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Was ist konformistisch bzw. Konformismus: Bedeutung und Definition


Konformismus, auch als Konformität bekannt, beschreibt die Anpassung eines Individuums an vorgegebene Normen. Diese entspringt oft dem Wunsch nach Zugehörigkeit. Diese Angleichung an eine Gruppe kann aus eigener Überzeugung (persönliche Akzeptanz) oder durch Normenvorgabe von außen (öffentliche Folgsamkeit) entstehen.

Der Begriff Konformismus

Das Wort entwickelte sich aus dem spätlateinischen Begriff „conformis“, der übersetzt gleichförmig oder ähnlich bedeutet. Dies leitet sich aus dem Lateinischen „forma“ ab, das als Form oder Gestalt übersetzt werden kann. Eine alternative Bezeichnung ist die Konformität.

Konformismus bedeutet somit die Übereinstimmung einer Person mit den gesellschaftlichen, inhaltlichen oder ethischen Vorgaben. Das Adjektiv dazu heißt konformistisch.

Geprägt wurde der Begriff durch die englische Religionsgeschichte, bei der ein „Conformist“ sich der Staatskirche unterworfen hat, ein „Nonconformis“ entsprechend nicht. Daraus entwickelte sich die Assoziation zu einem Menschen, der sich der herrschenden Meinung anschließt.

Der Grund von Konformismus

Diese Haltung eines Menschen beruht auf das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Akzeptanz und Integration. Ausgelöst wird dieser Wunsch durch eine Selbstunterschätzung, aber auch der Angst vor Verantwortung. Häufig steht das Verlangen nach Angleichung im Zusammenhang mit Assimilation, Migration oder Konformitätsdruck durch die Gesellschaft beziehungsweise eine Gruppe.

Assimilation beschreibt eine Anpassung einer Person an eine andere. Dies bedeutet eine Aufgabe der Religion oder bisher gelebter Moralvorstellungen und Traditionen. Im Rahmen von Immigration, also der dauerhaften Einwanderung in ein anderes Land, ist die Assimilation zu beobachten.
Dieses Verhalten war in der Geschichte nicht immer freiwillig, sondern manchmal durch Kriegshandlungen hervorgerufen. Hier ging es häufig um die Bekehrung zu einer anderen Religion.

Ein weiterer Auslöser ist der Konformitätsdruck, der im Deutschen als Gruppenzwang bekannt ist. Dabei handelt es sich eher um begrenzte Gruppen wie Cliquen oder Familienkreise. Wird sich diesem Zwang nicht gebeugt, dann besteht sie Gefahr einer Ausgrenzung. Um dieser entgegenzuwirken, wird ein Mensch konformistisch. So bleibt die Zugehörigkeit weiter bestehen.

Konformismus im kritischen Kontext

Kollektivismus

In einem gewissen Rahmen ist der Konformismus nötig, damit eine Gesellschaft funktionieren kann. Konformität kann jedoch übermäßig ausgeprägt sein, so dass von einem kritischen Konformismus gesprochen wird. Bei diesem kommt es zu einer teilweisen oder kompletten Selbstaufgabe zum Zweck der Zugehörigkeit. Dies beeinflusst den Lebensstil, das Verhaltensmuster und die Entscheidungsfindung. Auf Dauer kann diese übermäßige Anpassung zu psychischen und psychosomatischen Erkrankungen führen.

In einem größeren Rahmen, der nicht nur eine Person betrifft, wird von Kollektivismus gesprochen. Hierbei steht das Wohlergehen einer Gruppe im Vordergrund. Die Selbstaufgabe zugunsten des Kollektivs wird als Altruismus bezeichnet.

Individualismus

Das Gegenteil ist der Nonkonformismus, auch bekannt als Individualität. Hier werden die eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Entscheidungen über die Normen gestellt. Oft zu beobachten ist dies nach Krisenzeiten, zum Beispiel in der Nachkriegsgeneration oder dem Mauerfall, als die Individualität zuvor stark eingeschränkt war.

Handelt es sich um eine Gruppe beziehungsweise Gesellschaft von Individualisten, dann wird von Individualismus gesprochen. Eine Handlung im Rahmen des Nonkonformismus wird als Egoismus bezeichnet, da der Nutzen der einzelnen Person über dem der Gruppe steht.

Konformismus in der Sozialpsychologie

Die zwei Einflüsse des Konformismus

Das konformistische Verhalten wurde erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts von Walther Moede beschrieben. Dieser beobachtete bei einer Schulklasse, dass diese sich gegenseitig beeinflussten und sich so die Leistungen anglichen. Während Schüler mit sehr gutem Leistungsniveau absanken, stiegen die Schüler mit einem schlechteren Leistungsdurchschnitt auf.

Dieser Effekt beruht auf zwei Einflüsse. Der erste ist der informative Einfluss. Hierbei kommt es zu einer Anpassung, da eine Person der Gruppe als Informationsquelle dient, die Wissen und Sicherheit vermittelt, an der sich unsichere Gruppenmitglieder orientieren. Deshalb heben leistungsstarke Schüler die Leistung der anderen.
Ist keine Person vorhanden, die weiß, was zu tun ist, dann kommt es zu keiner Handlung. Dieses Verhalten wird als pluralisitische Ignoranz bezeichnet. Oft ist das zu beobachten, sobald mehrere Zeugen eines Notfalles keine Hilfe leisten. Jeder Anwesende fragt sich, warum er helfen soll, wenn das auch andere können.

Der zweite Einfluss ist der normative. Dieser ist dafür verantwortlich, dass eine Person nicht durch deviantes, also ein abweichendes, Verhalten außerhalb der Norm, auffällt. Dies bedeutet, dass die leistungsstarken Schüler sich dem Standard der Leistungsschwächeren anpassen.

Aocial-Impact-Theory

Hierbei hat die Social-Impact-Theory des Psychologen Latané, die er 1981 veröffentlichte, den normativen Einfluss um drei Variablen ergänzt, die den Gruppenzwang beeinflussen.

Eine Variable ist die Gruppengröße. Bis vier Personen ist der Zwang nach Konformismus sehr stark, steigt dann bis zu sieben Personen nur noch leicht an, bevor er auf dieser Niveauhöhe stagniert.

Einen entscheidenden Einfluss hat auch die Wichtigkeit der Gruppe für das Individuum, die aussagt, wie groß der Wunsch nach Zugehörigkeit ist.
Die letzte Variable ist das Normengedächtnis. Je länger oder räumlich weiter die Gruppe entfernt ist, desto mehr sinkt das konformistische Verhalten der Person. Verliert sich der Kontakt zu einer Gruppe zum Beispiel durch einen Wegzug, dann wird die Person sich nach anderen Normen richten, während gruppenspezifische Normen in den Hintergrund treten. Kommt es zum erneuten Aufeinandertreffen mit der früheren Gruppe, dann ist oftmals eine nochmalige Anpassung zu beobachten.

Das Stanford-Prison-Experiment und das Milgram-Experiment

Dieser sozialpsychologische Effekt wurde mit mehreren Studien bestätigt. Die zwei bekanntesten sind das Stanford-Prison-Experiment und das Milgram-Experiment.

Beim Stanford-Prison-Experiment wurden per Los aus der Versuchsgruppe Gefängniswächter und Gefangene ausgewählt. Während des Versuchs kam es zu einer Anpassung der Wärter im Verhalten und in der Gruppe der Gefangenen. Der informative Einfluss bestand aus der Beobachtung der Verhaltensmuster von Gruppenmitgliedern und der normative Einfluss stammte aus den (erwarteten) Konsequenzen bei Regelverstößen.

Das zweite Experiment untersuchte den Einfluss von Autorität. Dabei wurden Anweisungen von Laien und Autoritätspersonen gegeben. Der informative Einfluss wurde dadurch aufgezeigt, dass Befehle von Laien durch die Testpersonen nicht so gehorsam ausgeführt wurden wie bei Autoritätspersonen. Hierbei kam es zu einem konformistischen Gruppenverhalten. Unter den Probanden waren auch Eingeweihte. Stellten diese die Anweisung der Autoritätsperson in Frage, sank der Gehorsam der Testpersonen, was den normativen, also psychosozialen, Einfluss belegt.

Generelle Konformitätstheorie

Rüdiger Peuckert unterscheidet in dieser Theorie zwischen Anpassungs- und Einstellungskonformität. Die Anpassungskonformität beschreibt das Verhalten, dass die Person zeigt. Hierbei kann es sich um Gruppenrituale, Traditionen oder das Befolgen von Gesetzen sein.
Die Einstellungskonformität umfasst Denkmuster, wie sie bei Religionen, Moralvorstellungen oder lokaler Mentalität zu beobachten ist. So herrscht in Deutschland eine andere Mentalität wie beispielsweise in Spanien.

Hauptannahme der Theorie ist, dass eine Person sich dann konformistisch verhält bzw. denkt, wenn der erwartete Gewinn größer ist, als es bei einem non-konformistischen Verhalten wäre.

Hält sich zum Beispiel ein Mitglied an die Vereinsregeln, dann kann es seiner Leidenschaft im Verein nachgehen. Verstößt es dagegen, muss es den Verein verlassen. Ersteres ist für die Person der größere Gewinn, weshalb sie sich den Regeln anpassen wird.

Private Akzeptanz und öffentliche Folgsamkeit

Folgt eine Person den Normen aus Überzeugung, dann akzeptiert diese sie privat. Oftmals beruht dies auf dem Wissen, dass Experten diese Normen aufgestellt haben. Jedoch kann das konformistische Verhalten auch aus einem Erziehungsstil entstehen, der vor allem für die (Nach-)Kriegszeit in Deutschland üblich war. Das Fehlen einer Rechtfertigung von außen kann ebenfalls zur privaten Akzeptanz führen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn während der Arbeit bestimmte Verhaltensweisen verlangt werden, in der Freizeit jedoch zu den eigenen Normen zurückgekehrt werden kann.

Wird den Normen nicht aus Überzeugung gefolgt, dann handelt es sich um öffentliche Folgsamkeit. Der häufigste Grund für diesen Konformismus ist die Gesetzgebung. Aus Angst vor den Konsequenzen beim Gesetzesbruch kommt es zu einer Befolgung der festgelegten Normen.

Vor- und Nachteile des Konformismus

Ein Mensch passt sich der Gesellschaft an, in der er lebt. Diese Anpassung richtet sich vor allem nach dessen Ängsten und sind in der Gesetzgebung festgehalten. Dadurch ist der Inhalt des Begriffs Konformität variabel. Die Vorteile ändern sich jedoch nicht.

Der Konformismus sorgt für eine Zusammenarbeit und ein Miteinander in Situationen, die eine einzelne Person nicht meistern könnte. Durch die Verteilung des Pensums auf mehrere Gruppenmitglieder sinkt die Belastung für den Einzelnen. Zudem passt sich das Individuum auf diese Art an eine Gesellschaft an, was nicht nur die Flexibilität, sondern auch das Selbstvertrauen steigert. Die Person profitiert von den Kenntnissen anderer Mitglieder. Die Gruppe kann schneller auf komplexe Sachverhalte reagieren, da jede Person individuelle Fähigkeiten mit sich bringt.

Diesen Vorteilen stehen jedoch einige Nachteile gegenüber. So kann es zum Verlust des Selbst kommen. Durch die Anpassung kommt es gegebenenfalls zur Annahme anderer Normen und Regeln, mit denen das Individuum nicht übereinstimmt. Der Konformismus kann so stark ausgeprägt sein, dass die Person sich ihrer Menschenwürde beraubt fühlt. Trotz steigender Toleranz wird zum Beispiel im Bereich der sexuellen Identität eine Heterosexualität vorgetäuscht, was mit Eheschließungen und Partnerschaften zugunsten der Konformation einhergeht.
Mit der Stabilität einer Gruppe sinkt die Anzahl der Herausforderungen, die ein flexibles Denken und Kreativität fordern. Somit kommt es zu einer Verlangsamung der eigenen Fortschritte.

Konformistische Organisationen

Bezeichnend für diese Organisationen sind ein Organigramm, formelle Stellenbezeichnungen und Stellenbeschreibungen sowie Richtlinien. Eine starke Hierarchie und exakte Prozesse sorgen für Stabilität. Ein Anführer oder eine kleine Gruppe von Anführern gibt Befehle, die durch die anderen Gruppenmitgliedern ausgeführt werden. Obwohl ein Trend zu flachen Hierarchien besteht, ist vor allem in öffentlichen Institutionen wie die Kirche, das Militär oder auch das Schulwesen eine starke Ausbildung der konformistischen Organisation zu beobachten.

Konformistischer Rebell

Eine andere Bezeichnung ist auch der autoritäre Rebell. Diese Person gilt nach der kritischen Theorie als autoritärer Charakter. Diese Theorie beleuchtet die Unterdrückungs- und Herrschaftsmechanismen und einer Hinterfragung der Ideologien. Der Grundsatz ist die Theorie, dass Aufklärung die Menschen verbessert. Der autoritäre Charakter ist in dabei negativ behaftet. Durch die Sympathie gegenüber der Mächtigen, die zu einer Unterwürfigkeit führt, entsteht Hass. Die Person richtet ihre Wut und Aggression gegen Wehr- und Hilflose.

Bei dem konformistischen Rebell tritt dieser autoritäre Charakter vor allem durch narzisstische Kränkung sowie Aufwertung, ein redegewandtes (pathisches) Auftreten und Ablehnung des Konformismus in Erscheinung.

Der Rebell will der Autorität angehören und akzeptiert damit die Autorität seiner Gruppe. Der konformistische Rebell tritt nur autoritär auf, wenn er sich des Einverständnisses des Anführers seiner Gruppe sicher sein kann. Somit ist er ein Rebell, der konformistisch im Hinblick auf die autoritäre Gruppe handelt. Dadurch entsteht eine starke narzisstische Befriedigung.

Zusammenfassung

  • Konformismus beschreibt die Anpassung einer Person an eine Gruppe. Ursprung des konformistischen Verhaltens ist der Wunsch nach Zugehörigkeit, aber auch der Angst vor Verantwortung.
  • Wenn nicht nur ein einzelnes Individuum, sondern große Gesellschaftsgruppen konformistisch agieren, nennt sich das Kollektivismus.
  • Im Rahmen mehrerer Studien wurde der Konformismus bestätigt und weitere Theorien dazu aufgestellt.
  • Der Konformismus wird dann gelebt, wenn der persönliche Gewinn größer ist als bei Non-Konformität.
  • Die Wissenschaft unterscheidet zwischen Anpassungs- und Einstellungskonformität.
  • Die erste Form beschreibt Verhaltens- und die zweite Denkmuster.
  • Entspricht die Anpassung der eigenen Überzeugung, so wird von privater Akzeptanz gesprochen, kommt sie durch äußere Regeln zustande, dann handelt es sich um öffentliche Folgsamkeit.
  • Vorteil ist ein Zusammenhalt, der gute Leistungen hervorbringt, während die Selbstaufgabe einen Nachteil darstellt.
  • Auch Organisationen können konformistisch sein. Dies ist vor allem in öffentlichen Institutionen zu beobachten. Dort ist verstärkt der konformistische Rebell anzutreffen, der mit der Führungsriege sympathisiert und sich unterwirft, zeitgleich seine Aggression, die aus der Unterwürfigkeit resultiert, an den Schwächeren auslässt.

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