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Wladimir Iljitsch Lenin: Biographie, Leben + Wirken erklärt in 26 Fragen und Antworten


Wladimir Lenin, an seinem Schreibtisch zwischen 1920 und 1922.

Wladimir Lenin, an seinem Schreibtisch zwischen 1920 und 1922.

Wladimir Iljitsch Lenin (22. April 1870 bis 21. Januar 1924) war ab 1903 Vorsitzender der Bolschewisten in Russland und gilt als Gründer der Sowjetunion.

Wer war Lenin

Lenin war ein Marxist und Kommunist – welcher die Oktoberrevolution von 1917 in Russland anführte. Nach seiner Machtergreifung wurde er zum Regierungschef und gründete die Sowjetunion als Folgestaat des russischen Zarenreiches.

Fortan war Lenin ein Diktator, welcher das Land durch einen blutigen Bürgerkrieg führte – bei dem etwa 10 Millionen Menschen starben. Während seiner Amtszeit begann bereits ein Personenkult um Lenin, welcher nach seinem Tod ausgedehnt wurde.

Wladimir Iljitsch Lenin

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Wie hieß Lenin mit richtigen Namen, Was bedeutet Lenin

Lenin wurde unter dem Namen Wladimir Iljitsch Uljanow geboren. Der Titel oder Name „Lenin“ war lediglich ein Kampfname, welche die Bolschewisten ihm gaben. Denn unter der russischen Zarenherrschaft wurde Lenin an die Lena nach Sibirien verbannt. Um Lenins Verbannung später als Verdienst auszuzeichnen, erhielt er den Kampfnamen „Lenin“. Dieser bedeutet: „Der von der Lena“.

Eine weitere Theorie besagt, dass der Name „Lenin“ ein Deckname – während der Verbannung und des Exils – gewesen ist. Lenin hatte sich diesen Namen selbst gegeben, da sein Kindermädchen Lena hieß. Als man ihn als kleiner Junge gefragt hat, wessen Kind er sei – antwortete er: „Lenas Kind“.

Da Lenin in München-Schwabing unter den Namen Iordan K. Iordanov und bei Rittmeyer unter dem Namen „Mayer“ lebte, kann das Pseudonym Lenin auch völlig willkürlich gewählt worden sein.

Wer war vor Lenin an der Macht

Bis 1917 wurde Russland durch Nikolaus II. regiert, welcher der letzte russische Zar oder Kaiser war. Zu Beginn des Jahres 1917 kam es zu einer Revolution in Russland, welche als Februarrevolution bezeichnet wird. Die Revolution beendete die Zarenherrschaft und auch die Monarchie.

Die Revolutionäre werden historisch als Menschewiki oder Menschewisten (deutsch: Minderheitler) bezeichnet. Diese bildeten ab Februar/März 1917 eine Übergangsregierung.

Im Oktober/November 1917 kam es zu einer Konterrevolution, angeführt durch Lenin, welche die Übergangsregierung absetzte. Lenins Anhänger werden als Bolschewisten oder Bolschewiki (deutsch: Mehrheitler) bezeichnet.

Wie kam Lenin an die Macht

Lenin war ein marxistischer Sozialdemokrat, welcher sich 1887 der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Russland anschloss. Innerhalb der Partei gründete er 1903 eine neue Fraktion, welche als Bolschewiki bezeichnet wurde. Dieser radikale Flügel mit Lenin an der Spitze wollte eine Revolution in Russland umsetzen, welche die bis dahin bestehende Monarchie stürzen sollte.

Im Jahr 1917 kam es zu zwei Revolutionen in Russland. Die Februarrevolution beendete die Zarenherrschaft in Russland. An die Macht setzte sich die Menschewiki, ebenfalls ein Fraktionsflügel der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Russland. Es wurde eine Doppelregierung gebildet, welche aus dem Parlament (Duma) und aus Arbeiter- und Soldatenräten bestand. Die gemäßigten Menschewisten planten für den Herbst 1917 eine Versammlung, die darüber entscheiden sollte, welche Staatsform Russland zukünftig haben sollte.

Die weitaus radikalen Bolschewisten um Lenin wollten eine demokratische Diktatur der Arbeiter und Bauern in Russland installieren, was im Gegensatz zur eigenen Parteifraktion stand. Deshalb sollte die Verfassungsgebende Versammlung im Herbst verhindert werden. Dadurch kam es im Jahr 1917 zu einer Konterrevolution, welche als Oktoberrevolution bezeichnet wird, bei der die Bolschewisten die Macht in Russland übernahmen.

Die Bolschewisten gründeten nach der Revolution die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) auf dem Staatsgebiet von Russland. Lenin wurde zum Regierungschef dieses neu gegründeten russischen Staates. Im späteren Verlauf schlossen sich der RSFSR auch die Ukraine und Weißrussland an, wodurch das Reich sich zu Sowjetrussland formierte. Auch in Sowjetrussland blieb Lenin der Regierungschef.

Die RSFSR bzw. das spätere Sowjetrussland befand sich in den Folgejahren (ab der Oktoberrevolution) in einem Bürgerkrieg zwischen den Bolschewisten und gemäßigten Sozialisten, Demokraten und Konservativen.

Lenin als Regierungschef trägt die Verantwortung für die Gräueltaten im Russischen Bürgerkrieg. Obwohl er niemals an der Front war bzw. operierte, gab er die Befehle und wurde so zum Schreibtischtäter. Im Russischen Bürgerkrieg (1918 – 1922) starben etwa 10 Mio. Menschen.

Am Ende des Bürgerkrieges konnte die Rote Armee (Bolschewisten) weite Gebiete Russlands und angrenzender Territorien erobern und gründeten einen Unionsstaat, die Sowjetunion. Lenin wurde zum Regierungschef der Sowjetunion und behielt das Amt bis zu seinem Tod (1924). Mit der Staatsgründung wurde die Bolschewiki in die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) umformiert. Das Staatssystem war eine Einparteiendiktatur.

Was waren Lenins Ideen

Lenin strebte einen Arbeiter- und Bauernstaat an, in welchem ausschließlich diese Bevölkerungsgruppe durch Politik repräsentiert und vertreten werden. Die Gesellschaft sollte, laut marxistischer Ideologie, klassenlos sein. Um diese Gesellschaftsform erreichen zu können, sollte das Proletariat (Arbeiterklasse) die Kapitalisten enteignen und deren Privatbesitz aneignen.

Die angeeigneten Fabriken und Industriestandorte sollten dann der gesamtgesellschaftliche Produktion dienen, deren Verwaltung sollte durch den Staat bzw. die Arbeiter erfolgen. Diese neue Gesellschaftsform wurde als Diktatur des Proletariats bezeichnet.

Um diese neue Gesellschaftsform weltweit etablieren zu können, bedarf es – laut Lenin – einer Weltrevolution. Der Entstehungsort, von wo aus die Weltrevolution starten sollte, war laut Lenin das russische Reich.

Alle anderen Revolution sollten sich dann am russischen Vorbild orientieren. Somit sollte sich der Kommunismus oder Marxismus von Russland ausgehend über die ganze Welt verbreiten, jeden Staat erreichen und die revolutionäre Kader beflügeln, so dass der Umsturz weltweit stattfinden könnte.

Wo ist Lenin geboren

Lenin wurde am 22. April 1870 in Simbirsk geboren. Diese Stadt heißt heute Uljanowsk und wurde 1924 zu Ehren Lenins (Geburtsname Uljanow) umbenannt. In der Stadt leben heute mehr als 614.000 Einwohner. Sie liegt an der Wolga in Zentralrussland.

Wer waren Lenins Eltern

Lenin entstammte einer multiethnischen Familie. Seine Mutter Marija Alexandrowna Uljanowa (geborene Blank) hatte schwedisch-deutsche Wurzeln. Lenins Vater hieß Ilja Nikolajewitsch Uljanow, deren Familie sowohl russische als auch westmongolische Wurzeln hatte.

Beide Elternteile waren gebildet und besuchten die Hochschule. Lenins Vater arbeitete lange Zeit als Mathematik- und Physiklehre. Die Mutter Lenins war eine ausgebildete Lehrerin, welche allerdings nie in den Berufsstand einging. Denn nach der Heirat widmete sie sich ausschließlich der Familie.

Wie viele Geschwister hatte Lenin

Lenins Eltern hatten insgesamt 8 Kinder, wobei 2 bereits im Säuglingsalter starben. Lenin wuchs als drittes (eigentlich viertes) Kind der Uljanows auf und musste die Hinrichtung seines älteren Bruders miterleben. Die Kinder von Ilja und Marija Uljanowa waren:

  • Anna Uljanowa (1864–1935) arbeitete als russische Publizistin
  • Alexander Uljanow (1866–1887) war ein russischer Revolutionär, welcher aufgrund eines missglückten Attentats auf den Zaren hingerichtet wurde. Seine Hinrichtung war eine Ursache für die Radikalisierung Lenins.
  • Olga Uljanowa (1888) starb im Säuglingsalter.
  • Wladimir Uljanow (1870–1924), genannt Lenin.
  • Olga Uljanowa (1871–1891)
  • Nikolaj Uljanow (1873) starb im Säuglingsalter.
  • Dmitri Uljanow (1874–1943)
  • Marija Iljinitschna Uljanowa (1878-1937) war ebenfalls eine russische Revolutionärin.

Welche Religion hatte Lenin

Lenins Vater entstammte einer jüdischen Familie.

War Lenin verheiratet

Die Ehefrau Lenins war Nadeschda Konstantinowna Krupskaja (1869 – 1939). Sie war Revolutionärin, Politikerin und Pädagogin. Nach der Oktoberrevolution baute sie ein Schulwesen und Bildungssystem in Russland auf, welches die sozialistische Bildung herausstellte.

Hatte Lenin eine Geliebte

Inessa Armand (1874 bis 1920) war eine russische Revolutionärin mit französischen Wurzeln. Lenin und Inessa lernten sich 1909 in Paris kennen. Zwischen 1911 und 1920 unterhielten beide eine Affäre, was Briefe zwischen beiden beweisen. Sie begleitete ihn ins Exil in die Schweiz. Bei der Rückführung nach Russland waren Inessa, Lenin und seine Frau im selben Wagen. Als Inessa 1920 starb, verfasste Lenins Ehefrau (Nadia Krupskaja) einen Nachruf in der Prawda.

Wann und warum wurde Lenin nach Sibirien verbannt

Die Verbannung nach Sibirien geschah vor der Oktoberrevolution und vor Lenins Machtergreifung. Im Jahr 1895 arbeitete er an eine illegalen Zeit mit dem Titel: „Die Sache der Arbeiter“.

Er wurde im Dezember 1895 verhaftet und 1897 für drei Jahre nach Südsibirien verbannt. Dort lebte er in einem Dorf, namens Schuschenskoje, unter Polizeiaufsicht. Nach drei Jahren kehrte er aus der Verbannung zurück. Seine Schuld war somit abgesessen.

Warum war Lenin im Exil

1900 kam Lenin aus der Verbannung zurück. Doch trotz der sibirischen Verbannung hielt Lenin an seinen Ideen einer klassenlosen Gesellschaft fest.

Zwischen 1905 und 1907 kam es zu mehreren Unruhen im russischen Kaiserreich. Diese werden historisch als Umsturzversuch gewertet und als Russische Revolution von 1905 bezeichnet. Der Umsturz scheiterte und Revolutionäre – wie Lenin – wurden fortan verfolgt.

Im Januar 1907 musste Lenin vor der russischen Geheimpolizei nach Helsinki (Finnland) flüchten. Nur ein Jahr später zog er nach Genf (Schweiz). Mit ihm flohen circa 600 andere Emigranten in die Schweiz.

Wo wohnte Lenin im Exil

Lenin kam zuerst in Genf (Schweiz) unter und zog nach kurzen Aufenthalt nach Deutschland um. Dort lebte er bei einem sozialdemokratischen Gastwirt, namens Rittmeyer, in der Kaiserstraße 53 (heute 46) im Münchner Stadtteil Schwabing. Seine Adresse in München blieb allerdings geheim und Lenin meldete sich dort nicht an.

Ab 1901 bezog er unter dem Namen Mayer eine Wohnung im Münchner Stadtteil Schwabing in der Siegfriedstraße 14.

Später zog er in die Schweiz zurück und wohnte in der Spiegelgasse 14 in Zürich.

Welche Maßnahmen ergriff Lenin in der Schweiz

Im Schweizer Exil wirkte Lenin auf die Hinterbliebenen in Russland. Diese brachten auf Lenins Initiative ab 1912 eine Zeitschrift heraus, welche als Prawda bezeichnet wird. Die Prawda (deutsch: Wahrheit) verbreitete fortan das revolutionäre Gedankengut der Exilanten.

Im Exil schrieb Lenin diverse Abhandlungen:

  • Die Aufgaben der revolutionären Jugend, veröffentlicht in der Zeitung Student Nr. 2/3, September 1903
  • Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück, 1904.
  • Das europäische Kapital und der Absolutismus, 1905
  • Marxismus und Revisionismus, geschrieben nicht nach dem 16. April 1908.
  • Materialismus und Empiriokritizismus, 1909.
  • Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus, März 1913.
  • Die sozialistische Revolution und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen, Januar–Februar 1916.
  • Über die Junius-Broschüre, Oktober 1916.
  • Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus, 1917

Als es zur Februarrevolution 1917 kam, gab es eine Aufbruchstimmung. Nun versuchten Emigranten der Schweiz wieder nach Russland einzureisen. Da sich Europa im Ersten Weltkrieg befand, gestaltete sich die Rückkehr nach Russland als schwierig. Über Deutschland als Transitland gelang schließlich die Einreise.

Wer hat Lenin zurück nach Russland gebracht

Russland war im Ersten Weltkrieg ein Verbündeter von Frankreich und England gewesen. Demnach versuchte Lenin über diese Länder nach Skandinavien zu gelangen, um von dort nach Russland einzureisen.

Da aber England und Frankreich von der oppositionellen Haltung der Schweizer Emigranten wussten und diese das Bündnis zu Russland gefährden könnten, verweigerten diese Staaten ihre Mithilfe.

Lenin bat deshalb die Deutschen um Hilfe, welche eigentlich die Kriegsgegner Russlands waren. Informelle Kontakte zum Auswärtigen Amt des Deutschen Reiches bestanden seit 1914. Für die Deutschen bedeutete die Wiedereinreise oppositioneller Kräfte nach Russland, dass der Kriegsgegner von Innen geschwächt werden konnte.

Die Reise begann in der Schweiz, vollzog sich dann ins Deutsche Reich bis nach Stralsund. Mit einer Fähre wurden Lenin und andere dann nach Schweden gebracht. Dort wurden sie in Zügen nach Finnland ausgefahren. In Finnland fand dann der Grenzübertritt nach Russland statt. Am 16. April kam Lenin in Petrograd (heute Sankt Petersburg) an.

Wer hat Lenin finanziert

Als Lenin am 16. April 1917 in Sankt Petersburg ankam, richtete sich die konservative Presse gegen ihn. So wurde berichtet, dass Lenin mit dem Kriegsgegner gemeinsame Sache machen würde und auch finanzielle Unterstützung aus dem Deutschen Reich erhalten würde, um Russland von innen heraus, zu destabilisieren.

Von einigen Historikern wurden Quellen angeführt, wonach 50 Millionen Goldmark aus dem Deutschen Reich in Richtung der Bolschewiki geflossen seien. Ob die Geldsummen tatsächlich bei Lenin ankamen, ist historisch nicht eindeutig belegt. Es wird lediglich angenommen, dass die Deutschen die Russische Revolution finanziell unterstützt hätten.

Wie stand Lenin zu Religion und Kirche

Lenin verwendete die Aussage: „Religion ist Opium für das Volk“. Damit meinte er, dass die Religion und die Kirche als Institution das Volk verblenden. Denn die Prediger stellen ein Himmelsreich in Aussicht, wodurch die ausgebeuteten Klassen an ein besseres Leben im Jenseits glauben. Und dies hält die Arbeiterschaft davon ab, sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen. Laut Lenin versuchen Religion und Kirche das Volk einzulullen.

Die Religion übte einen zu großen Einfluss auf die Bevölkerung aus, weshalb Lenin nach seiner Machtübernahme zu einer Religionsbekämpfung überging. Kurz nach seiner Machtübernahme wurde die Trennung zwischen Kirche und Staat per Dekret vollzogen.

Da die Russische Revolution (1917) zum Ende des Ersten Weltkrieges (1914-18) einsetzte und zu einem Russischen Bürgerkrieg führte, verarmte das Land in den Folgenjahren. Um die Bevölkerung versorgen zu können, ließ Lenin sämtliche Kirchenbesitztümer konfiszieren. Zwischen Kirche und Lenin entstand ein anhaltender Konflikt.

Die orthodoxe Kirche war in der Vergangenheit ein Machtpfeiler des Zarenreiches gewesen und in Sowjetrussland hätte sich die Kirche als gesellschaftliche Opposition etablieren können. Deshalb versuchte Lenin die Kirche zu agitieren, mit gegensätzlicher Weltanschauung zu entmachten. Als dies nicht gelang, wurden die Mittel härter.

Während der Regierungszeit Lenins wurden reaktionäre Priester, welche sich nicht dem Arbeiter- und Bauernstaat unterordnen wollten, zunehmend verfolgt und hingerichtet. Staatlich gelenkte Pogrome fanden statt, bei denen circa 14.000 Priester, Geistliche und andere Kirchenleute erschossen wurden. Die Zahl der orthodoxen Kirchenhäuser ging von rund 80.000 auf circa 11.200 zurück.

In der späteren Sowjetunion und auch in Ländern, welche unter dem Einfluss der Sowjetunion (z.B. DDR, VR Polen) standen, wurde die Kirche als Machtopposition kleingehalten. Eine echte Opposition durch die Kirche gab es nicht mehr. Zwar wurde die Kirche nicht verboten – dennoch wurden Religionsanhänger gesellschaftlich verpönt und ausgeschlossen. Auch dies war staatlich gelenkt.

Wie starb Lenin

Lenin wurde am 30. August 1918 von der Attentäterin Fanny Kaplan angeschossen. Zwei Projektile trafen ihn: eins am Hals und eins an der Schulter. Die Kugel am Hals wurde erst 1922 entfernt, also 4 Jahre nach dem Anschlag.

Lenin litt seit dem Attentat an Kopfschmerzen und erst ein deutscher Arzt urteilte, dass das Blei im Hals sein Gehirn vergiften würde. Nachdem die Kugel entfernt wurde, blieben die Beschwerden dennoch erhalten. So litt Lenin in der Folge an Durchblutungsstörungen im Gehirn, Magenbeschwerden, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, bakterielle Entzündungen und anderen Krankheiten. Außerdem litt er an psychischen Leiden, wie Ängsten und Zwangsvorstellungen.

Am 25. Mai 1922, ein Monat nach der Halsoperation, erlitt Lenin einen Schlaganfall. Dieser lähmte ihn rechtsseitig, blockierte sein Sprachzentrum, weshalb ihm das Sprechen schwerfiel.

Eine Studie 2004 ergab, dass Lenin an einer Neurosyphilis gelitten habe. Diese Nervenkrankheit tritt auf, wenn eine Syphilis (Geschlechtskrankheit) nicht vollständig ausheilt.

Lenin verstarb am 21. Januar 1924 um 4:23 Uhr im Alter von 53 Jahren. Die genaue Todesursache blieb der Öffentlichkeit lange verborgen. Laut einer Biographie, welche allerdings von der KPdSU in Auftrag gegeben wurde, starb Lenin an Durchblutungsstörungen aufgrund eines neuen Schlaganfalls.

Wer kam nach Lenin

Lenin blieb bis zu seinem Tod (1924) der Regierungschef der Sowjetunion. Am Ende seines Lebens wurde Lenin allerdings schwer krank, weshalb die Nachfolge geregelt wurde. Und so wurde bereits 1922 Joseph Stalin zum neuen Generalsekretär des Zentralkomitees (ZK) der KPdSU (Kommunistische Partei) ernannt.

Nach Lenins Tod entbrannte ein Machtkampf innerhalb der KPdSU zwischen Joseph Stalin und Leo Trotzki. In einem politischen Testament rät Lenin davon ab, Stalin als seinen Nachfolger zu ernennen, da dieser ein unkontrollierbarer Machtmensch sei. Trotz Lenins Versuch, Stalins Aufstieg zu verhindern, konnte sich dieser durchsetzen.

Nach Lenins Tod wurde Trotzki durch Stalin entmachtet, ab 1929 ins Exil gezwungen und 1940 von einem sowjetischen Agenten ermordet.

Wo wurde Lenin begraben

Stalin etablierte einen Personenkult um Lenin. Er verstand es, Lenin als großen Führer herauszustellen und sich als dessen Nachfolger zu etablieren. Somit profitierte Stalin insgeheim von Lenins Werk und Ruhm.

In Moskau wurde der Leichnam auf dem Roten Platz zur Schau gestellt. Ab 1930 wurde ein Lenin-Mausoleum auf dem Roten Platz in Moskau errichtet, in welchem Besucher aus aller Welt den Leichnam des kommunistischen Führers anschauen konnten.

Lenin Mausoleum

Lenin-Mausoleum auf dem Roten Platz in Moskau, Russland (Inschrift „Lenin“)

Wie wurde Lenin konserviert

Lenins Leiche wurde einbalsamiert, um diese zur Schau zu stellen. Die Anwendung der Konservierungsmethoden fand wiederholt und dauerhaft statt. Für die Konservierung wurden Formalin und Paraffin verwendet.

Zuvor wurde Lenins Körper obduziert, das Gehirn und die inneren Organe wurden entnommen. Anschließend durchtränkte man die Weichteile mit konservierenden Stoffen.

Die Hautoberfläche wurde mit Formaldehyd behandelt, um den Gewebezerfall zu stoppen und um die rosige Farbe herzustellen. Mittels Glycerin wurde die Elastizität des Körpers hergestellt und dauerhaft gewährleistet. Die Leiche wurde dann auf dem Roten Platz ausgestellt.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Leiche ausgelagert. Dabei bemerkte man, dass die Konservierungsmethoden nicht dauerhaft wirkten. Fortan wurde die Konservierung regelmäßig wiederholt. Alle zwei Jahre – zuletzt im Februar 2022 – wird das Mausoleum für zwei Monate geschlossen, um die prophylaktischen Arbeiten an der Leiche zu wiederholen.

Die Kosten für die Pflege des Leichnams und des Mausoleums belaufen sich auf etwa 1,5 Mio. US-Dollar pro Jahr. Seit 1991 (Zusammenbruch der Sowjetunion) werden diese Kosten durch einen privaten Fonds finanziert.

Wo liegt Lenin jetzt

Mehrfach wurde darüber beraten, Lenins Überreste zu bestatten. Zuletzt am 20. Januar 2011, einen Tag vor Lenins Sterbetag, wurde über eine Entfernung des Leichnams aus dem Mausoleum diskutiert. Eine Mehrzahl von Russen sprachen sich für eine Beisetzung aus. Dennoch blieb diese bis heute aus.

Wie hat Lenin den Marxismus verändert

Der Marxismus strebte eine Reformation einer Gesellschaftsordnung an. Lenin verstand sich selbst als Verteidiger des Marxismus und strebte selbst keine neue Lehre an. Der Leninismus ist demnach ein revolutionärer Marxismus.

Die beiden Vordenker Karl Marx und Friedrich Engels lebten in einer vorrevolutionären Periode. Stalin definierte den Leninismus als Marxismus in einer Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution.

Warum räumte Lenin den damaligen russischen Völkern ein Selbstbestimmungsrecht ein

Lenin stellte den Klassenkampf über den Kampf der Nationalitäten. In seiner Publikation „Die sozialistische Revolution und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen“ (1916) räumt er für die Kosakenvölker ein Selbstbestimmungsrecht ein. Demnach könnten damalige russische Völker, wie die Ukrainer oder Belarussen, ihre Nationalität selbst bestimmen – solange der Klassenkampf über der Nationalität stünde.

Die Ukraine, Georgien und Belarus waren für Lenin die Brücke zu Europa. Demnach waren diese Völker wichtig, um den Revolutionsgedanken aus Russland nach Europa zu transportieren. Denn Lenins Idee war und blieb die Weltrevolution, welche sich auch ins Deutsche Reich, Frankreich und andere Staaten Mittel- und Westeuropas ausbreiten sollte.

Die Peripherie Russlands sollte demnach eigenständig bleiben, solange sie sich der Russischen Revolution verpflichtet fühlten. Als dann 1922 die Sowjetunion gegründet wurde, setzte sich Lenin mit seinen Vorgaben gegenüber Stalin und anderen Mitgliedern der KPdSU durch. Allerdings bestand das Selbstbestimmungsrecht der Völker nur unter der Prämisse, dass die Völker die bolschewistische Regierung als Zentralregierung akzeptieren.

Demnach konnte die KPdSU bestimmen, welche Parteien in den Satellitenstaaten zugelassen worden und welche nicht. Eine wirkliche Selbstbestimmung bestand demnach nicht.

Welche historische Bedeutung hat Lenin

In einigen linken Lagern wird Lenin als Revolutionsführer noch immer verehrt. Und das obwohl Lenin das russische Reich in den schrecklichsten Bürgerkrieg der Menschheitsgeschichte stürzte. Für ihn war der Bürgerkrieg ein Mittel, welches die Arbeiterklasse nutzen sollte, um sich die Herrschaft über alle anderen soziale Klassen zu sichern. In seiner Vorstellung sollte sich die Revolution und der Bürgerkrieg auch in andere Staaten ausdehnen.

Durch den ab 1918 stattfindende Kriegskommunismus wurden Bauern enteignet, deren Getreide und Vieh konfisziert. In der Folge starb ein Großteil der Landbevölkerung an Hunger und Elend.

Während des Bürgerkriegs, an dessen Front Lenin niemals war, starben 10 Mio. Menschen – durch Kriegsereignisse, Enteignung und Grausamkeiten. Er gilt deshalb als Inbegriff eines Schreibtischtäters, welcher Gewalttaten beschließt und anordnet, aber niemals selbst Blut an den Händen hatte.

In vielen linken Lagern wurde Lenin deshalb als Verräter am Volk und an den Arbeitern betrachtet. Die Attentäterin, welche ihn 1922 verletzte, gehörte ebenfalls zum linken Flügel. Spätestens nach dem Attentat etablierte Lenin ein staatlich gelenktes Terrorsystem, welches jegliche Opposition verfolgte. Meinungsfreiheit existierte nicht mehr außerhalb der Partei, war verboten und wurde verfolgt.

Dennoch wurde Lenin von Mitgliedern der „Kommunistischen Internationale“ (Komintern) nicht verurteilt. Stattdessen hielt man die Maßnahmen für notwendig.

Man nimmt an, dass allein durch den Roten Terror zwischen 250.000 und 1 Mio. Menschen im Zeitraum von 1918-22 starben. Der Staatsterror richtete sich gegen das Bürgertum, gegen zaristische Offiziere, aber auch gegen nichtbolschewistische Sozialisten (v. a. Menschewiki, Sozialrevolutionäre), Priester, Geistliche sowie Teile der Arbeiterschaft, welche sich oppositionell aufstellten.

Später wurden Bauern, welche sich nicht dem Kriegskommunismus beugen wollten, als Kulaken verschrien. Auch diese wurden verfolgt und hingerichtet. Aus dem Roten Terror entwickelte sich unter Stalin der Große Terror in den 1930-er Jahren.


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