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Was wächst im Laubwald, wie sieht ein Laubwald aus: Merkmale und Prozesse


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Laubwälder sind die ursprünglichen Wälder in Mitteleuropa und Westeuropa. In den Tropen und Subtropen sind Regenwälder die vorrangige Vegetation, deren Bäume ebenfalls Blätter tragen und zu den Laubbäumen gehören. Um das Ökosystem eines Waldes und deren Bewohner besser zu verstehen, teilt man den Wald in verschiedene Schichten auf. Jede Schicht beherbergt verschiedene Lebewesen, welche ihre Etage als Unterschlupf und zur Versorgung nutzen.

Wie sieht ein Laubwald aus

stockwerke schichten im lebensraum wald

Stockwerke und Schichten im Wald


Ein Laubwald besteht aus verschiedenen Stockwerken. Jedes Stockwerk reicht bis zu einer bestimmten Höhe, bevor es von einer anderen Etage abgelöst wird. In jeder dieser Etagen wachsen verschiedene Pflanzenarten und bieten Nahrung für verschiedene Tierarten.

Wurzelschicht

laubwald wurzelschicht

Die meisten Pflanzen wachsen auf dem Erdboden. Ihre unterirdischen Teile, die Wurzeln, befinden sich in der Erde, weswegen dieser Teil des Waldes als Wurzelschicht bezeichnet wird. Neben dem Wurzelwerk der Pflanzen ist der Erdboden auch durchzogen mit Pilzen.

Pilze wachsen doch oberirdisch, oder? Nein. Denn der größte Teil eines Pilzes wächst unter der Erdoberfläche, also unterirdisch. Pilze haben sehr feine haarähnlichen Ausläufer. Diese werden Hyphen genannt und reichen tief ins Erdreich hinein. Das was man oberhalb vom Pilz sieht und was von Pilzliebhaber so gern verspeist wird, ist nur der Fruchtkörper. Der weitaus größere Teil des Pilzes ist unterhalb der Erdoberfläche und bildet mit den Wurzeln der Bäume ein Netzwerk.

Nun muss man wissen, dass Pilze keine Pflanzen sind. Denn sie ernähren sich nicht wie Pflanzen von Nährsalzen, welche der Boden liefert. Stattdessen ernähren sie sich von Pflanzenzucker, also einem Produkt, welches Pflanzen herstellen und welches beispielsweise im Obst enthalten ist. Pilze sind demnach, wie die meisten Tiere auch, Pflanzenfresser. Und den Pflanzenzucker, welchen der Pilz braucht, wird von der Pflanze während ihres Energiestoffwechsels hergestellt. Bei dem Energiestoffwechsel der Pflanzen, welcher als Photosynthese bezeichnet wird, baut die Pflanze anorganische Stoffe, also Wasser, Nährstoffe und Kohlendioxid in eigene organische Stoffe um. Dadurch wird Energie freigesetzt, welches die Pflanze für ihr Wachstum, ihre Entwicklung und Fortpflanzung benötigt. Damit der Energiestoffwechsel vollzogen werden kann, benötigt sie außerdem Sonnenlicht.

Nun wachsen im Laubwald sehr viele Pflanzen. Und deshalb gibt es einen Konkurrenzkampf unter ihnen. Wie bei jeder Form von Konkurrenz geht es um Ressourcen, welche nur knapp vorhanden sind und welche die Pflanzen für ihren Energiestoffwechsel benötigen. Im Wurzelwerk findet der Konkurrenzkampf um Nährstoffe statt. Und nun kommen die Pilze ins Spiel. Denn die haarähnlichen Hyphen der Pilze können den Erdboden feinmaschig durchdringen, wodurch diese an sämtliche Nährstoffe gelangen – welche das gröbere Wurzelwerk nicht erreichen würde.

So besorgen die Pilze den Bäumen bestimmte Nährstoffe. Und durch eine Verbindung zwischen Hyphe und Baumwurzel findet unterirdisch der Austausch der Nährstoffe statt. Da sich Pilze von Pflanzenzucker ernähren, liefern die Bäume im Gegenzug den Zucker an den Pilz. Somit existiert in der Wurzelschicht eine Gemeinschaft zwischen Pilz und Baum, von der beide profitieren. In der Biologie bezeichnet man dies als Symbiose.

Bodenschicht

laubwald bodenschicht

Zu dieser Schicht gehören die Lebewesen, die direkt am Boden wachsen, also der Fruchtkörper der Pilze (z. B. Steinpilze, Morcheln, Herbsttrompeten, Champignons, Pfifferlinge, Röhrlinge, Täublinge, Moose, aber auch giftige Pilze wie Fliegenpilze), Flechten (z. B. Fadenflechten, Krustenflechten, Laubflechten, Strauchflechten, Nabelflechten oder Bartflechten) und kürzere Halme verschiedener neu wachsender Pflanzen.

Die Bodenschicht ist durchsetzt mit Bakterien und anderen Kleinstlebewesen, wie den Bodentieren – zu denen auch Käfer, Larven und andere Insekten gehören. Die kleinsten Bodentiere und auch Mikroorganismen, wie die Bakterien, ernähren sich von sogenannter Biomasse. Dies sind alle toten Pflanzen, Tiere oder abgestorbenen Pflanzenteile in einem Laubwald. Fällt ein Blatt, ein Zweig oder eine Frucht – wie eine Eichel oder Kastanie zu Boden, beginnt die Zersetzung durch die kleinen Lebewesen, welche als Destruenten bezeichnet werden. Dabei werden die organischen Stoffe der Pflanze wieder in ihre anorganischen Ausgangsstoffe (Nährstoffe) zerlegt.

Tiere, wie Regenwürmer oder Maulwürfe, welche im Laubwald zu finden sind, beginnen den Boden umzugraben. In der Ökologie nennt man dies Bioturbation. Dadurch werden die Nährstoffe im Boden verteilt und stehen der Wurzelschicht zur Verfügung.

Der Konkurrenzkampf zwischen den Pflanzen der Bodenschicht spielt sich zum Teil oberirdisch und zum Teil unterirdisch ab. Unter der Erdoberfläche sind die begehrte Ressourcen weiterhin die Nährstoffe und auch Wasser, welches ebenfalls einer Knappheit unterliegt. Das Wasser wird von Laubbäumen dazu genutzt, um die Nährstoffe innerhalb der ganzen Pflanze zu verteilen. Denn Wasser ist ein Lösungsmittel, welches nahezu jeden Stoff auflösen kann. Die Nährsalze werden somit aufgelöst und durch die Wasserleitungsbahnen der Pflanze zu jedem Organ befördert, welches die Nährstoffe benötigt.

Die Pflanzen der Bodenschicht konkurrieren allerdings auch um Sonnenlicht, welche sie für ihren Energiestoffwechsel dringend benötigen. Und in jeder höhere gelegenen Schicht geht der Kampf ums Sonnenlicht weiter.

Krautschicht

farne

Farne als Pflanzen der Krautschicht im Laubwald

Die nächste Schicht erstreckt sich bis in die Höhe von maximal 1 bis 1,5 Meter. Zu dieser Schicht gehören Pflanzen, wie größere Blumen, Gräser und Kräuter, Farne und andere Typen, aber auch jüngere Sträucher und Bäume. Typische Beispiele für ausgewachsene Pflanzen in dieser Schicht sind das Maiglöckchen, die Nelke, die Osterglocke, das Veilchen, das Vergissmeinnicht, das Stiefmütterchen, die Margerite, der Löwenzahn, der Salbei, die Gemeine Akelei, die Brennnessel, der Wald-Ehrenpreis, die verschiedenen Typen der Enziane und Nelken, der Rote Fingerhut, die Grauheide, die Bunte Kronwicke, die Waldengelwurz, der Adlerfarn, der Streifenfarn, der Wurmfarn, der Frauenfarn, der Dornfarn, der Rippenfarn, der Tüpfelfarn und viele weitere Arten. Die meisten fruchttragenden Pflanzen weisen Trockenfrüchte auf.

Pflanzen der Krautschicht konkurrieren ebenfalls um Sonnenlicht, den Nährstoffe im Boden und das Wasser, um die Nährstoffe zu transportieren. Außerdem müssen sie Insekten anlocken, welche ihre Blüten bestäuben und somit für ihre Verbreitung sorgen. Dazu entwickeln sie Duftstoffe, wie beispielsweise bei Blumen oder besonders auffallende Farbtöne der Blütenblätter (rot, gelb). Diese Ausprägungen auffälliger Merkmale sind Strategien der Pflanzen, um sich fortzupflanzen. Die knappe Ressource in dieser Schicht sind demnach Insekten, um die ein Konkurrenzkampf entsteht.

Strauchschicht

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Weißdorn als Bestandteil der Krautschicht

Diese Schicht, die besonders an lichtdurchlässigen Rändern des Waldes unübersehbar ist, reicht von 1 bis 1,5 Metern bis circa 3 Meter. Man trifft dort auf kleiner Bäume und ausgewachsene Sträucher, z. B. den Weißdorn, den Besenginster, den Brombeerstrauch, den Perückenstrauch, den Haselstrauch, die Heckenrose, den Johannisbeerstrauch, den Weißdorn und weitere Exemplare. Die fruchttragenden Pflanzen in dieser Kategorie weisen häufig Beeren auf.

Die Ausprägung von Beeren ist ebenfalls eine Strategie der Pflanzen. Denn Tiere sollen das süße Obst fressen und die Pflanzensamen über ihren Kot verteilen, wodurch neue Pflanzen der gleichen Art entstehen. Deshalb sind die Beeren oft schmackhaft und weisen, ähnlich wie Blütenblätter, eine besonders auffällige Farbe (z.B. rot) auf.

Baumschicht

laubwald baumschicht

Eichenbäume am Rand eines Laubwaldes

In diesem höchsten Teil (ab ca. 3 Metern Höhe) befinden sich Bäume unterschiedlicher Größe. In Laubwäldern weisen diese Bäume Blätter statt Nadeln auf, einige sind glatt, andere wiederum gezahnt. Neben den auch für weitere Pflanzen typischen Blüten und Früchten, sind die größeren Bäume auch für ihre dicke Rinde bekannt. Je nach Verdichtung der Bäume und des Lichteinfalls, wirkt sich das vor- oder nachteilig auf die Artenvielfalt der anderen Lebewesen des Waldes auf. Beispiele für typische Laubbäume sind der Spitzahorn, der Bergahorn, die Esche, die Birke, die Erle, die Eiche und Laubbäume mit saftigen Früchten, z. B. Wildäpfel, und viele weitere Exemplare.

In dieser Schicht konkurrieren die Bäume ebenfalls über ihr Obst (Eicheln, Kastanien), welches von Wirbeltieren – wie Rehen, Wildschweinen oder Hirschen – gefressen werden soll, um die enthaltenen Samen an anderer Stelle auszuscheiden. Über die Baumkronen findet außerdem ein Konkurrenzkampf um Licht statt. Ältere Bäume überragen die jüngeren, wodurch deren Lichtzufuhr beschränkt und somit deren Energiestoffwechsel eingeschränkt wird. Dadurch bleiben die jüngeren Bäume so lange klein, bis der alte Baum stirbt, von den Destruenten am Boden zersetzt wird als Nährstoff in den Boden zurücksinkt, wo er dann den jüngeren Baum ernährt, welcher nun auch Zugang zum Sonnenlicht hat.

Zusammenfassung

Im Wald gibt es verschiedene „Stockwerke“ oder Schichten mit verschiedenen Bereichen: Die Wurzel- (unterirdisch), Boden- (wenige Zentimeter über dem Boden), Kraut- (bis 1/1,5 Meter), Strauch- (1/1,5-3 Meter) und Baumschicht (ab 3 Meter). Die meisten Pflanzenarten gibt es in den unteren Schichten. Nach oben hin, nimmt der Konkurrenzkampf immer weiter zu, wodurch die Ressourcenknappheit ebenfalls zunimmt und die Artenvielfalt abnimmt.


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