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Verstehen und Erkennen: Unterschiede und Zusammenhänge


Jede Gesellschaft lebt von den Kompetenzen ihrer Bürger. Damit sind Fähigkeiten gemeint, Dinge, Vorgänge und auch Situationen zu erkennen, diese zu verstehen und daraus eine Handlung beziehungsweise Reaktion zu erzeugen. Doch um dies zu realisieren, braucht es an Erfahrung und Möglichkeiten, die oben genannten Aspekte realisieren zu können. Man kann grundsätzlich also nichts erkennen oder verstehen, wo es keinen Content, also Inhalte gibt. Die Erfahrungen spielen also eine zentrale Rolle.

Erkennen als Reizaufnahme und Reizabgleich

Um etwas zu verstehen und daraus Erfahrungen für sich zu generieren muss man erst eine Erkenntnis haben. Das Erkennen einer Sache oder eines Vorganges wird in der Regel mit einem Reiz und Informationen gekoppelt. Wer zu Silvester plötzlich eine Rakete am Himmel erspäht, weiß, dass nun der Jahreswechsel vollzogen wird. Diese Rakete mitsamt Effekten ist schön anzusehen.

Man erkennt also Effekte, versteht, dass das alte Jahr nun vorbei ist und weiß aus den Erfahrungen vom letzten Silvester, dass es sinnlos ist, sich neue Ziele zu setzen, da die alten in den vergangenen 12 Monaten nicht realisiert werden konnten. Erkennen, Verstehen und Erfahrungen stehen also immer im Einklang miteinander, wie dieses Beispiel zeigt.

Verstehen als Lernerfahrung

Nach dem erzeugten Reiz, welchen man aufgenommen hat, kommt das sogenannte Verstehen. Aufgrund früher gemachten Erfahrungen begreift man in diesem Moment, was aktuell geschieht oder auch passiert ist. Gerade Heranwachsende sowie Kinder im Allgemeinen besitzen diese Erfahrungen jedoch noch nicht. Für sie ist das Ganze ein Lernprozess, wo es darauf ankommt, dass ihre Mentoren, Lehrer, Bezugspersonen im Allgemeinen und nicht zuletzt auch die Eltern als erste Sozialisationsinstanz das richtige Wissen vermitteln. Wenn man als Kind von Anfang an beigebracht bekommt, dass der Himmel immer schwarz und nicht blau ist, dann erkennen Kinder das eigentliche Blaue nur als Schwarz an, weil sie die Begrifflichkeiten nicht anders gelernt haben.

Dieses Beispiel ist sehr krass, zeigt aber auch die Wirkung von Informationen sowie Wissensvermittlung. In erster Linie müssen Informationen und das Wissen an sich so vermittelt werden, dass diese im Gedächtnis bleiben. Wenn man gelernt hat, dass Schnee weiß ist, so versteht man, dass wenn es anfängt zu schneien, dass der Winter endgültig Einzug erhalten hat.

Ein anderes Beispiel: Jeder von uns weiß, dass man seine Finger nicht in kochendes Wasser halten soll. Doch woher kommt dieses Vermeidungsverhalten? Es basiert auf Erfahrungen. Als Kind musste man kennenlernen, dass es unklug ist, in zu warmen Wasser zu baden oder die Finger in eine Tasse mit heißem Tee einzutunken. Hat man als Erwachsener also eine Tasse mit dampfender Flüssigkeit vor sich, so weiß man, dass das Eintunken eines Fingers in diese Konsequenzen nach sich ziehen wird. Man hat also verstanden, was Vorgänge und Reize nach sich ziehen können.

Das Verstehen selbst erfolgt durch Denkprozesse innerhalb des tierischen sowie menschlichen Gehirns. Lebewesen brauchen immer gewisse Momente, indem Informationen im Gehirn aufgenommen und verarbeitet werden. Man kann es auch mit der Arbeit eines Computers begreifen, wo EAV (Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe)die zentrale Rolle spielt. Eingabe von Informationen, welche dann verarbeitet und im Anschluss eine Ausgabe von Resultaten. Ohne dass man etwas versteht, kann also keine weitere Handlung ausgeführt werden. Nicht umsonst heißt es immer, dass der Bauer nicht isst, was dieser nicht kennt. Also wird er auch nie wissen, ob ihm das Gebotene schmecken würde, oder auch nicht.

Erfahrungen als Resultat der Lernens

Diese sind die Summe aller Erkenntnisse, welche man gemacht hat. Erkennen (Reize) + Verstehen (Denkprozesse) = Erfahrung, so eine logische Formel, welche einem dabei helfen, den Zusammenhang der drei Faktoren zu begreifen. Die gemachten Erfahrungen, welche man nach dem Erkennen sowie Verstehen gewonnen hat, können im späteren Leben sehr nützlich sein.

Es ist doch ganz klar, dass man als mündiges Sozialisations-Wesen nicht dumm sein oder bleiben möchte. Um gesellschaftlich auf dem Laufenden zu bleiben und mitreden zu sowie generell leben zu können, braucht man die Möglichkeit, Vorgänge zu verstehen. Dabei spielen der Intellekt sowie die Intelligenz eine große Rolle.

Intellekt sowie Intelligenz

Vorab sollte erwähnt werden, dass es keine dummen Tiere oder Menschen gibt. Der Schwerpunkt in Bezug auf Intellekt sowie Intelligenz liegt bei jedem Lebewesen anders. In Bezug auf Menschen ist es so, dass der eine eher seine Stärke in der Kreativität sieht und diese besser umsetzen kann. Ein anderer hat sich mehr auf Geisteswissenschaften spezialisiert.

Grundsätzlich kann jede Fähigkeit von fast jedem Menschen von Geburt an erlernt werden. Als Baby kommt man als tabula rasa (unbeschriebene Tafel bzw. Blatt) auf die Welt. Von da an bestimmen äußere Umstände und andere Personen über den weiteren Lebensverlauf. So entwickelt sich der Intellekt und die Intelligenz in Verbindung mit den genetischen Komponenten, welche bei jedem unterschiedlich vorhanden und ausgeprägt sind.

Diese Faktoren tragen dazu bei, ob und wie man etwas erkennt, versteht und welche Erfahrungen man daraus womöglich zieht. Dabei spielen Konditionierungen nach Pawlow und Bandura eine Rolle. Wenn beispielsweise ein bestimmter Reiz erzeugt wird, soll je nach Konditionierung und Erziehung eine bestimmte Reaktion erzeugt werden. Ein Handeln wird also aus einer Erkenntnis und dem Reiz abgeleitet. Natürlich können auf Reize auch Handlungen vollzogen werden, welche nicht logisch sind. Das passiert in unserer Gesellschaft häufiger als man denkt.

Irrationale Entscheidungen auf gewisse Reize zu treffen, wie beispielsweise auf Außenseiter bei Pferdewetten zu setzen, kann wiederum als unverständlich angesehen werden. Doch auch daraus werden Erfahrungen gemacht und ein Verständnis generiert, ob diese Handlungsmethode auch zukünftig zum Ziel führen kann, oder ob man später lieber auf Favoriten setzen sollte.

Unterschied zwischen Erkennen und Verstehen

Viele denken, dass erkennen und verstehen dasselbe sind. Doch wie man im oben genannten Text erkennen kann, sind beide Aspekte zwar miteinander vergleichbar, jedoch nicht synonym zu betrachten. Wer etwas erkennt, muss es nicht immer verstehen. Wer jedoch was versteht, hat vorher etwas erkannt. Beides ist also eher als Abfolge zu bezeichnen, welche ohne einander nicht wirklich existieren können.

Mit Erkennen verbinden wiederum viele Menschen das Wort identifizieren. Der Kopf speichert sich Erlebnisse, gemachte Erfahrungen, Wissen und Erkenntnisse. Dafür nutzt er symbolische Schubladen. Daher kommt auch das Wort Schubladendenken. Doch genau das ist sehr wichtig, da man nicht alle Erkenntnisse und das Wissen immer in einem Topf werfen kann beziehungsweise sollte. Wenn man eine rote Ampel sieht, öffnet sich im Kopf die Schublade, wo darauf steht: Vorsicht, Gefahr! Man weiß also, dass es besser ist, selbst stehenzubleiben und zu warten, dass die Ampel wieder auf Grün umschaltet, um dann weiterzulaufen oder weiterzufahren.

Doch auch diese Schublade musste früher erst mit Wissen gefüllt werden, was in unserer Kindheit und nachfolgend geschehen ist. Mit der Zeit füllt sich beispielsweise die Schublade mit weiteren artverwandten Erkenntnissen, wie eben das mit dem Verbrühen, wenn man in eine Tasse mit heißer Flüssigkeit fässt. Oder auch das Erlebnis eines Beinbruches nach dem Sprung von einer Mauer kann in diese Schublade verbucht werden. Als Folge springt die Person nie wieder von so einer hohen Mauer.

Kontrovers betrachtet braucht das Verstehen also diese gedanklichen Schubladen. Das Erkennen wiederum wird mithilfe der fünf Sinne realisiert. Hören mit den Ohren, Schmecken mit dem Mund, Riechen mit der Nase, Tasten mit den Fingern und Zehen sind die vier wichtigsten Sinne. Dazu kommt der kinästhetische Sinn, der alles miteinander in Einklang bringt, was beispielsweise mit Bewegung zu tun hat. Dabei wird festgelegt, wie viel man sich bewegen muss, um einen Schritt, Sprint oder das Schleichen zu realisieren.

Es wird also eine Dosis festgelegt, was gebraucht wird, um eine bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Auch ist ohne die Erkenntnis und das Verstehen aus Kindheitstagen nicht möglich. Das Laufen inklusive dem Fallen musste jeder von uns als Kleinkind lernen und daraus Fortschritte ableiten sowie generieren. Ohne diese könnten wir uns als Erwachsene nicht so bewegen, wie man dies im Normalfall tut.

Die Sinne sind also für das Erkennen zuständig, das Gehirn sowie Gedächtnis für Verstehen und Begreifen. Beides kann also zwangsweise gar nicht das gleiche oder selbe sein. Ein Verstehen ist ohne Erkenntnisse gar nicht möglich. Wie will man etwas verstehen, wenn gar kein Anlass dazu besteht? Schließlich existiert kein Reiz, der den Denkprozess im Kopf auslösen kann. Nicht umsonst heißt es: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

Will man es philosophisch auf die Spitze treiben, so kann man natürlich auch aus dem letzten Floskel wiederum eine Handlung ableiten. Gerade, weil manche nicht wissen, was stattfindet, macht man sich heiß. Über ungelegte Eier oder Dinge sich einen Kopf zu zerbrechen kann wiederum zu einem falschen Verständnis und wiederum zu einer nicht korrekten Reaktion führen.

Wenn ein Gegenüber sich nicht auf eine SMS meldet, findet ein Prozess des Erkennens statt, dann macht man sich darüber einen Kopf. Die Denkmaschine wird angeworfen und alle möglichen Schubladen im Kopf öffnen sich, man will die Situation verstehen. Vermutungen wie: Er geht fremd, ihm ist etwas passiert oder sein Handy ist womöglich kaputt, können dann aufkommen, ohne, dass die betroffene Person sich was zuschulden kommen lassen hat in der Vergangenheit. Ein sogenanntes Kopfkino entsteht.

Je nach Charakter will man verstehen, warum die SMS nicht beantwortet wird. Dieser Vorgang kann für Angst sorgen, denn eine Situation, die man nicht versteht, sorgt für innere Unruhe oder einer irrationalen Reaktion wie das Abstandhalten von der Person, welche die SMS nicht beantwortet. Erkennen und Verstehen spielen hier auf wieder als Prozesse eine Rolle, welche ohne einander nicht können. In der Regel spielen der Moment des Erkennens und Verstehen sich nur kurz nacheinander ab.

Oft ist es auch so, dass man etwas erkennt und erst viele Jahre später versteht, wie beispielsweise eine Witz-Poente oder die Denkweise der eigenen Eltern in Bezug auf wichtige Themen wie die Erziehung. Vieles, was man selbst beigebracht bekam, gibt man selbst auch wiederum weiter. Doch was dabei wichtig ist, kristallisiert sich erst heraus, wenn man selbst Eltern wird. Das Erkennen und Verstehen, warum man selbst so erzogen wurde, wie man ist und welche Werte das eigene Kind davon wiederum vermittelt bekommen soll, wird so festgelegt. Erfahrungen sowie eigene zukünftige Handlungsweisen bedingen also wiederum aus einem Erkennen und Verstehen.

Ausblick in die Zukunft

Das Erkennen und Verstehen findet nicht nur bei Tieren und Menschen statt. Auf einer anderen Ebene sollen beide Aspekte ebenfalls integriert werden. Genau genommen gibt es bereits leistungsfähige Computer, welche durch das Erkennen und Verstehen wiederum eigene Handlungsweisen ausführen. Ein Bewegungsmelder nimmt den Reiz auf, dass ein Einbrecher zugange ist. Also wird ein Alarm ausgelöst. Das wiederum ist nur deswegen möglich, weil die Anlage mit der Information gefüttert wurde, diese Handlung auszuführen.

Es gibt aber irgendwann auch Roboter oder Computer, welche sich den Handlungsweisen und Reizen anpassen. Ein Schachcomputer wird lernen, wie die Züge des Gegenübers gezogen werden und so eigenständig eine eigene Strategie entwickeln, um dies zu unterbinden. Früher wurden diese Schachcomputer mit endlichen Lösungswegen gefüttert, doch der menschliche Faktor konnte nicht kopiert werden. Selbstlernende Systeme werden mehr und mehr unser tägliches Leben bestimmen. Daraus lassen sich für Menschen nachfolgend jedoch auch wiederum das Erkennen und Verstehen realisieren sowie Erfahrungen daraus ziehen.


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