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Was bedeutet agnostisch: Bedeutung, Synonyme, Beispiele


Agnostisch bedeutet, dass bestimmte Phänomene oder Instanzen (z.B. Gott) durchaus vorhanden sein können, aber nicht erklärbar oder nachweisbar sind. Diese Haltung schließt weder etwas ein noch etwas aus. Vertreter des Agnostizismus werden Agnostiker genannt. Diese können durchaus Atheisten sein, welche nicht an Gott glauben. Denn Agnostiker würden niemals behaupten, dass Gott nicht existiert. Stattdessen ist für Agnostiker die Existenz eines Gottes lediglich nicht nachweisbar.

Woher stammt agnostisch: Wortherkunft und Ursprung

Das Wort „agnostisch“ ist das Adjektiv zu „Agnostizismus“, welches auf dem englischen „agnosticism“ beruht. „Agnosticism“ wiederum ist der altgriechischen Sprache entnommen, wo „agnoein“ „nicht erkennen“ bedeutet, oder auch „nicht wissen“. Bekannt wurde es vor allem durch den Briten Thomas Henry Huxley (den Großvater des Schriftstellers Aldous Huxley), der neben anderen Fachgebieten auch als Biologe tätig war und in dieser Eigenschaft wie Charles Darwin, zu dessen Lager er gehörte, eine Forschungsreise per Schiff unternahm. Dort führte er Tagebuch und schrieb Essays, die auch drei Artikel über „Agnosticism“ aus dem Jahr 1889 beinhalten.

Aus ihnen geht hervor, dass der Begriff zu zu diesem Zeitpunkt bereits Gegenstand intensiver innerkirchlicher Diskussionen war, und in der Folge steht die Verwendung von „Agnostizismus“ immer auch im Kontext mit elementaren Fragen des Christentums, besonders solchen über Gottesglauben und Atheismus.

Auch wenn gerade in Fragen des Glaubens viel Kritik am Agnostizismus geübt und er gern fälschlich mit Atheismus gleichgesetzt wurde, verstand Huxley ihn auch als wissenschaftliche Sichtweise, die eigentlich imstande sein sollte, den Diskurs zwischen Gottesglauben und Atheismus zu entschärfen. Denn er vertritt nicht einen der Standpunkte, ob es einen Gott gibt oder nicht. Vielmehr besagt er nur, dass die Existenz Gottes nicht beweisbar ist, ganz gleich, ob man an ihn glaubt oder nicht. Hier ist bereits angedeutet, dass eine Zuordnung des Agnostizismus allein zur Theologie nicht ausreicht.

Agnostizismus und Philosophie

Bereits im fünften vorchristlichen Jahrhundert äußerte der griechische Sophist und Redner Protagoras in einem uns nicht erhaltenen Text, dass er über die Götter weder sagen könne, ob sie existierten oder nicht. Hier wird keineswegs nur ein theologischer Standpunkt vertreten. Vielmehr steht die Aussage für eines der Hauptanliegen der Philosophie überhaupt, nämlich die Frage nach der Möglichkeit von Erkenntnis.

Der Begriff des Agnostizismus wird in der Regel zwar nicht explizit verwendet. Jedoch knüpft hier die Fragestellung der Erkenntnistheorie an:

  • Kann der Mensch mit seinem beschränkten Sinnesapparat die Wirklichkeit überhaupt erfassen, und wenn ja, wie viel davon?
  • Ist es möglich, Schlussfolgerungen zu ziehen und eindeutige Urteile zu treffen, und gibt es Voraussetzungen, die losgelöst von der Sinnenwelt bestimmte Aussagen „a priori“, also von vorneherein, ermöglichen?

Solche Betrachtungen kann man durchaus als agnostisch bezeichnen, und sie finden einen prominenten Niederschlag vor allem bei Immanuel Kant, wenn er vom „Ding an sich“ spricht.

Auch wenn in Kants Werk die Ausführungen hierzu untereinander nicht stimmig und zudem hoch komplex sind, lässt sich sehr vereinfacht sagen, dass das „Ding an Sich“ einen Bereich außerhalb der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit darstellt, beziehungsweise den Restzweifel beschreibt, der hinsichtlich der Wahrnehmung von Wirklichkeit bestehen bleibt. Das „Ding an sich“ wurde nach Kant insbesondere durch die Philosophie des direkt folgenden deutschen Idealismus weiter intensiv diskutiert und auch von Vertretern späterer Strömungen in anderer Form hinterfragt.

Der Begriff „agnostisch“ ist in der jüngeren Zeit in zwei weiteren Bereichen aufgegriffen worden, wobei allerdings eine leichte Bedeutungsverschiebung stattgefunden hat. Der Fokus liegt nicht mehr auf der Unmöglichkeit von Erkenntnis über bestimmte Gegenstände. Vielmehr ist diese Kenntnis irrelevant geworden. Das Problem des Nichtwissens wird umgangen und spielt keine Rolle mehr.

Agnostische Informationstechnik (IT)

In der IT bedeutet „agnostisch“ demzufolge, dass ein Bestandteil eines informationstechnischen Systems nicht wissen muss, wie die anderen Bestandteile beschaffen sind, mit denen er zusammenwirkt.

Agnostische Software beispielsweise ist so umfassend konzipiert, dass sie auf einer beliebigen Plattform (Betriebssystem und Hardware) zur Anwendung kommen kann (plattformagnostische Software).

Weitere Software dieser Art ist möglich, zum Beispiel für verschiedene Arten von Geräten (Computer, Smartphones und andere, also geräteagnostisch), genauso existieren protokollunabhängige Programme (protokollagnostische Software) oder solche, die das Zusammenspiel mit beliebiger anderer Software ermöglichen.

Agnostische Medizin

Auch in der Medizin wurden agnostische Ansätze entwickelt, und zwar speziell in der Onkologie, namentlich der Krebstherapie. Der tumoragnostischen Krebstherapie liegt zugrunde, dass die Art des Tumors ebenso wenig eine Rolle spielt wie die Frage, welches Organ zuerst betroffen war.

Die Therapie ist insofern spezifisch, als sie im jeweils zu behandelnden Tumor nach sogenannten Biomarkern Ausschau hält. Bei diesen handelt es sich um molekulargenetische Veränderungen, welche die Möglichkeit einer Behandlung mit eigens entwickelten tumoragnostischen Medikamenten signalisieren. Ein Ziel hierbei ist auch die Weiterentwicklung und Zulassung solcher Medikamente.

Im Mittelpunkt des Interesses steht jedenfalls der Tumor nicht als Bestandteil einer Krebserkrankung, sondern seine individuellen Eigenschaften, deren Verständnis eine tumoragnostische Behandlungsoption eröffnen kann.

Agnosie und agnostisch

Agnosie“ ist ebenfalls ein medizinischer Begriff und ähnelt aufgrund der selben Wortherkunft für „Nichterkennen“ dem Wort „Agnostizismus“. Er steht für eine Reihe von neurologisch bedingten Wahrnehmungsstörungen.

Im Jahr 1891 wurde er von Sigmund Freud als Alternativbezeichnung für die bis dahin gängige „Asymbolie“ vorgeschlagen. Freud, der sich zu gerade mit der Aphasie (aus dem Griechischen für „Sprachlosigkeit“) befasste, bezog in diesem Zusammenhang Agnosie auf Störungen im visuellen Bereich und damit einhergehend die Schwierigkeit, Gegenstände zu benennen.

Mittlerweile unterscheidet man unterschiedliche Arten von Agnosie, etwa auch beim Tasten oder Riechen. Die bekannteste Form von Agnosie ist die Prosopagnosie, die Unfähigkeit, Gesichter zu erkennen und sie voneinander zu unterscheiden. Unter ihr leidet beispielsweise der Schauspieler Brad Pitt.

Nebenbei bemerkt hat das eben genannte Wort „Aphasie“ wiederum Eingang in den philosophischen Sprachgebrauch gefunden, wo in enger Verzahnung mit dem Agnostizismus gemeint ist, dass man sich des Urteils über eine Sache enthält, wenn über diese keine genaue Aussage getroffen werden kann.

Gnosis und Gnostizismus

Die Gnosis und der Gnostizismus haben mit dem Agnostizismus nichts zu tun und sind aufgrund des fehlenden privativen (verneinenden) Buchstabens A auch nicht einfach dessen Gegenteil, auch wenn ihnen ebenfalls das selbe griechische Ursprungswort (unverneint: „erkennen“) zugrunde liegt. Die unterschiedliche Begriffsgeschichte von Gnosis und Gnostizismus ist zwar geklärt, die Verwendung aber ist uneinheitlich, und die Ausdrücke werden auch unterschiedslos als Synonyme gebraucht.

Grob lässt sich sagen, dass die Gnosis eine religionsübergreifende intellektuelle Strömung des zweiten und dritten nachchristlichen Jahrhunderts ist und bis heute nachwirkt, während „Gnostizismus“ als Wortschöpfung des englischen Philosophen Henry More im 17. Jahrhundert ursprünglich als Sammelbegriff für christliche Häresien diente, der später zur religionsphilosophischen Einordnung bestimmter geistiger Strömungen herangezogen wurde.


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