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Königreich Polen: 8 Fragen und Antworten zu polnischen Königen und dem Reich


Das Königreich Polen bestand zwischen den Jahren 1000 und 1795 und zwischen 1815 und 1916. Erster König Polens war Bolesław I., auch als Boleslaw Chrobry (der Tapfere) bezeichnet. Dieser war zuvor Herzog von Polen, wurde aber von Otto III. – dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches – in den Königsstand erhoben. Diese Erhöhung wird in der Geschichtsschreibung als Akt von Gnesen (1000 n.Chr.) bezeichnet. Die Krönung erfolgte 1025 – weshalb beide Jahreszahlen als Gründungsjahre des Königreiches auftauchen.

Wann und Wie entstand das Königreich Polen

Das Gebiet des heutige Polens wurde im 9. und 10. Jahrhundert von westslawischen Stämmen besiedelt. Darunter befanden sich Stammesverbände der Opolanen, der Slenzanen, der Masowier, der Wislanen und der Polanen. Letztere wurden zum Namensgeber des Königreiches, da diese Stämme das erste Herrschafts- bzw. Staatsgebilde ab den 960-er Jahren aufbauten.

Siedlungsgebiet Polanen

Ursprüngliches Siedlungsgebiet der Polanen am Flussgebiet der Warthe (Warta)

Als erster Herrscher Polens wird Mieszko I. erwähnt, welcher ab den 960-er Jahren auf dem Gebiet um Posen und Gnesen herrschte. Er gilt als Begründer der Piasten-Dynastie, welche auf den legendären Herrscher Piast zurückzuführen ist.

Herzog von Polans Mieszko I.

Erste Herzog von Polen, Mieszko I. Porträt auf einer polnischen Banknote

Mieszko gründete den Piastenstaat, welcher später zum Herzogtum erklärt werden sollte.

Durch Kriege und Eroberungen baute Mieszko seinen Herrschaftsanspruch weiter aus und wird ab 963 vom sächsischen Geschichtsschreiber Widukind von Corvey als fähiger Heerführer, Anführer oder lateinisch Dux erwähnt. Diese lateinische Bezeichnung ist gleichzusetzen mit dem Herzog.

Mieszko I. führte den Piastenstaat als Herzogtum Polen bis zu seinem Tod. Um sich Fremdeinmischung durch das Heilige Römische Reich fernzuhalten, ließ sich Mieszko im Jahr 966 freiwillig taufen. Nach der Taufe wurde das Land allmählich christianisiert. Durch die Bekennung zum Christentum konnte sich Mieszko gegen die einfallenden Markgrafen wehren, welche die Eroberung des Herzogtums mit dem Zweck einer Christianisierung rechtfertigten.

Mieszko starb im Jahr 992 und sein Sohn sollte ab 1000 n.Chr. zum ersten König von Polen werden.

Wer war der erste König von Polen

Mieszkos ältestes Sohn war Boleslaw Chrobry, welcher nach dem Tod des Vaters zum polnischen Herzog aufstieg. Die Christianisierung seines Vaters führte dazu, dass Polen nun als Verbündeter des römisch-deutschen Kaiser Otto III. auftrat. In den Jahren nach 992 vertrieb Boleslaw die heidnischen Lutizen aus Pommern und Brandenburg, wodurch sein Einfluss beim Kaiser wuchs.

Im Jahr 997 ließ Boleslaw die Gebeine des ermordeten Missionars Adalbert von Prag nach Gnesen bringen. Dieser wurde von heidnischen Prußen erschlagen, dann heiliggesprochen und zum Märtyrer erklärt. Dadurch wurde Gnesen zum Wallfahrtsort der Christenheit.

Im Jahr 1000 besuchte der römisch-deutschen Kaisers Otto III. die Stadt Gnesen, vermutlich um die Gedenkstätte des Märtyrers zu besuchen. Bei dieser Pilgerreise kam es zum Akt von Gnesen. Bei diesem Akt wurde Gnesen zur Kirchenprovinz erklärt und Boleslaw in den Stand des Königs von Polen erhoben.

erster könig von polen Boleslaw Chrobry

Erster König von Polen: Boleslaw Chrobry, gedruckt auf einer polnischen Banknote

Wieso wurde das Königreich Polen zu Polen-Litauen

Ab dem Jahr 1569 schlossen sich das Königreich Polen und das Großfürstentum Litauen zusammen, gründeten eine aristokratische Republik mit einer parlamentarischen Monarchie, welche auch als Erste Republik Polens bezeichnet wird. Hauptstädte waren anfangs Krakau und Vilnius, ab 1596 Warschau.

Polen Litauen Karte

Karte von Polen-Litauen ab 1569 bis 1793

Zuvor sollte der Deutschritterorden, welcher eine Institution des Heiligen Römischen Reiches war, auf dem Gebiet des Königreich Polens die heidnischen Prußen vertreiben. Einberufen wurde der Ritterorden 1226 durch Herzog Konrad von Masowien, welcher die Heiden aus Masowien (heute Großraum Warschau) vertreiben wollte.

Der Ritterorden vertrieb die Prußen, errichtete aber ab 1230 den Deutschordensstaat auf dem ehemaligen Gebiet der Prußen. Später ging daraus der Staat Preußen hervor, welcher die Prußen als Namensgeber nutzte.

Deutschordensstaat

Gebiet des Deutschordensstaates mit Grenzen zu Polen

Fortan kam es zu Konflikten zwischen dem Deutschordensstaat und den angrenzenden Königreich Polen und dem Großherzogtum Litauen. Um eine stärkere Position zu haben, gingen beide Staaten ein Bündnis ein, welches ab 1385 als Personalunion (Amtszusammenlegung) geführt wurde.

Bei der Schlacht bei Tannenberg (1410) wurde der Deutschritterorden vernichtend durch polnische und litauische Streitkräfte geschlagen. Diese Schlacht ging in die polnische und litauische Geschichte als Heldenepos ein. Fortan entwickelten beide Staaten ein noch engeres Bündnis und die Personalunion ging 1569 in eine Realunion (Völkerrechtsverbindung) über.

polen litauen europakarte

Ausdehnung des polnisch-litauischen Staates auf der Europakarte

Mit der Schaffung des polnisch-litauischen Staates ging die Erbmonarchie in eine Wahlmonarchie über.

Wieso wurde ein Sachse zum König von Polen

Im Krieg mit Schweden (1655 bis 1661) sollte die Vorherrschaft im Baltikum geklärt werden. Die Kriegsausgaben waren verheerend und so suchte Polen nach neuen Verbündeten und Optionen.

Das Kurfürstentum Sachsen verfügte über Handwerk, Manufakturen, staatliche Einkünfte und funktionierende Verfassungsorgane. Und da Polen-Litauen zwar eine Monarchie – aber eine Wahlmonarchie war, konnten sich auch Ausländer um das Amt des Königs bewerben. Sachsen lockte mit seinen Manufakturen, seiner handwerklichen Kunst und mit Geld.

Wie wurde August der Starke zum König von Polen

Wie bereits beschrieben, war Polen wirtschaftlich am Ende. August der Starke war Kurfürst von Sachsen und soll den wahlberechtigten polnischen Adel mit 39 Millionen Reichstaler bestochen haben. Daraufhin wurde er zum König von Polen gewählt.

august-der-starke

August der Starke, Gemälde von Louis de Silvestre, um 1720

Zwischen den Jahren 1697 und 1709 war August der Starke, aus dem Haus Wettin, neben Kurfürst von Sachsen auch König von Polen und Großfürst von Litauen. Die Titel waren zwar erkauft, brachten aber das Haus Wettin in königliche Position. Mit ihm begann die Sachsenzeit in Polen.

Wer war letzter König von Polen

Der letzte König, welcher tatsächlich gewählt wurde, war Stanisław II. aus dem Haus Poniatowski (polnisches Adelsgeschlecht). Dieser regierte Polen zwischen 1764 und 1795. Mit ihm endete die Personalunion Sachsen-Polen.

Förmlich ins Amt erhoben, wurde Stanisław durch Katharina die Große, welche zwischen 1762 und 1796 Zarin (Kaiserin) in Russland war. Durch die Unterstützung Stanisławs erhoffte sich Katharina, größeren Einfluss auf die polnisch-litauische Adelsrepublik nehmen zu können. Wohlmöglich war Katharinas Tochter Anna Petrowna von Stanislaw.

Im Jahr 1772 fielen die europäischen Großmächte Russland, Preußen und Österreich in Polen ein und teilten das Reich erstmalig auf. Zwar versuchte Stanislaw das Land wieder unabhängig zu machen, aber er blieb dabei erfolglos.

In den fortlaufenden Jahren wurden die russischen Zaren zum König von Polen in Warschau gekrönt. Polen war fortan wieder eine Erbmonarchie.

Die russische Thronfolge endete mit der Februarrevolution 1917 in Russland. Letzter russischer König von Polen war Michail Alexandrowitsch Romanow, Bruder des Zaren Nikolaus Alexandrowitsch Romanow (Nikolaus II.).

Als der Zar am 15. März 1917 gestürzt wurde, wurde die Monarchie in Russland und zugleich in Polen beendet. Auf die Februarrevolution folgte noch im selben Jahr die Oktoberrevolution in Russland. Im Zuge der Oktoberrevolution von 1917 übernahmen die Bolschewisten, unter Führung von Wladimir Iljitsch Lenin, die provisorische Regierung in Russland.

Die Bolschewisten ermordeten die gesamte Zarenfamilie um Nikolaus Romanow. Der ehemals polnische König Michail Romanow wurde in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni 1918 aus einem Hotel in Perm (russische Stadt) entführt, in ein nahegelegenen Wald gebracht und erschossen.

Wieso wurde das Königreich Polen geteilt

Polen wurde mehrfach geteilt, neu aufgestellt und wieder geteilt. Das Ganze viermal.

Das erste Ende des Königreichs Polens ist mit der schrittweisen Aufteilung des Gebietes ab 1772 verbunden. Die europäischen Staaten Russland, Preußen, und Österreich teilten sich Polen untereinander auf. Dies geschah dreimal. Und zwar 1772, 1793 und schließlich 1795. Fortan war Polen ein Vasallenstaat der europäischen Großmächte, genauso wie Litauen.

Nach 1795 schuf Napoleon Bonaparte das Herzogtum Warschau (1806 – 1815), einen Satellitenstaat – um von dort aus den Russlandfeldzug von 1812 umzusetzen. Doch im Wiener Kongress von 1815 einigte man sich darauf, dass das Herzogtum Warschau in ein Königreich Polen gewandelt wird, welches allerdings dem russischen Zarenreich untersteht. Daraufhin wurde Polen wieder zum Königreich, allerdings ohne Wahlmonarchie. Stattdessen waren die russischen Zaren zugleich polnische Könige.

Erst am Ende des Ersten Weltkrieges – durch den Beschluss des Versailler Vertrages (1918) – erhielt Polen seine Souveränität zurück. Formell begann die Zweite Republik Polens am 11. November 1918, was allerdings für Nazi-Deutschland und die Sowjetunion ein Problem war, da beide Mächte einen Anspruch erhoben. Die vierte Teilung Polens wurde deshalb 1939 im Nichtangriffspakt zwischen Hitler und Stalin beschlossen.

Wie wurde das Königreich Polen zur Republik Polen

Während des Zweiten Weltkriegs teilten sich das Dritte Reich und Sowjetrussland das polnische Staatsgebiet unter sich auf. Das Deutsche Reich erhielt Westpolen und Russland den östlichen Teil.

polen vor dem zweiten weltkrieg

Polen 1939 vor Beginn des Zweiten Weltkriegs

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die polnische Grenze nach Westen verschoben. Deutschland musste die Oder-Neiße-Grenze zu Polen anerkennen und Gebiete, wie Schlesien oder Ostpreußen abtreten. Östliche Teile Polens, wie Königsberg, fielen an die Sowjetunion. Die Exklave Kaliningrad ist heute noch Teil von Russland.

Auf dem Gebiet des heutigen Polens wurde zunächst die Volksrepublik Polen im Jahr 1944 gegründet, welche ab 1945 unter Einfluss der Sowjetunion stand. Die Volksrepublik war Teil des Ostblocks, Mitgliedstaat des Warschauer Paktes und wurde von einer Einparteiendikatur regiert. Die regierende Partei war ausschließlich die Polnische Vereinigte Arbeiterpartei (polnisch: Polska Zjednoczona Partia Robotnicza, kurz: PZPR).

In den 1980-er Jahren kam es zur Streikbewegung um Lech Wałęsa, woraufhin Gespräche am Runden Tisch (1989) in Warschau stattfanden.

Der Systemwechsel wurde mit dem Fall der Sowjetunion endgültig vorangetrieben, so dass am 4. und 18. Juni 1989 freie Parlamentswahlen stattfinden konnten, welche die Gewerkschaftsbewegung Solidarność gewann. Am 29. Dezember 1989 wurde die Verfassung geändert und die Republik Polen ausgerufen, welche heute immer noch besteht.

Die heutige Republik Polen wird auch als Dritte Republik Polen bezeichnet. Ihr vorausgegangen sind:

  • die Erste Republik Polen: Polen-Litauen (1569 – 1795)
  • die Zweite Republik Polen: 1918 bis 1939

Der Unabhängigkeitstag ist in Polen nationaler Feiertag und wird am 11. November 1918 gefeiert.


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