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Was bedeutet Doppelmoral, wie entsteht Doppelmoral


Als Doppelmoral bezeichnet man ein psychologisch menschliches Phänomen, welches auftritt, sobald eine Person oder Gruppe gegen ihre Glaubens- und Moralvorstellung handelt. Demnach muss eine Moral zuvor erbracht werden, um Doppelmoral erkennen zu können. Dieser Zustand kann unterbewusst geschehen oder absichtlich praktiziert werden und kann in seiner Ausprägung unterschiedliche Ausmaße annehmen.

Was bedeutet Doppelmoral: Definition und Bedeutung

Die Doppelmoral setzte sich aus den Wörtern „Doppel“ und „Moral“ zusammen, wobei diese im Kontext zum Gebrauch des Wortes anders definiert werden müssen. Als Moral ist hierbei das Grundverständnis und die Weltanschauung einer Person oder Gruppe zu bestimmten Fragen des Lebens gemeint. So eine Weltanschauung ist sehr individuell geprägt und kann unendliche Kombinationen an Faktoren beinhalten.

So kann die Weltanschauung und folglich die mit einhergehende Moral, politische, religiöse, gesellschaftliche, spirituelle, ethische, wirtschaftliche, wissenschaftliche, sexuelle, biologische und viele weitere Unterschiede aufweisen. Die Thematik der Moral beschäftigt die Menschheit aufgrund ihrer Vielseitigkeit genauso lange, wie der denkende Mensch an sich existiert. Unter all der Komplexität und der enormen Anzahl an Aspekten hat sich nichtsdestotrotz über Jahrhunderte hinaus der Begriff der Moral etabliert, um all diese Lebensfragen stark zu verallgemeinern und zusammenzufassen.

Obwohl das Verständnis der Moral bei jedem individuellen Menschen anders ausgeprägt ist, kann diese grob und verallgemeinert unterschiedlichen Gruppen zugeteilt werden. So können die Fragen der Moral unterschiedliche Themen innerhalb dieser Gruppen behandeln:

  • Menschen und keine Menschen (zum Beispiel Tiere)
  • in politischen und ideologischen Fragen
  • Fragen in Berufsgruppen, beispielsweise im Militär, bei Wissenschaftlern oder Medizinern
  • in Religionsgemeinschaften
  • bei kulturellen Unterschieden
  • viele weitere Unterteilungen möglich

Das „Doppel“ im Begriff der Doppelmoral würde von der allgemeinen Wortbedeutung ausgehend im Zusammenhang zur Moral wenig sinnvoll sein. Die Moral, die sich weder räumlich noch zahlenmäßig abgrenzen lässt, kann schlichtweg nicht doppelt vorkommen, sodass die Bedeutung aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden muss.

Im historischen Kontext, also seitdem der Begriff der Doppelmoral aufgekommen ist, impliziert „Doppel“ vielmehr die zweifache Ausprägung der Moral. Entscheidend bei dieser zweifachen Ausprägung ist die Tatsache, dass sich die erste Instanz der Moral von der zweiten grundlegend unterscheidet und im direkten Gegensatz zu ihr steht. Diese Widersprüchlichkeit zwischen einer Aussage und der darauf folgenden Handlung wird mit dem Begriff der Doppelmoral kritisiert und soll die Unstimmigkeit zwischen den beiden Vorgängen hervorheben.

Alternativ zur Doppelmoral kann man auch von Doppelstandards sprechen. Inhaltlich unterscheiden sich die beiden Begriffe nicht, da „Standard“ in diesem Kontext mit der Moral gleichgesetzt wird. Auch in der englischen Sprache wird ausschließlich von „double standarts“ gesprochen.

Moral und Doppelmoral als Manipulationstechnik

Moral tritt oft in Kombination mit einem Appell auf. Bei einem moralischen Appell versucht ein Redner bestimmte Argumente aufzubringen, um seinen Gegenüber zu dominieren. Diese Überlegenheit geschieht dann durch die moralische Komponente, wodurch die Argumente der Gegenseite entkräftet werden können. Dadurch wird Moral zu einer Manipulationstechnik, welche in der Politik und Ethik angewandt wird, um jemanden zu überzeugen oder das Gespräch zu beherrschen.

Nun kommt die Doppelmoral ins Spiel. Denn oftmals steckt keine echte moralische Absicht dahinter, sondern der Versuch alle Gegenargumente zu demoralisieren, um seinen Gegner zu beherrschen bzw. mundtot zu machen. Wenn man zum Beispiel nicht möchte, dass Fleisch zum Wohle der Tiere etwas teurer wird, kann man immer die sozial Schwachen vorschieben, welche dann kein Fleisch mehr essen könnten. Somit kann man Tierschützer mundtot machen, indem man den moralischen Vorteil aus einer Diskussion zieht.

Durch das Anführen von Gerechtigkeit gelingt dies eigentlich immer. Denn Menschen sind soziale Wesen, welche die Gemeinschaft schon in der Urgeschichte brauchten. Und da jede Gemeinschaft nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied, ist dieses moralische Empfinden für Gerechtigkeit ein Evolutionsvorteil des Menschen gewesen. Das Gerechtigkeit neben sozialer Gerechtigkeit, auch Tierwohl und Klimagerechtigkeit einschließt, wird zur Nebensache. Es geht in einer Diskussion darum, die stärksten Argumente hervorzubringen, was durch den Sinn nach Gerechtigkeit – welcher im Menschen anliegt – gelingt. Deshalb führen Politiker auch immer die arme Rentnerin, die alleinerziehende Mutter oder Krankenschwester an, um ihre Meinung moralisch aufzuwerten und so die Diskussion zu beherrschen.

Die Doppelmoral kommt dann zum Tragen, wenn man sich sonst nicht um das Allgemeinwohl kümmert, aber in dieser Diskussion das Wohl der Gemeinschaft besonders herausstellt.

Wie entsteht Doppelmoral?

Konkret entsteht die Doppelmoral also dann, wenn sich jemand dazu entscheidet entgegen seiner moralischen Ansichten oder Aussagen zu handeln. Dabei spielt es keine Rolle, ob dies unterbewusst geschieht oder mit voller Absicht praktiziert wird. Handelt eine Person wissentlich und freiwillig im Sinne der Doppelmoral, dann ist ihr dies nicht nur bewusst, sondern bringt manchmal auch persönliche Vorteile innerhalb ihres Umfelds mit sich. So kann jemand innerhalb dieses Umfelds durch sich wiederholende moralische Aussagen oder Anordnungen überzeugend wirken, davon aber selbst nicht überzeugt sein.

Eine Aussage im Sinne der Doppelmoral kann, wie bereits erwähnt, in allen Lebensbereichen auftreten und ist somit ein Problem, dass nicht verhindert werden kann. So können sich beispielsweise Politiker gegenseitig Vorwürfe der Doppelmoral machen, ohne direkt Belege dafür zu haben. Während solche Vorwürfe manchmal als legitim betrachtet werden und belegt sein können, gibt es auch oftmals Vorwürfe, die nicht nach dem Stand der Dinge, sondern nach dem eigenen Verständnis von Moral geprägt sein können.

So eine Situation entsteht, wenn jemand eine Verletzung der eigenen Ansichten und damit seiner Moral sieht, während die beschuldigte Person dies nicht tut. Aus diesem Grund kann in komplexen Streitfällen und Diskussionen nicht einfach erklärt werden, ob jemand im Sinne der Doppelmoral handelt oder nicht. Dies hat zur Folge, dass ein Perspektivwechsel stattfinden muss und eine solche Frage nur philosophisch betrachtet werden kann.

Ein anderer Fall der Doppelmoral ist der Moment, in dem jemand im Glauben, das richtige oder nötige zu tun, gegen seine persönlichen Ansichten handelt und dies selbst nicht wahrnimmt. So kann jemand unabhängig davon, ob es mit guten oder schlechten Absichten getan wird, entgegen seiner Moral handeln. Bei so einem Sachverhalt ist die Voraussetzung der Doppelmoral vollkommen erfüllt und muss nicht einzeln bewertet werden.

Die Doppelmoral lässt sich oft nicht direkt identifizieren, kann jedoch auf die einfachsten psychologischen und natürlichen Bestandteile aufgeteilt werden. Doppelmoral entsteht, wenn:

  • jemand Moral als Manipulationstechnik einsetzt
  • jemand mit guter Absicht böses tut und umgekehrt.
  • jemand etwas verspricht, plant oder empfiehlt und das Gegenteil tut.
  • jemand vorgibt, die Wahrheit zu sagen oder vorzuleben, jedoch genau das gegensätzliche tut.
  • jemand moralisch zwischen zwei Alternativen nicht entscheiden will und deshalb eine Kostenabwägung macht

Doppelmoral als Kostenabwägung

In einigen Fällen handeln Personen, Gesellschaften oder Staaten gegen ihre eigenen Moralvorstellungen, da eine Alternative zu kostenintensiv wäre. So kann beispielsweise die Politik eines Landes sich gegen Waffenlieferung, Aufrüstung oder andere militärische Absichten richten, da sich die Gesellschaft als Pazifisten verstehen. Nun kann man den moralischen Zeigefinger gegen jedes Land richten, welches dies nicht macht.

Dann wird ein Nachbarland angegriffen und nun steht man vor der Frage, ob man hilft oder nicht. Hilfe würde gegen das moralische Anliegen des Pazifismus verstoßen, nicht zu helfen ebenfalls. Nun wird eine Kostenabwägung durchgeführt. Dabei wird festgestellt, welche gesellschaftliche Kosten mit einer konkreten Entscheidung verbunden sind. Die Kostenabwägung könnte so ausfallen:

  • Wenn wir dem Nachbarn helfen, könnten wir selbst in den Krieg hineingezogen werden.
  • Wenn wir dem Nachbarn nicht helfen, müssen wir verantworten, dass dort Menschen sterben werden.

In beiden Fällen entstehen Kosten, im Sinne von Reputationskosten oder Moralkosten, welche abgeschätzt werden müssten. Der Mensch entscheidet sich dann entweder danach, welche Alternative die größte Aussicht auf Erfolg oder auf Kostenminimierung hätte.

Diese Kosten-Nutzenrechnung findet eigentlich immer statt. Moral ist nützlich für den Menschen und deshalb muss dessen Nutzen für jede Situation konkret eingeschätzt werden. Wenn sich Personen gegen Massentierhaltung auflehnen, das Biofleisch allerdings für eine Familie zu teuer ist, wird man genauso abwägen müssen. Was ist moralisch richtig: auf Fleischprodukte zu verzichten oder mein Kind nicht ausgewogen zu ernähren. Sicherlich kann vegane Ernährung ausgewogen sein, doch sehen dies nicht alle Konsumenten ein oder wollen es nicht einsehen. Doppelmoral findet demnach auch dann statt, wenn die Kosten für die Alternative zu hoch sind und man deshalb von der eigenen moralischen Position abweichen muss.

Wer profitiert von der Doppelmoral?

Allgemein lässt sich beobachten, dass jeder von der Doppelmoral profitiert, wenn er diese zum Erreichen seiner Ziele verwendet. Oftmals handelt es sich dabei um Aspekte wie Geld, Macht, Kontrolle oder persönliche Beweggründe.

Als eine der größten Streitfälle, die die Doppelmoral als Hauptproblem aufgreifen, gilt der Konflikt zwischen großen Unternehmen und Aktivisten. Umweltschützer oder Nichtregierungsorganisationen, kurz NGOs, bemängeln die Verantwortungslosigkeit von weltweit aktiven Unternehmen, wie Lebensmittelproduzenten oder Kleidungskonzernen. Produkte werden oftmals in armen Ländern in Afrika oder Asien produziert, manchmal sogar unter lebensgefährlichen Lebensbedingungen. Die Arbeiter sind oft unterbezahlt und verdienen Minimalbeträge.

Für die Kritiker dieses Modells ist dies nicht verantwortbar. Um ihrer Argumentation Nachdruck zu verleihen, ziehen diese anschließend die Doppelmoral dieser Konzerne heran, die sich besonders in Marketingstrategien manifestieren soll. So wird kritisiert, dass mit verschiedenen Marken, Slogans, Werbespots ein vermeintlich positives Bild der Produktionsumstände geschaffen wird, um die Sympathie der Öffentlichkeit heranzuziehen.

Labels, welche Nachhaltigkeit oder Fair-Trade versprechen, aber nicht halten – werden auch als Green-Washing bezeichnet. Ein Unternehmen präsentiert seine Produkte als nachhaltig, im Sinne der Ökologie, lässt diese allerdings durch Kohle- oder Atomenergie produzieren oder nimmt in kauf, dass für die Produktion seiner Waren ganze Landstriche abgeholzt oder gerodet werden.

Oft geraten auch Gastronomieketten der Fast-Food-Branche in die Kritik. So führt McDonalds beispielsweise zahlreiche Spendenkampagnen für kranke Kinder oder von Armut bedrohte Familien, verkauft gleichzeitig aber Produkte, deren Produktion der Umwelt und den dort lebenden Menschen schadet.

Ob und inwiefern es sich dabei um Doppelmoral handelt, ist eine persönliche Wertung. Nichtsdestotrotz sehen die Kritiker an solchen Sachverhalten eine klare Doppelmoral und heben diese hervor. Dies zeigt zudem, dass nicht nur diese Konzerne vom Handeln im Sinne der Doppelmoral profitieren können, sondern beispielsweise auch andere Instanzen oder Personen.

In der Vergangenheit hat es Fälle gegeben, in denen prominente Personen für soziales Engagement oder Umweltschutz geworben haben, privat jedoch genau entgegen dieser Aussagen gehandelt haben. An diesem Beispiel wird somit klar, dass ein Leben im Sinne der Doppelmoral unter Umständen allein schon zur Aufbesserung des eigenen Images in Kauf genommen wird.

Übertragung und Opfer von Doppelmoral

Wie in den vorangegangenen Beispielen erkennbar, ist die Doppelmoral ein Missstand, der oftmals kritisiert wird, um eine Linderung des Problems zu schaffen. Historisch betrachtet, konnten manche Probleme, die durch doppelte Standards entstanden sind, gelöst werden. Dies setzt jedoch voraus, dass diese Probleme erkennbar sind, was nicht immer der Fall ist. Es besteht also eine große Gefahr, dass die Doppelmoral dadurch, dass sie nicht entdeckt wird, folglich zu immer neuen Ausmaßen heranwächst.

Am Beispiel der nicht nachhaltigen Produktionsmethoden mancher Großkonzerne wird erkennbar, wie weit und widersprüchlich die Doppelmoral wachsen kann. Kritiker behaupten, dass der Schaden über Jahrzehnte angerichtet ist und sich der psychologische Einfluss auf die Konsumenten enorm verfestigt hat. Obwohl viele dieser negativen Handlungen seit langer Zeit innerhalb der Öffentlichkeit bekannt sind, wird wenig dagegen unternommen.

Die anfänglich nur auf die Produzenten beschränkte Doppelmoral ist nun auch auf die Konsumenten übergeschwappt, da diese trotz eventueller Zweifel dennoch an ihrem Konsumverhalten festhalten. So müssen sich Fleischkonsumenten, welche sich für Tierschutz einsetzen ebenfalls fragen, ob es nicht scheinheilig ist, Fleisch zu essen. Menschenrechtler und Klimaschützer können nicht mit guten Gewissen T-Shirts kaufen, welche am anderen Ende der Welt hergestellt wurden und für unter 10-Euro im Handel vertrieben werden. Letztlich kann man auch keine Bananen in Deutschland kaufen, da der Preis niemals die Umweltschäden, welche beim Transport entstehen und die Schäden der Plantagenproduktion abdecken, inkludieren.

In einer Gesellschaft, welche auf Globalisierung und Vernetzung ausgerichtet ist, kann niemand begreifen – welche Folgen sein Handeln oder sein Konsum am anderen Ende der Welt hat. Deshalb sollte Moral als Argument nur bedingt genutzt werden, um selbst nicht Opfer seiner eigenen Doppelmoral zu werden.

Bewertung von Doppelmoral

Moral und Tugend sind zwei Konzepte, um das Zusammenleben in einer Zivilisation zu harmonisieren. Dabei fallen die Moralvorstellungen eines Menschen ganz unterschiedlich aus. So sehen einige Personen bereits in Flugreisen und Tourismus eine moralische Verfehlung, welche darauf abzielt – den Klimawandel zu beschleunigen. Andere haben diese Moralvorstellung nicht. Doppelmoral kann somit nur entstehen, wenn zuvor ein moralischer Appell vorhanden war und dieser fällt individuell unterschiedlich aus.

Die zuvor genannten Beispiele und ihre Einzelheiten sind in Anbetracht der unzähligen Betrachtungsebenen der Doppelmoral ein klares Zeichen dafür, dass jeder Einzelfall persönlich und unter der Berücksichtigung der eigenen moralischen Vorstellungen stattfinden muss. Eine Wertung, ob es sich bei solchen Situationen um Doppelmoral handelt, ist aufgrund der Individualität, also Einzigartigkeit eines Menschen nur durch ihn selbst möglich.

Nichtsdestotrotz können außenstehende Meinungen oder wissenschaftlich belegte Fakten bei der Meinungsbildung über die Doppelmoral behilflich oder aber auch behindernd sein. Schlussfolgernd ist die Diskussion über die Doppelmoral nicht umsonst eine philosophisch komplizierte Frage, auf die es keine Antwort gibt und niemals geben wird.


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