn beide Ideen sind mit der Gebärmutter verknüpfbar.

Erst Sigmund Freud und Josef Breuer stellten eine neue Hysteriehypothese auf, wonach auch Männer unter Hysterie leiden können. Denn ausschlagend für die Krankheit ist nicht das Geschlecht, sondern die gesellschaftliche Stellung unter der die Frauen litten. Freud erkannte, dass seine Patientinnen in Abhängigkeit von ihren Männern lebten, als Kinder von der elterlichen Erziehung unterdrückt wurden und sich so ein innerer Konflikt in ihnen befand, welcher sich in der Hysterie äußerte. In der Tiefenpsychologie bezeichnet man die Instanz, in welchen sich Ursachen für diesen Konflikt befinden, als Unbewusstsein. Freud sah in in dieser Instanz das Gegenstück zum Bewusstsein eines Menschen.

Andere Tiefenpsychologen, wie Carl Gustav Jung und Alfred Adler, widmeten sich diesem Konflikt unter verschiedensten Aspekten weiter und beschrieben das Entstehen von psychischen Komplexen (z.B. Minderwertigkeitskomplex).

Heutzutage bezeichnet Hysterie einen Zustand höchster Aufgeregtheit. So gut wie immer wird der Begriff abwertend verwendet. Er sagt aus, dass eine oder mehrere Personen aufgrund äußerster Erregung eventuell nicht mehr rational, also nicht mehr vernunftgeleitet, handeln.

Funktionsweise einer Impfung

Dringen Viren, Bakterien oder Pilze in den menschlichen Körper ein, dann reagiert das Immunsystem auf den Feind von außen, indem es ihn bekämpft. Der Kampf wird erleichtert, wenn der Eindringling bereits bekannt ist und deshalb schnell und gezielt angegangen werden kann. Durch Impfungen wird dies erreicht. Somit ist jede Impfung als ein Training zu betrachten, um den Körper auf zukünftige Gefahren einzustellen. Impfungen dienen niemals der Behandlung von Krankheiten, sondern als Vorsorgemaßnahme – um den Organismus entsprechend auszurüsten. Dies geschieht auf unterschiedliche Art und Weise, je nachdem – welchen Impfstoff man verwendet oder gegen welche Form von Krankheitserreger man vorgeht.

So gibt es Impfstoffe, welche dem Körper lediglich einen Bauplan für das Immunsystem geben, um zukünftig die passenden Antikörper herstellen zu können. Denn ein Krankheitserreger, welcher noch niemals im Körper war, ist immer eine Gefahr bzw. stellt ein Risiko dar. Man kann sich diesen Bauplan wie bei einem Schlüssel und einem Schlüsselloch vorstellen. Der Erreger dringt in den Körper (Haus) ein. Es gibt eine Tür, welche Schutz bieten kann, allerdings fehlt der Schlüssel. Die Impfung übergibt den Zellen die entsprechende Information, wie man schnell einen passenden Schlüssel herstellt, um einen Schutz aufzubauen. Ohne diesen Schlüssel kann der Organismus die Tür höchstwahrscheinlich ebenfalls öffnen, es dauert nur sehr lange oder ist mit einer enormen Schädigung verbunden.

Andere Impfstoffe setzen auf Training. Dabei werden wenig Erreger oder tote Erreger, welche keinen Schaden anrichten können ins Haus (Körper) gelassen. In dieser Trainingsumgebung lernt der Körper nun, wie er den passenden Schlüssel für seine Schutztür selbst herstellt.

Aufgrund der unterschiedlichen Impfstoffe entsteht ein unterschiedlich starker Schutz, welcher immer wieder aufgefrischt werden muss. Außerdem verändern sich Krankheitserreger immer wieder. Bei hochansteckenden Krankheiten vervielfältigen sich Bakterien und Viren in sehr kurzer Zeit. Denn die Mikroorganismen vermehren sich durch Zellteilung. Und bei der Teilung der Zellen werden lediglich Kopien des Ursprungserregers angelegt, welche nicht immer dem Original entsprechen müssen. Jedes Mal, wenn sich eine neue Person infiziert, erfolgt die Teilung der Krankheitserreger. Nun breiten sich diese im Organismus aus, was ebenfalls durch Zellteilung passiert. Denn ein einzelnes Bakterium oder Virus wächst nicht, sondern diese infizieren den Organismus durch die rasch ansteigende Vermehrung.

Bei dieser Vermehrung wird vom Ursprungserreger eine Kopie angelegt. Diese Kopie teilt sich wieder, wodurch eine neue Kopie von der Kopie angelegt wird. Mit jeder Kopie schleichen sich Kopierfehler ein, so dass sich die Ursprungszelle immer wieder von der Kopie unterscheidet. Dies ist völlig normal und wird in der Biologie als Mutation bezeichnet. Außerdem sind die Unterschiede zwischen Original und Kopie nicht gewollt. Sie dienen nicht einem höheren Zweck und sind nur zufällig. Das bedeutet, dass niemand vorhersehen kann, wie sich ein Krankheitserreger in Zukunft ändern wird.

Sind die Eigenschaften zwischen Original und den Kopien in vielen Merkmalen unterschiedlich, entsteht eine neue Art. Doch oftmals unterscheiden sich diese nur in ganz bestimmten Merkmalen, weshalb man diese in Varianten unterteilt. Je nachdem, welche Varianten mit welchen Eigenschaften auftreten, können diese den Impfschutz umgehen.

In diesem Fall kann der Körper noch den passenden Schlüssel herstellen. Dieser Schlüssel nützt aber nichts mehr, da die neue Eigenschaft der Kopievariante dem Krankheitserreger ermöglicht, ebenfalls durch die Tür zu kommen. Nun braucht es entweder einen neuen besseren Schlüssel oder anderes Waffenarsenal, weshalb Impfungen in der Regel immer aufgefrischt werden.

Falls durch Impfungen ein Krankheitserreger eingedämmt wurde, findet dessen Ausbreitung nur begrenzt statt. Dies bedeutet weniger Zellteilung, wodurch die Wahrscheinlichkeit der Kopierfehler sinkt und Mutationen nur noch selten auftreten. Dadurch kann es sein, dass einige Impfungen ihren Impfschutz niemals oder erst nach sehr langer Zeit verlieren.

Aktive Immunisierung

Bei der sogenannten aktiven Immunisierung werden dem Körper abgeschwächte oder abgetötete Viren oder Bakterien gespritzt. Diese können die Krankheit nicht mehr auslösen. Das Immunsystem reagiert jedoch und bildet Abwehrstoffe gegen den Feind. Kommt der Körper nun auf natürliche Art und Weise in Kontakt mit dem Erreger, so ist dieser dem Immunsystem nicht mehr unbekannt. Es verfügt bereits über ein entsprechendes Waffenarsenal und kann den Eindringling umgehend vernichten. Ob der Impfschutz ein Leben lang oder nur einen begrenzten Zeitraum anhält, ist von Impfstoff zu Impfstoff genauso verschieden, wie die Zahl der Impfungen, die zum Erlangen eines funktionierenden Schutzes nötig sind.

Lebend- und Totimpfstoffe

Die meisten bekannten Impfungen sind aktive Immunisierungen. Sie werden in Lebendimpfstoffe oder Totimpfstoffe unterteilt.
Der Lebendimpfstoff enthält abgeschwächte Erreger. Dass diese sich vermehren ist möglich, dass sie eine schwere Krankheit auslösen, hingegen nicht. Die Masern-Mumps-Röteln-Impfung ist eine solche Lebendimpfung. In seltenen Fällen kann es ca. 10 Tage nach der Erstimpfung deshalb auch zu sogenannten Impfmasern kommen. Diese sind nicht ansteckend, klingen rasch ab und verlaufen mild.

Totimpfstoffe enthalten abgetötete Erreger. Viele bekannte Impfungen, wie zum Beispiel gegen Diphterie, Hepatitis und Keuchhusten basieren auf diesem Prinzip.

Passive Immunisierung

Die passive Immunisierung kommt zum Tragen, wenn für den Aufbau eines Immunschutzes wenig Zeit bleibt. Hier werden dem Impfling direkt die Antikörper verabreicht. Diese Impfung kommt beispielsweise bei größeren Wunden zum Einsatz, wenn schnell ein Schutz gegen Tetanus aufgebaut werden muss.

mRNA-Impfung

Das Prinzip der mRNA-Impfung (mRNA= auf Englisch: messenger ribonucleic acid, auf Deutsch: Boten-Ribonukleinsäure) wird in der breiten Masse im Kampf gegen das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) eingesetzt. Hier wird dem menschlichen Körper nicht das abgetötete oder abgeschwächte Virus verabreicht, sondern der Bauplan für ein bestimmtes Merkmal des Erregers. Dieses ungefährliche Merkmal stellen köpereigene Zellen daraufhin her und produzieren anschließend die passenden Abwehrstoffe. Infiziert sich ein Geimpfter nun mit dem tatsächlichen Virus, dann geschieht dasselbe wie bei den anderen Impfungen auch: Die Abwehrfront kennt den Feind bereits und wird von ihm nicht überrannt, sondern kann zügig und passend darauf reagieren.

Erste Impfhysterie bei Pockenimpfung

So unterschiedlich die Impfstoffe sind, ihnen allen liegt derselbe Wunsch zugrunde: Menschen vor krankmachenden Erregern zu schützen. Über Jahrzehnte war diese Sehnsucht nicht realisierbar. Ansteckende Krankheiten rafften unzählige Menschen dahin. Erst im 18. Jahrhundert gelang der Durchbruch. Bereits schon einige Jahrzehnte schwellte damals die Vermutung, dass Menschen, die an eher harmlosen Kuhpocken erkrankt gewesen waren, nicht mehr anfällig für die weitaus gefährlicheren menschliche Pocken waren.

Ein englischer Arzt führte daraufhin ein Experiment durch. Er ritzte einem Jungen Kuhpocken in die Haut des Oberarms. Erwartungsgemäß erkrankte der junge Proband an den ungefährlichen Kuhpocken. Nun ging der Arzt noch einen Schritt weiter. Er infizierte den wieder Genesenen mit den gefährlichen, menschlichen Pocken. Das Experiment gelang: Der Junge wurde nicht krank. Denn sein Körper war durch die Kuhpocken vorbereitet. Er kannte den Feind, hatte bereits ein Waffenarsenal und konnte so den Kampf gegen die potentiell tödlich verlaufende Erkrankung gewinnen.

Nach einer heftigen Pocken-Epidemie wurde von Otto von Bismarck 1874 eine Impfpflicht in Deutschland eingeführt. Dem Volk war das Impfen jedoch suspekt. Es wurde befürchtet, durch die Impfung könnten Menschen zu Kühen mutieren. Man sah einen Eingriff in die Freiheit oder in die göttliche Schöpfung und fürchtete sich vor Nebenwirkungen. In Süd- und Ostdeutschland wurden Vereine von impfskeptischen Menschen gegründet. Zur selben Zeit entwickelte die Medizin weitere Impfstoffe gegen tödliche Bakterien und Viren.

Heute gelten Pocken, aufgrund der Impfung, als nahezu ausgerottet. Noch im 18. Jahrhundert starben circa 400.000 Menschen jährlich an Pockenviren. Rund ein Drittel der Erkrankten, welche es irgendwie überlebten, erblindeten daran. Bei der letzten Pockenepidemie 1873, welche durch den Deutsch-Französischen-Krieg begünstigt wurde, starben circa 180.000 Menschen, deutlich weniger als in den Epidemien zuvor. Dies lag an der teil-immunisierten Gesellschaft, was dem Deutschen Kaiser und Otto von Bismarck allerdings nicht ausreichte, weshalb sie die Pockenimpfpflicht verhängten.

Wachsende Impfskepsis durch den Tuberkulose-Zwischenfall

Während Impfungen über Jahrzehnte unzählige Leben retteten, gab es auch einen schweren Zwischenfall, der das Vertrauen der Bevölkerung erschütterte. Fast 80 Säuglinge starben 1930 an einem verunreinigten Tuberkulose-Impfstoff. Dies zog einen Gerichtsprozess wegen Körperverletzung sowie fahrlässiger Tötung nach sich. Das menschliches Versagen, welches zum Tod der Kinder führte, wurde allerdings ersetzt- um eine Kampagne gegen das Impfen aufzusetzen. Fortan war nicht der Impfarzt der alleinige Risikofaktor sondern die Impfung allgemein.

Neuere Ursachen für Impfskepsis und Impfhysterie

Mit steigender Impfvielfalt stiegen auch Berichte über Impfreaktionen und Nebenwirkungen. Diese verunsicherten nicht wenige Menschen. Andere wiederum priesen den Segen der Impfungen, die nicht nur den Einzelnen, sondern auch die Allgemeinheit vor todbringenden Krankheiten schützten. Dank der Impfung galten die Pocken 1980 als offiziell ausgerottet.

29 Jahre später trat von Mexiko ausgehend die sogenannte Schweinegrippe, ein neuartiges Influenzvirus, seinen krankheitsmachenden Zug um die Welt an. Schon seit den 30er-Jahren war das Schweinevirus bekannt, allerdings nur unter Züchtern der Borstentiere. Die Schweine steckten sich untereinander an, aber nur äußerst selten ihre menschlichen Besitzer.

Über Jahre veränderte sich das Virus. 2009 kam es zunächst in Mexiko zum Ausbruch der Schweinegrippe unter Menschen. Das Virus, nun eine Mischung aus Schweine-Vögel- und Menschengrippeviren übertrug sich von Mensch zu Mensch, zum Beispiel durch Niesen. Rasch breitete es sich aus.
Die Welt war verunsichert. Medien überschlugen sich mit alarmierenden Warnungen, als die WHO (Weltgesundheitsorganisation) die Schweinegrippe im Jahr 2009 zur Pandemie (weltweit sich zügig verbreitende Krankheit) ausrief.

Die Pharmaindustrie reagierte zügig. Bereits im Herbst 2009 standen der breiten Masse Impfstoffe zu Verfügung. Ein Segen für Menschen, die Angst vor der neuartigen Grippe hatten. Sie bombardierten Arztpraxen mit Anrufen, um sich gegen den neuartigen Erreger schnellstmöglich zu schützen und dankten der Pharmaindustrie. Andere wiederum, misstrauten der zügigen Entwicklung des Impfstoffes. Sie warfen der Pharmaindustrie Profitgier vor und sorgten sich um ihre körperliche Unversehrtheit.

Dass selbst Mediziner sich nicht einig waren, für wen denn nun eine Impfung sinnvoll war, verunsicherte die Bevölkerung genauso, wie reißerische, häufig wenig informative Berichte in den Medien. Befeuert wurde die Impfhysterie von der Meldung, dass Politiker und andere höhergestellte Beamte einen anderen Impfstoff als das gemeine Volk erhielten. Diesem fehlten sogenannte Wirkverstärker. Letztere werden manchen Impfstoffen zugesetzt. Sie regen den Körper zu einer stärkeren Reaktion des Immunsystems an. Dadurch wird der Impfschutz verstärkt. Allerdings kommt es dadurch auch häufiger zu Nebenwirkungen.

2010 wurde der Gipfel der Schweinegrippen Impfhysterie erreicht. Denn es wurde bekannt, dass einer der Schweingrippeimpfstoffe, Pandremix, in seltenen Fällen Narkolepsie ausgelöst hatte. Auch als Schlafkrankheit bekannt, ist bei Narkolepsie-Erkrankten der natürliche Schlaf-Wachrhythmus gestört. Ohne sich dessen erwehren zu können, schlafen Betroffene während des Tages urplötzlich ein. Dies kann nicht nur beim Autofahren zu gefährlichen Situationen führen. Typischerweise waren junge Impflinge betroffen. Die Fälle waren extrem rar. Nichtsdestotrotz führten sie zu großer Verunsicherung.

Wachsende Impfskepsis und Impfhysterie bei Masernschutz

Ende 2014 begann sich das Masernvirus in den USA wieder überraschend stark auszubreiten. Da die Viruserkrankung hochansteckend ist und bei einem geringen Teil der Erkrankten dauerhafte Schäden am zentralen Nervensystem hinterlässt, waren Behörden und Medien gleichermaßen alarmiert. Die hitzige Diskussion um den Ausbruch trotz zur Verfügung stehender, sehr gut wirksamer Impfung, rief Impfbefürworter und Impfgegner gleichermaßen auf den Plan, die sich in der allgemeinen Hysterie verbal heftig angriffen und sich gegenseitig falschen Unterstellungen und Falschmeldungen bezichtigten.

Corona Pandemie und die systematisch herbeigeführte Impfhysterie

Ab 2020 breitete sich das neuartige Coronavirus, SAS-CoV-2, global aus. In noch nie dagewesener Art und Weise legte es ganze Kontinente still. In einigen Ländern wurde der Bevölkerung verboten, das Haus zu verlassen, wenn es nicht lebensnotwendig war. Schulen wurden geschlossen, Grenzen dichtgemacht. TV-Sender und andere Medien berichteten rund um die Uhr von Ausnahmezuständen, überfüllten Krankenhäusern und zahlreichen Todesfällen.

Erneut wurden zügig Impfstoffe entwickelt. Und wie schon Jahrzehnte zuvor spaltete sich die Bevölkerung. Einigen sehnten sich den schützenden Pieks herbei, standen stundenlang Schlange und legten Arztpraxen durch zahlreiche Anrufe lahm. Andere sahen ihre körperliche Unversehrtheit und die persönliche Entscheidungsfreiheit durch die Impfung bedroht. Sie fürchteten Nebenwirkungen und Langzeitschäden.

Da der Ausbruch der Coronaviren sich schnell über der ganzen Welt verteilte, kam es zu enorm ansteigenden Virusvermehrungen und Variantenbildungen. So wurden die Varianten in Alpha, Delta, Omikron und Deltakron klassifiziert. Jeder dieser Varianten konnten den Impfschutz teilweise oder ganz umgehen, was zu einer steigenden Impfskepsis führte.

Anders als bei der Spanischen Grippe, welche sich in den 1920-er Jahren ausbreitete und weltweit zwischen 20 und 50 Millionen Menschenleben forderte, bestand bei Coronaviren ein großer Unterschied. Denn die Spanische Grippe raffte Menschen jeder Altersgruppe dahin und wurde erst durch Impfungen in 1940-er Jahren beherrschbar. Somit bestand eine lange Sehnsucht nach Impfstoffen auch bei jungen Menschen, was bei der Corona-Pandemie nicht der Fall war. Schnell wurde medial davon berichtet, dass junge Menschen weniger Risiken eines schweren Krankheitsverlauf tragen als ältere.

Dennoch müssen Gesellschaften, welche laut Verfassung das Individuum in den Mittelpunkt stellen, jeden Menschen schützen. Dies bedeutet, dass jeder Bürger eines Staates ein Anrecht auf ärztliche Behandlung und auf lebenserhaltende Maßnahmen hat. Da man die Ansteckungsrate des Coronavirus kannte, konnten Modellrechnungen aufzeigen, dass sich sehr viele Menschen innerhalb eines kurzen Zeitraumes anstecken und ärztliche Hilfe beanspruchen werden. Tod und Verderben durch Viren war nichts Neues. Die hohe Ansteckungsgefahr war allerdings neu. Und die Modellrechnungen prophezeiten eine Überlastung des Gesundheitswesens, was dazu führen würde, dass das Wohl des Einzelnen bzw. der Anspruch auf medizinische Versorgung nicht aufrecht erhalten werden könnte.

Um das Recht des Einzelnen zu schützen, wurden die Rechte aller Bürger stark eingeschränkt. Dies führte zu Schulschließungen, dem Schließen des öffentlichen Lebens und dem Tragen einer Maske im Alltag. Dies wiederum wurde untermauert mit Horrorszenarien, welche entweder bewusst oder unbewusst Angst erzeugten, wodurch alle Teile der Gesellschaft am gemeinsamen Gesundheitszustand interessiert sein sollten.

Neben Ärzten und Virologen, welche am Virus forschten und dessen Krankheitsverläufe skizierten, meldeten sich andere in der Öffentlichkeit zu Wort und beschrieben die Folgen einer Viruserkrankung weniger gefährlich bis harmlos. Staat und Gesellschaft befanden sich nun in einem Zwiespalt. Auf der einen Seite war ein Virus, dessen ungebremste Vermehrung zu einer Überlastung des Gesundheitssektors führen würde, wodurch das individuelle Recht auf Gesundheit verloren gehen würde. Dies wiederum hätte Folgen für das Sozialleben, das Arbeitsleben und wirtschaftliche Dasein jedes Einzelnen gehabt. Und andererseits bestand eine Gesellschaft darauf, dass ihre Freiheitsrechte nicht beschnitten werden dürfte.

Dieser innere Konflikt der ganzen Gesellschaft führte letztlich zu einer bürgerlichen Hysterie, in der Pro und Contra nicht mehr rational diskutiert werden konnten. Es gab lediglich Gegner und Befürworter der Coronamaßnahmen, welche nur noch emotional agierten. Die Befürworter aller Maßnahmen wurden durch Angst und Panik über neue Varianten angetrieben. Diese Angst ist nicht unbegründet. Aber dem gegenüber standen Maßnahmengegner, welche sich zu Recht nicht in ihrer Freiheit beschneiden lassen wollten.

Regierungen, welche den Sozialen Frieden der gesamten Gesellschaft in Gefahr sahen, verließen ebenfalls die rationale Ebene der Vernunft. Stattdessen wurde versucht, Maßnahmengegner mit Appellen der Moral zu überzeugen. Denn der moralisch Einwandfreie kann sich immer über den Unmoralischen erheben und dessen Argumente entwerten. Doch diese moralische Dominanz bzw. das Vorsagen, was richtig und was falsch ist- führte dazu, dass sich der Einzelne unterwürfig fühlen muss. Redewendungen von Politikern wie: „Wir müssen es dem einfachen Bürger besser erklären, damit er es versteht.“ – führten zu einem weiteren Zerwürfnis zwischen Volk und Volksvertretern. Während diese Zeit konnte man feststellen, dass die Coronapolitik widersprüchlich und von oben herab geführte wurde, was automatisch zum Widerstand von unten führen musste.

Als dann die Impfstoffe kamen, war die gesellschaftliche Hysterie vollständig entfacht. Die Impfung wurde zum Symbol der Freiheit für die eine Seite und das Ablehnen der Impfung zum Symbol des Widerstandes der anderen Seite. Auch dieser Gegensatz wurde öffentlich diskutiert und wieder wurde versucht, sich moralisch über Impfgegner zu stellen. Und erneut wurde von oben herab argumentiert. Noch hatten die Beteiligten nicht verstanden, dass es nicht um die Impfung an sich geht, sondern darum – dass sich niemand vorschreiben lassen möchte, wie er zu leben, zu denken oder zu fühlen hat.

Schließlich sollte eine Corona-Impfpflicht den Druck auf die Impfskeptiker erhöhen, wodurch die gesellschaftliche Hysterie einen neuen Höhepunkt erreichte.

Impfhysterie ein schwer zu greifendes Phänomen

Impfungen werden von Wissenschaftlern entwickelt und in Studien getestet. Zahlreiche Experten arbeiten weltweit rund um die Uhr an Sicherheit und Wirksamkeit von Impfstoffen. Trotzdem herrschen während Gesundheitskrisen häufig Impfhysterie und Verunsicherung.

Die Rolle der Medien ist hierbei sicherlich nicht unwichtig. In der heutigen Zeit ist gerade das Internet ein unerschöpfliches Quell von Wissen und Unwissen. Für den Laien ist es schwer bis unmöglich aus dem Informationsmeer gesicherte Daten herauszufiltern. Dazu kommt, dass auch Wissenschaft stetig dazulernt. Informationen von gestern können morgen bereits widerlegt sein. Wissenschaft lebt von Zweifeln.

Zeitungen und Internetportale greifen Neuigkeiten schnell auf und machen sie innerhalb weniger Stunden einer breiten Masse zugänglich. Dabei werden manche Nachrichten verkürzt, andere bewusst oder versehentlich nicht korrekt dargestellt.

In einer Zeit, die durch eine sich rasch verbreitende Krankheit und damit zusammenhängende Ängste sowie persönliche und / oder finanzielle Verluste geprägt ist, führen sich widersprechende Informationen, immer wieder revidierte medizinische und politische Ansichten und oftmals nicht nachvollziehbare politische Entscheidungen zu großer Verunsicherung und somit häufig auch zu nicht rational nachvollziehbarem Verhalten.


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