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16 Daten und Fakten zum Atlaswirbel: Anatomie & Verschiebung


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Der oberste Halswirbel beim Menschen ist der Atlaswirbel. Anders als bei anderen Wirbeln liegt zwischen Atlas und Axis keine Bandscheibe

Der Atlaswirbel bzw. kurz Atlas ist der erste Halswirbel beim Menschen und allen anderen amniotischen Landwirbeltieren. Dies bedeutet, dass alle Säugetiere, Vögel und Reptilien einen Atlaswirbel als obersten Halswirbel in ihrer Wirbelsäule besitzen. Ausgeschlossen sind Fische und Amphibien, welche zwar ebenfalls eine Halswirbelsäule haben, aber deren erster Halswirbel nicht als Atlas, sondern lediglich als C1 bezeichnet.

Fachlich bezeichnet man den Atlas auch beim Menschen und anderen Wirbeltieren als C1. Das C steht für Hals (lateinisch: Collum)

Anatomie des Atlaswirbels

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Anatomie des Atlaswirbels


Jeder Wirbel der Wirbelsäule besitzt eine Masseeinheit, welche als Wirbelkörper bezeichnet wird. Dieser Wirbelkörper ist dazu da, dem Wirbel eine Stabilität zu verleihen. Doch der Atlas, als oberster Halswirbel, hat diesen Wirbelkörper nicht. Stattdessen bildet er mit dem zweiten Halswirbel, dem Axis Wirbel, eine funktionale Einheit.
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Jeder Wirbel, außer der Atlaswirbel, besitzt einen Wirbelkörper. Hier ist ein herkömmlicher Wirbel aus der Lendenwirbelsäule zum Vergleich abgebildet


Wie?
Der Axis Wirbel besitzt einen Zahn, welcher sich in der Stammesgeschichte der Wirbeltiere aus dem Atlaswirbel abspaltete. Das bedeutet, dass der Zahn des Axis (Dens Axis) ursprünglich einmal der Wirbelkörper des Atlas war. Beide Wirbel sind somit funktional miteinander verknüpft.
atlas und axis halswirbelsäule

Der Zahn des Axis sticht durch den Ring des Atlaswirbels


Der Atlaswirbel selbst ist nur ein Ring bzw. eine Scheibe mit Loch, welche aus Knochen besteht. Darauf befindet sich der Schädel, welcher durch die Kopfgelenke mit dem Atlaswirbel verbunden ist. Die Drehbarkeit der Atlasscheibe im Zahn des Axis ist die Garantie dafür, dass die Drehbewegung des Kopfes möglich wird.
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Die Verbindung zwischen Atlas und Schädel geschieht über die oberen Kopfgelenke


Das Gesamtkonstrukt- also Atlas, Axis, Kopfgelenke und zugehörige Bänder – wird als Genick bezeichnet.

Die erste Aufgabe des Atlaswirbels ist es, die Drehbewegung des Kopfes zu garantieren

Die Bewegung des Kopfes ist eine Raumbewegung. Das bedeutet, dass verschiedene Stellungen eingenommen werden können. So kann sich der Kopf bspw. drehen, aber auch Nicken und Neigen sind möglich. Solche Bewegungsmuster sind möglich, da die Wirbelsäule eine Bewegung von Wirbel zu Wirbel überträgt und koordiniert.

atlaswirbel verschiedene perspektiven

Der Atlaswirbel aus verschiedene Perspektiven

Aber natürlich gibt es Einschränkungen. So kannst du deine Brust nicht neigen, drehen oder wenden – ohne den Rest des Körpers ebenfalls bewegen zu müssen. Dies liegt daran, dass deine Brustwirbel mit dem Brustkorb verwachsen sind, was natürlich die Bewegungsfreiheit an dieser Stelle einschränkt. Im Bauch– und Lendenbereich ist eine Rotation des Oberkörpers möglich, aber auch nur bis zu einem gewissen Grad. Und im Beckenbereich ist eine Bewegung ebenfalls fast unmöglich.

Bleibt zu sagen….
Den größten Bewegungsspielraum hat der Kopf. Und dies ist auch wichtig, da dort die Sinnesorgane sitzen. Der Kopf muss bewegt werden können, um in eine bestimmte Richtung sehen zu können. Dies ist wiederum die Grundlage für eine gezielte Fortbewegung.

Möglich wird diese Bewegungsfreiheit, da dem Atlaswirbel der massige Wirbelkörper und eine Bandscheibe fehlt- welche bei anderen Wirbeln zur Grundausstattung gehört. Das bedeutet zwar weniger Robustheit und weniger Sicherheit. Aber gleichzeitig ermöglicht es dem Atlaswirbel mehr Bewegungsfreiheit. Und da die Kopfgelenke unmittelbar mit dem Atlaswirbel verbunden sind, wird diese Bewegungsfreiheit auch auf den Schädel bzw. Kopf übertragen.

Kurzum…
Der Atlaswirbel ist für die Bewegung des Kopfes zuständig.

Die zweite Funktion des Atlaswirbels ist es, das Rückenmark und Nervensystem zu schützen

Der Atlaswirbel ist der oberste Halswirbel und somit auch der oberste Wirbel der Gesamtwirbelsäule. Da jeder Wirbel ein Wirbelloch (fachlich: Foramen vertebrale) besitzt, ergibt sich durch die Auffädelung entlang der Wirbelsäule ein Kanal. Durch diesen Wirbelkanal fließt das Rückenmark.

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Draufsicht eines herkömmlichen Wirbels um Rückenmark und abgehende Spinalnerven zu zeigen


Das Rückenmark wiederum ist Teil des Zentralnervensystem. Zusammen mit dem Gehirn koordiniert es sämtliche Vorgänge im Organismus. Man unterscheidet zwar verschiedene Nervensysteme, welche allerdings miteinander verbunden sind. Und aus dem Rückenmark entspringt ein sogenannter Spinalnerv – welcher dann in das periphere Nervensystem mündet.
wirbelsäule Zwischenwirbelloch Foramina intervertebralia

In den Zwischenwirbellöchern befindet sich der Wirbelkanal, in dem das Rückenmark eingebettet ist. Über abgehende Spinalnerven findet der Austausch des Zentralnervensystems (Rückenmark, Gehirn) mit dem preipheren System (Muskel, Drüsen, Organe usw.) statt.

wirbelsäule Zwischenwirbelloch Foramina intervertebralia

Die Peripherie zum Nervensystem umfasst alle Organe, wie Muskeln usw. Dort werden Informationen gesammelt, ans Rückenmark gesendet – welche diese Infos ans Gehirn weitergibt. Vom Gehirn, als oberstes Entscheidungsorgan, werden Befehle für Muskel und andere Organe zurück ans Rückenmark geschickt. Und diese Befehle werden über den Spinalnerv ans periphere Nervensystem weitergeleitet, wo diese dann umgesetzt werden.
periphere nervensystem

Nervenimpulse werden vom Gehirn, über das Rückenmark ins periphere Nervensystem geschickt. Die Peripherie (blau) erweitert das Zentralnervensystem (rot)


Kurzum..
Da der Wirbelkanal am obersten Halswirbel (Atlas) entspringt, schützt auch der Atlaswirbel das Rückenmark und Zentralnervensystem.

Atlaswirbel Verschiebung

Ein verschobener Atlaswirbel kann einige Probleme verursachen. Denn dadurch ist die Bewegung des Kopfes nicht mehr im vollen Umfang möglich. Mitunter wird auch der Wirbelkanal verschlossen oder eingeengt, wodurch die Nervenbahnen des Rückenmarks beeinträchtig sind.

Vorab….
Schmerzen sind eine Stimulation des Gehirns, bei dem ein Schmerzbefehl ausgesendet wird. Nun stellt sich die Frage, wieso das Gehirn ein Schmerz stimuliert.

Ganz einfach…
Das Gehirn will den Organismus beschützen. Dies ist die Hauptaufgabe von Gehirn und Nervensystem. Alle Maßnahmen des obersten Entscheidungsorgans zielen darauf ab, dass der Organismus lebendig bleibt. Und ein Schmerz an irgendeiner Stelle soll dich darauf hinweisen, dass du diese Körperpartie besonders schützen sollst, nicht zu sehr belasten sollst usw.

Schmerz ist demnach eine Schutzfunktion, welche das Gehirn ergreift. Und ein verschobener Atlaswirbel kann Schmerzen bereiten, aber auch zu anderen Symptomen führen – welche weiter unten noch näher erklärt werden.

Fehlstellung des Atlaswirbels

Bleibt die Verschiebung des Atlas Wirbels dauerhaft erhalten, führt dies zu einer chronischen Fehlstellung. Doch im Normalfall ist jeder bewegliche Knochen im Organismus geschützt. Und ein Wirbel ist ein beweglicher Knochen.

Sogenannte Bänder – welche von Knochen zu Knochen verlaufen, sorgen dafür – dass sich ein Gelenk niemals über ein bestimmten Radius hinausbewegen kann. Außerdem sorgen diese Bänder auch dafür, dass das Gelenk immer wieder in seine alte Stellung zurückgezogen wird.

Doch mitunter kann es vorkommen, dass die Bänder ihre Funktion nicht erfüllen können. Denn auch diese sind nur Teil des Bewegungsapparates, sind von Muskeln umgeben, welche Bänder und Gelenke schützen. Durch die Anspannung der Muskulatur an irgendeiner Stelle wird ein Knochen bewegt. Und somit wird der Atlaswirbel -welcher eigentlich auch nur ein Knochen ist – primär durch Muskeln bewegt und auch in seiner ursprünglichen Stellung zurückbewegt.

Im höheren Lebensalter kommt es zum Muskelschwund, welcher biologisch begründet ist, aber physiologisch nicht zwingend stattfinden bzw. aufgehalten werden kann. Durch gezielte Muskelübungen kann Halsmuskulatur wieder aufgebaut werden, um einer Fehlstellung oder Verschiebung des Altas Wirbels entgegen zu wirken.

Was heißt das für dich?
Durch unzureichende Bewegung der Halsmuskulatur, baut der Muskel ab. Ein Muskel wird immer nach dem Gegenspielerprinzip bewegt.

Das bedeutet….
Wird ein Muskel angespannt, wird automatisch eine Sehne, die im Muskel verwachsen ist, mit gespannt. Und diese Sehne ist wiederum mit einem Knochen verbunden.

Also bedeutet dies, dass ein Muskel über eine Sehne mit einem Knochen verbunden ist. Wird der Muskel angespannt, verkürzt sich der Muskel und erzeugt dadurch Kraft. Dies ist so ähnlich wie bei einer mechanischen Feder, welche man zusammendrückt.

Der Zusammengepresste Muskel zieht die Sehne und somit den Knochen zu sich. Gleichzeitig wird aber der gegenüberliegende Muskel, welcher ebenfalls am Knochen hängt, gedehnt. Wird der gedehnte Muskel angespannt, zieht es den Knochen zurück und entspannt den bereits angespannten Muskel. Das Zusammenspiel der Muskeln soll im folgenden Bild mit dem Oberarm verdeutlich werden.

muskelanspannung muskelentspannung

Der Trizeps ist der Gegenspieler des Bizeps und befindet sich auf der Rückseite des Oberarms


Zurück zum Atlas-Sehnen-Muskel-Prinzip…
Bei einer Fehlstellung des Atlas Wirbels kann ein Muskel nicht die nötige Spannung entwickeln, um einen anderen Muskel so zu dehnen, dass dieser sich entspannt und der Knochen des Atlaswirbels in seine vorgegebene Stellung zurückgezogen wird.

Blockade des Atlaswirbels

Die Atlas Blockade tritt eben dann ein, wenn die Muskeln am Hals – aus welchen Gründen auch immer – die Fehlstellung des Atlaswirbels nicht korrigieren können. Dadurch ergibt sich eine Neigung im ganzen Körper, welche sich einseitig auf alle Körperpartien auswirken kann.

Machen wir es konkreter…
Die Atlasblockade ist eine Funktionsstörung, die sich zwischen dem Hinterhauptbein und dem Atlaswirbel festgesetzt hat. Dies führt oft zu Kopfschmerzen, obwohl sich der Kopf auch bewegen lässt.

Symptome eines verschobenen Atlaswirbels

Schwindelgefühle und Übelkeit

Schwindelgefühle entstehen primär aus einem Zusammenspiel zwischen einer mechanischen Wahrnehmung im Innenohr, bei der die Schieflage des Kopfes auf eine Körperflüssigkeit übertragen wird. Ganz feine Härchen registrieren die Bewegung dieser Flüssigkeit und das Gehirn gleicht den Sinneseindruck des Auges (Sehen) mit dieser Schieflage ab. Stimmt beides überein, entsteht kein Schwindelgefühl. Stimmen die Schieflage des Kopfes und Seheindruck nicht überein, entsteht Schwindel.

Auch hier ergreift das Gehirn eine Schutzfunktion, um den Organismus entsprechend vor Vergiftung oder Ähnliches zu schützen. Denn mit dem Schwindel wird dir auch schlecht, so dass du ein mögliches Gift erbrechen würdest.

Neben diesem Innenohr-Augen-Abgleich entsteht Schwindel auch über die Körperwahrnehmung. Sogenannte Propriozeptoren scannen den Körper, die Muskeln usw. und schicken Informationen ans Gehirn. Verliert der Körper seine Balance registrieren diese Sinneszellen dies als erstes. Und wichtige Propriozeptoren sitzen in der Halsgegend und werden als Stellungswahrnehmer bezeichnet.

Nimmt der Stellungswahrnehmer eine Fehlstellung des Kopfes wahr, wird ein Signal ans Gehirn geschickt – welches das Schwindelgefühl zu deinem eigenen Schutz hervorruft.

Entlang der Halswirbelsäule fließt auch eine wichtige Arterie, welche als Arteria vertebralis bzw. Wirbelarterie bezeichnet wird. Diese Arterie ist ein wichtiges Blutgefäß, welches das Gehirn mit Blut versorgt. Durch die Fehlstellung des Atlaswirbels kann die Blutzufuhr zum Gehirn gehemmt werden, wodurch ebenfalls Schwindelgefühle entstehen könnten.

Ein verschobener Atlaswirbel als Ursache von Tinnitus, Druck- und Rauschgeräusche im Ohr

Der Tinnitus ist eine Störung der Hörfunktion, bei der Betroffene eine Hörerfahrung bzw. ein Hörerlebnis wahrnehmen kann, ohne dass Schallwellen den Gehörgang stimulieren. Es handelt sich demnach um ein Phantomgeräusch ohne äußerliche Ursachen.

Ein hörgesunder Mensch kann diese Erfahrung auch machen, indem dieser sich für einen bestimmten Zeitraum in eine schallisolierten Raum begibt. Dieses künstliche Rauschen kann man auch feststellen, wenn man eine Muschel am Strand findet und diese ans Ohr presst. Die Forschung diskutiert noch darüber, ob ein Schwacher Tinnitus allen Menschen anliegt und dieser lediglich durch andere Hörerlebnisse und Umgebungsgeräusche überdeckt wird.

Bei einem pulsatilen Tinnitus schwingen die Geräusche synchron zum Puls der inneren Halsschlagader (Arteria carotis interna). Beim Menschen vorsorgt diese das Auge und das Gehirn mit sauerstoffreichen Blut. Eine Ursache für diese Form des Tinnitus kann sein, dass einzelne Schichten der Gefäßwände aufgespalten sind. Dies wird fachlich als Dissektion einer Arterie beschrieben.

Eine Verengung der inneren Halsschlagader kann auch durch eine Verschiebung des Atlaswirbels verursacht werden, wodurch im Ohr dann ein Druck-, Rausch- oder Piepgeräusch entsteht.

Verschiebung des Atlaswirbel als Ursache von Kopfschmerzen und Migräne

Da die Halswirbelsäule unmittelbar an den Schädel bzw. Kopf angrenzt, bewirkt eine Fehlstellung einzelner Halswirbel auch eine Fehlstellung des Kopfes. Dies betrifft vor allem die zwei oberen Wirbel (Atlas und Axis), welche für die Bewegung des Kopfes zuständig sind.

Neben permanenten Kopfschmerzen kann auch der Bewegungsradius des Kopfes eingeschränkt sein oder eine Drehung des Kopfes verursacht den Schmerz.

Migräne ist eine neurologische Krankheit, welche durch Reize oder durch Stoffwechsel ausgelöst werden kann. Die Ursachen sind demnach nicht anatomisch bzw. mechanisch zu suchen. Dennoch kann eine Fehlstellung des Kopfes auch den Stoffwechsel des Gehirns beeinträchtigen, wodurch Migräne- und Kopfschmerzanfälle ausgelöst werden.

Und da die Nervenbahnen des Rückenmarks durch die Wirbelsäule geschützt werden, kann eine Fehlstellung einzelner Wirbel auch die Funktionalität des Nervensystems beeinträchtigen. Diverse Funktionsstörungen können sich einstellen, welche zu Schmerzen führen, deren Ursache nicht organisch erklärt werden können.

Eine Fehlstellung des Atlaswirbel kann auch Nackenschmerzen hervorrufen

Der Nacken und Hals ist eine sehr wichtige Körperpartie des Organismus. Denn dort entspringt die Verbindung zwischen Gehirn und Körper. Um sämtliche Umwelteinflüsse, welche auf den Hals und Nacken einwirken, für den Organismus zu messen – ist diese Körperpartie mit sehr vielen Rezeptoren ausgestattet.

Diese Schmerzrezeptoren sollen bewirken, dass dieser Bereich besonders geschützt bleibt. Eine permanente Fehlstellung durch falsches Sitzen, falsches Tragen oder eine schlechte Schlafposition wirkt sich dort sehr nachteilig aus, wodurch der Nackenschmerz eintritt.

Sehr wichtig….
Man kann Beschwerden in bestimmten Körperpartien nicht einzeln betrachten. Wenn du bspw. deinen Arm anhebst, ist auch deine Schulter beteiligt. Wenn deine Schulter beteiligt ist, wirken auch die Muskeln im Nackenbereich und im Rücken mit. Außerdem ist auch die Brustmuskulatur zur Stelle, um den Arm zu bewegen.

Was ich damit sagen will…
Jede Körperbewegung wird durch verschiedenste Muskelpartien gesteuert und koordiniert. Einige Muskeln und Körperregionen sind aktiv beteiligt und andere lediglich passiv. Die passiven Körperpartien stützen dann den Bewegungsapparat, halten diesen stabil und sorgen so dafür, dass die aktiven Regionen die Bewegung besonders effektiv ausführen können.

Beim Sitzen am PC, beim falschen Schlafen in der Nacht oder auch beim normalen Gehen sind demnach auch Muskeln beteiligt, welche den Körper in seiner stabilen Position erhalten. Diese leisten dann ebenfalls Muskelarbeit, welche aber nicht zu einer Bewegung führt, sondern lediglich zur Ausrichtung und zur Stabilität aller anderen Körperregionen beiträgt.

Zurück zum Nacken…
Beim Sitzen muss der Oberköper stabil gehalten werden. Und diese Stabilität kommt aus dem Rücken und Nackenbereich. Falls du immer wieder falsch sitzen solltest, werden dabei die falschen Muskeln beansprucht. Und da die sitzende Körperhaltung circa 12 Stunden am Tag vollzogen wird, werden auch 12 Stunden am Tag nur ganz gewisse Muskeln beansprucht. Alle Gegenspielermuskeln – welche dazu da sind – den angespannten Muskel wieder zu entspannen, bleiben unbeansprucht und verkümmern allmählich.

Ganz konkret gesagt….
Du sitzt falsch. Dabei werden gewisse Muskeln beansprucht, welche sich zusammenziehen (Muskelkontraktion) – um im Muskel eine Spannung aufzubauen. Diese ziehen über eine Sehne den anhängenden Knochen mit, wodurch eine Haltung oder auch Fehlhaltung entsteht. Der gegenüberliegende Muskel, welche ebenfalls über eine Sehne mit dem gleichen Knochen verbunden ist, wird dadurch gedehnt. Nimmst du über mehrere Stunden diese Haltung ein, wird somit dieser eine Muskel über diesen Zeitraum sehr stark beansprucht (trainiert) und der gegenüberliegende wird stark gedehnt (Verkümmerung).

Der gedehnte Muskel baut über einen gewissen Zeitraum ab, da er nicht beansprucht wird. Der Muskelabbau hat zur Folge, dass dieser Muskel nicht den Spannungsaufbau erzeugen kann, welcher notwendig wäre, um den Knochen oder Wirbel in seine Ausgangslage zurückzubewegen.

Wie geht’s weiter?
Das Gehirn erkennt diese Fehlstellung und Verkümmerung des Muskels. Um diesen Muskel, dich und deinen Körper zu schützen, schickt es ein Schmerzsignal an diese Stelle, welches darauf hindeuten soll – nimm dich in Acht. Eine Bewegung im Bereich des verkümmerten Muskels ist dann nur noch unter Schmerzen möglich.

Eine Fehlstellung des Atlaswirbels bewirkt auch andere Schmerzen

Der Kopf sitzt oben auf und sorgt, wie bereits oben beschrieben, für eine Balance des gesamten Körpers. Falls der Kopf nun durch eine Verkümmerung der Nackenmuskulatur und einer Verschiebung einzelner Halswirbel in eine Schieflage gerät, ändert sich die Balance im ganzen Körper.

Der Körper wird somit entweder rechts- oder linkslastig. Und diese Lastigkeit durchzieht sich über die Rückenmuskulatur, welche fortan den Körper anders stabilisieren muss. Aber – wie bereits erwähnt – kann man eine Körperpartie nicht isoliert betrachten. Und so wirkt sich die einseitige Stabilität auch auf die Brust und den gesamten Rumpf aus. Schließlich tragen die Beine das Gewicht des gesamten Körpers, wodurch auch die Gliedmaßen betroffen sind.

Wenn die Wirbelsäule oben bereits schief oder nicht richtig ausgerichtet ist, durchzieht sich diese Schieflage durch alle unteren Bereiche. Beim Menschen endet die Wirbelsäule im Beckengürtel. Somit kann sich der Schmerz bis dorthin ausbreiten.

Zahnschmerzen, Zähneknirschen, Schlafstörungen als Folge einer Atlas Fehlstellung

Sitzt der Kopf schief, ergibt sich auch im Schädel und im Kiefer eine Schieflage. Der Kauapparat wird einseitiger gebraucht. Das bedeutet, dass die Zähne entweder links- oder rechtsseitig genutzt werden. Eine Fehlstellung des Kiefers kann zu Zahnschmerzen, aber auch zu Zähneknirschen im Schlaf, zu Schlafstörungen oder weiteren Belastungen führen.

Und ist der Schlaf erst einmal gestört, beginnt eine Abwärtsspirale. Denn der Organismus hat nicht die nötige bzw. ausreichende Ruhe, um sich zu regenerieren. Durch die fehlende Regeneration wird das Nervensystem gestresst. Dadurch wird jede Körperwahrnehmung viel intensiver interpretiert. Das bedeutet, dass Schmerzen viel stärker stimuliert werden als bei einem ausgeruhten Körper.

Herzrasen und Bluthochdruck durch einen verschobenen Atlaswirbel

Wie bereits oben erwähnt, kann eine Fehlstellung oder Verschiebung des Atlaswirbels auch zu einer Beeinträchtigung der inneren Halsschlagader (Arteria carotis interna) führen. Und da Muskeln als Stütze nun anders ausgerichtet werden, kann sich dieser Umstand weiter verschlimmern. Das Nervensystem ist gestresst und reagiert darauf.

Nun muss allerdings nicht zwingend das Gehirn zwischengeschaltet werden. Denn das periphere Nervensystem gliedert sich in einen autonomen und einen somatischen Bereich.

Das autonome Nervensystem, auch als vegetatives Nervensystem bezeichnet, steuert sämtliche Vorgänge im Organismus allein. Dazu zählen vor allem die Vitalfunktionen, wie der Herzschlag oder die Atmung.

Man unterteilt das vegetative Nervensystem weiter in ein sympathisches (Sympathikus) und ein parasympathisches (Parasympathikus) Nervensystem. Beide Nervensystembereiche wirken im Zusammenspiel und sind entweder für die Erregung des Organismus oder für die Erholung zuständig.

Fürs Herzrasen und Bluthochdruck ist der Sympathikus zuständig.
Der Sympathikus ist der Teil des autonomen Nervensystems, welcher den Organismus erregen soll. Immer dann, wenn eine Bedrohung droht, sorgt der Sympathikus dafür, dass Hormone (z.B. Adrenalin) ausgeschüttet werden, damit das Lebewesen entweder fliehen oder kämpfen kann. (Flucht oder Kampf-Modus)

Als Folge dieser Routine werden Muskeln angespannt, der Blutdruck wird erhöht und das Herz schlägt schneller. Alles dient dazu, den Körper bzw. Organismus entweder auf einen Kampf oder eine Flucht vorzubereiten.

Was hat das mit dir zu tun?
Der Sympathikus wird nicht nur aktiv, wenn du einen Wolf oder einem anderen Raubtier begegnest. Er wird auch aktiv, wenn du dich mit einem Kollegen streitest oder du dich über die Nachrichten im Fernsehen aufregst. Es ist demnach ein Stressregulierer, welcher bei irgendeinem bedrohlichen Umweltreiz anspringt und den Körper in einen Stresszustand versetzt.

Und jetzt kommts…
Ein Umwelt- oder Körperreiz kann auch ein Schmerz, zu wenig Schlaf oder ein schlecht ausbalanciertes System sein. Und dass all diese Faktoren, ihre Ursachen in einem verschobenen Atlaswirbel haben können, wurde bereits beschrieben.

Atlaskorrektur

Bei einer Atlaskorrektur soll ein verschobener Atlaswirbel wieder in seine vorgesehene Stellung gebracht werden. Dies geschieht durch verschiedene Übungen. Bei einer Atlasblockade übernimmt dies ein Speziallist, ein Arzt oder Physiotherapeut. Denn die Verrenkung im Hinterhauptbein lässt sich ansonsten kaum lösen.

Bei einer Verschiebung reichen oftmals Übungen, welche du auch zuhause durchführen kannst. Dabei wird der Hals entsprechend gedehnt, um die verkümmerte Muskulatur anzuregen. Spezielle Videos dazu findest du auf Youtube.

Übungen, Präventivmaßnahmen und Behandlung durch Sport

Ich habe bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass schlechte oder eingeschränkte Bewegungen die Muskeln verkümmern lassen. Und dies führt dann unweigerlich dazu, dass der Bewegungsapparat versagt bzw. der Stützapparat zu stark belastet wird. Und deshalb würde ich Sport empfehlen, ganz speziell Yoga.

Wieso?
Ich selbst laufe seit 2009 diverse Marathonläufe, mal die 42 km und mal mehr. Solche Läufe wirken sich auch auf die Halsmuskulatur aus. Denn bei jedem Auftritt erfährt der Körper eine Erschütterung, welche durch die Wirbelsäule und seiner Doppel-S-Form abgefangen werden. Dies führt dazu, dass die Muskeln im Hals- und Nackenbereich verkrampfen.

Und dies hat natürlich Folgen…
Ich selbst konnte seit 2010 nicht mehr auf dem Bauch schlafen. Einfach deshalb, weil der Bewegungsradius im Kopf, Hals und Nacken dies nicht zuließen. Legte ich mich auf den Bauch und drehte den Kopf zur Seite, war solche Spannung im Hals – dass ich dies nicht aushielt.

Ehrlich gesagt, hat mich dies nicht weiter gekümmert. Denn schließlich kann ich auch auf den Rücken oder auf der Seite problemlos schlafen. Also lebte ich damit für ungefähr 10 Jahre. Kein Problem.

Doch dann fing meine Frau auch damit an, Marathonläufe zu laufen. Aber sie kümmerte sich besser um den Ausgleich. Und deshalb machte sie regelmäßig Ausgleichsport und besorgte sich eine Yoga-DVD von Ralf Bauer. (Link in der Literaturangabe)

Da ich sie dabei beobachtete und mein ganzer Körper über die Jahre recht steif wurde, stieg ich mit ein. Nach zwei Abenden mit 20-minütigen Yoga, wachte ich am Morgen des dritten Tages auf und lag auf dem Bauch. Ich hatte keine Spannungen, keine Schmerzen, nichts..

Nun war es nicht so, dass ich es darauf angelegt hätte. Ich hatte sogar völlig vergessen, dass ich nicht auf dem Bauch schlafen konnte. Aber mein Körper muss im Schlaf unbewusst diese Schlafposition eingenommen haben. Und am nächsten Morgen wurde mir klar, dass ich jetzt wieder auf dem Bauch schlafen konnte.

Nun kann man Yoga auch bei Youtube umsonst anschauen und braucht nicht zwingend eine DVD kaufen. Aber damit habe ich keine Erfahrung. Was ich dir aber empfehlen kann, ist eben die Yoga-DVD von Ralf Bauer- weil ich eben nur damit Erfahrungen sammeln konnte.

Bei den Übungen wird auch niemals konkret auf den Hals eingegangen, so dass ich auch selbst gar nicht auf die Idee gekommen wäre, Yoga nur für den Hals zu machen. Stattdessen verfolgt Ralf Bauer so einen ganzheitlichen Ansatz, wo der ganze Körper eingebzogen wird. Die Beweglichkeit des Halses ist somit lediglich ein Nebeneffekt, welchen ich aber empfehlen kann.

Literatur

  • Heike Höfler (Autor), Die besten Übungen für den Atlas-Wirbel: Kleiner Wirbel – große Wirkung. Nacken- und Kopfschmerzen lösen, Schwindel und Tinnitus lindern, ISBN: 978-3432115849*
  • Ernst Pohlmann (Autor), Atlastherapie und Behandlung der Körperfehlstatik: Therapien bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern, ISBN: 978-3946761631*
  • Oliver Kamp (Autor), Ratgeber Atlaswirbel: Ein kleiner Wirbel mit großer Verantwortung – Die Ursachen Ihrer Beschwerden verstehen und Schritt für Schritt lindern | inkl. praktischer Übungen für den HWS – Bereich, IBSN: 978-3751954679*
  • Yoga mit Ralf Bauer*

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