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Was bedeutet appellieren: Bedeutung, Beispiele, Synonyme


An jemanden zu appellieren ist ein Vorgang, der in der Linguistik und der Literatur mit einer Aufforderung zum Handeln gleichgesetzt wird. Es handelt sich demnach um eine Tätigkeit und appellieren ist somit ein Verb, welches einen Appell ausdrücken soll. Ein Appell ist ein rhetorisches Mittel in Texten und Sprache seine eigene Meinung zu äußern und durch geschickte Argumentation, den Zuhörern und Lesern einen Denkimpuls zu vermitteln, der zu weiterem Handeln führen kann. Appellierend, als Adjektiv oder Adverb gebraucht, drückt aus, dass ein Sprecher seinen Zuhörern eine versteckte Handlungsanweisung übermittelt. Diese Anweisung beruht entweder auf Vernunft oder Moral.

Die Herkunft und die Bedeutung von appellieren

Das Verb appellieren geht zurück auf den lateinischen Begriff appellare und auf das französische appell. Appellieren hat die Bedeutung von rufen oder aufrufen und wird begleitet, von der Intention, um Hilfe zu rufen und wachzurütteln. Ein mündlicher und schriftlicher Appell kann von einer Mahnung und Aufforderung begleitet werden und den Angesprochenen nachdrücklich zu einem Handeln auffordern. Die Bitte zum Handeln kann dabei alle Nuancen zwischen einem Befehl, der höflichen Aufforderung und bis hin zu einem Überreden annehmen.

Appellieren kann unterschwellig die Suche und die Besinnung auf eine Charaktereigenschaft sein. Ein Appell kann an das Ehrgefühl, an Moral und Gewissen oder auch an den Humor gerichtet sein und der angesprochene wird aufgefordert dieses einzubringen.
Historisch wurde das Verb appellieren auch für einen Einspruch gegen ein richterliches Urteil verwendet. Gegen ein Urteil zu appellieren und bei einem höheren Gericht ein Urteil überprüfen zu lassen, wird im heutigen Sprachgebrauch selten verwendet und die Bedeutung ist in Vergessenheit geraten.

Die Ausdrucksform des Appells findet sich in der Linguistik, als Mittel in der Kommunikation, in der Literatur und in journalistischen Texten. Der militärische Appell ist das Signal für Soldaten, sich zu sammeln. Mit Trommeln oder Trompeten werden Soldaten zusammenrufen und sie folgen der Aufforderung sich zu formieren.

Der Appell in der Kommunikation

Der Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun gilt als Vater eines Kommunikationsmodells, das nach seinem Entwickler benannt ist. Schulz von Thun geht davon aus, dass jede Form der verbalen Kommunikation und somit jedes Gespräch auf der Basis von vier Komponenten besteht. Das Modell ist unter anderem als Vier-Ohren-Modell, als Kommunikationsquadrat und als Vier-Seiten-Modell bekannt.

Der Sprecher in einer Kommunikation verbirgt in seiner Aussage vier Ebenen. Die Sachinformation, die Selbstkundgabe, einen Beziehungshinweis und einen Appell. Grafisch wird dieses Modell gern mit vier Mündern des Sprechers und mit den entsprechenden vier Ohren des Zuhörers dargestellt.

Ein typisches Beispiel für die vier Ebenen einer Aussage ist die grüne Ampel. Ein Mann ist der Fahrer eines Wagens, auf dem Beifahrersitz befindet sich eine Frau. Der Wagen steht vor einer Ampel, deren Signallicht grün anzeigt. Die Beifahrerin sagt: „Die Ampel ist grün“. Die offensichtliche Information auf der Sachebene ist die Signalfarbe. Der verborgene Appell in diesem Satz lautet: „Fahr los“. Die beiden Aspekte über die Selbstauskunft und die Beziehung der beiden Insassen ist Interpretationssache.

Deutlich wird an diesem Beispiel, dass der Appell nicht offen ausgesprochen werden muss, um in einer Nachricht oder Aussage zwischen Personen vorhanden zu sein. Sprecher und Adressat müssen jedoch auf der gleichen Ebene kommunizieren, um sich zu verstehen.
Appellieren muss in der Kommunikation nicht subtil ausgeführt werden. Je ausdrucksstärker und direkter ein Appell ist, desto deutlicher wird eine Aufforderung ausgesprochen und kann in einem Befehl gipfeln. Politiker rufen vor der Wahl auf, wählen zu gehen. Sie appellieren an das politische Gewissen und an das demokratische Recht. Grundsätzlich ist jede Ansprache, Rede oder jeder Werbeslogan, der animiert etwas Bestimmtes zu tun oder zu kaufen, ein Appell.

Die Grundzüge der Rhetorik nach Aristoteles

Aristoteles hat in seinem Werk Rhetorik drei Arten von Appellen formuliert und diese als Logos, Pathos und Ethos bezeichnet. In der Rhetorik sah Aristoteles das Mittel, durch eine gekonnte Sprachführung das Ziel der Überzeugung zu erreichen und nicht zu überreden.

Logos steht für einen rationalen Appell. Dieses Appellieren richtet sich an einen sachlichen Vorteil, den der Empfänger haben kann, wenn er der Aufforderung nachkommt.

Pathos ist ein Appell auf einer emotionalen Ebene. Das Appellieren erzeugt Gefühle, die entweder positiv behaftet sind und durch Freude, Stolz oder Humor ihren Ausdruck finden. Der Pathos kann auch negative Gefühle hervorrufen, die sich in Angst oder Schuldgefühlen äußern. Ethos ist ein moralischer Appell, der sich an Hilfsbereitschaft, Verständnis richtet oder zu einem einsichtigen Verhalten führen soll.

Appellieren in einem Text

Ein Appell ist immer eine Aufforderung, etwas zu machen oder etwas zu unterlassen. Ein Text, der appelliert, nimmt Einfluss auf den Leser und hat die Zielsetzung etwas zu bewirken. Unabhängig vom Medium wird die Form des schriftlichen Ausdrucks als appellierende oder appellative Texte bezeichnet. Charakteristisch für appellierende Text ist häufig eine einfache und bildhafte Sprache. Der Inhalt soll eine möglichst großen Zielgruppe erreichen und ist häufig niederschwellig ausgerichtet. Des Weiteren können auffordernde Texte eine umgangssprachliche Wortwahl, Wiederholungen und Vergleiche aufweisen. Die charakteristischen Elemente sind besonders im Bereich der Werbung der Zielgruppenabhängig.

Der Aufbau eines appellierenden Textes

Ein auffordernder Text folgt einem grundlegendem Aufbau. Die Einleitung dient dazu, das Interesse des Lesers zu wecken. Der Verfasser des Textes legt seinen persönlichen Standpunkt zum Thema des Textes dar. Es folgen Argumente und Beispiele, die den Standpunkt des Autors unterstützen und belegen. Nach einer kurzen Zusammenfassung der Hauptaussage folgt die Aufforderung oder der Appell. Das Appellieren bildet den Schluss des Textes.

Wo kommen appellierende Texte vor?

Auffordernde Texte sind in der Werbebranche zu finden. Konsumenten werden über eine gezielte Ansprache aufgefordert, ein bestimmtes Produkt zu kaufen. Flyer von Vereinen und Parteien enthalten ebenso die Aufruf, sich in eine bestimmte Richtung zu orientieren oder sich zu engagieren. Im Gegensatz zur reinen Werbung enthalten Partei- und Vereinsflyer zusätzlich sachliche Informationen, die über Programme und Angebot informieren.
Im journalistischen Bereich können Kommentare, eine Reportage oder das Feature eine Aufforderung an den Leser enthalten. Ein abgedrucktes Interview kann appellieren und im weitesten Sinne auch ein Leserbrief, der sich kritisch mit einem Artikel auseinandersetzt.

Journalistische Appelltexte

Journalistische Texte sind zweckgebunden und folgen einem Ziel. Anders als bei einem Roman oder Texten aus der Literatur schreibt ein Autor selten aus eigener Intention und Antrieb. Journalistische Texte sind in ihrer Mehrheit Auftragsarbeiten, die entweder informieren sollen oder eine Appell ausdrücken. Informationstexte dürfen nur sachliche Inhalte haben und müssen über einen Vorgang oder eine Situation informieren. Im Optimalfall ist die Information neutral und auf Tatsachen reduziert.

Appelltexte enthalten Einschätzungen und Meinungen des Autors oder des Auftraggebers. Die persönlichen Aspekte müssen entsprechend gekennzeichnet sein und aus dem Text hervorgehen. Im seriösen Journalismus basieren die Meinung, die weitergeben werden sollen, auf gut recherchierten Fakten und unterstützen die Leser bei der Findung der eigenen Einschätzung. Appelltexte können vom Empfänger zum Beispiel durch Leserbriefe bewertet, ergänzt oder widerlegt werden.

Nachrichten, Meldungen und Berichte sind Textformen, die ausschließlich Sachinformationen enthalten dürfen. Im Gegensatz dazu beinhalten Kommentare, Kritiken über Theaterstücke oder Bücher und die Glosse persönliche Meinungen.

Ein Bericht über die Zahl von Unfallopfern im Straßenverkehr darf nur auf Zahlen aus Statistiken basieren. Einfließen dürfen nur Orte, Unfallschwerpunkte, Alter der Unfallopfer und eine Differenzierung, die etwa eine Gruppe von Fußgängern und Radfahrern unterscheidet.Jede Aussage im Text, sollte anhand von objektiven Informationen überprüfbar sein. Verwendet der Verfasser des Textes die Statistiken zur Grundlage einer eigenen Meinung und schreibt darüber, dass Unfälle vermieden werden können, wenn alle langsamer im Straßenverkehr unterwegs sind, dann ist die Appelltext. Der eindeutige Appell lautet in diesem Fall: Fahrt alle langsamer!

Im Journalismus gibt es neben diesen beiden Formen auch Mischformen. Artikel und Berichte, die neben sachlichen Informationen auch subjektive Einschätzungen enthalten, werden zur Gruppe der Informationstexte gezählt. Typische Beispiele für Mischtexte sind Reportagen, das Feature, das Interviewe und das Porträt.

Die Sonderrolle des Essay

Ein Essay zählt zu den Appelltexten. Es handelt sich dabei um die persönliche Auseinandersetzung eines Autors mit einem Thema. Wörtlich übersetzt ist ein Essay ein Versuch. Der Verfasser setzt sich mit einem Thema aus Gesellschaft, Politik, Kunst, Literatur oder Wissenschaft auseinander und versucht sich dem Thema durch das Abwägen vor Argumenten zu nähern.

Ein Essay ist mit einem schriftlichen Selbstgespräch auf einem gehobenem Bildungsniveau vergleichbar. Am Ende eines Essays hat der Autor eine Abhandlung geschrieben, die seine persönliche Meinung offenbart. Ein Essay beginnt immer mit einer Fragestellung und der Beschreibung eines Phänomens oder einer Thematik. Der Autor lässt seine Leserschaft an der Meinungsfindung teilhaben und zeigt neben seiner eigenen Position auch den Weg, der ihn dorthin geführt hat.

In journalistischen Medien ist das Essay häufig ein Gastbeitrag und bringt die Meinung eines Außenstehenden ein, der im Idealfall gesicherte Kenntnisse über die inhaltliche Thematik hat. Die Struktur in einem Essay ist kurz, konzentriert und auf einem hohen sprachlichen Niveau. Es gibt keine prosaischen Ausschweifungen. Am Ende steht ein Denkanstoß, eine Aufforderung an die Leser sich ebenfalls mit dem Thema zu befassen oder die eigene Meinung zu überdenken und gegebenenfalls zu verändern.

Die Trennungsregel

Die strickte Trennung zwischen Sachtexten und appellierenden Texten im Journalismus wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eingeführt. Mit dem Ende der Machtposition der Nationalsozialisten sollte keine Zeitung jemals wieder für die Propaganda einer Partei genutzt werden. Mit dem Ursprung in der heutigen Bundesrepublik wurde Regel auch vom Journalismus in den Vereinigten Staaten übernommen. Die Trennungsregel beinhaltet die konsequente Trennung von Sachinhalt und Meinung.

Zusammenfassung

  • Appellieren hat seinen Ursprung in dem lateinischen Verb appellare und steht für einen Zuruf oder Aufruf.
  • Appellieren ist bedeutungsgleich damit, jemanden zu etwas aufzufordern. Dies kann die Aufforderung zu einer Handlung, einem Gefühl oder einem Umdenken sein.
  • Dem eigentlichen Appell in einem Text ist eine Argumentationskette vorgeschoben, die die persönliche Meinung des Autors oder des Verfassers widerspiegelt.
  • Appellieren zählt zu den rhetorischen Mitteln in der Linguistik und der Literatur und sind Aufrufe in Sprache und Text.
  • Sprachwissenschaftler sehen in jeder Form der Kommunikation einen Appell, der offen oder verborgen vorhanden sein kann.
  • Appellieren findet sich auch in der nonverbalen Kommunikation. In einem Heranwinken verbirgt sich die Aufforderung, näherzukommen.
  • In einem appellierendem Text bildet der Aufruf oder der Denkanstoß den Abschluss.
  • Appelltexte haben eine Zielsetzung, die mit den Mitteln einer einfachen und bildhaften Sprache umgesetzt wird.

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