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Sigmund Freud: Biografie & Wirken (Fragen + Antworten)


Sigmund Freud Portrait auf einer österreichischen Banknote (1986)

Sigmund Freud Portrait auf einer österreichischen Banknote (1986)

Sigmund Freud gilt als Begründer der Psychoanalyse, einer Theorie und Therapieform – wonach sich menschliches Verhalten, Erleben und Handeln oft unbewusst abspielt. Die Ursache für psychische Erkrankungen sah Freud ebenfalls in unbewussten Konflikten, welche ins Bewusstsein zu drängen versuchen.

Auf Grundlage der Psychoanalyse gründete Sigmund Freud die Schule der Tiefenpsychologie, einer Strömung innerhalb der Psychologie, welche die Psychoanalyse und verschiedene andere Theorien einschließt.

Wer war Sigmund Freud

Sigmund Freud gilt als Begründer der Psychoanalyse. Er erforschte dazu die Seele des Menschen, die in aller Regel auch seine Patienten waren.

Der junge Sigmund Freud, aufgenommen im Jahr 1985, als Freud  als Psychiater am General Hospital in Wien tätig war

Der junge Sigmund Freud, aufgenommen im Jahr 1985, als Freud als Psychiater am General Hospital in Wien tätig war

Der Wiener Nervenarzt entwickelte zum 20. Jahrhundert hin unterschiedliche Denkmodelle. Ausgehend von seinem Kollegen und späteren Freund Josef Breuer, verschrieb auch er seinen Patienten eine Redekur im Rahmen der Therapiesitzungen. Beispielsweise konnten sich Menschen mit Angstzuständen ihre Probleme von der Seele reden. Die Redekur galt für jede Form seelischer Belastungen.

Zuvor entdeckte Sigmund Freud das Unbewusste im Menschen. Diese unbewusste Komponente ist verantwortlich für unser Handeln.

Wofür ist Sigmund Freud bekannt

Seit seinem Studienaufenthalt in Paris im Jahr 1885 befasste sich Freud intensiv mit den Teilen der menschlichen Psyche. An der Wende zum 20. Jahrhundert veröffentlichte er schließlich das grundlegende Werk mit dem Namen „Traumdeutung“. Dabei handelt es sich nach Freud um ein Instrument, mit dem sich das Unterbewusste für die Psychoanalyse erforschen lässt.

Traumdeutung

Sigmund Freuds Traumdeutung basiert auf einer Theorie. Dabei handelt es sich um den Zusammenhang zwischen persönlicher Lebenserfahrung und Lebensgeschichte und den daraus entstehenden Träumen. Durch die Traumdeutung sollte es möglich werden, verdrängte Konflikte ans Tageslicht zu bringen. Dem Patienten diese Konflikte bewusst machen: Darin bestand die therapeutische Methode.

Hintergrund der Arbeit: Im Traum kommen nach Freud Wünsche zum Vorschein, deren Erfüllung in der realen Welt nicht akzeptabel wären. Der Zensor im eigenen Kopf und der Zensor der Gesellschaft würden das verbieten. In Verbindung stehen die Wünsche häufig mit sexuellen Hintergründen und mit frühen Kindheitserlebnissen.

Weil sich aber Erregung störend auf den Schlaf auswirkt, „verschieben“ und „verdichten“ sich die Wünsche in ein verschleiertes Bild. Mit der psychoanalytischen Interpretation sollte es gelingen, den verborgenen inneren Zwiespalt aufzudecken.

Strukturmodell der Psyche

(siehe auch Hauptartikel: Psychoanalytische Trieblehre, Triebtheorie nach Freud: Bedeutung & Beispiele und Freuds Strukturmodell der Psychoanalyse: ES, ICH & ÜBERICH sowie Psychosexuelle Entwicklung nach Freud: Phasen & Bedeutung infantiler Sexualität)
Sigmund Freud entdeckte die Dreiteilung der menschlichen Psyche. Nach seiner Theorie besteht sie aus den Teilen:

Dabei weckt das Es die Triebe, während das Über-Ich für das Gewissen verantwortlich ist. Das Ich wägt zwischen dem Es und dem Über-Ich ab. Nach Freud hat ein Mensch ein gesundes Wesen, wenn zwischen den genannten psychischen Elementen ein Gleichgewicht besteht. Ist eine Ebene stärker ausgeprägt als die andere, kommt es zu einem Ungleichgewicht. Das kann psychische Störungen und in der Folge psychische Krankheiten verursachen.

Nach Freud führen die Teile Es, Über-Ich und Ich einen ständigen Kampf miteinander. Sie lenken das Handeln.

Die grundlegende Erkenntnisse zur Psychoanalyse verhalfen Freud zu einem Durchbruch. Bis in die 30er Jahre veröffentlichte der Wissenschaftler zahlreiche Werke, für die er auch Ehrungen bekam.

Obwohl viele seiner Theorien heute als widerlegt und umstritten gelten, wirken seine entwickelte Grundsätze in vielen Formen nach.

Wie wirkt Sigmund Freud heute noch nach

Viele von Sigmund Freuds Theorien sind umstritten. Das liegt an der fehlenden empirischen Nachweisbarkeit. Das heißt: Die Anzahl von Freuds Patienten waren überschaubar und konnten aus heutiger Sicht kein ausreichendes Datenmaterial hervorbringen.

Die moderne Theorienforschung benötigt eine breite Masse beziehungsweise einen großen Pool an Versuchspersonen. Darüber hinaus sollte die Zusammensetzung dieser Gruppe repräsentativ für den Rest der Bevölkerung sein. Psychologie basiert dabei vor allem auf statistischen Auswertungsverfahren der Ergebnisse von Tests. Dafür braucht die moderne Wissenschaft Instrumente, die es zu Zeiten Freuds noch gar nicht gab.

Aus diesem Grund sind viele seiner aufgestellten Theorien angreifbar. Was angreifbar ist, darf für sich keine in Stein gemeißelte Allgemeingültigkeit beanspruchen. An der Theorie über die sexuelle Verwurzelung der meisten Probleme wird am meisten gerüttelt.

Dennoch gilt auch einiges von Freund als bewiesen. Zum Beispiel stimmt seine Theorie über die Verdrängung. Bewiesen ist, dass der Mensch unangenehme und schmerzhafte Erfahrungen verdrängt. Er schiebt sie auf die Ebene des Unterbewussten. Grund: Der Schutzmechanismus schaltet sich ein, damit der Mensch seelisch überleben kann und nicht zerbricht. Eine bedrohliche oder verbotene Vorstellung hält der Schutzmechanismus vom Bewusstsein fern.

Nachwirkungen von Freuds Arbeit zeigen sich auf in Bezug auf die Dreiteilung der Psyche. Auch sie findet in der modernen Welt der Psychoanalytiker noch Anerkennung. Viele aber sind auf die Verhaltenstherapie fokussiert, um dem Patienten möglichst alltagsnah und schnell zu helfen.

Sigmund Freud Nachbildung auf Therapie Couch sitzend, ausgestellt im Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds in Berlin, Bildnachweis: Massimo Todaro / Shutterstock.com

Sigmund Freud Nachbildung auf Therapie Couch sitzend, ausgestellt im Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds in Berlin, Bildnachweis: Massimo Todaro / Shutterstock.com

Steckbrief zur Biografie Sigmund Freuds

DatumEreignis
06. Mai 1856Geburt in Freiberg, dem heutigen Pribor (heute Tschechien, damals ungarisch-österreichisches Kaiserreich)
1860Umzug der Familie nach Wien-Leopoldstadt
1873Abschluss am Leopoldstädter Realgymnasium (heutiges Sigmund Freud Gymnasium) mit Auszeichnung
Juli 1873 bis 1882Beginn des Studiums zur Humanmedizin an der Medizinischen Fakultät der Wiener Universität
1876Als Student: Erste Forschungsarbeit mit dem Titel: „Beobachtungen über Gestaltung und feineren Bau der als Hoden beschriebenen Lappenorgane des Aales“
ab 1876 bis 1882Als Student: Beginn der Forschungsarbeit im Brücke-Institut in Wien: Damit verbunden waren tiefere Einsichten in physiologischen Zusammenhängen. Dies bildet eine Grundlage für die wissenschaftliche Begründung der späteren Psychoanalyse.
ab 1877Freundschaft zu Josef Breuer, welcher (ab 1880) mit der Hysterie-Therapie von Anna O. den Grundstein für Freuds spätere Psychoanalyse als Therapieform und Theorie legte. Breuer wandte Hypnose an, um zum unbewussten Teil seiner Patienten durchzudringen. Freud übernahm später, bei Eröffnung seiner Praxis, diese Methode ebenfalls.
1879Einjähriger Militärdienst als Sanitäter.
1882Abschluss seines achtjährigen Studiums mit Promotion: Seine Dissertation trägt den Titel: „Über das Rückenmark niederer Fische“.
1882 – 1885Assistenzarzt im Wiener Universitätsklinikum
1885Habilitation, Privatdozent an der Universität Wien, Kokain-Affäre und Veröffentlichung seiner Arbeit mit dem Titel „Über Coca„
Oktober 1885 – Anfang 1886Eine Reise nach Paris und die Lehre bei Jean Martin Charcot am Hospital Salpêtrière sorgten für neue Erkenntnisse in der Hysterie-Forschung. Für Freud stand nun sein berufliches Ziel fest: Erforschung und Heilung der Psychosen und Neurosen.
April 1886Eröffnung der eigenen Privatpraxis
13. September 1886Nach vierjähriger Verlobungszeit folgt die Hochzeit mit Martha Bernays. Die Ehe sollte 53 Jahre bestehen bleiben.
Oktober 1886Sein Vortrag über männliche Hysterie stößt in Wien auf Ablehnung und Diskussionen, Als Folge geriet er ins wissenschaftliche Abseits, was finanzielle Folgen für seine Privatpraxis hatte, da Patienten ausblieben
bis 1890Freud behandelte seine überwiegend weiblichen Patienten mit Hypnose (Methode Breuers) und gelangte so in den unbewussten Teil der Psyche vor. Dies erwies sich nachteilig, da Frauen sich nicht hypnotisieren lassen wollten. Ab 1890 wählte er Gespräche und freie Assoziationen als Mittel, um in die unbewussten Strukturen vorzudringen.
1896Freud verwendete zum ersten Mal den Begriff Psychoanalyse. Zitat von Freud: „Psychoanalyse zur Bewußtmachung des bisher Unbewußten“
1896 bis 1898Selbstanalyse und Beginn der Traumdeutung: Fortan ist die Deutung des Traumes und dessen Symbole eine weitere Brücke zum Unbewussten.
November 1899Veröffentlichung des Werkes: „Die Traumdeutung“
1901Veröffentlichung des Werkes: „Zur Psychopathologie des Alltagslebens“. Dieses wurde zu einem seiner meistverkauftesten Werke. Es enthielt den berühmten „Freudsche Versprecher“.
Ab Oktober 1902Einberufung des Mittwoch-Kreises, bestehend aus – Ärzten, Neurologen und Psychiatern – welcher später zur Wiener Psychoanalytischen Vereinigung werden sollte. Der Mittwochkreis fand jeden Mittwochabend in Freuds Praxis statt. Dieser hatte das Ziel, sich auszutauschen, um die psychoanalytische Idee weiter voranzutreiben.
1905Veröffentlichung des Werkes: „Drei Abhandlungen zum Unbewußten“
1906Veröffentlichung des Werkes: „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten“
1907Erste Begegnung mit C.G. Jung, welcher 20 Jahre jünger war und welchen Freud als geistigen Erben ansieht.
1908Gründung der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung
1909Herausgabe des „ersten Jahrbuchs für psychoanalytische und psychotherapeutische Forschungen“
September 1909Verleihung der Ehrendoktorwürde an der Clark University in Massachusetts (USA)
1910Herausgabe des „Wiener Zentralblatt für Psychoanalyse“
1911Bruch mit Alfred Adler, einem Gründungsmitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, aufgrund von unüberwindbaren Widersprüchen in Freuds Triebtheorie.
1912 – 1913Zerwürfnis mit C. G. Jung, welchen Freud einst als Kronprinzen der Psychoanalyse ansah. Das Zerwürfnis bahnte sich lange an, da beide eine Lehrer-Schüler-Beziehung hatten, aus der sich Jung nun befreite. Beide unterschieden sich in ihrer Auffassung zur Triebtheorie. Der letzte Briefwechsel fand am 06.01.1913 statt.
1913Herausgabe „Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse“
1914Herausgabe „Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung“. In dieser Abhandlung verunglimpft Freud die Abtrünnigen Jung und Adler.
1914 – 1918Während des ersten Weltkrieges, schwanden Freuds Einnahmen aus der Privatpraxis. Auch die Treffen der Vereinigungen wurden reduziert. Die Verbreitung der Psychoanalyse geriet in Gefahr.
1918Beginn einer Lehranalyse mit Tochter Anna, welche bis 1922 andauern sollte. Behandelt wurden die inzestuösen Neigungen der Tochter gegenüber dem Vater. Später wird Anna Freud ebenfalls eine berühmte Psychoanalytikerin werden.
1919 – 1920Nach dem 1. Weltkrieg: Amerikaner und Briten suchten Freuds Praxis auf, um sich behandeln zu lassen. Ausländische Therapeuten ließen sich unterweisen. Da mit Dollar oder Pfund gezahlt wurde, war Freud zur Weltwirtschaftskrise (1929) kaum betroffen.
1920Veröffentlichung des Werkes: „Jenseits des Lustprinzips“ Hier geht Freud auf den Todestrieb und Wiederholungszwänge ein.
1921Veröffentlichung des Werkes: „Massenpsychologie und Ich-Analyse“
1922Tochter Anna Freud wird in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung aufgenommen. Sie soll sein geistiges Erbe sein.
1923Veröffentlichung des Werkes: „Das Ich und das Es.“
1923Krebsdiagnose und am 12. Oktober 1923 erster operativer Eingriff. Es werden bis zu seinem Lebensende weitere 50 Operationen folgen.
1925Herausgabe der Abhandlung: „Widerstände gegen die Psychoanalyse“
1927Herausgabe einer religionskritischen Schrift mit dem Titel: „Die Zukunft einer Illusion“
Ab 1928Zunehmend gesundheitliche Verschlechterung und Operationen
6. Juni 1938Flucht aus Österreich, nachdem es von Nazi-Deutschland annektiert wurde. Emigration nach London.
23. Septembers 1939Sigmund Freud erliegt seinem Krebsleiden

Weiterführende Artikel zu Freud

Sigmunds Freuds Familie

Sigmund Freuds beruflicher Werdegang

Sigmund Freud und die psychoanalytische Bewegung

Sigmund Freud: Zeitgenossen und Kollegen

Sigmund Freud: Fallbeispiele zur Psychoanalyse

Literatur

  • Georg Markus (Autor), Sigmund Freud: Der Mensch und Arzt. Seine Fälle und sein Leben. Die Biografie von Georg Markus, ISBN: 3784434797*
  • Sigmund Freud (Autor), Massenpsychologie und Ich-Analyse, ISBN: 3868200568*
  • Sigmund Freud (Autor), Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, ISBN: 3868200592*
  • Lothar Bayer (Herausgeber), Sigmund Freud (Autor), Das Ich und das Es, ISBN: 3150189543*
  • Sigmund Freud (Autor), Die Traumdeutung, ISBN: 3868200533*
  • Sigmund Freud (Autor), Zur Psychopathologie des Alltagslebens: Über Vergessen, Versprechen, Vergreifen, Aberglaube und Irrtum, ISBN: 3868206817*

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