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Martyrium, Märtyrer


Das Martyrium (altgriechisch: mártys = Zeuge) bzw. auch Blutzeugnis oder Opfertod genannt – ist, innerhalb verschiedener Religionen, ein Leidensweg, welcher bis zum Tod führen kann, den Menschen auf sich nehmen, um ihren Glauben oder Willen zu stärken, zu untermauern oder zu beweisen. Die Menschen, welche Leid und Tod für eine größere Sache auf sich nehmen, werden als Märtyrer bzw. Martyrer bezeichnet. Das Märtyrertum beschreibt die geschichtliche und theologische Betrachtung der Märtyrertode.

Was ist das Martyrium: Definition und Bedeutung

In der strengsten Definition bezieht sich das Martyrium auf den gewaltsamen Tod oder das Leiden, das eine Person erduldet und akzeptiert, um ihren Idealen oder Überzeugungen nicht zu widersprechen. Märtyrer sind Menschen, welche sich selbst opfern und somit das Leben von anderen Menschen retten.

Das Martyrium wird insbesondere im christlichen Kontext verwendet und bezieht sich speziell auf das Leiden eines Christen, der sich weigert, seine Überzeugungen aufzugeben und bis zum Tod an diesen festhält. Der Märtyrertod ist fester Bestandteil biblischer Erzählungen, aber auch moderner Geschichten.

Ein Martyrium zu erleiden, wird im modernen Journalismus, oft als Synonym für eine ausweglose Situation genutzt. Eine Person befindet sich in einer Situation, welche sie selbst nicht kontrollieren und deren Ausgang sie selbst nicht mitbestimmen kann, hält aber weiter an ihren Überzeugungen fest, obwohl die ganze Menschheit vermutet, dass es nicht gut ausgehen wird. Somit wird das Martyrium auch genutzt, um die Sinnlosigkeit einer Sache zu beschreiben.

Woher kommt Martyrium: Ursprung und Herkunft

Der Begriff Martyrium leitet sich von dem altgriechischen Wort martyrium ab, das ursprünglich „Zeugnis“ bedeutete. Der Märtyrer war somit derjenige, der vor der ganzen Welt Zeugnis von seinem Vertrauen in Jesus Christus ablegte und eigens für die Verbreitung der christlichen Religion hingerichtet wurde. Das Märtyrertum, das zunächst vor allem im gerichtlichen Kontext verwendet wurde, bezog sich auf einen Zeugen, der die Realität der Ereignisse bezeugte und typischerweise die Schuldigen, sich selbst inbegriffen, verteidigte.

Im Laufe der Zeit wurde das Martyrium auch im philosophischen Bereich (insbesondere unter den Stoikern) als Zeuge für die Wahrheit verwendet und entwickelte sich schließlich zu einem Zeugen für ein religiöses Ereignis, für das der Gläubige durch sein Leben und seine Lehre Zeugnis ablegte. Der Ausdruck wurde im biblischen, jüdischen oder christlichen Kontext nie verwendet, um das zu bezeichnen, was er heute bedeutet: Zeugnis ablegen bis in den Tod.

Erst im frühen Christentum, mit dem Beginn der Christenverfolgung, wurde der Ausdruck praktisch ausschließlich für ein hartes Zeugnis bis zum Tod verwendet. Wie bereits erwähnt, ist das Märtyrertum jedoch nicht ein rein christliches Phänomen. Denn es existieren Märtyrergeschichten in vielen anderen Religionen.

Dem Martyrium wird der Begriff des Blutzeugens gleichgestellt. Der Blutzeuge legte sein Zeugnis ab und blieb beharrlich bei seiner Aussage, selbst dann, wenn ihm Gewalt angetan wurde. Das Blut, welches durch die Gewalt hervortrat, sollte die Aussage des Zeugen untermauern. Der Blutschwur lässt sich davon ableiten.

Martyrium im Judentum

Das Judentum gilt als älteste Religion, aus dem die anderen Weltreligionen hervorgingen bzw. geprägt worden. Die Ursprünge des Judentums liegen im Mittelmeerraum, dem Gebiet Judaä – nach dem ihre Bewohner und Nachkommen, die Judäer bzw. Juden, benannt sind.

Die vornehmliche Geschichtsquelle, welches die Überlieferungen zum Königreich Judaä bereitstellt, ist das Alte Testament, dass beispielsweise den Genesis (Schöpfung), Exodus (Auszug aus Ägypten) und die Chroniken der Könige beinhaltet.

Das historische Gebiet Judaä war eine Region, westlich und östlich des Flusses Jordan gelegen, welches auf das gleichnamige Königreich zurückgeht.

Das Königreich Judaä wurde, laut der Bibel, im letzten Jahrtausend v.Chr. durch König David gegründet und umfasste ein Gebiet im östlichen Mittelmeerraum, welches heute als Naher Osten bezeichnet wird. Die Gründung des Königreiches geht auf die „Zwölf Stämme Israels“ bzw. das „Volk Israel“ zurück, welche durch David vereint worden sind, wofür sein Vorgänger (König Saul) bereits den Grundstein legte.

David vererbte das vereinigte Königreich an seinen Sohn Salomon (965–926 v.Chr.), welcher als Erbauer der ersten jüdischen Tempel gilt. Nach Salamons Tod zerfiel das Judaä-Reich in ein „Nordreich Israel“ mit Samaria als Hauptstadt und dem Königreich Juda, welches Jerusalem als Hauptstadt hatte.

Im Jahr 587/86 v.Chr. wurde Jerusalem durch den babylonischen König Nebukadnezar II. erobert und zerstört. Dies markiert das Ende des Königreiches Juda und den Anfang als Kolonie mit wechselnden Herrschern und Kulturen. Die Vormachtstellung Babylons in Jerusalem endete, als Kyros II. im Jahr 538 v.Chr. das Gebiet eroberte und es zur Provinz des Perserreiches machte. Die Perser kontrollierten das Gebiet bis 330 v.Chr., gefolgt von Alexander dem Großen und den sogenannten Diadochenreichen – welche als Nachfolgestaaten des Alexanderreiches eingeordnet werden.

Während der Herrschaft der Seleukiden, welche ein Diadochenreich nach Alexanders Tod bildeten, kam es im Jahr 167 v.Chr. zum Aufstand der Makkabäer in der Region Palästina. Die jüdischen Makkabäer waren siegreich und begründeten das Geschlecht der Hasmonäer, welche als erstmals wieder einen eigenständigen Staat der Juden bildeten. Die Hasmonäer herrschten zwischen 165 und 35 v. Chr. in der Region Palästina.

Im Jahr 40. v.Chr. fielen die Parther ins wiedererblühte Judäa ein und ersetzten den Hohenpriester Hyrkanos II. durch Antigonos Mattatias. Zu dieser Zeit lebte Herodes, ein Vertrauter des Hohepriesters, in diesem Gebiet. Er floh, während des Parther-Einfalls, nach Rom und wurde dort zum Vertrauten von Marcus Antonius, einem Feldherr – welcher im Römischen Reich großes Ansehen genoss.

Der römische Senat erklärte Herodes zum neuen Herrscher über Judäa, einem Titel ohne ein Staatsgebiet. Mit Roms Unterstützung kehrte Herodes nach Palästina zurück und eroberte das Gebiet zwischen 37 v.Chr. und 35 v.Chr. und beendete die Herrschaft der Hasmonäer.

Herodes der Große, wie er nach der Eroberung Jerusalems auch genannt wurde, regierte bis 4. v.Chr. Seine Nachkommen werden als Herodianer bezeichnet, welche unter römischen Einfluss standen. Fortan war das Gebiet Judäa eine römische Provinz.

Jesus Christus und sein Opfertod

In dieser Zeit lebte der jüdische Wanderprediger Jesus von Nazareth im römisch kontrollierten Gebiet Jerusalems. Aus dem Judentum heraus, begründete dieser eine neue religiöse Lehre, welche als Christentum in die Liga der Weltreligionen aufsteigen sollte.

Da der Einfluss des Jesus von Nazareth stetig zunahm, war er für die Römer ein Problem. Der römische Statthalter in der Provinz Judäa, namens Pontius Pilatus, regierte die Region mit Gewalt und Grausamkeit und wollte sich gegenüber Rom nicht erklären müssen, dass eine Religion die damalige Ordnung gefährden könnte. Deshalb klagte er Jesus von Nazareth an und bezichtigte ihn, dass er sich selbst „König der Juden“ nannte. Und da Jerusalem bzw. die Region Judäa kein eigenständiger Staat war, wurde die Beanspruchung des Königstitels als Aufstand und zum Verbrechen erklärt. Deshalb kreuzige man Jesus von Nazareth im Jahr 30 oder 31 n.Chr. in Jerusalem, was zu dessen Tod führte.

Nach drei Tagen soll Jesus von Nazareth auferstanden sein, weshalb man in der christlichen Kultur das Osterfest feiert. Einige der jüdischen Anhänger von Jesus betrachteten die Kreuzigung und die anschließende Auferstehung als ein Zeichen Gottes. Deshalb wurde Jesus von Nazareth als Messias (Erretter) und Sohn Gottes gefeiert, als die Wiederkehr des König Davids, welcher – laut jüdischer Prophezeiung – das Volk der Juden retten und wieder vereinen sollte.

Auf Grundlage dieser Messias-Prophezeiung wurde Jesus von Nazareth fortan als Jesus Christus verehrt. Das Lateinische Wort „Christus“ bedeutet der Gesalbte und ist gleichbedeutend zum Hebräischen Wort „Maschiach“, was Messias oder Erretter bedeutet. Der christliche Begriff „Jesus Christus“ bedeutet demnach Jesus der Gesalbte, Jesus der Messias bzw. Jesus der Erretter.

Da nicht alle Juden in Jesus von Nazareth ihren Retter sahen, kam es zur Spaltung. Die Christenheit glaubt, dass Jesus der Messias ist und den Opfertod starb. Im Judentum wartet man noch immer auf die Ankunft des Messias.

Das Kiddusch HaSchem als jüdisches Märtyrertum des Bar-Kochba-Aufstandes

Im Jahr 66 n.Chr. kam es zum Jüdischen Krieg gegen die Römer. Der damalige römische Kaiser Titus ließ die Stadt Jerusalem vollständig zerstören, wodurch die Juden ihren kulturellen Mittelpunkt verlieren sollten. Dem Jüdischen Krieg folgte im Jahr 116 n.Chr. der Diasporaaufstand, sowie der Bar-Kochba-Aufstand im Zeitraum zwischen 132 und 135 n.Chr.

Der damalige römische Kaiser Publius Aelius Hadrianus (36 – 138 n.Chr.) betrieb kaum Außenpolitik. Seine Kriege beschränkten sich hauptsächlich gegen aufständische Juden im Kernreich und in den Provinzen. Im Jahr 130 n.Chr. besuchte er die römische Provinz Judäa und die zerstörte Stadt Jerusalem, welche damals ein Militärlager der Römer war. Auf den Trümmern der Stadt sollte eine neue Stadt, nach römischen Vorbild – namens Aelia Capitolina – errichtet werden, was zu erneuter Unruhe führte.

Die jüdischen Rebellen wurden von Simon bar Kochba angeführt. Unter den Aufsässigen wurde Bar Kochba als Erlöser bzw. Messias gefeiert, welcher die Juden doch noch von den Römern befreien könnte. Rebellen setzten auf Guerillataktiken und tatsächlich konntem sie den Römern stark zusetzen und gegen die Übermacht größere Erfolge erzielen. Doch schließlich wurden die Rebellen zurückgedrängt und mussten sich in der Festung Battir, südwestlich von Jerusalem, zurückziehen. Dort wurden sie belagert, ausgehungert, wodurch die Kampfesmoral sank. Schließlich wurde die Festung erstürmt und Bar Kochba kam ums Leben.

Doch während des Aufstandes entstand ein neues Freiheitsgefühl in der jüdischen Bevölkerung. Der Begriff Kiddusch HaSchem bedeutet „Heiligung des Namens Gottes“ und entstand in dieser Zeit. Gemeint war ein Martyrium, welches die Anhänger Bar-Kochbas erlitten, indem sie sich wehrten, ihre Traditionen und Gebräuche hochhielten, selbst bis zum Tode. In der Geschichtsschreibung ging Bar Kochba als Held und als Vorbild für einen wehrhaften Juden ein.

Die Opferung Isaaks als Ur-Martyrium in der Bibel

Im Alten Testament, also dem Teil der Bibel – welchem Juden und Christen gemeinsam folgen – gibt es eine Erzählung über die Bindung Isaaks. In dieser Erzählung befiehlt Gott dem Stammvater Israels, namens Abraham, dass dieser seinen Sohn Isaak opfern muss. Dieser zieht zur Opferstätte, um zu tun, was ihm aufgetragen wurde. Im letzten Moment schreitet ein Engel ein und verhindert den Opfertod. Die Tat wurde zwar nicht vollbracht, doch Abrahams Wille seinen Sohn zu opfern, bewies dessen Gottesfurcht.

Im Judentum, Christentum und im Islam findet die Bindung bzw. Opferung des Isaaks zahlreiche Interpretationen und wurde von Märtyrern und Personen, welche für Selbstopfer bereitwaren, zitiert und herangezogen.

Das Martyrium im Christentum

Das Martyrium bzw. das Märtyrertum entstand als Folge der Christenverfolgung und wurde zur Heldengeschichte glorifiziert, da sich die Christen ihren Peinigern nicht unterwarfen und von ihrem Glauben nicht abwichen. Die Christenverfolgungen begann im Römischen Reich im 3. Jahrhundert und war eine systematische Strafverfolgung, welche vom Kaiser persönlich angeordnet wurde, um die Entwicklung und das Wachstum dieser neuen Religion zu verhindern. Denn man ahnte bzw. wusste, dass dies die römische Gesellschaftsstruktur verändern, unterwandern und zerstören könnte. Die Christenverfolgung endete mit der Mailänder Vereinbarung im Jahr 313.

Unter Theodosius I. (347–395), dem letzten Kaiser des gesamtrömischen Reiches, wurde das Christentum zur Staatsreligion erhoben. Fortan erhielten die bereits ermordeten Märtyrer, welche den kulturellen Weg mit ihrem Opfer ermöglicht haben, die angemessene Verehrung. Nach dem Tod Theodosius I. kam es zur Aufteilung des Reiches zwischen seinen beiden Söhnen, namens Arcadius und Honorius.

Die Reichsteilung von 395 war das Ende des gesamtrömischen Reiches. Das Weströmische Reich, mit Rom als Hauptstadt, ging an Honorius. Sein Bruder Arcadius erhielt den östlichen Teil des Weltreiches, mit Byzanz als Hauptstadt. In beiden Teilen des Weltreiches blieb das Christentum als Staatsreligion erhalten. Doch im Oströmische Reich kam es im Mittelalter (im Jahr 1054) zum sogenannten morgenländischen Schisma, als deren Resultat, sich die orthodoxe Kirche (im Osten) von der römisch-katholischen Kirche im Westen abspaltete.

Beide Kirchen blieben christlich, lebten allerdings das Christentum in einer anderen Kirchenstruktur und mit verschiedenen Brauchtümern aus. So akzeptiert die orthodoxe Kirche nicht den Papst als geistiges Oberhaupt der Christenheit. Stattdessen sind Bischöfe gleichgestellt und es gilt das Gesetz: Primus inter pares (Erster unter Gleichen).

Die orthodoxe Kirche versteht sich weiterhin als Urkirche, welche den Urglauben aller Christen vertritt. Das römisch-katholische Gegenstück wird stattdessen als eine Abweichung bzw. Entfremdung von den Wurzeln des Christentums verstanden. Schließlich entstanden einige Märtyrertode deshalb, weil sich beide Vertreter des Christentums nicht einigen konnten, wie man die Religion richtig auszuleben hat.

Die zweite große Spaltung erfuhr die christliche Kirche im 16. Jahrhundert, als Martin Luther im Jahr 1517 die Reformation einleitete. Seine Veränderungsabsichten bestanden darin, dass er die Kirche zugänglicher machen wollte für die Allgemeinheit. Deshalb übersetzte er die Bibel, vom Lateinischen ins Deutsche, wodurch jeder Gläubige das Wort Gottes verstehen konnte. Dies führte zu einer zunehmenden Entmachtung des Kirchenamtes, da nun Amtsträger nicht mehr in der Lage waren, die Bibelverse nach ihren Wünschen auszulegen. Die Reformation führte zu Glaubenskriegen innerhalb Europas und zu Märtyrertoten in ihrem Namen.

Außerdem sprach sich Luther für eine Trennung zwischen geistlicher und weltlicher Macht aus. Diese sogenannte Zwei-Welten-Lehre stellte eine weitere Bedrohung für die Kirche dar, da sie fortan ihre Macht teilen sollten.

Die Märtyrerpalme als Symbol des Martyriums

Die Seelig- oder heiliggesprochenen Märtyrer werden in der bildenden Kunst mit einer Palme dargestellt. Diese Palme wird oft noch mit einer Krone versehen, was als Symbol für den Sieg des Geistes über das Fleisch dienen soll. In den Märtyrerberichten aus der frühchristlichen Zeit geht hervor, dass der Palmzweig eine zentrale Rolle im Martyrium eingenommen haben muss. Die Formulierung „errang die Palme des Martyriums“ wird häufig verwendet, wonach der Palmzweig als Siegtrophäe des Märtyrers angedacht sein könnte.

Wer sind die Märtyrer, wie wird man zum Märtyrer

In den Stand des Märtyrers wird man erhoben. Es ist demnach ein Status, welchen die Kirche oder eine andere Organisation verleiht. Außerdem kann der Märtyrerstatus nur durch einen Rückblick und Neubetrachtung auf die Geschichte verliehen werden. Denn viele der Märtyrer waren zu ihren Lebzeiten als Aufsässige, Abweichler oder Widerstandskämpfer verschrien und wurden erst im Nachgang als Märtyrer gesprochen.

Zudem existieren Märtyrerberichte (Gesta Martyrum), welche im 4. Jahrhundert entstanden. Diese schildern das Leben und den Tod von Menschen, welche zu Märtyrern gemacht worden. Diese Berichte sind allerdings nur Akten aus der frühchristlichen Zeit, geben allerdings Einblicke in die Gedankenwelt der Verurteilten.

Der Märtyrerspiegel erschien erstmals 1660. Das Register listet die Namen und die Geschichte aller christlichen Märtyrer bis ins 16. Jahrhundert und teilweise auch deren Leiden.

Das Geschichtbuch der Hutterischen Brüder besteht aus 670 Seiten und ist Teil der Täuferforschung. Das Buch listet unter anderem die Schicksale der Täufer, welche den Märtyrertod starben. Die Hutterer waren die Täuferbewegung, welche um Jakob Hutter entstand.

Weiterhin wurden 1998 zehn Märtyrer des 20. Jahrhunderts nachträglich bestimmt. In London im Westflügel von Westminster Abbey wurde zu Ehren dieser Persönlichkeiten ein Portal geschaffen. Diese Märtyrer sind:

  • Elisabeth von Hessen
  • Manche Masemola
  • Maximilian Kolbe
  • Lucian Tapiedi
  • Dietrich Bonhoeffer
  • Esther John
  • Martin Luther King
  • Wang Zhiming
  • Janani Luwum
  • Oscar Romero

Das Schicksal dieser zehn wurde teilweise erst nachträglich bekannt und einige von ihnen stehen als Symbol für ein ganzes Volk, welches Ungerechtigkeit erfuhr.

Das Deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts ist eine Liste, welche alle Deutschen enthält – welche laut römisch-katholischer Vorstellung, den Status des Märtyrers innehaben. Dieses Dokument wird von der Deutschen Bischofskonferenz gepflegt, welche Berichte sammeln, das Martyrologium entsprechend erweitern und herausgeben.

Stephanos, der Erzmärtyrer im Christentum

Der Erzmärtyrer, also der erste Märtyrer – welcher schriftlich belegt wurde, war Stephanus. Dieser ist im Neuen Testament als ein Diakon (kirchlicher Amtsträger) beschrieben, welcher zur Zeitenwende in Jerusalem gelebt haben muss. Er starb den Märtyrertod im Jahr 36/40 n.Chr. durch eine Steinigung, nachdem man ihm unterstellte, dass er Tempel zerstören wollte.

Thekla von Ikonium, die Erzmärtyrerin – welche von Tieren errettet wurde

Thekla stammte aus Ikonium (heute: Türkei), galt als vornehme Jungfrau und wurde wohlmöglich vom Apostel Paulus zum Christentum bekehrt. Daraufhin wurde sie denunziert und wurde bei ihrer Hinrichtung von wilden Tieren gerettet. Deshalb war es ihr vergönnt bis ins hohe Alter weiterzuleben. Sie lebte in einer Höhle im türkischen Mittelmeerraum. Dort predigte und lehrte sie weiterhin. Sie soll in dieser Höhle auch begraben worden sein.

Im 2. Jahrhundert wurde über der Höhle eine Kirche errichtet. Heute ist Ayathekla, wie der Ort mittlerweile heißt, eine Wallfahrtsstätte in der Türkei. Das Kloster der Heiligen Thekla von Ikonium steht in Maalula, einem Ort in Syrien.

Polykarp von Smyrna, der byzantinische Märtyrer des Osterfeststreits

Polykarp von Smyrna war im 2. Jahrhundert ein Bischof in Smyrna (heutige Türkei). Im Jahr 155 traf sich Polykarp mit Anicetus, welcher Bischof der römisch-katholischen Kirche war, um zusammen das Datum für das kommende Ostern zu klären. Die Ostkirche feierte Ostern stets am Pessachfest, welches historisch dem Datum des letzten Abendmahls gleichkommt.

Allerdings feierte die Westkirche das Osterfest am Sonntag nach dem Pessachfest, wodurch es zum Osterfeststreit kam. Als Polykarp in seine Heimat zurückkehrte, wurde er verhaftet. Dann wurde er dem Volk vorgeführt und schließlich mit 86 Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Der Legende nach, sollen ihm die Flammen nichts angehabt haben können, weshalb man ihn schließlich mit einem Dolch erstach.

Das Martyrium des Heiligen Mauritius

Mauritius soll Kommandeur der Thebaischen Legion gewesen sein. Diese bestand aus Christen, welche aus Theben (Ägypten) und Umgebung herstammten. Während der Zeit als das Alte Ägypten eine römische Provinz war (332 v. Chr. bis 395 n. Chr.), regierte der römische Kaiser Diokletian – welcher der Thebaischen Armee befahl, gegen Christen zu ziehen.

Da Mauritius keine Christen töten wollte, verweigerte er den Befehl. Als Folge des Ungehorsams wurden der Befehlshaber mitsamt seiner 6000 Soldaten, auf kaiserlichen Befehl hin, ermordet. Je nach Quelle ereignete sich der Märtyrertod zwischen den Jahren 302 und 303 n.Chr.

Perpetua und Felicitas als Schutzpatroninnen der Mütter

Perpetua und Felicitas starben im Jahr 203 in Karthago, welches zur damaligen Zeit dem Römischen Reich unterstand und heute die Stadt Tunis (Tunesien) ist. Felicitas war Sklavin und genauso wie ihre Herrin Perpetua eine Christin.

Beide Frauen wollten sich taufen lassen und wurden daraufhin verhaftet. Sie rückten nicht von ihrem Glauben ab und wurden zum Tode verurteilt. Zum Zeitpunkt der Hinrichtung hatte Perpetua bereits ein Kind im Säuglingsalter. Die Sklavin Felicitas war schwanger. Heute werden beide Frauen in der evangelischen, katholischen und orthodoxen Kirche als Schutzpatron der Schwangeren und Mütter verehrt.

Das verspätete Märtyrertod des Cyprian von Karthago

Cyprian lebte zwischen 200/210 und 258 in Karthago (heute: Tunesien). Im Jahr 248/49 wurde er zum Bischof von Karthago gewählt. Während der Herrschaft Kaiser Decius (249 – 251) wurde sein Besitz beschlagnahmt. Er selbst floh ins Exil. Seine Flucht wurde missbilligt und als Feigheit, Verrat und Untreue zur Kirche abgetan.

Nachdem die Christenverfolgung abflaute, kehrte er im Jahr 251 nach Karthago zurück und versuchte seine Autorität, welche ihm das Bischofsamt einst verliehen hatte, wieder herzustellen.

Unter Kaiser Valerian (253 – 260) wurde die Christenverfolgung wieder angezogen. Diesmal suchte Cyprian gezielt das Martyrium, gestand dass er nur einem Gott folgen kann und wurde am 14. September 258 öffentlich enthauptet.

Maximilianus von Numidien, der pazifistische Märtyrer

Maximilianus von Numidien lebte zwischen 274 und 295 in Nordafrika und sollte Teil der römischen Armee werden. Er verweigerte den Kriegsdienst mit dem Satz: „Es ist mir nicht erlaubt, Soldat zu sein, weil ich Christ bin“. Daraufhin wurde er am 12. März 295 hingerichtet.

Fehlende Opferbereitschaft des Marcellus von Tanger führte zum Martyrium

Marcellus starb im Jahr 298 in Tanger (Marokko), nachdem er den Geburtstag des römischen Kaisers Maximians (286 – 305) nicht feiern wollte. Denn das Teilnehmen an dieser Feierlichkeit hätte bedeutet, dass er Opfergaben für die Römischen Götter erbringen musste.

Da Marcellus ein Offizier der Römischen Armee (Zenturio) war, wurden ihm Waffen, Rangabzeichen und Soldatengürtel abgenommen. Er wurde dem Richter vorgeführt, bekannte sich schuldig am Mangel an Gefolgschaft gegenüber dem Kaiser und wurde zum Tode verurteilt.

Am 29. Oktober 298 wurde Marcellus gemeinsam mit seiner Frau Nona und seinen zwölf Söhnen enthauptet. Aus den Häuptern seiner beiden Söhne, namens Primitivus und Faundus, soll angeblich Blut und Milch geflossen sein.

Die Überreste von Marcellus Körper wurden später zu Reliquien erklärt und nach León (Spanien) gebracht. Dort wird er seitdem als Schutzpatron der Stadt verehrt.

Jan Hus, das Martyrium des Wanderpredigers

Jan Hus wurde um 1370 in Böhmen (Tschechien) geboren und starb am 6. Juli 1415 in Konstanz. Er gilt als Vorreformator im Christentum, welcher circa 100 Jahre vor Martin Luther predigte. Als Wanderprediger hatte er viele Anhänger. Im Jahr 1413 schrieb er die „De ecclesia“, was übersetzt „Über die Kirche“ bedeutet.

In diesem Werk beschreibt Hus, dass die Kirche als Gemeinschaft ohne Hierarchie gedacht ist. Nur Jesus Christus steht allen Menschen über und gilt als Oberhaupt der gesamten Christenheit. Alle Kirchenämter sind demnach gleichberechtigt und unterscheiden sich in ihrem Rang nicht von anderen Menschen.

Die Kirche ist die Gemeinschaft der Prädestinierten, was alle Menschen – laut Prädestinationlehre – einbezieht. Stattdessen bildete sich, laut Hus, in der Kirche ein nicht sichtbarer Anteil, welchen er als corpus diaboli bezeichnete. Dieser Anteil, zu dem viele Häupter und Amtsinhaber der Kirche gehörten, sei Teil des Teufels – so Hus. Seine Lehre von der „Kirche als der unsichtbaren Gemeinde der Prädestinierten“ wurde von späteren Reformatoren herangezogen.

Am 6. Juli 1415 wurde Hus aufgrund seiner Lehre zum Feuertod verurteilt. Zwischen der Stadtmauer und Graben von Konstanz wurde er mit seinen Schriften am gleichen Tag verbrannt. Seit 1863 erinnert ein nachträglich errichteter Gedenkstein an sein Martyrium.

Girolamo Savonarola: Das Martyrium im Fegefeuer der Eitelkeiten

Girolamo Savonarola war ein italienischer Prediger, welche nach dem Sturz der Medici in Florenz als geistiges Oberhaupt und Stütze fungierte. Er wurde 1452 in Ferrara (Italien) geboren und starb 1498 in Florenz.

Während seiner Zeit in Florenz wollte er den Predigerorden dahingehend reformieren, dass dieser als Symbol für die christliche Erneuerung Italiens dienen sollte. So prangerte er den Reichtum, Ungerechtigkeit bei der Verteilung des Wohlstands und kirchliche Missstände an. Das Gelübde zur Armut war heilig und Savonarola erkannte, dass seine Glaubensgenossen dies nicht sonderlich ernst nahmen. Er unterstütze offenkundig den König Karl VIII., welcher mit dem damaligen Papst Alexander VI. in Konflikt stand. Deshalb erhielt Savonarola im Jahr 1495 das Prediger-Verbot vom Papst.

Savonarola hielt sich einige Jahre daran, ging dann aber in den offenen Widerstand. Im Jahr 1497 ließ Savonarola die Florentiner Jugend und Kinder durch die Stadt marschieren und alle Symbole der Dekadenz und Verkommenheit einsammeln. Auf dem „Piazza della Signoria“ ließ er alle beschlagnahmten Gegenstände auf einen Scheiterhaufen werfen. Und am 7. Februar 1497 ließ er die Sachen verbrennen. Ein Jahr später, am 17. Februar 1498, wurde der Scheiterhaufen ein zweites Mal errichtet, wo die übrigen Gegenstände ebenfalls verbrannt worden.

Natürlich gab es dafür nicht nur Fürsprecher, da einige einflussreiche Menschen der Florentiner Oberschicht betroffen waren und deren Möbel beim sogenannten Fegefeuer der Eitelkeiten verbrannt wurden.

Im Frühjahr 1498 erhielten Savonarolas Verbündete keine Mehrheit in der Florentiner Signoria, wodurch der Bußprediger angreifbar wurde. Am 13. Mai 1497 wurde der Prediger exkommuniziert, kurze Zeit später gefangengenommen und zum Tode verurteilt.

Am 23. Mai 1498 wurde Savonarola auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Das Tragische war, dass die Hinrichtung auf dem „Piazza della Signoria“ standfand, dem selben Platz – wo er im Februar noch sein eigenes Fegefeuer praktizierte.

Johannes van Esschen und Hendrik Vos, die ersten Märtyrer der Reformation

Johannes van Esschen und Hendrik Vos waren Augustinermönche aus Antwerpen (Belgien), welche im Kloster von Antwerpen lebten. Der dortige Klostervorsteher predigte die Reformen Martin Luthers und wurde am 29. September 1522 verhaftet.

Daraufhin wurde das Kloster abgerissen und die Mönche festgenommen. Johannes van Esschen und Hendrik Vos hielten an der Reformbewegung fest und wurden daraufhin zum Feuertod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Das Urteil wurde am 1. Juli 1523 in Brüssel volltreckt.

Der Prior von Antwerpen, namens Heinrich von Zütphen, welche die reformatorischen Predigten abhielt, wurde ebenfalls hingerichtet. Allerdings erst am 10. Dezember 1524.

Johann Hüglin, Märtyrer des Bauernkrieges

Johann Hüglin wurde um 1490 in Lindau am Bodensee (Bayern, Deutschland) geboren und war Sohn eines Bauerns. Im Pfarrdorf Sernatingen erhielt er das Amt des Pfarrers seiner Gemeinde.

Als die Bauernkriege im Jahr 1524 begannen, setzte sich Hüglin für die Bauern seiner Gemeinde ein. Der Bauernaufstand endete 1526 und der damalige Kaiser Karl V. forderte harte Strafen für alle Geistlichen, welche entweder der Reformation angehörten oder die Bauern im Krieg unterstützt haben. Für Hüglin traf beides zu. So wurde Hüglin festgenommen und in Konstanz angeklagt. Am 10. Mai 1527 wurde er als Verführer, Aufrührer und Ketzer für schuldig befunden und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Jean Leclerc als erster evangelischer Märtyrer Frankreichs

Circa 1530 entstand in Meaux (Frankreich) die erste evangelische Gemeinde, durch die Predigten des reformatorisch gesinnten Bischof Guillaume Briçonnet. Die örtlichen Mönche beschwerten sich, so dass der Bischof Angst vor Konsequenzen bekam und deshalb von seinem Reformationskurs zurückwich. Das Gedankengut blieb allerdings in Meaux erhalten.

Der damalige Papst Clemens VII. bemühte sich die weltliche Macht des Papsttums und der Medici zu erhöhen. Jean Leclerc, Sohn eines Wollkämmers und Handwerker, versammelte Reformwillige um sich, um gegen die römisch-katholische Kirche vorzugehen. Dazu hängten sie an die Stadtmauern von Meaux Aushänge, in denen sie den Papst als den Antichristen beschrieben. Und sie zerstörten die Gebetsunterlagen der Kirche mit Messerstichen.

Aufgrund dieser Taten wurde Leclerc im März 1525 verhaftet. Seine Strafe waren Peitschenhiebe an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Außerdem wurde er an der Stirn gebrandmarkt. Dann wurde er verbannt und lebte seit 1525 in Metz. Dort ging er weiter seiner Arbeit nach, wurde aber wieder straffällig. Bei einer Prozession brach er die Bilder von den Sockeln und wurde wieder verhaftet.

Seine Strafe bestand darin, dass man ihm die Nase ausriss und die rechte Hand abhackte. Außerdem wurde er gefoltert, seine Brustwarzen wurden abgerissen und sein Kopf zwischen zwei glühenden Eisenringen gespannt. Da Leclerc nicht von seinem Zeugnis abwich, wurde er schließlich bei lebendigem Leib verbrannt.

Pierre Leclerc und die 14 Märtyrer von Meaux

Der jüngere Bruder von Jean Leclerc wurde zusammen mit 14 anderen Reformatoren am 6. Oktober 1546 in Meaux hingerichtet. Zwischen seinem Märtyrertod und dem Feuertod seines Bruders lagen circa 20 Jahre, welche Pierre Leclerc zu nutzen wusste.

Doch zunächst waren die Taten von Jean Leclerc inspirierend für die evangelischen Christen in Meaux. Und so wurde zuerst der junge Geistliche Jacques Pouent, welcher lutherische Schriften übersetz hatte, verurteilt und hingerichtet. Der Bischof Guillaume Briçonnet, welcher ursprünglich die Reformbewegung in Meaux angestoßen hatte und dann zurückwich, billigte die Verurteilung.

Bei seiner Abschlussrede, welche man jedem Verurteilten zustand, muss Jacques Pouent den Zahn der Zeit getroffen haben. Denn Pierre Gornut, ein Zeuge der Rede und Hinrichtung, urteilte: „

„Es wäre besser, die Kirche hätte es sich eine Million in Golddukaten kosten lassen, um die Rede Pouents an das Volk zu verhindern. Der Tod dieses Menschen hat ihm so zahlreiche Nachfolger verschafft, dass man sie niemals wird völlig ausrotten können.“

Die römisch-katholische Kirche verlangte weitere Verhaftungen. Und so kam es zu einer regelrechten Verfolgung evangelischer Christen, welche das Gemeindeleben der Stadt fast einbrechen ließ. Von den Anhängern Jean Leclerc blieben nur einige wenige über, welche sich ab 1546 – nach dem Vorbild der Calvinistischen Gemeinden – neuformierten. Pierre Leclerc wurde zum neuen Hauptpastor gewählt. Mit seinen damals 40 bis 50 Mitgliedern schwor die Gemeinschaft der römisch-katholischen Praktik ab, ließen neue Strömungen und Impulse von Luther und Calvin zu.

In den nächsten Jahren wuchs die Gemeinde auf 200 bis 400 Mitglieder an, zu denen auch Frauen und Kinder gehörten. Die staatlichen Behörden wurden aufmerksam und so wurden die meisten Mitglieder am 8. September 1546 verhaftet. Beim Prozess wurde mit voller Härte vorgegangen. Viele Mitglieder wandten sich ab, widerriefen ihre Gesinnung und erhielten mildere Strafen. Der harte Kern, um Pierre Leclerc, blieb seiner Vorstellung treu und wurde zum Tode verurteilt. Insgesamt sind dies 14 Männer und Frauen gewesen:

  • Pierre Leclerc
  • Etienne Mangin
  • Jaques Bouchebec
  • Jean Brissebarre
  • Henri Hutinot
  • Thomas Honnoré
  • Jean Baudouin
  • Jean Flesche
  • Jean Piquery
  • Pierre Piquery
  • Jean Matheflon
  • Philippe Petit
  • Michel Caillon
  • François Leclerc

Am 6. Oktober 1546 wurden diese 14 Todeskandidaten in Meaux lebendig verbrannt. Die Angehörigen der Opfer wurden von staatlicher Seite dazu gezwungen, die Hinrichtung mitanzusehen.

Giovanni Mollio, der Märtyrertod des Lehrers aus Neapel

Giovanni Mollio, geboren um 1500 in Motalcino (Italien), war ein italienischer Reformator, welcher am 5. September 1553 in Rom den Märtyrertod starb. Zuvor war er Theologieprofessor in Bologna und arbeitete ab 1538 in Neapel als Lektor und Prediger. Seine Vorlesungen hatten Einfluss und der Theatinerorden überwachte die Angelegenheiten. Es kam zwar zu Verhören, doch konnte man Mollio nichts nachweisen und seine einflussreichen Freundschaften verhinderten zudem eine Strafverfolgung.

Dann starben ein Teil seiner Freunde, andere wanderten in die Schweiz aus und plötzlich war Mollio in Gefahr. Zwischen 1543 und 1553 konnte Mollio immer wieder vor seinen Verfolgern fliehen, wechselte die Wohnorte und seine Arbeit. In Ravenna wurde er gefasst und nach Rom überstellt.

Am 5. September 1553 wurde Mollio vom Inquisitionsgericht angeklagt und da er nicht widerrief, wurde er zum Tode verurteilt. Zusammen mit seinem Schüler, dem Weber Giovanni Teodori, wurde er am 5. September 1553 in Rom gehängt.

Lawrence Saunders

Lawrence Saunders war ein Theologe, welcher am 8. Februar 1555 in Coventry (England) verbrannt wurde. Zuvor hatte er in Northampton gepredigt und die Religion des Papsttums als Irrtum bezeichnet und prophezeit, dass Gott England heimsuchen und für seine Gleichgültigkeit bestrafen werde.

Georg von Ghese und der Doppelverrat, welcher zum Martyrium führte

Georg von Ghese war ein italienischer Kaufmann, welcher die Gründung einer evangelischen Gemeinde in Genf unterstützen wollte und deshalb seine Geschäfte dorthin verlegte. Als er 1557 nach Italien zurückkehrte, wurde er von seiner Frau beim Kardinal angezeigt. Nach 18 Monaten Gefängnis gelang ihm die Flucht und er fand Unterschlupf bei seinem Bruder. Aber auch sein Bruder verriet ihn und so wurde er am 13. März 1559 auf dem Scheiterhaufen in Mailand verbrannt.

Antonio Herrezuelo wurde vor 200 Zuschauern verbrannt

Antonio Herrezuelo war ein spanischer Märtyrer, welcher am 21. Mai 1559 in Valladolid lebendig verbrannt wurde. Mit ihm wurden 13 weitere Personen verbrannt, allerdings zuvor erwürgt – da diese Reue gezeigt hatten.

Zuvor, am 4. Januar 1559, ermächtigte Papst Paul IV. den Großinquisitor dazu, auch Ketzer zum Tode zu verurteilen, wenn diese Reue zeigen würden, sobald man annehmen konnte, dass diese Reue nur dazu dienen sollte, einer Strafe zu entgehen.

Antonio Herrezuelo gehörte einer evangelischen Gemeinde in Valladolid an, welche 1551 durch den Italiener Carlos de Seso gegründet wurde. Bei einer Razzia am 23. März 1559 wurden die Mitglieder der Gemeinde festgenommen.

Die Inquisition drohte mit Folter und verwies darauf, dass bereits andere Mitglieder der Gemeinde gestanden und Reue gezeigt haben und dafür freigelassen worden. Herrezuelo zeigte keine Reue und wurde deshalb zum Tode verurteilt. Mit ihm hätten eigentlich nur 3 andere Personen zum Tode verurteilt werden dürfen, da diese die Reformation aktiv in Valladolid vorangetrieben haben. Doch man wollte ein Exempel statuieren, weshalb man am 21. Mai 1559 Antonio Herrezuelo und weitere 13 Personen zum Tode verurteilte.

Leonor de Cisnere als bekannteste spanische Märtyrerin

Leonor de Cisnere war die Ehefrau des Antonio Herrezuelo. Während ihrer Haft wurde sie von ihrem Mann getrennt. Genauso wie allen anderen Inhaftierten wurde ihr Folter angedroht, falls sie nicht gesteht und Reue zeigen würde.

Sie gestand, zeigte Reue, sollte wieder in die römisch-katholische Kirche aufgenommen und wollte alle Bußrituale durchlaufen. Dies tat sie in der Hoffnung – bald wieder mit ihrem Mann vereint zu sein. Doch bei den Hinrichtungen am 21. Mai 1559 erkannte sie, dass ihr Mann niemals Reue gezeigt hatte und stattdessen immer zum lutherischen Glauben gestanden hatte. Nun bereute sie ihr Geständnis.

Im Benediktinerorder sollte sie ihre Gefängnisstrafe antreten, im katholischen Glauben unterrichtet werden und schließlich Buße tun. All das lehnte sie ab und wollte stattdessen als rückfällige Ketzerin behandelt werden. Daraufhin wurde Leonor de Cisnere zum Feuertod am Pfahl verurteilt und am 26. September 1568 – 9 Jahre nach ihrem Mann – lebendig verbrannt.

Maria de Bohorques und ihre unschuldige Schwester

Maria de Bohorques war eine spanische Märtyrerin, welche am 24. September 1559 zuerst erwürgt und dann verbrannt wurde. Die gebildete Frau gehörte einer Gemeinde von Lutheranern an, welche ins Visier der Inquisition rückten. Daraufhin wurde die junge Frau und 18 weitere Mitglieder der Gemeinde verhaftet.

In ihrer Zeit im Gefängnis blieb sie standhaft, bereute ihren Glauben niemals und wurde, durch die Umkehrversuche der katholischen Kirche, sogar darin bestärkt. Das Einzige, was sie gestand, war – dass ihre Schwester von ihrer Zugehörigkeit bei den Lutheranern wusste. Daraufhin wurde auch die hochschwangere Schwester inhaftiert. Im Gefängnis gebar sie ihr Kind, welches ihr kurz darauf weggenommen wurde. Sie wurde gefoltert und starb an den Folgen. Nach ihrem Tod sprach die Inquisition sie von der Ketzerei frei. Aber nur Maria de Bohorques ging in die Geschichte als Märtyrerin ein, da nur sie ihren Glauben vertrat.

Luigi Pasquali, das Martyrium am Waldenser Prediger

Luigi Pasquali war ein italienischer Prediger, welcher den Waldensern angehörte. Die Waldenser sind eine protestantische Kirche, welche ein Armutsideal lehren und heute noch in Italien und Südamerika anzutreffen sind. Während der ganzen Inquisitionszeit lehnten die Waldenser die Todesstrafe ab, was diese Gruppierung einzigartig in der christlichen Welt macht.

In Piemont, Pasqualis Heimat, war ein wichtiger Rückzugsort der Bewegung, welche durch die Inquisition als Häresie (Glaube ohne Lehre) verschrien und deshalb verfolgt worden. Nach Beendigung seines Studiums wurde Luigi Pasquali nach Kalabrien entsandt, um sich als Prediger den Waldensern anzuschließen.

Schon bald wurde er verhaftet und nach Neapel überstellt. Trotz verschiedenseitiger Überzeugungsversuche widerrief Pasquali seinen Glauben nicht und hielt an seinen Reformreden fest. Schließlich wurde er nach Rom gebracht, wo er am 9. September 1560 erwürgt und danach verbrannt wurde.

Die 3000 Märtyrertoten der Bartholomäusnacht zur Pariser Bluthochzeit

Der eigentliche Tag des Bartholomäus geht auf eine Legende zurück, wonach der Sarg und der Leichnam des Apostels Bartholomäus am Strand von Sizilien angespült wurde. Seit dem 9. Jahrhundert feiert man den Bartholomäustag am 24. August. Bereits im Jahr 1349 gab es eine Bartholomäusnacht in Köln, bei der das Judenviertel der Stadt gestürmt wurde und es zu zahlreichen Morden an der jüdischen Bevölkerung kam.

In der Bartholomäusnacht vom 23. zum 24. August 1572 wurden in Paris circa 3000 Hugenotten (französische Protestanten) getötet. Unter den Hugenotten war Admiral Gaspard de Coligny, ein Anführer der Protestanten. Die Hugenotten kamen zahlreich in Paris zusammen, um der Hochzeit von Heinrich IV., von Navarra – dem Anführer der hugenottischen Partei und Margarete von Valois beizuwohnen.

Die Hochzeit war als Symbol für den Friedenschluss zwischen den Protestanten und Katholiken gedacht. Tatsächlich wurden in dieser Nacht und den darauffolgenden Tagen tausende Hugenotten frankreichweit ermordet, weshalb diese Bartholomäusnacht auch als Pariser Bluthochzeit bekannt ist.

Die 1000 Märtyrertoten der Täuferbewegung

Die Täufer bzw. die Täuferbewegung ist ein radikaler linksgerichteter Flügel der Protestanten, welche um 1520 im deutschsprachigen und niederländischen Raum entstand. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden die Täufer verfolgt und durch Inquisitionsberichte hingerichtet. Felix Manz, einer der Mitbegründer der Täufer in Zürich, wird oft als einer der ersten Märtyrer der Bewegung bezeichnet. Er starb am 5. Januar 1527 in Zürich durch Ertränkung.

Balthasar Hubmaier, Prediger aus Regensburg, wurde am 10. März 1528 in Wien verbrannt. Der Prediger Jörg Blaurock war insgesamt neunmal in Gefangenschaft, bevor er am 6. September 1529 in Klausen (Tirol, Norditalien) verbrannt wurde. Michael Sattler war einer der führenden Persönlichkeiten der ersten Täufergeneration und wurde am 21. Mai 1527 in Rottenburg am Neckar hingerichtet. Sattlers Frau wurde einige Tage später ertränkt.

Es gibt eine Täuferforschung, welche die Geschichte und Tragödie, um die Täufer aufzuklären versucht. Diese geht davon aus, dass die 1000 Märtyrertode nicht ausreichen und die Dunkelziffer mindestens doppelt so hoch sein wird. Außerdem wurden Täufer in die Sklaverei verkauft, wo ihnen ein ähnliches Schicksal drohte.

Im Jahr 2007 fand das Täuferjahr in der Schweiz statt, zu deren Anlass die Schweizer Kirche die Nachkommen der Täufer öffentlich um Entschuldigung bat. Auch der Lutherische Weltbund legte 2010 in Stuttgart ein umfassendes Eingeständnis der Schuld ab.

Die Augsburger Märtyrersynode

Die Augsburger Märtyrersynode fand zwischen dem 20. bis 24. August 1527 in Augsburg statt. Ziel war es den militanten Flügel der Täufer, um Hans Hut, und den pazifistischen Flügel zu vereinen.

Der Begriff Märtyrersynode wurde erst nachträglich eingeführt, da die meisten Mitglieder der Versammlung kurz darauf den Märtyrertod starben. Hans Hut wurde zu einer langjährigen Haftstrafe in Augsburg verurteilt. Beim Gefängnisbrand am 6. Dezember 1527 starb Hans Hut. Es wird angenommen, dass er den Brand selbst gelegt hat, um entweder aus der Gefangenschaft zu fliehen oder den Märtyrertod sterben zu können.

Elizabeth von Hessen, Neumärtyrerin der Oktoberrevolution in Russland

Elizabeth von Hessen, 1864 in Darmstadt geboren und 1918 in Alapajewsk (Sowjetunion, heute Russsland) gestorben – war Schwester der russischen Zarin Alexandra, welche wiederum Ehefrau des letzten russischen Zaren Nikolaus II. war. Durch die Heirat mit Sergei Alexandrowitsch, welcher der Zarenfamilie angehörte, wurde Elizabeth ebenfalls Teil der Herrscherfamilie der Romanow-Holstein-Gottorp bzw. kurz den Romanows.

Elizabeth wurde protestantisch erzogen, konvertierte aber zur russisch-orthodoxen Kirche. Nach dem Tod ihres Mannes gründete sie das Martha-Maria Kloster, in welchem sie das Amt der Äbtissin bekleidete.

Während der Oktoberrevolution 1918, in welcher die Bolschewisten um Lenin, das Zarenreich stürzten – wurde sie zuerst verbannt und später ermordet. Aufgrund ihrer Errungenschaften für ein christliches Russland wurde sie als Neumärtyrin des 20. Jahrhunderts gesprochen, sowie als Heilige verehrt.

Manche Masemola, die Märtyrerin – welche von ihren Eltern ermordet wurde

Manche Masemola lebte zwischen 1913 und 1928 in einem Dorf in Südafrika. Ihre Eltern gehörten dem Pedi, einem Volk der Bantu an und lebten eine traditionelle afrikanischen Religion aus. Durch Missionare aus England und Deutschland gelangte das Christentum zum Volk der Pedi.

Manche Masemola geriet unter den Einfluss der Missionäre und wollte sich taufen lassen. Ihre Eltern wollten sie davon abhalten, schlugen sie und versteckten ihre Gotteskleidung. Aber dies hielt Manche Masemola nicht davon ab, den Gottesdienst zu besuchen und sich auf die Taufe vorzubereiten. Schließlich versuchten die Eltern, über einen Medizinmann im Dorf, die angebliche Geisteskrankheit ihre Tochter zu heilen. Als dies alles nichts bewirkte, schufen die Eltern ihr Kind am 4. Februar 1928 zu einem abgelegenen Ort, um sie dort zu ermorden.

Kurze Zeit nach dem Kindsmord starb Mabule, die kleine Schwester von Manche ebenfalls. Im Jahr 1969, also 40 Jahre später, ließ sich die Mutter der beiden Kinder doch taufen.

Maximilian Kolbe, Märtyrer von Ausschwitz

Maximilian Kolbe war ein polnischer Minorit. Die Minoriten sind einer Ordensgemeinschaft aus der römisch-katholischen Kirche. Zwischen 1917 und 1939 betrieb er Missionsarbeit in Polen. Dazu gründete er in Warschau den katholischen Orden „Militia Immaculatae“, was übersetzt: „Ritterschaft der Unbefleckten“ bedeutet. Weiterhin gründete er in Japan mehrere Gemeinschaften, welche auch dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus dienen sollten. Denn Japan gehörte zum Bund der Achsenmächte, welche mit dem NS-Regime sympathisierten.

Als Polen am 1. September 1939 von Nazi–Deutschland überfallen wurde, war Warschau eine besetzte Stadt. Im Dezember 1939 wurde Kolbe mit 40 weiteren Anhängern durch die Gestapo verhaftet, aber bald wieder freigelassen. Am 14. Februar 1941 wurde er erneut verhaftet und diesmal ins Konzentrationslager Ausschwitz überführt. Dort wirkte er als Seelsorger und Prediger weiter. Als am 31. Juli 1941 ein Familienvater in den berüchtigten Hungerbunker gesperrt werden sollte, bat Kolbe darum, seinen Platz einnehmen zu dürfen.

Die Zeit im Hungerbunker überlebte er zwar, aber sein Todesurteil war bereits beim Antritt in den Bunker gefällt worden. Denn der Bunker diente dem Verhungern, was kostengünstiger war als Giftspritze, Vergasung oder Todesschuss. Schließlich töten die Nazis alle Überlebenden des Bunkers mit einer Giftspritze. Und so starb Kolbe am 14. August 1941 in Ausschwitz.

1982 wurde Kolbe von Papst Johannes Paul II. als Märtyrer heiliggesprochen.

Lucian Tapiedi und die 333 Märtyrer bei der japanischen Invasion

Lucian Tapiedi lebte zwischen 1921 und 1942 auf Papua-Neuguinea, einem Inselstaat im Pazifik nordöstlich von Australien. Er wurde christlich erzogen und war seit 1941 als Lehrer tätig.

Als die Japaner während des Zweiten Weltkrieges den Pazifikstaat besetzten, flohen Tapiedi und weitere 6 Gefolgsleute. Sie wurden von einigen Dorfbewohnern versteckt, dann aber doch an die Japaner verraten. Ein Mann namens Hivijapa soll Tapiedi mit einer Axt erschlagen haben. Die restlichen Gefolgsleute sollen am Strand von den Japanern geköpft worden sein.

Lucian Tapiedi wurde nachträglich als Märtyrer gesprochen und dessen Name steht als Symbol für die 300 Geistlichen, welche während der Invasion auf Papua-Neuguinea ihr Leben verloren haben.

Dietrich Bonhoeffer, Märtyrer des Attentats auf Hitler

Dietrich Bonhoeffer war jüngerer Bruder von Klaus Bonhoeffer, welcher an mehreren Attentatsversuchen auf Adolf Hitler zwischen 1943 und 1944 beteiligt war. Genauso wie sein Bruder Klaus, war auch Dietrich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Zudem war er Lutheraner und Bischoff.

Dietrich Bonhoeffer wurde am 5. April 1943 verhaftet, nachdem am 13. März und 21. März diverse Attentate auf Hitler missglückten und er damit in Verbindung gebracht werden konnte. Nachdem am 20. Juli 1944 das Stauffenberg-Attentat ebenfalls missglückte, wurden die Forschungen zu Umbruchsversuchen intensiviert. Bei einem Freund von Dietrich Bonhoeffer fand man Material, welches den Umbruchsversuch und Beweise für die Verbrechen der Nazis dokumentierte. Deshalb machte man ihnen nicht sofort den Prozess, sondern versuchte weitere Indizien für zukünftige Anschläge zu bekommen, um diese verhindern zu können.

Am 8. Oktober 1944 wurde Bonhoeffer ins Konzentrationslager Buchenwald überführt, im April 1945 dann ins KZ Flossenbürg. In dieser Zeit ordnete Hitler an, dass alle Verschwörer des Stauffenberg-Attentats verurteilt und hingerichtet werden. Am Morgen des 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürg gehängt.

Das Deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts führt Dietrich Bonhoeffer als Märtyrer der Nazizeit.

Martin Luther King und das Martyrium für Menschenrechte

Martin Luther King war evangelischen Pastor der Baptistengemeinde in Montgomery (Alabama, USA). Er war Menschenrechtler, welcher sich insbesondere für die Rechte der dunkelhäutigen Bevölkerung in den USA einsetzte, mit dem Ziel die Rassentrennung und den Rassismus zu überwinden.

Mit seinem Friedensmarsch vom 28. August 1963 auf Washington, zu dem mehr als 200.000 Menschen kamen, wollte er eine gesetzliche Regelung erreichen, welche die Rassendiskriminierung verbietet. Zusammen mit der Verabschiedung der Civil Rights von 1964, welche die Gesetze zwischen Weißen und Schwarzen neu regeln sollte, gilt der Marsch als Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung in den USA. Auf dem Lincoln Memorial, dem Denkmal – welches zu Ehren Abraham Lincolns erbaut wurde, welcher der 16. Präsident der USA war und welcher die Sklaverei abschaffte – hielt Martin Luther King seine berühmte Rede: I have a dream.

Dieser Traum bestand daraus, dass es keine Diskriminierung und keine Trennung nach Hautfarbe, Religion oder Geschlecht in den USA geben dürfe. Für diesen Marsch und seine vorhergehenden Bemühungen erhielt Martin Luther King am 11. Dezember 1964 den Friedensnobelpreis in Oslo (Norwegen).

Weitere Protestmärsche folgten im ganzen Land. Bei vielen dieser Märsche kam es zu Gewalttaten, von denen sich Martin Luther King öffentlich distanzierte und stets gewaltfreie Umsetzung einforderte. Einige Demonstrationen wurden auch verschoben, da King vermutete – dass es zu Gewaltausbrüchen kommen könnte.

Am 4. April 1968 wurde Martin Luther King von einem Rassisten, namens James Earl Ray, auf der Terrasse des Lorraine Motels erschossen. Das Motel ist heute eine Gedenkstätte, in welcher das National Civil Rights Museum eingebettet wurde.

Wang Zhiming, Märtyrer der Kulturrevolution in China

Wang Zhiming wurde in Yunnan (China) geboren, war ein protestantischer Pfarrer und kam bei der Kulturrevolution (1966-76) ums Leben. Er gehörte zur Minderheit der Miao, einer Völkergruppe – welche in den Bergregionen in Südchina lebt.

Die Kulturrevolution in China war eine politische Kampagne, welche von Mao Tse-tung und seiner sogenannten „Gruppe Kulturrevolution“ durchgeführt wurde. Mao war zwischen 1949 und 1959 der Vorsitzende Chinas, welche sich ab 1954 zur Volksrepublik China umformierte. Während seiner Amtszeit fanden Volksbefreiungen im Koreakrieg statt, die Chinesische Landreform – welche die Grundbesitzer enteignete, Kampagnen zur Unterdrückung von Revolutionen, Kampagnen gegen Staatsfeinde von rechts und von links.

Durch diese Staatskampagnen hatte es Mao Tse-tung geschafft, sämtliche Oppositionen in China abzuschaffen und das Land zum Einparteienstaat zu überführen. Die Kommunistische Partei Chinas versteht sich als Einheitspartei, regiert seit 1949 und stellt seitdem jeden Präsidenten.

Im Jahr 1959 legte Mao das Amt des Vorsitzenden nieder und sein Nachfolger wurde Liu Shaoqi. Als dann die Kulturrevolution (1966) einsetzte, war Mao Tse-tung somit kein Präsident bzw. Vorsitzender der Volksrepublik. Dennoch schaffte er es, radikale und militante Kräfte, um sich zu sammeln und die Mitglieder der Partei hinter sich zu bringen. Somit war diese Revolution ein staatlich angelegtes Programm.

Mao wollte ein Umsturz in China bewirken, da er behauptete, dass der Staat durch Kapitalisten, Bürgerlichen und Traditionalisten infiltriert worden ist. Durch einen neuen Klassenkampf sollten diese Elemente aus der Gesellschaft entfernt werden. Das Mittel der Kulturrevolution bestand aus Massenmord, politischen Morden, Vertreibungen und Enteignungen. Man schätzt, dass zwischen 1966 und 1976 bis zu 20 Millionen Chinesen ermordet worden sind.

Prominentes Opfer der Kulturrevolution war der Staats-Vorsitzende Liu Shaoqi, welche Mao- Tse-tung Nachfolger des Regierungsamtes war. Dieser wurde zuerst verhaftet, dann aus der Partei geschmissen und schließlich starb er in Haft.

Während der Kulturrevolution wurden zahlreiche christlichen Miao verhaftet und in Lager geschickt. Man nahm an, dass die christlichen Miao allesamt zu den Elementen gehören, welche den Staat infiltriert haben.

1969 wurde Wang Zhiming, seine Frau und seine Kinder verhaftet. Am 29. Dezember 1973, nach vier Jahren in Haft, wurde er auf dem Sportplatz von Wuding einer Masse von 10.000 Besuchern vorgeführt. Dort wurde er dann zum Tode verurteilt und öffentlich erschossen.

1998, nachdem seine Biografie im Westen bekannt wurde, wurde Wang Zhiming in die Liste der Märtyrer des 20. Jahrhunderts aufgenommen.

Jerzy Popiełuszko, das Martyrium für den polnischen Widerstand

Jerzy Popiełuszko wurde 2010 als Märtyrer seeliggesprochen. Im Jahr 1984 organisierte Popiełuszko, welcher als römisch-katholischer Priester in Polen tätig war, den Solidarność mit. Dies ist heute noch eine gewerkschaftliche Opposition in Polen, welche sich aus einem Streik im Jahr 1980 herausentwickelte. Dieser Streik erreichte auch die westliche Welt und fand Unterstützung in den USA und durch Papst Johannes Paul II., welcher selbst Pole war.

Der Streik begann 1980 in der Danziger Leninwerft. Unter der Führung von Lech Walesa, welcher 1983 den Friedensnobelpreis und zwischen 1990 und 1995 der Staatspräsident Polens war, entwickelte sich eine Streikwelle von Danzig aus. Diese Welle erfasste weite Teile der Volksrepublik Polen. Die Streikenden um Lech Walesa forderten unter anderem, die Zulassungen von freien Gewerkschaften, eine Neureglung von sozialer Verteilung, die Veröffentlichung der Schlussakte von Helsinki – welche die territoriale Integrität eines Staates schützt und die Abschaffung der Zensur.

Die Solidarność wuchs schnell heran und fasste bis zu 9,5 Millionen Mitglieder. Selbst Parteifunktionäre der Kommunistischen Partei Polens (PVAP) traten in die Gewerkschaft ein. 1981 wurde das Kriegsrecht in Polen ausgerufen. Der Prediger Jerzy Popiełuszko wurde, aufgrund seiner Zustimmung und Predigten für die Reformen, am 19. Oktober 1984 vom polnischen Geheimdienst ermordet.

Martyrium im Islam

Der Islam umfasst das Konzept des Martyriums mit verschiedenen Begriffen:

  • Schahīd und Schahāda
  • Dschihad

Shahid als Pendant zum griechischen Märtyrertum

Schahīd, von šahada (deutsch: zeugen) abgeleitet, bedeutet ebenfalls Zeuge, Blutzeuge bzw. beschreibt eine Person, welche ein Zeugnis ablegt. Demnach ist der Begriff Schahīd mit dem griechischen Martyrium gleichzusetzen.

Schahāda

Schahāda (deutsch: Zeugnis, Bezeugung) ist das Glaubensbekenntnis im Islam und eine der fünf Säulen dieser Religion. Mit den 5 Säulen werden die 5 Hauptpflichten des Gläubigen umschrieben, welche sind:

  • Schahāda (islamisches Glaubensbekenntnis)
  • Salāt (Pflichtgebet)
  • Zakāt (Almosengabe)
  • Saum (Fasten im Ramadan)
  • Haddsch (Pilgerfahrt nach Mekka)

Das Glaubensbekenntnis beginnt mit den Worten: „Es gibt keinen Gott außer Gott“. In den Prophetenlegenden des Islams, welche aus dem 8. Jahrhundert stammen, gibt Noah seinen Söhnen vier Regeln auf. Diese Befehle waren: sich zu Gott zu bekennen, Gott zu loben, Götzendienerei und Arroganz zu unterlassen. Diese Regeln bzw. Befehle bilden das Bekenntnis zu Gott, dass als Zeugnis verstanden wird, deren Praktiken dem Christentum ähnelt.

Dschihad, als Weg zum islamischen Martyrium

Dschihad bedeutet übersetzt Kampf, Bemühung oder Einsatz. Im Christentum werden die Bemühungen, ein Leben nach Gottes Vorbild zu führen, damit belohnt, dass man – nach dem Tod – ins Himmelreich aufgenommen wird. Der Opfertod war für die Christen ein lohnendes Ziel, um Gottes Wohlwollen zu genießen. Im Islam sind die Bemühungen durch den Dschihad beschrieben, welcher ebenfalls ein Jenseits verspricht, indem alle Sünden vergeben werden.

Ursprung des Märtyrertums im Islam

Zu Lebzeiten des Propheten Mohammeds (circa 573 – 632 n.Chr.) herrschten die Koreischiten über Mekka, der Geburtsstadt Mohammeds. Diese waren ein arabischer Stamm, welcher großen politischen Einfluss in der Stadt genoss. Die arabische Welt war geprägt vom Polytheismus, einem Pantheon – welches sich aus vielen Götter zusammensetzt.

Im Jahr 610 soll Mohammed, welcher laut einigen Überlieferungen nun 40 Jahre alt war, auf den Berg „Hirā“ gestiegen sein, um dort Buße zu tun. Auf diesem Berg erschien ihm der Erzengel Gabriel und schenkte ihm die erste Offenbarung. Diese Offenbarung sah vor, dass Mohammed aufgefordert wurde, einen Text vorzulesen und dessen Worte zu verbreiten. Der Inhalt des Textes bestand darin, den einzigen Herrn zu rezitieren und aufzurufen. Laut dem Text; „hat dieser Herr erschaffen und der Menschheit gelehrt, was sie vorher nicht wusste“.

Als Mohammed begann, die Worte des einen Gottes zu verkünden, versammelten sich immer mehr Anhänger um ihn. Diese Anhänger werden als Muslime bezeichnet. Allerdings kam es auch zum Konflikt zwischen ihm und den Koreischiten. Denn die Koreischiten wollten diese neue Lehre nicht zulassen, da sie ihr Pantheon und ihren Einfluss gefährdeten. Deshalb setzen sie den Propheten unter Druck.

Da Mohammed in Mekka zunehmend in Gefahr geriet, suchte er den Kontakt zu einflussreichen Bürgern der Stadt Yathrib (heute: Medina). Als Mohammed am 24. September 622 von Mekka nach Medina auswanderte, markiert dies die Zeitenwende in der islamischen Zeitrechnung. Das Ereignis wird in der islamischen Religion und Kultur als Hidschra bezeichnet.

Zwischen Mohammed und den Koreischiten kam es in den Folgejahren immer wieder zu Auseinandersetzungen. So versuchten die Koreischiten im Jahr 625 die Stadt Medina anzugreifen, um Rache für frühere Verluste (Schlacht von Badr) zu nehmen und um die islamische Gemeinschaft der Muslime zu zerschlagen. Am Berg Uhud, nördlich von Medina, sollte die Schlacht zwischen den Mekkanern und Muslimen ausgetragen werden.

In der islamischen Kultur wird die Schlacht von Uhud als Unheil und gleichzeitig als Prüfung aller Muslime verstanden, um ihren Glauben zu beweisen. Während der Schlacht sollen sich 5 Kämpfer für Mohammed und die muslimische Welt geopfert haben, wodurch der Prophet und die übrigen Krieger sich zur Schlucht zurückziehen konnten. Bei der Schlacht starben circa 70 Muslime und 20 Mekkaner. Die Stadt Medina wurde nicht erobert.

Märtyrerrituale im Islam

Bei der Schlacht von Uhud sollen die Gefallenen dort begraben worden sein, wo sie gestorben sind. Sie wurden nicht gewaschen, behielten die blutverschmierten Sachen an und lediglich die Waffen wurden ihnen abgenommen. Diese Zeremonie behielt man für spätere Märtyrerbegräbnisse bei.

Märtyrertum im Bahaitum

Das Bahaitum ist eine weltweite Religion, welche versucht Grenzen zwischen Religion, Ethnien oder Nationalitäten zu überwinden, indem die Erde als Ganzes betrachtet werden soll und jeder Bürger sich als Teil der ganzen Menschheit versteht. Der Mensch wird, laut Lehre des Bahaitum, als vernunftbegabtes Wesen geboren und ist mit Talenten und Fähigkeiten ausgestattet, welche ihm erlauben – einen freien Willen auszuprägen. Dieser freie Wille kann genutzt werden, um Grenzen des Verstandes oder der Ungleichheit (z.B. Nationengrenzen, Hautfarbe) zu überwinden, wodurch alle Menschen zu einer Einheit verschmelzen können.

Das Bahaitum ist eine monotheistische Lehre, wonach es einen Gott gibt. Die Weltreligionen, welche sich auf verschiedene Stifter beruhen, meinen – laut Lehre der Bahais – eigentlich das Gleiche und deren Stifter sind Boten desselben Gottes.

Der Märtyrertod wird von den Bahai als Tod ohne eigenes Verschulden und als völlige Hingabe zu Gottes Pfaden betrachtet. Laut den Bahai stirbt ein Mensch einen physischen Tod, dessen Seele lebt allerdings unabhängig von Zeit und Raum weiter. Somit sind Leben und Tod, lediglich als Reise zu Gott zu verstehen, allerdings mit verschiedenen Stationen.

Das Martyrium bedeutet im Bahaitum allerdings nicht zwingend den Tod, sondern lediglich die Akzeptanz für den Pfad Gottes. Der Gottgewählte Weg kann Leiden und auch den Tod beinhalten, deren Akzeptanz als Gottes Pfad beweist die Treue des Glaubens bzw. das Zeugnis.

Im Bahaitum sind natürliche Märtyrer alle Personen, welche sich in ihr gottgewähltes Schicksal fügen, darin leiden und sogar sterben. Von gottgewollten Märtyrern geht, laut Bahaitum, eine spirituelle Kraft aus – welche durch die Entwicklung ihres Glaubens entsteht. Menschen, welche ihr Leid oder ihre Tötung selbst provozieren, gehören nicht zu gottgewollten Märtyrern, da diese sich nicht auf Gottes Pfaden bewegen, sondern eigene Wege wählten.

Opfertod im früheren Polytheismus

Der Opfertod bzw. das Selbstopfer geht schon auf vorchristliche Religionen zurück. In Polytheistische Religionen verehren die Menschen mehrere Götter, wobei jedem Gott ein bestimmtes Attribut zugeschrieben wird. So gibt es z.B. Fruchtbarkeitsgötter, Kriegsgötter und Liebesgötter.

Da die Schriften zu diesen Religionen aus einer Zeit stammen, wo die Menschen sich bestimmte Naturphänomene (z.B. Blitze) durch Gotteswillen erklärten, sind diese wissenschaftlich nicht haltbar und rücken in den Bereich der Legenden und Sagas.

Dem Logos, altgriechisch für Lehre, wird der Mythos als Sage, Märchen oder Legende gegenübergestellt. Die Mythologie einer Polytheistischen Religion ist demnach die Sagenwelt, welche mit der Götterwelt (Pantheon) eng verknüpft dargestellt wird.

Opfertod in der nordischen Mythologie

In der nordischen Mythologie existiert eine Prophezeiung, wonach die nordischen Götter sich einem Kampf stellen müssen und letztlich untergehen werden. Dieser letzte Kampf wird als Ragnarök bezeichnet, was der umgangssprachlich verwendeten Apokalypse gleichkommt.

Um sich auf Ragnarök vorzubereiten, sucht der Kriegsgott, welcher bei den Wikingern als Odin und bei den Germanen als Wotan bezeichnet wird, fähige Kämpfer. Diese Kämpfer müssen sich auf dem Schlachtfeld beweisen, viele Kriege führen und werden nach ihrem Tod, dafür belohnt. Denn dann entsendet Odin die Walküren, welche die ruhmreichen Krieger vom Schlachtfeld aufnehmen und in die Ruhmeshalle Walhall führen.

In Walhall sitzen die gefallen Krieger, welche fortan als Einherjer bezeichnet werden, an einer riesigen Tafel. Dort speisen sie jeden Abend zusammen mit Odin bzw. Wotan. Tagsüber trainieren die Einherjer für Ragnarök.

Das ewige Leben bzw. ein verheißungsvoller Opfertod findet sich demnach schon in vorchristlicher Mythologie der Germanen und Wikinger einen Platz. Die Märtyrer dieses Glaubens hießen Einherjer, deren Status durch die Auswahl Odins erfolgte.

Opfertod in der klassischen Mythologie

Iphigenie ist, in der griechischen Mythologie, die Tochter von Agamemnon, dem König von Mykene. Die mykenische Kultur (1600 bis 1100 v.Chr.) ist eine Vorläuferkultur des Antiken Griechenlands gewesen, welche sich um den Stadtstaat Mykene bildete.

Laut einer Legende zogen die Griechen gegen Troja, um Helena – die Tochter des Göttervaters Zeus und der Leda, zu befreien, welche vom trojanischen Prinzen Paris entführt wurde. Agamemnons Kriegsflotte wurde gestoppt, da eine Windstille das Segeln unterbrach. König Agamemnon suchte deshalb den Seher Kalchas auf, welcher prophezeite, dass die Weiterfahrt nur möglich wäre, wenn der König seine Tochter opfern würde. Agamemnon tat, wie ihm verheißen und opferte Iphigenie für die Weiterfahrt.

Märtyrer des Krieges, der Revolution

Der oben beschriebenen Märtyrerbegriff des Bahaitums beinhaltet ein Leben im Dienste Gottes oder im Dienst der Gesellschaft, wodurch Leid oder Tod ertragen werden kann. Davon abgeleitet, kann das Martyrium, auch für nicht religiöse Zwecke gelten.

Ein politischer Märtyrer ist jemand, der verfolgt oder getötet wird, weil er einen politischen Standpunkt oder eine politische Sache unterstützt, auf sie verzichtet oder sich weigert, sie zu unterstützen. Revolutionärer Märtyrer sind Menschen, die im revolutionären Kampf – also beim Umbruchsversuch eines Staates oder Regierung – sterben. Beide Begriffe werden allerdings nur populistisch gebraucht und sind nicht Teil einer geschichtswissenschaftlichen Betrachtung. Sie dienen dazu, um einen Ermordeten zum Helden zu machen und dadurch, die Sache für die er starb, ebenfalls moralisch oder rechtlich höherzustellen.

Weiterführende Artikel

Unterschied zwischen Fanatiker und Märtyrer

unterschied märtyrer fanatiker

Ein Fanatiker kann zum Märtyrer werden. Aber ein Märtyrer muss kein Fanatiker gewesen sein. Als Fanantiker werden Personen betrachtet, welche rücksichtlos agieren und zum Beispiel Attentate verüben. Historische Märtyrer starben den Märtyrertod oft allein. Wer sind die Fanantiker Das lateinische Wort „fanaticus“ bedeutet „göttlich inspiriert“. Seit dem 17. Jahrhundert ist […]

Literatur und Quellen

Literaturverzeichnis Martyrium (Märtyrertum)

Terror in Allahs Namen

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