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Woher kommt das Muskelzucken: Ursachen und Auslöser


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Unwillkürliche und nicht willentlich ausgeführte Muskelzuckungen werden auch als Faszikulation bezeichnet. Zu unterscheiden sind die benigne und die pathologische Faszikulation.

Was bedeutet das Muskelzucken

Die unbeabsichtigten und nicht bewusst ausgeführten Muskelzuckungen in kleinen Muskelfaserbündeln sind in der Regel harmlos. Sie tauchen spontan auf und verschwinden irgendwann wieder. Seltener weist Muskelzucken auf eine schwere Erkrankung hin. In diesem Fall handelt es sich um pathologisches Muskelzucken. Dieses wird meist von weiteren Symptomen begleitet und hat eine höhere Frequenz. Es ist daher gut zu erkennen.

Die meisten Menschen erleben hin und wieder einen zuckenden Muskel am Augenlid oder an anderer Stelle im Körper. Auch gelähmte Muskeln können von Muskelzucken betroffen sein. In diesem Fall sind periphere Nerven geschädigt. Ursache des Muskelzuckens sind ungewollte Kontraktionen und Spannungen in den sogenannten Faszikeln. Dabei handelt es sich um kleine Muskelbündel unter der Haut, die von einer akuten Impuls-Störung betroffen sind. Meist hört das Muskelzucken nach einer Weile von alleine wieder auf.

Als häufigster Ort des harmlosen Geschehens wird meist ein Augenlid, manchmal auch ein Muskelbündel in den Armen oder Beinen ausgemacht. Als Ursachen für harmloses und gutartiges (benignes) Muskelzucken werden meist Mangelzustände oder Überlastungen im Körper der Betroffenen festgestellt. Die benignen Ursachen für das Muskelzucken sind meist leicht behebbar.

Anders ist es aber beim pathologischen Muskelzucken. In diesem Fall liegen neurologische Schädigungen vor. Diese bedürfen einer medizinischen Abklärung. Geschädigte Nervenzellen sind beispielsweise bei der amyotrophen Lateralsklerose (ALS) zu beobachten. Bei ALS handelt es sich um eine degenerative und zum Tode führende Erkrankung des Nervensystems. Auch bei der Multiplen Sklerose erleben die Betroffenen zu Beginn der Erkrankung pathologische Muskelzuckungen durch Nervenschädigungen. Später leiden sie jedoch an Spastiken.

Das Muskelzucken als eine Zusammenspiel zwischen Muskelzelle und Nervensystem

Jede Zuckung kann als ungewollte Muskelkontraktion beschrieben werden. Und bei einer Muskelkontraktion erzeugt der Muskel eine Spannung, indem er sich zusammenzieht. Diese Spannung ist wiederum wichtig, um Muskelkraft im Muskel aufzubauen. Die Kontraktion eines Muskels erfolgt normalerweise willentlich und nicht unabsichtlich, wie die Muskelzuckung.

anatomie muskelzelle muskelfaser

Eine Muskelzelle besteht aus einer Muskelfibrille, welche wiederum Sarkomere tragen – in denen die Muskelkontraktion stattfindet


Also was passiert dabei?
Bei einer Muskelkontraktion und auch bei der Zuckung zieht sich die Muskelzelle zusammen. Deshalb besitzt eine Muskelzelle ein sogenannten Sarkomer mit zwei unterschiedlichen Filamenten. Und diese beiden Filamente stülpen sich bei jeder Kontraktion übereinander, wobei Energie für das Lösen freigesetzt wird.

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Sarkomer und beide Filamente


Gesteuert wird die Prozedur durch das Nervensystem, indem im Gehirn ein Plan für eine Bewegung oder Kraftanstrengung angelegt wird, ans Rückenmark übergeben wird und schließlich in den Muskelzellen umgesetzt wird. Die Übertragung eines solchen Nervensignals erfolgt durch eine elektrische Spannung.

periphere nervensystem

Nervenimpulse werden vom Gehirn, über das Rückenmark ins periphere Nervensystem geschickt. Die Peripherie (blau) erweitert das Zentralnervensystem (rot)


Zwischen den Nervenzellen werden Neurotransmitter ausgeschüttet, was eine Transformation des elektrischen Signals in chemische Botenstoffe darstellt. Aus elektrischer Energie wird demnach chemische Energie und umgekehrt. Da die Ausschüttung der Neurotransmitter in den interzellulären Raum geschieht, also zwischen zwei Nervenzellen erfolgt, bezeichnet man dieses Konstrukt als synaptischen Spalt.

neurotransmitter synapse

Botenstoffe werden in den Spalt geschüttet und durch Rezeptoren der Zielzelle wahrgenommen, welche daraufhin ein Programm auslösen


Die ausgeschütteten Botenstoffe bestehen aus Ionen, welche wiederum eine Ladung tragen. Treffen diese Ionen auf die Zellmembranen einer Zielzelle, können sie normalerweise nicht eindringen. Doch an den Zielzellen befinden sich Rezeptoren, welche den chemischen Stoff erkennen und interpretieren können. Die chemische Zusammensetzung löst im Rezeptor ein Programm aus, wodurch die Ionenkanäle mitunter geöffnet werden können.

ionenkanal funktionsweise

Der ionenkanal dient dazu ein Spannungsgefälle außerhalb und innerhalb einer Zelle auszugleichen, indem Ionen mit bestimmter Ladung hindurchgelangen


Stoffe, welche eine direkte Wirkung auf einen Rezeptor ausüben, werden als Liganden bezeichnet. Und Acetylcholin ist so ein Ligand, welcher an Muskelzellen die Ionenkanäle öffnet, so dass Natriumionen einströmen können. Die elektrische Ladung der Natriumteilchen bewirkt dann, dass sich ein Nervenimpuls in der Muskelzelle ausbreitet – welche als Muskelzuckung empfunden wird.

Acetylcholinrezeptor ach ausschüttung ionenkanal

Acetylcholinrezeptor wird vom Liganden Acetylcholin befähigt, Natrium in die Zielzelle eindringen zu lassen – was ein Aktionspotential (Impuls) auslöst

Der Unterschied zwischen Muskelzucken, Tics und Spastiken

Zusammenfassend werden solche motorischen Störungen in der Neurologie als Bewegungsstörung bezeichnet. Definiert sind diese durch den jeweiligen Auslöser und die Ausführung der willkürlichen und unwillkürlichen Muskelkontraktionen.

Muskelzucken wird als eine unwillkürliche Störung der Motorik angesehen. Der Betroffene hat keinen Einfluss auf sein zuckendes Augenlid oder seinen zuckenden Muskel im Oberarm. Er hat das Zucken des Muskels weder willentlich ausgelöst noch kann er es willentlich unterbinden. Als Ursache für Muskelzucken kommen verschiedene Faktoren infrage, die im nachfolgenden Textabschnitt erläutert werden.

Beim motorischen Tic kommt es ebenfalls zu plötzlichen und unwillkürlichen Muskelkontraktionen. Die Betroffenen fallen durch häufige Zuckungen an den Augen oder am Mund auf. Diese können sich bei innerer Erregung verstärken. Bei einem Tic geht es aber um eine Verhaltensauffälligkeit. Diese ist beim Tourette-Syndrom besonders ausgeprägt. Die auch als Marotte bezeichnete Verhaltensstörung dient keinem erkennbaren Zweck. Der Betroffene kann sie allerdings nicht kontrollieren. Zu unterscheiden sind primäre Tics von sekundären Tics.

Während die Muskelkontraktion beim primären Tic bisher nicht auf eine Ursache zurückgeführt werden kann, etablieren sich die sekundären Tics meist als Folge einer Erkrankung oder eines Medikamenten- bzw. Drogenmissbrauchs.

Als medikamentöse Auslöser von Muskelzuckungen sind

  • Acetylcholinesterase (Cholinesterase-Inhibitoren)
  • Lithium, ein Medikament gegen manische Depressionen und Psychosen
  • Benzodiazepine bzw. die Entzugserscheinungen dieser Medikamente
  • die Medikation bei Myasthenia gravis
  • Pseudoephedrin, ein Sympathomimetikum in Erkältungsmedikamenten
  • Salbutamol, ein Bronchospasmolytikum bei Asthma
  • und Methylphenidat, ein Medikament gegen ADHS

bekannt. Die Behandlung wird bei Verhaltensstörungen wie dem Tic mit Verhaltenstherapie, Entspannungsverfahren oder Stressreduktionsverfahren wie der „Mindfulness-Based Stress Reduction“ (MBSR) nach Jon Kabat-Zinn vorgenommen. Im zweiten Fall wird jedoch mit der Therapie der Grunderkrankung oder dem Enzug von auslösenden Medikamenten und Drogen begonnen.

Spastiken sind ebenfalls auf unwillkürliche Muskelkontraktionen zurückzuführen. Diese halten jedoch länger an. Sie führen meistens zu dauerhaften Muskel- und Sehnenverkürzungen, zu unnatürlichen Verdrehungen der Extremitäten und zu anhaltenden Verkrampfungen der Muskulatur. Diese können von den Betroffenen nicht willentlich gelöst werden. Ursache sind hier jedoch Schädel-Hirn-Traumata oder neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Meningitis oder Schlaganfälle.

Auch eine Cerebralparese, ein Hirntumor oder eine Querschnittlähmung können Spastiken auslösen. Zu unterscheiden ist die Hemispastik, die nur eine Körperhälfte betrifft, von der Paraspastik, die in beiden Armen oder Beinen stattfindet. Als Dritte im Bunde der bekannten Spastik-Formen wird die Tetraspastik genannt. Bei dieser kommt es zu unwillentlichen Muskelkontraktionen in beiden Armen und Beinen. Weder einen Tic noch eine Spastik würde ein Mediziner als Muskelzucken oder Faszikulation bezeichnen.

Mögliche Ursachen und Auslöser für Muskelzucken

Prinzipiell gibt das Gehirn eines Menschen den Befehl weiter, dass bestimmte Muskeln sich zusammenziehen oder entspannen sollen. Erfolgt dieser „Befehl“, werden elektrische Impulse über die Nervenbahnen an bestimmte Muskelzellen gesendet. Diese reagieren anweisungsgemäß mit Anspannung. Voraussetzung für diesen Prozess sind aber eine gute Nährstoffversorgung und eine ausreichende Trinkwasserzufuhr, damit das Blut genügend Fließkraft und Aufnahmefähigkeit erhält.

In diesem Fall kann das Blut die im Blutkreislauf mitgeführten Mineralstoffe schnell und vollständig an die Stellen transportieren, wo sie benötigt werden. Bei zu stark eingedicktem Blut verringert sich die Fließgeschwindigkeit des Blutes. Es kann nicht mehr durch die feinsten Blutgefäße und Muskelfasern geschleust werden. Damit entfällt dort die Mineralstoffversorgung oder sie wird zeitweise dezimiert.

Ohne ausreichend angelieferte Mineralstoffe wie Natrium und Kalium, Magnesium und Kalzium können die benötigten Nervensignale nicht an die zuständigen Muskelgruppen weitergegeben werden. Das Körperwasser ist das Medium, in dem sich die mit dem Blut transportierten und in ihm gelösten Mineralstoffe in Elektrolyte verwandeln. Im menschlichen Organismus erfüllen Elektrolyte eine wichtige Funktion.

Elektrolyte sind elementar wichtig für den Wasserhaushalt. Dieser wiederum ist wichtig für die Mineralstoffversorgung der Muskulatur. Die Funktionstüchtigkeit der großen Muskelpakete ebenso wie die der feinen Muskelfasern- und -bündel wird also durch bestimmte Bedingungen beeinträchtigt oder begünstigt. Dadurch entsteht eine fehlerhafte oder eine zeitweise unterbrochene Weiterleitung der Impulse.

Zu den wichtigsten Ursachen für benignes Muskelzucken gehören

  • Elektrolytstörungen durch akuten oder chronischen Mineralstoffmangel
  • eine unzureichende Flüssigkeitsversorgung mit Mineralwasser
  • zu hoher Flüssigkeitsverlust, z. B. bei Durchfallerkrankungen
  • eine nährstoffarme Ernährungsweise sowie einseitige Ernährung mit Fast Food
  • radikale Diäten, Bulimie oder Magersucht
  • chronischer Bewegungsmangel, zum Beispiel wegen Übergewicht
  • zusammengezogene Gefäße durch Unterkühlung und Kälte
  • erschlaffende Gefäße und Muskeln durch einen Hitzschlag
  • zusammengezogene Gefäße bei Stress
  • der Zustand der Unterzuckerung bei Diabetes
  • sowie Drogenmissbrauch oder stark koffeinhaltige Energy-Dinks.

Zu Elektrolytstörungen oder einem akuten Mineralstoffmangel kann es auch durch exzessives Körpertraining, durch starkes Schwitzen und mangelnde Mineralwasserzufuhr im heißen Sommer oder durch chronische Ernährungsmängel – zum Beispiel bei Magersucht, Zöliakie oder einem Fast-Food-Junkie – kommen. Eine mangelhafte Versorgung mit lebenswichtigen Mineralstoffen wie Magnesium und Kalzium bringt den Mineralienhaushalt ins Ungleichgewicht. Daraus resultieren Störungen bei der Muskelaktivität.

Die feinen Muskelbündel sind oft als erstes vom Mineralstoffmangel und vom Flüssigkeitsdefizit betroffen. Ein Zucken am Auge, ein zuckender Muskel im Bein oder ein unwillentliches Muskelzucken im Oberarm sind die Folge. Im Anschluss kann es zu Zehen– oder Wadenkrämpfen kommen. Spätestens dann ist eine dringliche Magnesiumzufuhr essenziell. Zugleich sollte Kalzium im richtigen Verhältnis zu seinem mineralischen Gegenspieler Magnesium zugeführt werden. Vor allem Sportler sollten ihren Elektrolyt-Haushalt im Auge behalten.

Eine zu geringe Trinkwasserzufuhr oder eine vermehrte Ausscheidung von Flüssigkeit führen relativ schnell zur Dehydration. Durch eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr oder die Einnahme von Entwässerungstabletten wird das Blut zunehmend dickflüssiger. Das beeinflusst unter anderem die schnelle Nährstoffversorgung der Muskulatur. Es begünstigt aber auch die Bildung von Blutgerinnseln oder sorgt für verminderte Gedächtnisleistungen.

Anhaltender Bewegungsmangel – beispielsweise bei Übergewicht oder durch stundenlange Bürotätigkeit am PC – führt mittelfristig zu einem niedrigen Blutdruck. Es kommt in der Folge zu einer unbemerkten Minderversorgung der Muskulatur mit Nährstoffen. Die dadurch ausbleibenden oder fehlerhaften Impulsübertragungen können dann zum Muskelzucken führen. Betroffen sind zunächst nur kleine Muskelbündel. Diese Muskelfaserbündel wären in einer imaginierten Prioritätenliste des Körpers über Prioritäten bei der Nährstoffversorgung eher am Listenende zu finden. Lebenswichtige Strukturen werden im Organismus immer zuerst versorgt.

Durch Unterkühlung und Kälteeinwirkungen ziehen sich die Blutgefäße zusammen. Das verringert die schnelle Weiterleitung der Nährstoffe in die Muskulatur. Der Mangel an Mineralstoffen und Elektrolyten kann schließlich Muskelzucken auslösen. Bei Einwirkungen von großer Hitze, insbesondere beim Hitzschlag, erschlaffen neben den Muskeln auch die Blutgefäße. Dadurch können die Muskeln nicht mehr ausreichend mit mineralischen Nährstoffen versorgt werden.

Zu fehlerhaften oder unvollständigen Signalweiterleitungen kann es auch unter andauerndem oder akutem Stress kommen. Dafür sorgen akute Überlastungen von Teilen des Gehirns. Zudem reagieren auch andere Instanzen im Organismus auf den erhöhten Stresspegel. Eine ganze Kaskade von Hormonausschüttungen und Botenstoff-Impulsen ist die Folge. Erschöpfungs- und stressbedingtes Muskelzucken wird nur durch ausreichen viel Ruhe, Entspannung und Schlaf unterbunden.

Drogen und Energy-Drinks mit hohem Koffein-Gehalt sind Stimulanzien, die eine aufputschende Wirkung haben. Sie sorgen damit für impulsbedingte Kurzschlüsse in der Muskulatur. Zudem kann ein hoher Zuckergehalt für einen erheblichen Mehrverbrauch an Mineralstoffen führen. Der Wasserhaushalt kann schon durch das häufige Trinken von Cola-Getränken aus der Balance geraten. Der Tagesbedarf an Trinkwasser ist nicht mit dem Wassergehalt von Cola, Kaffee oder Grün- oder Schwarztee oder Bier zu decken.

Der Organismus muss nach dem Genuss solcher Getränke erst alle störenden Zusatzstoffe entfernen, um vom Wassergehalt derselben zu profitieren. Zudem entwässern einige der genannten Getränke den Organismus. Der tägliche Bedarf an Trinkwasser liegt bei anderthalb bis drei Litern Wasser täglich. Jedes entwässernde Getränk müsste mit einem Glas Wasser ausgeglichen werden. Oft geschieht das aber nicht.

Weitere Ursachen für unwillkürlich und willentlich nicht zu stoppendes Muskelzucken sind akute und chronische Unterzuckerung, Belastungen der Muskeln und Blutgefäße durch starkes Übergewicht oder eine schlechte Körperhaltung, die bestimmte Nerven einengt.

Muskelzuckung als kurze Muskelkontraktion

Eine Muskelkontraktion wird meist als willentlich vorgenommene Anspannung bestimmter Muskelgruppen durch den Menschen beschrieben. Beim Muskelzucken ziehen sich jedoch kleinere und kleinste Muskelfaserbündel unter der Haut zusammen. Das geschieht ohne den willentlichen Einfluss des Menschen. Ein Beispiel dafür ist das zuckende Augenlid. Am Muskelzucken können unterschiedliche physiologische Vorgänge beteiligt sein.

Erschlaffende, erweiterte oder verengte Blutgefäße transportieren Nährstoffe weniger schnell zu den Muskelzellen. Zum Muskelzucken können außerdem mangelnde Mineralstoffversorgung, Elektrolyt- und Flüssigkeitsdefizite im Blut, fehlerhafte Impulsweiterleitungen oder Signalunterbrechungen im Gehirn beitragen. Damit sind unterschiedliche physiologische Impulsreaktionen verbunden. Diese gehen entweder von den Nervenbahnen oder dem Gehirn aus.

Am Ende betreffen die so verursachten Impulsstörungen aber die Funktion der Muskelfasern. Wenn sich das Muskelzucken durch willkürliche Bewegungen verstärken lässt oder dadurch aktiviert wird, sprechen Fachleute von einem Aktionsmyoklonus. Werden äußerliche Impulse wie Druck durch Berührung, Zusammenzucken bei einem hohen Geräuschpegel oder durch Lichteinwirkungen als Auslöser von Muskelzuckungen identifiziert, handelt es sich um einen Reflexmyoklonus.

Muskelzuckungen durch Mineralstoffmangel

Eine der häufigsten Ursachen für Muskelzucken dürften Elektrolyt- und Mineralstoffdefizite sein. Insbesondere Magnesiumdefizite spielen hier eine Rolle. Der Grund für den Magnesiummangel liegt bei vielen Menschen im bevorzugten Genuss von entwerteten Nahrungsmitteln aus industrieller Fertigung. Die so entstehenden Mineral– und Vitalstoffmängel werden durch eine unzureichende Trinkwasserversorgung noch gesteigert.

Die vermeintlich ausreichende Flüssigkeitszufuhr vieler Menschen umfasst zwar ausreichend viele Getränke. Diese erweisen sich jedoch als ungeeignet. Ihr Wassergehalt kommt dem Organismus kaum zugute, weil viele andere Stoffe enthalten sind. Diese haben keinen Nutzen für den Organismus. Sie müssen zunächst eliminiert werden. Oft wird der bereinigte Rest schon ausgeschieden, bevor er vollständig genutzt werden kann. Alternativ wird der Organismus durch die zugeführten Getränke entwässert statt hydriert. Die tägliche Trinkmenge vieler Menschen beinhaltet meist zu wenig Mineralwasser. Trinkwasser ist für den Organismus jedoch lebensnotwendig.

Ein Mangel an Elektrolyten im Blut hat unmittelbare Auswirkungen auf die Muskulatur. Zu einem Mangel an Elektrolyten kommt es durch eine anhaltend mineralstoffarme Ernährung – beispielsweise durch einseitige Ernährungsgewohnheiten und Fast Food, radikale Diäten oder Magersucht. Auch eine unerkannte Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) mit nachfolgender Schädigung der Darmschleimhaut kann solche Folgen haben. Mangelnder Trinkwasserkonsum und eine gesteigerte Flüssigkeitsausscheidungen durch sportliche Betätigung oder klimabedingte Hitzewellen können ebenfalls zu Mineralstoffdefiziten führen.

Die Muskelfaszikel werden an bestimmten Stellen nicht mehr ausreichend mit den benötigten Nährstoffen versorgt. Zu einer Minderversorgung mit Magnesium, Kalzium, Kalium und anderen Mineralstoffen kann es aber auch durch

  • große Hitze und entsprechenden Flüssigkeitsverlust
  • Diabetes und erhöhte Blutzuckerwerte
  • bestimmte Medikamente und Drogen
  • oder durch Dauerstress mit erhöhtem Verbrauch von Mineralstoffen kommen.

Auch durch starkes Schwitzen, die Einnahme von Entwässerungstabletten oder eine Blasenreizung gehen mehr Mineralstoffe verloren. Die Folge sind Reizungen an den Nerven, die zu den Faszikeln führen. Kleine Muskelfaserbündel, die eine Minderversorgung mit Mineralstoffen registrieren, reagieren daraufhin mit Zuckungen.

Muskelzuckungen beim Einschlafen

Wenn es im Schlafzustand zur Faszikulation kommt, ist das normal. Der Schlaf umfasst mehrere Schlafzyklen. Von diesen ist die sogenannte REM-Phase diejenige, die die Tiefschlafphase mit den Traum-Sequenzen kennzeichnet. Die Non-REM-Schlafphase beim Einschlafen sorgt für eine abnehmende Muskelspannung. Der Organismus fährt seine Prozesse in den Schongang und in den Regenerationsmodus zurück. Teile des Gehirns werden vorübergehend in den Ruhezustand geschickt. Sie sollen sich erholen.

Es kann aber sein, dass die für Bewegungen zuständigen Gehirnareale noch nicht im Ruhemodus angekommen sind. Dadurch wird die entspannte Muskulatur leicht von Faszikulationen heimgesucht. Ob man das nächtliche Muskelzucken überhaupt bemerkt, ist unterschiedlich.

Krankhaftes Muskelzucken

Krankhaftes Muskelzucken wird als pathologische Faszikulation bezeichnet. In diesem Fall handelt es sich nicht um harmlose Impulsfehlsteuerungen. Als Ursache der Muskelkontraktionen wird eine Erkrankung diagnostiziert. Verdächtig ist immer, wenn es zu anhaltendem und ungewöhnlich starkem Muskelzucken kommt. Wenn dieses Phänomen nicht als nervöser Tic diagnostiziert wird, steckt womöglich eine schwere Erkrankung dahinter. Zudem erstreckt sich das pathologische Muskelzucken auch auf andere Körperbereiche.

Daher sollten Menschen, die von anhaltenden Muskelkontraktionen betroffen sind, zum Arzt gehen. Schmerzhaft sind solche Muskelzuckungen meist nicht. Sie sind eher störend und irritierend. Starke Muskelzuckungen können ein Hinweis auf eine der folgenden Erkrankungen sein:

  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (Rinderwahn)
  • Diabetes mellitus
  • Durchblutungsstörungen
  • Epilepsie
  • Gehirnblutungen
  • Gehirnentzündung (Enzephalitis und Japanische Enzephalitis)
  • Morbus Wilson
  • Multiple Sklerose (MS)
  • Myelitis (Rückenmarks- und Knochenmarksentzündung)
  • Nervenreizungen durch orthopädische Probleme
  • Poliomyelitis (Kinderlähmung)
  • Polyneuropathie, z. B. durch Diabetes-bedingte Nervenschäden
  • Parkinson-Syndrom
  • Progressive Multifokale Leukenzephalopathie (PML)
  • Restless-Legs-Syndrom
  • Spinale Muskelatrophie
  • Tollwut
  • Tourette-Syndrom
  • oder für Virus– oder bakterielle Infektionen.

Fast alle eben genannten Erkrankungen sind schwere Erkrankungen. Viele führen ohne eine Behandlung zum Tode oder zu schwerer Behinderung. Der Schweregrad kann jedoch ebenso individuell und unterschiedlich sein wie der Verlauf. Je früher ein Betroffener mit Muskelzucken an eher ungewöhnlichen Stellen im Körper zum Arzt geht, desto eher kann differentialdiagnostisch eine Ursache für die zuckenden Muskeln ermittelt werden. Eine zeitnahe Behandlung kann lebensverlängernd und beschwerdemindernd wirken.


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