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Die 24 Literaturepochen und Strömungen der Literaturgeschichte


Eine Literaturepoche bzw. literarische Epoche ist ein Zeitabschnitt in der Literaturgeschichte. Die Einteilung der Epochen erfolgt auf Grundlage von Gemeinsamkeiten in der Textgattung, den historischen Hintergründen und auch den stilistischen Mitteln.

Inhalt

Was ist eine Literaturepoche

Eine Literaturepoche ist ein Abschnitt in der Literaturgeschichte. Dabei findet die Epocheneinteilung oftmals anhand gesellschaftlicher und politischer Umwälzungen statt, welche Einfluss auf die Literatur nehmen und zugleich Gegenstand der Literatur werden. Demnach richtet sich die Einteilung nach literarischen Epochen an historischen Ereignissen aus (Kriegen, Revolutionen, gesellschaftlichen Wandel).

Die epochale Einteilung soll ein Ordnungsprinzip schaffen, um Autoren der gleichen Zeit – welche die gleichen Stilmittel nutzten, entsprechend klassifizieren zu können.

Was ist eine literarische Strömung

Eine literarische Strömung findet innerhalb einer Literaturepoche statt. Die Vertreter der Strömung grenzen sich von anderen Autoren der Epoche ab, indem sie andere Stilmittel (z.B. andere Reimformen) oder andere gesellschaftliche Motive aufgreifen.

Oftmals ist eine Strömung auch eine Gegenbewegung oder Protestbewegung gegen die Anhänger einer Literaturepoche. So war die Sturm und Drang Zeit bspw. eine Jugendbewegung innerhalb der Aufklärung, deren Anhänger sich von den rein rationalen Motiven verabschiedeten und das Gefühl als aufklärerischen Aspekt in die Literatur einfließen ließen (Siehe Abschnitt Sturm und Drang).

Mit Beginn der Moderne (etwa 1900) treten verschiedene Strömungen, wie der Naturalismus, die Heimatkunst, der Impressionismus oder der Expressionismus auf. Diese werden, je nach Autor, entweder als literarische Strömung der Moderne verstanden oder erhalten einen eigenen Epochenstatus. (Siehe nächster Abschnitt)

Wie viele Literaturepochen gibt es

Die Einteilung nach Literaturepochen gestaltet sich als schwierig, da man entweder historische Ereignisse, Stilmittel oder Autoren heranziehen kann. Auch die Einteilung anhand der Kunstgeschichte (Barock, Biedermeier, Jugendstil, Expressionismus) kann vorgenommen werden. Demnach gibt es keine allgemeingültige Einteilung.

Weiterhin sind viele Epochen lediglich eine Gegenbewegung zu einer bereits bestehenden Epoche, weshalb diese sich zeitlich überlappen. So ist bspw. die Romantik eine Gegenbewegung zur Aufklärung und zur Klassik, was eine klare zeitliche Epocheneinteilung verhindert.

In der Literaturgeschichte unterteilt man nach mindestens 15 Epochen (siehe nächsten Abschnitte). Bei einigen Autoren fallen einzelne Strömungen weg und werden als Epochen geführt, wodurch sich 22 Epochen ergeben. Unterteilt man die mittelalterliche Literatur noch in Früh-, Hoch- und Spätmittelalter – ergeben sich sogar 24 Literaturepochen.

Welche Literaturepoche ist jetzt

In den 1980-er Jahren endete die Nachkriegsliteratur der BRD und DDR. Die Rückschau auf die Kriegsjahre endete allgemein und fortan widmeten sich Autoren diversen Themen der Gegenwart. Man nennt diese Literaturepoche deshalb auch Gegenwartsliteratur oder Postmoderne. In dieser Literepoche befinden wir uns heute noch.

Wann war welche Literaturepoche

  • Mittelalterliche Literatur: ab 740 bis 1470
  • Humanismus und Renaissance: ab 1470 bis 1600
  • Barock: ab 1600 bis 1720
  • Aufklärung: ab 1720 bis 1800
    • Sturm und Drang als Strömung der Aufklärung: 1765 bis 1785
  • Weimarer Klassik: 1786 bis 1805
  • Romantik: 1795 bis 1835
  • Biedermeier: 1815 bis 1848
  • Junges Deutschland und Vormärz: 1825 bis 1848
  • Realismus: 1850 bis 1890
  • Moderne: ab 1880 bis 1920
    • Naturalismus: 1880 bis 1900
    • Heimatkunst: 1890 bis 1910
  • Expressionismus: 1910 bis 1925
  • Literatur der Weimarer Republik: 1918 bis 1933
    • Neue Sachlichkeit als geistige Strömung
  • Literatur der NS-Zeit: 1933 bis 1945
    • Exilliteratur
    • Innere Emigration
  • Nachkriegsliteratur: 1946 bis 1980
    • Literatur der BRD ab 1949 bis 1990
    • Literatur der DDR ab 1949 bis 1990
  • Gegenwartsliteratur bzw. Postmoderne: seit den 1980-er Jahren

Mittelalterliche Literatur

Die Literatur des Mittelalters wird nach früh-, hoch und spätmittelalterlicher Literatur unterschieden.

Frühmittelalterliche Literaturepoche

Die literarische Epoche des Frühmittelalters (750 bis 1050 n.Chr. ) ist geprägt durch Kirchentexte, welche in althochdeutscher Sprache entstanden. Zu den ersten Texte gehören Übersetzungen, welche schreibkundige Benediktinermönche aus der lateinischen Schriftsprache in die althochdeutsche Sprache übersetzten. Oft handelt es sich dabei um Gebetsformeln, Anweisungen für die Taufe oder Psalmen.

Der älteste bekannte deutsche Dichter ist Otfrid von Weißenburg (790 – 875), welcher das Evangelienbuch vom Lateinischen ins Althochdeute übersetzte. Ein weiterer Bibelübersetzer war Williram von Ebersberg (10 – 1085), welcher einen umfassenden Bibelkommentar (Expositio in cantica canticorum) hinterließ. Viele Texte blieben allerdings anonym.

Sächsische Taufgelöbnis

Das Sächsische Taufgelöbnis entstand während der Regierungszeit von Karl des Großen. In den Sachsenkriegen (772 – 804) versuchte Karl der Große, das Christentum über die heidnischen Sachsen zu verbreiten.

Zwangschristianisierung durch Taufe war ein Mittel, um die Heiden von ihren Götter abschwören zu lassen, damit diese sich zum Christengott bekennen. Dazu wurde das Sächsische Taufgelöbnis in althochdeutscher Sprache verfasst. Dieses beinhaltete den Abschwur von wichtigen Germanengöttern, wie Donnar (Thor), Wotan (Odin) oder Tyr und die Bekenntnis zum Christengott.

Dieses Gelöbnis wurde den Sachsen vorgelesen und diese mussten sich dann bekennen. Die Bekennung war verbunden mit dem Eintritt ins Himmelreich und dem öffentlichen Verzicht auf Walhalla, wodurch Familien beim Glaubensübertritt eines Angehörigen gezwungen waren, ebenfalls überzutreten, um nach dem Tod vereint zu bleiben.

Merseburger Zaubersprüche

Im Frühmittelalter entstanden die Merseburger Zaubersprüche, etwa 750 n.Chr.. Es handelt sich dabei um zwei Zaubersprüche aus der germanischen Mythologie, welche im althochdeutschen überliefert worden. Der erste Zauberspruch ist ein Löszauber, um Fesseln zu lösen. Beim zweiten Zauberspruch handelt es sich um einen Heilungszauber für ein hinkendes Pferd. Beide Sprüche wurden im Merseburger Dom gefunden. Der Autor blieb unbekannt.

Hildebrandslied

Zu den ersten literarischen Werken in deutscher Sprache gehört auch das Hildebrandslied, welches wohlmöglich im 9. Jahrhundert entstand. Überliefert war das Heldenlied auf einem Fragment, dessen Ende fehlte. Zu den Protagonisten des Textes gehören Hildebrand, ein Gefolgsmann des Dietrich von Bern und dessen Sohn.

Das Lied beschreibt, wie Hildebrand nach 30 Jahren in seine Heimat zurückkehrt und dort einen jungen Mann trifft. Wie sich herausstellt, ist dieser junge Mann sein Sohn. Hildebrand stellt sich als dessen Vater vor, doch der Junge glaubt ihm nicht und fordert ihn heraus. Wie es damals Sitte war, muss Hildebrand die Herausforderung annehmen und gegen seinen Sohn kämpfen. Wie der Kampf endet, steht nicht auf dem Fragment.

Da Hildebrand ein Gefolgsmann des Dietrich von Bern war, welcher auf dem Fragment auch namentlich erwähnt wird, kann das Heldenlied als Teil der Dietrich-Sagen gewertet werden. Das Leben des Dietrich von Bern wird auch im Nibelungenlied und in den spätmittelalterlichen Heldenbüchern behandelt.

Hochmittelalterliche Literaturepoche

Das Hochmittelalter schließt sich ans Frühmittelalter an, beginnt 1050 und endet 1250. Die Literaturepoche des Hochmittelalters ist geprägt durch Minnesänger, welche die Kreuzzüge und Kreuzfahrten besingen.

Die Lyrik wird geprägt durch Dichter, wie Walther von der Vogelweide (1170 – 1230), Gottfried von Straßburg (um 1250) oder Ulrich von Liechtenstein. In dieser Zeit wandelte sich die Sprache vom althochdeutschen zum mittelhochdeutschen.

Spätmittelalterliche Literaturepoche

Das Spätmittelalter begann 1250 und endete 1492. Am Ende des Mittelalters setzte die Renaissance (etwa 1470) als Kulturepoche ein, deren Vertreter eine Rückbesinnung auf die Antike unternahmen. Doch zuvor brach etwa 1350 die Pest in Europa aus. Die Pestepidemie dauerte bis in die Neuzeit (16. Jahrhundert) an. Dementsprechend war das Spätmittelalter nicht wirklich eine Blütezeit für Kunst und Kultur.

Zu den wichtigsten Vertretern der spätmittelalterlichen Literaturepoche gehören Heinrich von Meißen (1250 bis 1318), welcher zahlreiche Liederhandschriften hinterließ und Johannes von Tepl (1450 bis 1414).

Von letzterem stammt „Der Ackermann aus Böhmen“. Dabei handelt es sich um einen handschriftlichen Holzschnitt. Die Handlung des Textes beschreibt einen Ackerbauern, welcher sich gegen den Tod seiner Frau auflehnt und deshalb den Tod verklagen will. Erstmals in der deutschen Literatur wird die Auflehnung gegen den Tod beschrieben und somit die Allmacht Gottes in Frage gestellt.

Literatur der Neuzeit

Die Neuzeit ist keine Literaturepoche, sondern eine Geschichtsepoche. Diese begann mit der Entdeckung Amerikas (1492) und endet mit dem Ersten Weltkrieg (1914-18). In die Neuzeit fallen diverse Literaturepochen, welche im Folgenden gelistet sind.

Humanismus als Literaturepoche während der Renaissance

Die Renaissance ist die Wiederbelebung der Antike und deren Geisteshaltung. Die Anhänger wollten die Repressionsjahre im Mittelalter, insbesondere die Zeit der Pestjahre, überwinden. In der Antike sahen sie eine Epoche, welche durch die schönen Künste und wissenschaftlicher Erkenntnis dominiert wurde, welche nun wiederhergestellt werden sollte.

Der Renaissance-Humanismus war eine Bildungsbewegung, welche die Renaissance begleitete und wichtige Impulse und gedankliche Anstöße lieferte. Der Mensch rückte in den Mittelpunkt und sollte größtmögliche Persönlichkeitsentfaltung erfahren. Dies stand im Widerspruch mit der Geisteshaltung der Kirche und des Staatsapparats, weshalb der Humanismus als Oppositions- und Reformbewegung der gesellschaftlichen Strukturen begriffen werden kann.

Erasmus von Rotterdam

Erasmus von Rotterdam (1469 – 1536) gilt als niederländischer Universalgelehrter. Er selbst war Theologe und Priester, aber auch Kirchenkritiker und wurde dadurch zum Kirchenreformer. Die spätere Aufklärung konnte auch durch sein Wirken möglich werden. Sein bekanntestes Werk ist: „Lob der Narrheit“ bzw. „Lob der Torheit“.

In diesem Werk tritt die Torheit (Narrheit oder Dummheit) als Frau auf und ruft ihre Töchter – namens Eitelkeit, Eigenliebe, Faulheit, Lust und Schmeichelei – herbei. Von ihnen lässt sich die Torheit loben. Mit einer ironischen Zuspitzungen werden Kaufleute, Geistliche, scheinbar Fromme, Fürsten, Mönche und Adelige mit ihren nicht tugendhalfen Verhalten konfrontiert und entblößt. Dadurch gelang es Erasmus ein ziemliches scharfes Abbild seiner Zeit literarisch darzustellen.

Erasmus war zwar Niederländer, wirkte aber auch in Deutschland (Freiburg) und der Schweiz (Basel). Die meisten Werke erschienen in Latein, wurden später ins Deutsche übersetzt. Mit insgesamt 444 Büchern und Schriften gilt Erasmus als einer der produktivsten Autoren und Herausgeber seiner Zeit.

Ulrich von Hutten

Ulrich von Hutten (1488 – 1528) war ein deutscher Renaissance-Humanist, Kirchenkritiker und Autor, welcher einem fränkischen Adelsgeschlecht entstammt. Seine Studienjahre verbrachte er unter anderem in Greifswald und Leipzig, wo er auch seine ersten literarischen Werke erschuf.

Vornehmlich erschienen seine Schriften anfangs in lateinisch, wurden später ins Deutsche übersetzt. Ab 1520 publizierte er auch auf Deutsch. Zu den bekanntesten Werken gehören: „Die Dunkelmännerbriefe“ und „Klagschriften und Ermahnungen“ oder „Ich habs gewagt mit Sinnen“.

Strömung der Reformation während des Renaissance-Humanismus

Inmitten der Renaissance (Kulturepoche) schrieb Martin Luther im Jahr 1517 seine 95 Thesen, um die römisch-katholische Kirche zu reformieren. Der Kirchenkritiker war selbst Mönch, lebte und wirkte in Wittenberg (Sachsen-Anhalt).

Luther griff mit seinen Thesen nicht die Religion bzw. das Christentum an, sondern die Kirche als Institution und die Kirchenoberhäupter in ihrer Religionsausübung. Er war der Meinung, dass sich die Pfaffen vom eigentlichen Christentum entfernt hätten und dass es der Kirche um Profit und Machterhalt ginge.

Zentrales Thema waren u.a. die Ablassbriefe, wonach ein sündiger Mensch sich von der Sünde – mit Kauf eines solchen Briefes – freikaufen konnte. Dadurch entstand der Ablasshandel, welcher den Kirchenoberhäuptern nützte und die ärmere Bevölkerung ausschloss.

Um die Lehre Christi allen Menschen zugänglich zu machen, übersetzte Luther die Bibel vom Lateinischen, Hebräischen und Griechischen ins Deutsche (Lutherbibel). Dadurch war auch der „einfachere“ Mensch in der Lage, das Wort Gottes zu verstehen und musste sich nicht länger von Kirchenoberhäuptern unterweisen lassen.

Weitere Reformautoren waren Huldrych Zwingli und Johannes Calvin, welche ebenfalls danach trachteten, die Kirche wieder religionsverbundener zu gestalten.

Da die Reformation (1517 – 1648) inmitten der Renaissance stattfand, wird sie nicht als eigenständige Literaturepoche behandelt, sondern vielmehr als literarische Strömung, welche den Zeitgeist der einfachen Menschen, aber auch den der Renaissance-Humanisten prägte.

Barock

An den Humanismus (1470 – 1600) schloss sich der Barock (1600 – 1720) als eigenständige Literaturepoche an. Während dieser Epoche brach der Dreißigjährige Krieg (1618-48) über weite Teile Europas aus. Eine Ursache des Krieges war der Streit zwischen Katholiken und Protestanten, welcher in den Prager Fenstersturz (1618) mündete, der dann zum Auslöser des Krieges wurde.

Die typische Texte des Barocks waren Sonette (Gedichtform) und der Schelmenroman. Viele Autoren behandelten den Krieg als Thema, das Überwinden von Leid und Unglück. Eine Idee davon, den Augenblick in wahrer Schönheit zu genießen, entstand. Gott wurde als Schöpfer gewertet, welcher diesen Augenblick schuf. Die Rückbesinnung auf Gott führte zu einer Abkehr von weltlichen Werten (irdischen) wieder zurück zu spirituellen Werten (überirdisch).

Martin Opitz

Einer der Vertreter des Späthumanismus und des frühen Barocks war Martin Opitz (1597 – 1639). Er schrieb ein Buch mit dem Titel: „Buch von der Deutschen Poeterey“. Darin stellt er Regeln für die deutsche Verskunst auf und fordert eine Abkehr von antiken Versmaßen.

Sein Gedicht „Echo oder Widerschall“ ist ein Klagelied, in welchem der Autor das Leid beschreibt, aber auch die Schönheit der einsamen Natur betont und den Todeswunsch als Thema aufgreift. Seine beiden Dramen Judith und Antigone erschienen 1636. Beide Dramen hatten bereits Vorläufer. So geht Judith auf eine Bibelgeschichte zurück und Antigone auf eine griechische Tragödie des Sophokles.

Daniel Casper von Lohenstein

Daniel Casper von Lohenstein (1635 bis 1683) war ein schlesischer Jurist, Diplomat, Übersetzer und bedeutender Dichter des Barocks. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker des Barocks. Sein Roman „Großmüthiger Feldherr Arminius“ erschien gilt als Höhepunkt der Barocker Romankunst und behandelt die Varusschlacht (9 .Chr.) zwischen den Germanen und Römern.

Andreas Gryphius

Andreas Gryphius (1616 – 1664) gilt als bedeutendster Lyriker des Barocks. In seinen Werken findet sich die Zerstörungswut, das Leid und die Sehnsucht nach Frieden wieder, welche im Dreißigjährigen Krieg allgegenwertig waren.

Seine Gedichte „Es ist alles eitel“ und „Tränen des Vaterlandes“ gelten als zwei bedeutende Gedichte der barocker Literatur. Letzteres wird auch als berühmtestes deutsches Gedicht des 17. Jahrhundert gefeiert.

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen

Neben Casper von Lohenstein gilt Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622 – 1676) als bedeutendster Romanschreiber des Barocks. Sein Werk „Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“ ist ein Schelmenroman und wird als erster deutscher Abenteuerroman überhaupt gehandelt.

Der Roman beschreibt wie der zehnjährige Simplicius, Sohn eines Viehhirten, versehentlich Soldaten auf den Hof seiner Eltern lockt. Diese brandschatzen den Hof und schänden die Frauen. Der Junge flieht und wird von einem Einsiedler aufgegriffen, welcher den Jungen aufnimmt. Als der Einsiedler stirbt vermacht er ihm einen Brief, in welchem er die drei Tugenden der Lebensführung nennt. Diese sind Selbsterkenntnis, Welterkenntnis und Beständigkeit (constantia).

Der junge Mann gerät nun in die Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Viele Schlachten, wie die Schlacht bei Nördlingen (1634) oder die Schlacht bei Wittstock (1636) werden in dem Roman erwähnt. Auch historische Personen, wie der Freiherr Jakob von Ramsay (1589–1639), tauchen auf.

Seine Abenteuerreise führt ihn auch nach Moskau, nach Ägypten, nach Rom oder nach Konstantinopel. In Korea unterrichtet er den König in der Schießkunst und im Anschluss wird er von Piraten gefangen genommen, welche ihn auf einer Galeere als Sklave einsetzen. Am Ende wird Simplicius wieder zum Einsiedler und schreibt sein Leben nieder.

Aufklärung

Die Aufklärung begann etwa 1720 und endete 1800. Das deutsche Gebiet bestand aus Teilstaaten, wie Preußen, Bayern oder Sachsen. Inmitten dieser Teilfürstentümer entstand ein prunkvolles Hofleben zu Lasten des Volkes. Dies führte unter den Autoren und Schriftstellern zu einem kritischen Denken gegenüber der Gesellschaftsordnung, welche Staat und Kirche einschloss.

Gleichzeitig wurden Ideen zur Selbstverwirklichung, des Individualismus und der Selbstbestimmung aus dem Humanismus übernommen.

Typisch für die Aufklärung ist die geistige Emanzipation, wonach der Verstand oder auch die menschliche Vernunft über allem anderen gesetzt werden sollte. So soll der Verstand die Wahrnehmung kontrollieren und nicht umgekehrt.

Typische Stilmittel waren die Fabel, in denen Tiere eingesetzt wurden, um menschliche Fehlleistung aufzuzeigen oder die Parabel, welche als lehrhafte Kurzerzählung verstanden wurde. Der Bildungsroman entstand, genauso wie das Lehrgedicht oder das Bürgerliche Trauerspiel. Letzteres sollte dazu dienen, um durch Leid und Enttäuschung eine Reinigung der Seele (Psyche) zu erfahren (Katharsis).

Emanuel Kant

Immanuel Kant (1724 – 1804) gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Aufklärer. Sein Werk „Kritik der reinen Vernunft“ soll den Umgang mit Kritik und Vernunft vermitteln und wurde später um neue Aspekte erweitert.

In diesem Werk stellt Kant die Kritik nicht als Tadel oder Herabwürdigung heraus, sondern als eine Methode für Analyse und Überprüfung. Diese Analyse kann dann durch die Vernunft geschehen, wodurch das Objektive vom Subjektiven getrennt wird.

Gleichzeitig kann diese Analyse auch an der Vernunft geschehen, wodurch Selbstkritik möglich wird. Anhand dieser Vernunftmethodik soll der menschliche Verstand aufsteigen können und der Geist an Klarheit gewinnen.

Gotthold Ephraim Lessing

Gotthold Ephraim Lessing (1729 – 1781) war ein bedeutender Dichter der Aufklärung, dessen Werk sich vor allem dem Toleranzgedanken verpflichtete. Die Toleranz wird als Gegenstand und Errungenschaft der geistigen Klarheit verstanden, welche in Lessings Dramen zentrales Thema wurde.

Im Jahr 1755 veröffentliche Lessing das Bürgerliche Trauerspiel „Miss Sara Sampson“, in welchem die Liebe zwischen Sara Sampson und einem zur Heirat versprochen Mann, namens Mellefont, thematisiert wird. Ein weiterer Gegenstand der Handlung ist, dass Sara von ihrem Vater verstoßen wurde, welcher die Beziehung seiner Tochter zu Mellefont nicht billigte. Am Ende wird Sara durch Marwood, der verschmähten Ehefrau des Mellefonts, vergiftet und am Sterbebett verzeiht ihr der Vater.

Im Jahr 1772 veröffentliche Lessing das Bürgerliche Trauerspiel „Emilia Galotti“, in welchem die Protagonistin einem Grafen heiraten soll. Doch Emilia wird von einem italienischen Prinzen geliebt, welcher den Grafen umbringen lässt. Um Emilias Tugend zu bewahren, wird sie am Ende des Stückes von ihrem Vater erstochen.

Nathan der Weise ist Lessings letztes Werk und wohlmöglich das bedeutendste. Es erschien 1779 und spiegelt die Toleranz- und Humanitätsgedanken des Autors wieder. Die Handlung spielt während des Dritten Kreuzzugs (1189-92) in Jerusalem, als die drei Weltreligionen (Judentum, Christentum, Islam) in der Stadt – verkörpert durch handelnde Personen – aufeinandertreffen.

Als Schlüsseltext der Toleranzidee ist die Ringparabel im Drama enthalten. In dieser wird der Jude Nathan vom islamischen Sultan nach der wahren Religion befragt, wonach der Jude eine Geschichte von einem Vater erzählt, welcher drei Söhne hatte. Die drei Söhne stehen stellvertretend für die Weltreligionen.

Nach dem Tod des Vaters erben die drei Söhne drei Ringe, wobei ein Ring der echte und die beiden anderen nur Kopien sind. Mit der Frage nach der Echtheit der Ringe kommt auch die Frage auf, welcher Sohn den echten Ring bekommen hat und demnach in der Beliebtheit des Vaters ganz oben stand.

Diese Frage soll ein Richter klären, welcher darauf verweist, dass der Vater alle drei gleichsam geliebt haben muss, da er niemanden von ihnen kränken wollte und deshalb zwei Kopien herstellen ließ. Durch diese Ringe werden alle drei Söhne – stellvertretend alle drei Religionen – gleichgestellt.

Voltaire

Voltaire – bürgerlich François-Marie Arouet (1694 – 1778) – war ein französischer Schriftsteller der Aufklärung und ein Vordenker der französischen Revolution (1789). Für einen Franzosen eher unüblich lernte Voltaire die englische Sprache zu lesen und schreiben. Dadurch war es ihm möglich, Werke von John Locke und die Dramen von William Shakespeare zu lesen.

Einige seiner Dramen behandeln auch Shakespeare-Themen, wie Le Brutus (1729), welches die Verschwörung um Julius Caesar und den Mord am Alleinherrscher beschreibt. Insgesamt über 700 Texte wurden herausgegeben, deren Veröffentlichungsgeschichte so komplex ist, dass sie bis heute nicht vollständig erforscht wurde.

Weitere Vertreter der klassischen Aufklärung

  • Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799) gilt als Begründer des deutschsprachigen Aphorismus (Einzelsatz, Einzelwort, Einzelgedanke).
  • Christoph Martin Wieland (1733 – 1813)
  • Johann Christoph Gottsched (1700 – 1766)

Empfindsamkeit als Strömung während der Aufklärung

Als Empfindsamkeit wird eine literarische Strömung innerhalb der Aufklärung bezeichnet, welche etwa 1740 begann und bis zur Französischen Revolution (1789) andauerte. Die Vertreter der Empfindsamkeit stellten heraus, dass Gefühle kein Makel sein müssen, sondern als Teil von Sittlichkeit und Anstand verstanden werden können.

Das Grundmotiv war Mitleid, welches als Gefühl des Anstandes und Respekts die Toleranz und Vernunft erweitern sollte. Später wurde das Gefühl der Liebe, welches bis dahin als zerstörerische Leidenschaft begriffen wurde, um Aspekte des Mitgefühls und der Selbstlosigkeit ergänzt. Dadurch wurde die Empfindsamkeit keine Gegenbewegung zur Aufklärung, sondern sollte einige unterrepräsentative Aspekte ergänzen.

Bedeutende Vertreter der Empfindsamkeit waren:

  • Friedrich Gottlieb Klopstock (1724 – 1803)
  • Matthias Claudius (1740 – 1815)
  • Marie Sophie von La Roche geb. Gutermann von Gutershofen (1730 – 1807)

Sturm und Drang als Strömung während der Aufklärung

Der Sturm und Drang (1765 – 1785) wird als Jugendprotestbewegung innerhalb der Aufklärung verstanden. Getragen wurde diese Strömung durch etwa 20 bis 30-jährige Autoren, wie den jungen Goethe oder den jungen Schiller.

Anders als früher angenommen, wird der Sturm und Drang nicht als Gegenbewegung zur Aufklärung verstanden, sondern als Versöhnung zwischen Gefühl und Vernunft (ratio und emotio).

Die Jugendbewegung rebellierte gegen die Generation ihrer Väter, den Übergriff der Institution und versuchte sich aus dem Regelkanon zu befreien. Das Brechen von Regeln, die Verwendung von Kraftausdrücken und ein gefühlsbetonter Patriotismus zogen in die Literatur ein.

Thema war oft der Vater-Sohn Konflikt oder der Konflikt zwischen moralisch und gesellschaftlich auferlegten Verhaltensnormen (Konventionen). Das Drama und der Briefroman wurden zu Stilmitteln und in der Lyrik wurde die seelische Stimmung des Verfassers transportiert (Erlebnislyrik).

Zu den wichtigsten Vertretern gehörten:

  • Gottfried August Bürger (1747 bis 1794)
  • Friedrich Schiller (1759 bis 1805)
  • Friedrich Maximilian Klinger (1752 bis 1831)
  • Johann Gottfried Herder (1744 bis 1803)
  • Johann Wolfgang Goethe (1749 bis 1832)
  • Jakob Michael Reinhold Lenz (1751 bis 1792)

Ein Hauptwerk des Sturm und Drangs war „Götz von Berlichingen“, welches Goethe 1774 veröffentlichte. Das Geschichtsepos erstreckt sich über 50 verschiedene Handlungsorte und die Einzelhandlung findet nicht an einem Tag statt, sondern erstreckt sich über mehrere Tage. Damit war die bis dahin übliche Theaterkonvention gesprengt wurden.

Der Protagonist gerät ebenfalls an Grenzen, da er abwägen muss, ob er sich dem freien Rittertum verpflichtet oder dem intriganten Adel unterstellt, welcher sich auf das römische Recht (Heiliges Römische Reich bis 1806) beruht.

Goethes „Götz von Berlichingen“ war Auslöser andere Ritterdramen, wie Schillers „Räuber“ – welches ähnliche Motive aufgriffen. In Schillers Räuber tritt ein zu Unrecht verstoßener Sohn einer Räuberbande bei. Als der Sohn dann nach Hause zurückkehrt, erkennt er, dass sein Vater ihn niemals verstoßen hatte und seine Verlobte ihn immer noch liebte. Deshalb versucht er ins bürgerliche Leben zurückzukehren, was aber aufgrund des Räuberkodex nicht gelingt.

Goethes zweites Sturm und Drang Werk trägt den Titel „Die Leiden des jungen Werthers“, welches 1774 veröffentlicht wurde. Der Briefroman schildert die leidvolle Liebe eines jungen Mannes, namens Werther, zu einer Frau, welche bereits verlobt ist. Die Liebe endet mit dem Selbstmord des Mannes.

Weimarer Klassik

Die Weimarer Klassik ist eine Literaturepoche, welche durch die klassischen Dramen von Goethe, Schiller, Herder und Wieland geprägt wurde. Alle vier lebten ab 1794/95 in Weimar. Die Weimarer Klassik dauerte von 1786 bis 1805.

Als Beginn der Weimarer Klassik wird die Italienreise Goethes im Jahr 1786 gewertet. Die Idee zur Bildungsreise entstand in einer Zeit, in welcher Goethe jahrelang nichts Nennenswertes veröffentlichte. Und Italien sollte ihm als Bewusstmachung dienen. Er studierte dort die Architektur und Baukunst der Antike, bezeichnete seine Zeit dort als Wiedergeburt und neue Jugend. Als er zurück nach Weimar kam, griff er Themen aus der griechisch-römischen Antike auf.

Der Zeitgeist der Weimarer Klassik war geprägt von der Französischen Revolution (1789), den anschließenden Koalitionskriegen (ab 1792) bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches (1806). In den Werke der Weimarer Klassik werden deshalb die drei Grundpfeiler der Französischen Revolution aufgegriffen (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit), sowie der Toleranzgedanke neu belebt. Auch die gewaltsame Durchsetzung von revolutionären und imperialistischen Tendenzen wurde als Stoff aufgegriffen.

Ideendrama

Das Ideendrama, welches eine Weltanschauung in Form einer Idee präsentiert, wurde wiederbelebt. Das erste Ideendrama war Lessings „Nathan der Weise“, welcher die Idee vom Wahrheitsanspruch aller Religionen ausarbeitete (siehe Aufklärung oben). Friedrich Schiller griff die Idee vom Streben nach Freiheit und Humanität in seinem Ideendrama „Don Karlos“ auf. Das von Goethe veröffentlichte Ideendrama „Iphigenie auf Tauris“ griff die Idee vom Vertrauen auf das Gute auf.

Balladen

Neben dem Ideendrama wurde die Ballade als Stilmittel in die Literatur eingeführt. Dabei handelt es sich um ein mehrstrophiges erzählerisches Gedicht. Bekannte Balladen sind Goethes „Erlkönig“ und „Zauberlehrling“ oder Schillers „Handschuh“ und „Bürgschaft“. In allen Balladen wird ein langandauernder Handlungsstrang in Gedichtform präsentiert.

Gedankenlyrik

Die Erlebnislyrik der Sturm und Drang Zeit, bei der eine seelische Stimmung beschrieben wurde, wird während der Weimarer Klassikzeit zu einer Gedankenlyrik. Hier steht nicht das unmittelbar erlebte im Vordergrund, sondern die gedankliche Reflexion auf etwas Erlebtes. Bedeutende Gedichte Goethes waren: „Gesang der Geister über den Wassern“ oder „Das Göttliche“. Letzteres beginnt mit dem berühmten Satz: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“.

Weitere Werke

Goethes bedeutendstes Werk war „Faust“. Die Ideen von Faust entstanden schon vor der Bildungsreise nach Italien. Das Suchen nach Lösungen, nach neuen Ideen und Erkenntnissen – welche Goethes Anlass zur Bildungsreise gaben, sind Thema in Faust. Der erste Teil erschien 1807, Goethes Urfaust wurde zwischen 1772 und 1775 entwickelt, aber erst nach seinem Tod veröffentlicht. Der zweite Teil von Faust erschien 1832, in Goethes Todesjahr.

Große Werke Schillers während der Weimarer Klassik waren, neben den bereits erwähnten, die Wallenstein-Trilogie (1799), Maria Stuart (1800) oder Wilhelm Tell (1803/04).

Romantik

Schon während der Aufklärung und der Weimarer Klassik bildete sich die Romantik (1795 – 1835) als Gegenbewegung heraus. Typisches Merkmal der Romantik war die Ausarbeitung von Sehnsüchten und Wünschen, welche sich als Heimweh oder Fernweh äußerten. Diese wurden in Wander- und Reiseerzählungen eingebettet. Das Wander- und Reisemotiv wurde teilweise ergänzt durch Jenseitswelten, in denen Fabelwesen vorkamen.

Auch die mythischen Besonderheiten von Nacht oder Dämmerung wurden stilistisch umgesetzt. Dadurch entwickelte sich die spätere Romantik in eine Abwanderung von der Wirklichkeit hin zu einer Traumrealität. Auch die Flucht vor der Realität war ein Motiv der Autoren, wodurch Grenzen hin zum Übernatürlichen verschoben wurden.

Dieser neue Freigeist kritisierte zugleich eine starre Weltsicht. Demnach kritisierten Romantiker das Spießertum, das Festhalten an Tugenden oder eine eingefahrene Sichtweise. Typische Stilmittel und Texte der Romantiker waren Märchen, Schauergeschichten (schwarze Romantik) bis hin zur Wahnsinnsliteratur, erotischer Literatur und der Verehrung des schaurig Schönen.

So entstanden in der englischen Romantik die Romane von Frankenstein (Mary Shelley, 1818) oder der Vampyr (John Polidori, 1816). In Deutschland wurden ebenfalls Schauerromane veröffentlich, darunter:

  • Christian Heinrich Spieß: Das Petermännchen (1791–1792),
  • Heinrich von Kleists: Das Bettelweib von Locarno (1797),
  • Ludwig Tiecks Der blonde Eckbert (1797) und Der Runenberg (1804),
  • Achim von Arnims Die Majoratsherren (1819),
  • Adelbert von Chamissos: Peter Schlemihls wundersame Geschichte (1814),
  • E. T. A. Hoffmann: Die Elixiere des Teufels (1815) und Der Sandmann (1817),
  • Joseph von Eichendorff: Das Marmorbild (1818)

Novalis und die Blaue Blume als Symbol der Romantik

Novalis – bürgerlich Georg Philipp Friedrich von Hardenberg (1772 – 1801) – war ein bedeutender deutscher Frühromantiker. Er gilt als extrem belesen und versuchte die untergründigen Zusammenhänge zwischen Natur, Politik, Geschichte und Religion poetisch zu vereinen.

Für Novalis war die Blaue Blume das Sinnbild von Einheit zwischen Gegensätzlichen. Unter dem Symbol der Blauen Blume vereinigt sich – laut Novalis – die Endlichkeit und die Unendlichkeit, der Traum und die Wirklichkeit. Die Blaue Blume wurde zum Symbol der Romantik und stand für Sehnsucht, Liebe, dem Fernweh und der Wanderlust – den Dingen, welche die Romantiker aufgriffen.

E.T.A. Hoffmann

E. T. A. Hoffmann (für Ernst Theodor Amadeus Hoffmann) war einer der bedeutendsten Schriftsteller der Romantik. In seinem Schauerroman „Die Elixiere des Teufels“, welcher 1815 erschien, erzählt er die Geschichte des Mönchs Medardus – welcher ein Teufelselixier trinkt und danach versehentlich mehrere Menschen umbringt. Was der Protagonist nicht weiß, ist, dass die Toten mit ihm verwandt sind. Im weiteren Verlauf taucht ein Doppelgänger auf, welcher ihn verfolgt und schließlich seine Geliebte tötet.

Neben den Elixieren des Teufels, welcher 1973 verfilmt wurde, erreichten auch die Nachtstücke (1816/17) eine ähnliche Bedeutung. Dieser Zyklus besteht aus acht phantastischen Geschichten, wie der Sandmann oder das steinerne Herz.

Joseph von Eichendorf

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff (1788 – 1857) gilt ebenfalls als bedeutender deutscher Schriftsteller und Lyriker der Romantik. Seine Novelle mit dem Titel: „Aus dem Leben eines Taugenichts“ von 1822/23 transportiert das Wandermotiv und stellt eine Mischung aus epischen Texten mit lyrischen Gedichten dar.

In der Novelle geht es um einen Wanderburschen, welcher von seinem Vater verjagt wird. Dieser trifft auf seiner Reise verschiedene andere Charaktere, welche so wie er, das Leben genießen und es abenteuerlich auf sich zukommen lassen. Diese Gruppe sollen die Romantiker sein.

An anderer Stelle trifft der Taugenichts auch auf ein Spießbürgertum, welches Moralpredigten über das Herumlungern hält. Diese wohlgemeinten Lebensweisheiten lassen den Taugenichts aber nicht von seiner Reise abhalten. Am Ende heiratet der Taugenichts seine Geliebte und bekommt ein kleines Schloss mit Garten geschenkt. Er steigt, ohne es jemals etwas getan zu haben, in den Adel auf.

Brüder Grimm

Die Brüder Grimm waren Jacob Grimm (1785–1863) und Wilhelm Grimm (1786–1859), welche eine Sammlung von Kinder- und Hausmärchen (Grimms Märchen) zwischen 1812 und 1858 herausgaben. Ebenso bedeutend war die Schaffung eines Deutschen Wörterbuchs (Grimms Wörterbuch), weshalb man die Brüder als Mitbegründer der Germanistik anerkennt.

Weitere Vertreter der Romantik

  • Ludwig Tieck (1773 – 1853)
  • Clemens Brentano (1778 – 1842)
  • Achim von Arnim (1781 – 1831)
  • Bettina von Arnim (1785 – 1859)
  • Karoline von Günderrode (1780 – 1806)
  • August Wilhelm Schlegel (1767 – 1845), Friedrich Schlegel (1772 – 1829)

Restaurationszeit ab 1815

Der Wiener Kongress sollte das politische Machtgefüge Europas nach den Napoleonischen Kriegen neu ordnen. Gleichzeitig sollten in den Jahren nach 1815 sämtliche nationalen oder liberalen Tendenzen in den Bundstaaten (Deutsche Bund) erstickt werden. Ziel war es, die Monarchien zu erhalten.

1819 wurden die Karlsberger Beschlüsse erlassen, welche tief in die Freiheitsrechte eingriffen. So wurden Burschenschaften verboten, Universitäten überwacht, die Presse zensiert und es kam zu Berufsverboten für Professoren mit liberaler oder nationaler Gesinnung.

In der Literatur und Kunst entstanden zwei Bewegungen, der Biedermeier und das Junge Deutschland (später Vormärz). Erstere war die Kultur des Bürgertums, welche sich ins Privatleben zurückzog und die Restaurationszeit hinnahm. Das Junge Deutschland war eine Protestkultur, welche sich gegen die Einschnitte auflehnte.

Biedermeier

Als Biedermeier wird die Zeit zwischen 1815 und 1848 (Märzrevolution) bezeichnet. Der Biedermeier wird als eine konservative Zeitspanne bzw. Kulturspanne betrachtet, in denen sich das Bürgertum ins Privatleben zurückzog. Die Vertreter des Biedermeiers wollten die Monarchie bewahren. Zwar erkannten sie deren Brüchigkeit und auch Fehler, hielten aber den Grundsätzen der Monarchie fest.

Dass der Biedermeier eine eigene Literaturepoche ist, ist umstritten. Stattdessen wird er als literarischen Strömung zwischen der Romantik und dem Realismus gesehen. Das Junge Deutschland ist die Gegenstück zur Biedermeier-Literatur.

Der Biedermeier-Begriff entstand durch eine Wochenzeitung, namens die „Fliegenden Blätter“. In dieser Wochenzeitung wurden dilettantische und biedere Gedichte veröffentlicht. Dies war als Parodie auf die Haltung und Literatur der Restaurationszeit gedacht. Geschrieben wurden diese Gedichte durch Adolf Kußmaul, welche den Namen „Gottlieb Biedermeier“ als Pseudonym wählte.

Die ernstgemeinte Literatur im Biedermeier ist gekennzeichnet durch Entsagung, Mäßigung, Zähmung von Leidenschaft und der Unterordnung des Schicksals. Da zwischen Wirklichkeit und Idealvorstellung eine Kluft bestand, rückte die Biedermeierliteratur als Bindeglied dazwischen und schuf eine poetisch heile Welt. Oft äußert sich dies durch Heimatverehrung und Landschaftsverbundenheit.

Vertreter

  • Annette von Droste-Hülshoff (1797 – 1848)
  • Franz Grillparzer (1791 – 1872)
  • Eduard Mörike (1804 – 1875)
  • Johann Nestroy (1801 – 1862)
  • Nikolaus Lenau (1802 – 1850)
  • Ludwig Uhland (1787 – 1862)

Junges Deutschland und Vormärz

Das Junge Deutschland ist eine literarische Strömung oder Protestbewegung, welche ab den 1820-er Jahren auf deutschen Boden einsetzte. Beflügelt wurde die Protestbewegung durch die französische Julirevolution von 1830.

Die Vertreter des Jungen Deutschlands wollten sich nicht, anders als die Biedermeier-Autoren, einfach ihrem Schicksal hingeben. Stattdessen forderten sie, dass Autoritäten im Staat und in der Kirche hinterfragt werden sollten. Auch die Verbindung von Kirche und Staat wurde kritisiert. Außerdem forderten sie ihre Freiheitsrechte zurück, traten für den Liberalismus, ein Weltbürgertum und die Emanzipation der Frau ein.

Die Vertreter förderten die politische Kultur und forderten andere Autoren auf, politisch aktiv zu werden. In der Weimarer Klassik und in der Romantik sahen sie diese politische Auseinandersetzung nicht, weshalb das Junge Deutschland diese Epochen als realitätsfern bezeichnete. Dem sollte nun eine zeitkritische Literatur entgegengesetzt werden.

Ab 1840 spitzte sich die Diskussion derart zu, dass einige Autoren des Jungen Deutschlands begannen, sich zu radikalisieren. Der absolutistische Staat wurde derart abgelehnt, dass die Vormärz-Bewegung diesen abschaffen wollte. Umsturzgedanken und Revolutionsideen fielen in die Gesellschaft ein und schlugen sich teilweise auch in der Literatur nieder. Viele Literaten wollten allerdings primär keinen politischen Umsturz erreichen, sondern strebten eine vollständig liberale Gesellschaft an.

Letztlich kam es im März 1848 zu einer Revolution auf deutschem Gebiet. Im Nachhinein wurde die Revolutionsvorzeit der Märzrevolution als Vormärz bezeichnet.

Der Name Junges Deutschland wurde durch Ludolf Wienbarg eingeführt, welcher 1834 eine Sammlung mit 22 seiner Vorlesungen veröffentlichte. Diese Sammlung erschien unter dem Titel „Ästhetische Feldzüge“ und begann mit den Worten: „Dir, junges Deutschland, widme ich diese Reden, nicht dem alten“.

Die Stilmittel des Jungen Deutschland waren eine saloppe, provozierende Sprache – welche auch satirisch eingesetzt wurde. Der Gesellschaftsroman spiegelte die Missstände des aktuellen Zeitgeschehens wieder. Es entstanden politisch-satirische Gedichte, am Ende auch das Sozialdrama. Der politische Journalismus übte verdeckte Kritik. Das journalistische Feuilleton bildete sich aus.

Vertreter

  • Ludolf Wienbarg (1802 – 1872)
  • Heinrich Laube (1806 – 1884)
  • Georg Büchner (1813 – 1837)
  • Heinrich Heine (1797 – 1856)
  • Karl Gutzkow (1811 – 1878)
  • Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 – 1874)
  • Georg Herwegh (1817 – 1875)
  • Theodor Mundt (1808 – 1861)
  • Ludwig Börne (1786 – 1837)

Preußische Vormacht und Deutsches Kaiserreich

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ist geprägt durch zahlreiche Umwälzungen. So war die Märzrevolution von 1848 gerade vorbei, als die industrielle Revolution sich von England ausgehend auch über deutsche Gebiete ausbreitete.

Die deutschen Länder waren Teilstaaten, aber im Deutschen Bund bis 1866 vereint. Im Zuge des Nationalismus und der Preußischen Reformen (seit 1806) kam es 1871 zur Reichsgründung eines Gesamtdeutschen Reiches mit Preußen als dominanten Teilstaat. Fortan hatte das Deutsche Reich einen Kaiser, welcher zugleich preußischer König war.

Zuvor fand der Deutsch-Französische Krieg zwischen Preußen und Frankreich statt, welchen Preußen gewann. Die Reparationszahlungen, welche Frankreich leisten musste, wurden in die Wirtschaft gesteckt – wodurch die Produktionskapazitäten stetig stiegen. Gleichzeitig gab es Streikwellen für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne.

Die Politik gegen Sozialdemokraten und Liberale hielt an und nach der Reichsgründung wurde die Sozialgesetzgebung unter Reichskanzler Otto von Bismarck verabschiedet. Diese sollte die soziale Ungleichheit im Gesamtdeutschen Reich überwinden.

Realismus

Der literarische Realismus (1850 – 1890) ist ein Epochenbegriff und ein Stilmittel zugleich. Im allgemeinen kann Realismus als eine Geisteshaltung verstanden werden, welche die erfahrbare Wirklichkeit auf Grundlage von Sinneseindruck und Wahrnehmung erklärt.

Das Streben oder Ausformulieren von Idealen wird verdrängt und die Wirklichkeit bzw. Realität des Einzelnen und der Gesellschaft soll in den Mittelpunkt gestellt werden. Damit bildet der Realismus das Gegenstück zum Idealismus, welcher als philosophischer Ansatz seit der Antike bestand, durch Emanuel Kant (Aufklärung) aber zum Ausdruck einer Denkweise erklärt wurde.

Die Vertreter des Realismus verlangten eine Weltsicht, die sich an der Wirklichkeit orientierte und die Kunst bzw. Literatur musste diese Weltanschauung ausdrücken können. Damit wich diese Ansicht klar von idealistischen Anschauungen der Humanisten, Aufklärer, Romantiker und Klassiker ab. Die Literatur sollte ein klares und unmissverständliches Weltbild liefern, welches auf Beobachtungen der Lebenswirklichkeit beruht. So wurde versucht, Milieus exakt und detailgetreu zu beschreiben, dabei Sozialkritik zu üben.

Als Stilmittel wählten die Autoren die Ballade, den Gesellschaftsroman oder das Dinggedicht, bei dem leblose Dinge im Mittelpunkt der Lyrik standen. Um Erzählungen so objektiv wie möglich gestalten zu können, gab es in vielen Werken dieser Zeit eine Rahmenhandlung, welche sich von der Innenhandlung abhob. So war die Innenhandlung oftmals eine Schilderung des Alltagslebens der mittleren und niederen Stände und die Rahmenhandlung lediglich die historische Perspektive.

Vertreter

  • Theodor Storm (1817 – 1888)
  • Gottfried Keller (1819 – 1890)
  • Jeremias Gotthelf (1797 – 1854)
  • Marie Ebner von Eschenbach (1830 – 1916)
  • Theodor Fontane (1819 – 1898)
  • Gustav Freytag (1816 – 1895)
  • Franz Grillparzer (1791 – 1872)
  • Friedrich Hebbel (1813 – 1863)
  • Paul Heyse (1830 – 1914)

Naturalismus

Der Naturalismus (1880 – 1900) ist eine literarische Strömung, welche die Wirklichkeit naturgetreu darzustellen versuchte. Dabei wird der Naturalismus als Radikalisierung des Realismus verstanden.

Im Zuge der Industrialisierung kam zu einer Landflucht und Städtewachstum. Gleichzeitig war die soziale Frage noch nicht endgültig gelöst.

Gegenstand der Literatur war Kritik am Bürgertum, welchem man Doppelmoral und Gleichgültigkeit hinsichtlich der ungelösten Probleme vorwarf. Neben der Kritik wurden auch die Probleme der Industriegesellschaft aufgezeigt und beanstandet. So flossen Gewaltverbrechen, Prostitution, Alkoholsucht, Wahnsinn und Geldnot als Gegenstand in die Literatur ein. Insbesondere die Romane enthielten eindrucksvollere Milieuschilderungen als im Realismus.

Neben den Schattenseiten wurde die Vorliebe für die Natur ausgearbeitet, welche nun allerdings durch Wissenschaft begriffen und geschildert wurde. Die Träumerei der Romantik wurde klar abgelehnt und die Literatur lehnte sich an den Erkenntnissen von Charles Darwin (Evolutionstheorie) an.

Typische Stilmittel waren der Sekundenstil, bei dem das Erlebte sekundengenau registriert und beschrieben wurde. Der Sozialroman wurde zu einem Sozialen Drama weiterentwickelt und die Großstadtlyrik ersetzte das Dinggedicht.

Vertreter

  • Gerhart Hauptmann (1862 – 1946)
  • Clara Viebig (1860 – 1952)
  • Michael Georg Conrad (1846 – 1927)
  • Wilhelm Bölsche (1861 – 1939)
  • Hermann Conradi (1862 – 1890)
  • Heinrich Hart (1855 – 1906) und Julius Hart (1859 – 1930)

Heimatbewegung und Heimatkunst

Die Heimatkunst (1890 – 1910) war eine künstlerische und ideologische Strömung, welche sich aus Protest gegen die Industrialisierung im Deutschen Reich bildete. Da sich neben der Heimatkunst auch eine Heimatbewegung etablierte, werden beide Begriffe oft als Heimatkunstbewegung zusammengefasst.

Die Heimatbewegung äußerte sich durch eine Rückbesinnung auf vergangene Werte und Traditionen. So wurden Heimatvereine, Trachtenvereine oder Geschichtsvereine gegründet – deren Mitglieder vergangene Werte idealisierten und auslebten.

Die Heimatkunst war eine kulturelle Äußerung dieser Heimatbewegung. In der Literatur wendeten sich deren Vertreter gegen die Mechanisierung der Industrie und des Lebens. Dem Staat warf man vor, dass dieser von einem lebendigen Organismus zu einem toten Verwaltungsapparat verkommen würde.

Die Heimatkünstler lehnten jede neue Technologie ab, waren allgemein gegen die Modernisierung und idealisierten bodenständige Werte – wie Nation, Volk, Heimat, Tradition, Blut und Boden.

Die Literatur war antimodern, oft konservativ-nationalistisch geprägt und das Dorf wurde zum Idyll erhoben. Die Dorfgeschichte etablierte sich in der Kunstwelt und wurde als Raum für den Erhalt alter Werte genutzt und sollte die antistädtische Haltung transportieren.

Im Laufe der Heimatkunstbewegung entstand die bodenständige Dichtung, welche die konservative Werte beschrieb. Schließlich wurde daraus eine Bauerndichtung mit dem dörflich-ländlichen Idyll, welches die konservativen Werte gegenüber den Städtewesen verteidigte. Die übersteigerte Fortsetzung dieser dichterischen Erzählung war die Blut und Boden-Dichtung in den Vorkriegsjahren des Ersten Weltkriegs.

Die politische Heimatbewegung war die Keimzelle für einen völkischen Nationalismus, welcher ab 1933 in den Nationalsozialismus gipfelte. Einige Autoren wurden zu Vordenkern einer Rassentheorie, einer antisemitischen Weltsicht. Die Heimatbewegung wurde dann in eine Heimatschutzbewegung überführt, um nationale heimatnahe Interessen voranzustellen, als unumstößlich zu markieren und diese nach außen zu verteidigen.

Vertreter

  • Hermann Löns (1866 – 1914)
  • Gustav Streicher (1873 – 1915)
  • Gustav Frenssen (1863 – 1945)
  • Timm Kröger (1844 – 1918)
  • Karl Wagenfeld (1869 – 1939)

Moderne

Die Moderne ist als Geschichtsepoche ein Bruch mit alten Traditionen und Werten, bedingt durch die industrielle Revolution – wodurch die Ackerbaugesellschaften in Industriegesellschaften transformiert wurden. Sie begann etwa 1890 – spätestens nach Ende des Ersten Weltkriegs.

Der Epochenbegriff ist nicht eindeutig geklärt – weder deren Anfang noch das Ende. So sehen einige die Gründerjahre zu Beginn der industriellen Revolution als Anfang der Moderne, andere schieben den Beginn auf das Ende des Ersten Weltkriegs (etwa 30 Jahre später). Wiederum andere verordnen den Anfang der Moderne am Ende der Aufklärung, da dort die Weltsicht gestellt wurde, welche die Errungenschaften der nachfolgenden Periode ermöglichte.

Das Ende ist entweder der Beginn oder das Ende des Ersten Weltkriegs oder des Zweiten Weltkriegs (1939-45). Laut anderen Definitionen dauert die Moderne bis in die Gegenwart an.

Geprägt wurde die Moderne auch durch Errungenschaften in der Psychologie (Psychoanalyse und Traumdeutung nach Sigmund Freud: um 1900), den Errungenschaften in der Quantentheorie (Max Planck, 1900) und der Relativitätstheorie von Albert Einstein (1905).

In der Literaturgeschichte ist die Moderne eine literarische Strömung, welche ab 1890 einsetzte, den Ersten Weltkrieg (1914 – 18) überdauerte und bis in die 1920-er Jahre anhielt. Ursprünglich war der Begriff ein Schlagwort für neuartige Literatur, welche Metaphern, Bilder und Symbole nutzte.

Die Errungenschaften der oben genannten Wissenschaften flossen in die Literatur, wodurch es in Romanen und Erzählungen oft zu Bewusstseinswechseln kam. Das einst geglaubte wurde erschüttert und ein Perspektivenwechsel schuf neue Erkenntnis. Dies führte zu einer Zunahme von Subjektivität anstelle von Objektivität und Selbstkritik zog ein.

Als moderne Bewegungen verstanden sich vor allem die Naturalisten (1880 – 1900) und die Expressionisten (1910 – 1925).

Literarischer Jugendstil

Der literarische Jugendstil war eine literarische Strömung zwischen 1890 und 1915, verstand sich als Gegenbewegung zur Moderne und zum Naturalismus. Die Autoren knüpften an die Inhalte der Romantik an, indem sie Geheimnisvolles, Sagenhaftes und Märchenhaftes in ihre Werke einfließen ließen.

Allzu oft spielte die Handlung auch an exotischen Schauplätzen, wie mittelalterlichen Burgen oder in Italien während der Renaissance-Zeit.

Vertreter mit einzelnen Werken

  • Hermann Hesse (Der Steppenwolf)
  • Rainer Maria Rilke
  • Heinrich Mann (Das Wunderbare und andere Novellen)
  • Herbert Eulenberg

Expressionismus

Der literarische Expressionismus wird als Ausdrucksform oder literarische Strömung (1910 – 1925) verstanden. Die expressionistischen Autoren versuchten sich, radikal vom Lebensgefühl des Deutschen Reiches unter Wilhelm II. abzuheben.

Die Wilhelminische Zeit (1888 – 1918) war geprägt durch Industrialisierung, Bürokratisierung und Verstädterung. Dem stellten die Autoren ein individuell geführten Lebensentwurf entgegen, welcher sich durch Tatendrang, impulsive Handlungen und Aktionen auszeichnen sollte.

Der Naturalismus, welcher die Milieus detailgetreu darzustellen versuchte, wurde abgelehnt. Auch die wissenschaftliche Darstellungsform des Naturalismus wurde als problematisch empfunden, da dies von der literarischen Kernaussage ablenkte. Auch Jugendstil und Symbolismus (Stilrichtung) wurden abgelehnt, da diese relevante Themen lediglich oberflächlich behandelten.

Ein typisches Merkmal der Expressionisten war der Einzug des Mystischen und Geheimnisvollen. Diese mythischen Aspekte sollten die triste Oberflächlichkeit der Wilhelminischen Zeit sprengen. Die Apokalypse bzw. eine Endzeit- oder Aufbruchstimmung wurde in Szene gesetzt. Unordnung, Chaos als Ausdruck von Leidenschaft verdrängten Zurückhaltung und Mäßigung. Oft wurden negative Themen – wie Weltuntergang, Krieg, Elend, Zerstörung, Wahnsinn und Reizüberflutung – literarisch umgesetzt. Auch der Vater-Sohn-Konflikt wurde durch diese Elemente beladen.

Die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs ließen viele Expressionisten zu radikalen Pazifisten werden, wodurch diese Strömung ab den 1920-er Jahren an Bedeutung verlor. Später löste die Neue Sachlichkeit den Expressionismus weitestgehend ab.

Vertreter

  • Bertolt Brecht (1898 – 1956)
  • Franz Kafka (1883 – 1924)
  • Heinrich Mann (1871 – 1950)
  • Georg Heym (1887 – 1912)
  • Walter Hasenclever (1890 – 1940)
  • Jakob van Hoddis (1887 – 1942)

Literatur der Weimarer Republik

Die Weimarer Republik war die Staatsform in der Zeit zwischen der Novemberrevolution von 1918 und der Machtergreifung Hitlers (1933). Die Literatur der Weimarer Zeit ist geprägt durch den auslaufenden Expressionismus und die Neue Sachlichkeit.

Neue Sachlichkeit

Die Neue Sachlichkeit war eine literarische Strömung in den 1920-er und den ersten 1930-er Jahren, deren Vertreter sich zur Sachlichkeit und objektiven Haltung bekannten. Demnach bildeten diese das Gegenstück zur impulsiven und übertriebenen Literatur der Expressionisten. Eng verknüpft war die Neue Sachlichkeit mit der Vergnügungskultur in den Großstädten und dem Aufkommen neuer Medien (Film, Rundfunk).

Die Autoren der Neuen Sachlichkeit kritisierten zwar die Umstände, welche im Zuge der Verstädterung und Industrialisierung entstanden sind, nahmen diese allerdings als Schicksal an. Deshalb wurde die Grundhaltung eher positiver und der Drang zur Überwindung des gesellschaftlichen Systems verschwand. Der Stil änderte sich dementsprechend und zeichnete sich durch eine objektive Haltung, dem Verzicht auf Pathos (Leidenschaft) und der Hingabe zur Kühle, Präzision und Sachlichkeit aus.

Werke und ihre Autoren

  • Erich Maria Remarque (Im Westen nichts Neues, 1928)
  • Hans Fallada (Kleiner Mann was nun, 1932)
  • Lion Feuchtwanger (Erfolg, 1930)
  • Bertold Brecht (Aus dem Lesebuch für Städtebewohner, 1930)
  • Erich Kästner (Herz auf Taille, 1928)
  • Egon Erwin Kisch (Reportage: Der rasende Reporter, 1925)

Literatur der NS-Zeit

Als die Nationalsozialisten 1933 die Parlamentswahlen gewannen, kam es zu einem Umbruch in der deutschen Gesellschaft und Kultur. Die Demokratie der Weimarer Republik wurde abgeschafft und durch eine Einparteiendiktatur ersetzt.

Juden, Sinti und Roma, Oppositionelle und Andersdenkende wurden verfolgt. Viele Autoren gingen ins Exil und schrieben von dort aus. Andere blieben im Deutschen Reich, lebten allerdings in Angst und Verfolgung. Die drei literarischen Richtungen dieser Zeit waren:

  • Exilliteratur, geschrieben von all jenen Autoren, welche aus dem Deutschen Reich fliehen mussten.
  • Innere Emigration, geschrieben von allen Autoren, welche im Deutschen Reich blieben – sich aber aufgrund von Verfolgung nicht länger kulturell ausleben konnten.
  • Konforme Literatur des NS-Regime, geschrieben von allen Autoren, welche dem Nationalsozialismus zugewandt waren.

Die Nationalsozialisten planten einen gezielten kulturellen Wandel. Mit der „Aktion wider den undeutschen Geist“ sollten falsche Ideen aus der Kunst und Literatur verschwinden. Ihren ersten Höhepunkt hatte die Aktion mit der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933.

Exilliteratur

Die Autoren, welche zwischen 1933 und 1945 aus dem Deutschen Reich flohen, waren meist Vertreter der Neuen Sachlichkeit (Weimarer Republik). Und so flossen in ihren Werken auch keine expressionistischen Züge ein.

Der berühmteste Autor, welcher im Exil lebte und von dort aus schrieb, war Thomas Mann. Seine berühmtesten Werke waren die Buddenbrooks (Gesellschaftsroman), der Zauberberg (Bildungsroman), sowie die Novelle „Mario und der Zauberer“. Diese Werke wurden bei den Bücherverbrennungen 1933 beschlagnahmt, indiziert und schließlich verbrannt.

Thomas älterer Bruder war Heinrich Mann, welcher bis in die 1920-er Jahre weitaus erfolgreicher war als Thomas. Sein Roman „Der Untertan“, welcher 1914 erschien – spiegelte eine unterwürfige Gesellschaft während der Kaiserzeit wider. Der Protagonist des Romans schmeichelte der Obrigkeit und war gegenüber den unterer Ständen herrisch. (Nach oben beugen und nach unten treten).

Die von Heinrich Mann beschriebenen Untertanen fanden sich nun in der Gesellschaft des Dritten Reichs wieder, weshalb der Roman kritisch betrachtet wurde und Heinrich Mann ebenfalls zu den Verfolgten gehörte.

Neben Thomas und Heinrich Mann gehörte auch Klaus Mann zu den Exilanten aus der Familie Mann. Er war Sohn von Thomas Mann und schrieb im Exil die Romane Mephisto, Der Vulkan und Symphonie Pathétique – welche wohl die berühmtesten Werke von Klaus Mann sind.

Die Exilliteraten setzten sich kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinander, blieben dabei sachlich (Neue Sachlichkeit) oder stellten auf ironische Weise eine Dummheit und Dekadenz in der deutschen Gesellschaft heraus. Sie waren Oppositionelle, welche in ihrer Exilheimat den Kampf gegen den Faschismus in der Heimat aufnahmen, zum Nachdenken anregten und die gesellschaftlichen Verhältnisse im Heimatland entweder direkt oder indirekt kritisierten.

So ist Klaus Manns Mephisto ein Schauspieler, welcher sich während der NS-Zeit bedingungslos unterordnet und andient. Die Autorin Anna Seghers schrieb 1942 im Exil den Roman „Das siebente Kreuz“, in welchem sie sich mit der Flucht aus einem Konzentrationslager beschäftigt.

Heinrich Mann veröffentlichte die Romane um Henri Quatre (1935 -38) im Exil. Große Stücke des epischen Theaters wurden von Bertolt Brecht im Exil veröffentlicht. Darunter fallen „Mutter Courage und ihre Kinder“ oder „Der gute Mensch von Sezuan“.

Weitere Vertreter

Neben Bertolt Brecht, Anna Seghers und den Manns flohen zahlreiche andere Schriftsteller aus dem Deutschen Reich und schrieben im Exil über die Umstände im Heimatland weiter. Viele Autoren schrieben Antikriegsromane, wie „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque.

Einige Autoren, wie Lion Feuchtwanger, wurden im Exilland berühmt, kamen nach Ende des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland zurück und konnten jahrelang nicht an früherer Erfolge anknüpfen. Die Wartesaal-Trilogie von Feuchtwanger zählt zu seinen früheren Werken. Es handelt sich um drei Romane „Die Geschwister Oppermann“ (1933), „Exil“ (1940) und „Erfolg“ (1930). Nach seiner Exilzeit konnte Feuchtwanger erst mit dem Roman „Die Jüdin von Toledo“ (1955) wieder an frühere Erfolge anknüpfen.

Weitere bekannte Vertreter der Exilliteratur waren:

  • Ernst Bloch,
  • Hermann Broch,
  • Ferdinand Bruckner,
  • Elias Canetti,
  • Alfred Döblin,
  • Hilde Domin,
  • Lion Feuchtwanger,
  • Bruno Frank,
  • A. M. Frey,
  • Anna Gmeyner,
  • Oskar Maria Graf,
  • Heinrich Eduard Jacob,
  • Marta Karlweis,
  • Hermann Kesten,
  • Egon Erwin Kisch,
  • Annette Kolb,
  • Siegfried Kracauer,
  • Maria Lazar,
  • Emil Ludwig,
  • Robert Neumann,
  • Balder Olden,
  • Rudolf Olden,
  • Erich Maria Remarque,
  • Ludwig Renn,
  • Alice Rühle-Gerstel,
  • Otto Rühle,
  • Hans Sahl,
  • Alice Schwarz-Gardos,
  • Anna Sebastian,
  • Adrienne Thomas, B. Traven,
  • Käthe Vordtriede,
  • Peter Weiss,
  • Franz Werfel,
  • Bodo Uhse
  • und Arnold Zwei.

Einige Autoren konnten im Exil keine Heimat finden, waren abhängig von anderen oder mittellos. Auch deshalb verübten einige Exilautoren Selbstmord. Darunter waren:

  • Ernst Toller,
  • Walter Hasenclever,
  • Walter Benjamin,
  • Kurt Tucholsky,
  • Stefan Zweig
  • und Ernst Weiß

Klaus Mann beginn ebenfalls Suizid, allerdings erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Es wird angenommen, dass er sich im neuen Deutschland nicht mehr zu Hause fühlte, die Heimatlosigkeit zu einer psychischen Entwurzelung führte, welche sich in einer starken Depression äußerte.

Innere Emigration

Die Autoren der Inneren Emigration blieben in Nazi-Deutschland und setzten sich der Verfolgung aus. Viele der Autoren schrieben weiterhin und distanzierten vom Nationalsozialismus, ohne in einen offenen Widerstand überzugehen.

Die Inhalte waren oppositionell und wurden in kunstvolle Wendungen gebettet. Bevorzugt wurden historische Themen aus der Antike und dem orientalischen Altertum. Auch historische Inhalten, welche kaum räumlich oder zeitlich zugeordnet werden konnten, wurden gewählt. Auf diese Weise übten die Autoren weiterhin versteckte Kritik am Nationalsozialismus aus, ohne dass man diesen nachweisen konnte.

Vertreter

Bedeutende Vertreter sind:

  • Erich Kästner
  • Stefan Andres
  • Hans Carossa
  • Albrecht Goes
  • Theodor Haecker

Da viele Autoren verdeckt Kritik am Regime übten, dafür oftmals einen anderen Bezug wählten – ist die spätere Zuordnung zur Inneren Emigration nicht ganz eindeutig. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs nahmen viele Autoren für sich in Anspruch, der Inneren Emigration angehört zu haben. So etwa Frank Thiess, dessen Roman „Reich der Dämonen“ (1934) gesellschaftskritisch gewesen sein soll, aber auch als Abhandlung von historischen Katastrophen verstanden werden konnte.

Oftmals wurden alle Autoren, dessen Werke bei der Bücherverbrennung von 1933 verbrannt worden waren, entweder der Exilliteratur (Flucht) oder der Inneren Emigration (Verbleib in Deutschland) zugeordnet. Dies führte nach 1945 zu einer heftigen Debatte, an deren Spitze sich Thomas Mann (äußere Emigration) und Frank Thiess (innere Emigration) befanden. Beide Lager beanspruchten für sich eine höhere Wertschätzung und verstanden sich als die wahrhaften Regimegegner zwischen 1933 und 1945.

Nachkriegsliteratur oder Trümmerliteratur

Das Aufkommen von Nachkriegsliteratur begann nach Kriegsende (1945) und dauerte bis in die 1970-er Jahre an.

Geprägt war die Literatur durch die Themen der Nachkriegszeit, wie der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches, den Beschlüssen der Potsdamer Konferenz (1945), der Aufteilung des Deutschen Reiches in vier Besatzungszonen, der Entnazifizierung, der Entmilitarisierung oder dem Beginn einer neuen Demokratisierung.

Im Jahr 1949 wurden auf deutschem Gebiet zwei Nachfolgestaaten des Deutschen Reiches gegründet – die DDR und die BRD. Demnach teilte sich auch die deutsche Literatur in zwei geografisch getrennte Kulturräume auf.

Themen

Zu den literarischen Themen gehörten die Kriegsjahre an der Front und in der Heimat (Heimatfront), die Exiljahre, die Jahre der Depression und der kulturellen Gefangenschaft während der NS-Zeit. Die Aufarbeitung der NS-Zeit wurde ein zentrales Thema und die Katastrophenerfahrungen der Gesellschaft flossen in die Werke ein.

Unterschiede in Ost und Westdeutschland

In Westdeutschland kam es zu einer Realitätsflucht in der Gesellschaft, wodurch die Vergangenheit der NS-Jahre zuerst verdrängt wurde. Dieser Eskapismus mündete schließlich in die 1968-er Studentenbewegung, wodurch zu einem kulturellen Wachrütteln kam.

Die Studenten setzten sich kritisch mit der Biografie ihrer Eltern und Großeltern auseinander, rissen alte Wunden wieder auf und desmaskierten eine nie ernstgemeinte Entnazifizierung.

In Ostdeutschland wurden Exilautoren und Schriftsteller der Inneren Emigration gefeiert. So erlangten Schriftsteller, wie Bertold Brecht, eine noch größere Bedeutung.

Literatur der BRD

In Westdeutschland (BRD) war die Gesellschaft geprägt durch politische Umstürze:

  • Der Marschallplan (1948 – 1952) mit Staatshilfen aus den USA, wodurch es in den 1950-er zum Wirtschaftswunder kam.
  • Die Westintegration (1949), bei der Westdeutschland ins Komitee westlicher Staaten politisch und wirtschaftlich eingebunden wurde.
  • Das Ruhrgebiet steigt als wirtschaftliches Zentrum der BRD und Westeuropas auf. Kohle wird gebraucht, massenhaft gefördert und exportiert. Der Wirtschaftswandel der 1950-er Jahre lockt Emigranten und Gastarbeiter an, welche durch bilaterale Abkommen zwischen der BRD und den Staaten aus Südeuropa gefördert wird. (Siehe Hauptartikel: Geschichte des Ruhrgebiets)
  • Mauerbau 1961
  • Zechenschließungen der 1960-er und 1970-er Jahre.
  • Studentenbewegung im Jahr 1968 (Heißer Herbst) und anschließender Radikalisierung (Baader-Meinhof-Bande)
  • Terror durch die Rote Armee Fraktion (RAF), welche aus der Baader-Meinhof-Bande hervorging
  • Ölkrise in den 1970-er Jahren

Gruppe 47

In Bayern wurde 1947 die Gruppe 47 durch Hans Werner Richter ins Leben gerufen. Die Gruppe 47 besaß keine Hierarchien, keine feste Mitgliederliste und wurde lediglich durch Richters Einladungspraxis bestimmt und gebildet. Diese Gruppe bestimmt in den 1950-er und 1960-er Jahren die literarische Entwicklung in der BRD.

Anfangs verstanden sich die Mitglieder der Gruppe 47 als Erneuerer der deutschen Literatur, wollten junge noch unbekannte Autoren fördern und eine Plattform bieten. Dabei verfolgten sie Kahlschlag-Doktrin, welche den Neubeginn mit einem Kahlschlag beginnen lassen sollten, wobei man sich allen literarischen Traditionen lossagen wollte. Später mussten literarische Schreibweisen wieder anerkannt werden.

Bedeutende Vertreter

  • Max Frisch (1911 – 1991) mit seinen drei großen Romanen „Stiller“, „Homo faber“ und „Mein Name sei Gantenbein“
  • Heinrich Böll (1917 – 1985) mit seinen Kurzgeschichten: „Der Mann mit den Messern“, „Die Waage des Baleks“ oder „Das Brot der frühen Jahre“. Zu seinen bedeutendsten Romanen zählen: „Die Ansichten eines Clowns“ oder „Billard um halb zehn“. Seine Parabel „Die verlorene Ehre der Katarina Blum“ behandelt kritisch den aufkommenden Boulevardjournalismus des Axel-Springer-Verlags.
  • Friedrich Dürrenmatt (1921 – 1990) mit Kriminalromanen „Der Richter und sein Henker“, „Der Verdacht“ oder mit Theaterstücken, wie „Der Besuch der alten Dame“ oder „Der Physiker“.
  • Günter Grass (1927 – 2015) mit seinem Roman „Die Blechtrommel“, welcher sich konstruktiv mit der NS-Vergangenheit auseinandersetzt
  • Patrick Süskind (geboren 1949) mit seinem Romanen „Das Parfum“ oder „Der Kontrabaß“
  • Ingeborg Bachmann (1926 – 1973) mit zahlreichen Gedichten, Lyrik- und Prosaerzählungen
  • Günter Eich (1907 bis 1972) mit seinen Nachkriegsgedichten „Inventur“ und „Latrine“
  • Siegfried Lenz (1926 – 2014) mit seinen Kurzgeschichten zur Kriegszeit „So zärtlich war Suleyken“ oder mit seinem Roman „Die Deutschstunde“, in welchem er den falschverstandenen Pflichtbegriff der NS-Zeit kritisch beschrieb
  • Wolfgang Borchert (1921 – 1947) mit gehört seinem Heimkehrer „Draußen vor der Tür“ und der Kurzgeschichte „Nachts schlafen die Ratten doch“ zu den bekanntesten Vertretern der Trümmerliteratur in der BRD

Literatur der DDR

Die Literatur der DDR ist geprägt durch drei Phasen:

  • Aufbauliteratur zwischen 1950 und 1960, welche den Wiederaufbau der Industrieanlagen beschreibt, wobei die Arbeiter als Helden herausgearbeitet werden.
  • Ankunftsliteratur zwischen 1961 und 1971, welche das gedankliche und kulturelle Ankommen der Gesellschaft im Sozialismus beschreiben soll
  • Oppositionsliteratur zwischen 1971 bis 1990, welche Kritik am DDR-Regime insbesondere an der SED-Führung (Einparteiensystem) übte

Epische Theater

Das epische Theater sollte die Epik und Dramatik verbinden. Begründer dieser neuen Theaterform war Bertolt Brecht, welcher bereits 1926 damit begann, neue Theaterelemente einfließen zu lassen. Ziel war es, große Konflikte – wie Krieg, soziale Ungleichheit, Revolution und ökonomische Unvollkommenheit einfach darzustellen, um diese für den Zuschauer durchschaubar werden zu lassen.

In der DDR eröffnete 1949 das Berliner Ensemble. Bertolt Brecht und seine Frau Helene Weigel wurden zu Leitern des Schauspielhaus und setzten dort das epische Theater um. Der Liedermache Wolf Biermann begann dort 1950 als Regieassistent seine Karriere.

Aufbauliteratur

Die Aufbauliteratur ist geprägt durch Heldengeschichten der Arbeiterklasse, welche die im Krieg zerstörten Industrieanlagen wieder aufbauen. Gestört werden die Helden der Arbeit durch Saboteure, welche den Wiederaufbau verhindern sollen.

Zu den Saboteuren gehören die alte Elite aus dem Dritten Reich, aber auch aus dem kapitalistischen Ausland. Da die Berliner Mauer als antifaschistischer Schutzwall begriffen und vermarktet wurde, sah man in Westdeutschland den Klassenfeind, den Faschisten und Saboteur eines neuen sozialistischen Weltbildes.

Ankunftsliteratur

Die Ankunftsliteratur der DDR wurde durch den Roman „Ankunft im Alltag“ von Brigitte Reimann geprägt. Protagonisten der Ankunftsliteratur sind meist jüngere Menschen, welche sich im Alltag bewähren müssen, Widrigkeiten überwinden und lernen sich als wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu etablieren. So etwa in Christa Wolfs Erzählung „Der geteilte Himmel“, welche den Mauerbau und die damit verbundene Trennung eines Liebespaars thematisiert.

Da die Mauer stand, eine Flucht aus der DDR und somit aus dem eigenen Leben nicht möglich war, mussten sich die Schriftsteller mit der DDR arrangieren. Sie mussten demnach in der DDR „ankommen“, was zur Namensgebung der literarischen Strömung führte.

Bitterfelder Weg

Um Literatur und Kultur fest in die Gesellschaft zu integrieren, fand eine staatlich organisierte Konferenz am 24. April 1959 in Bitterfeld statt, bei welcher sämtliche DDR-Autoren geladen waren. Ziel war es, die Entfremdung zwischen Künstler und Volk zu überwinden. Die vereinbarten Ziele der Autorenkonferenz wurden als „Bitterfelder Weg“ bezeichnet.

Das Motto der Konferenz und des Bitterfelder Weges wurden durch Walter Ulbricht mit den Worten „Greif zur Feder, Kumpel, die sozialistische deutsche Nationalkultur braucht dich!“ verabschiedet.

Der Arbeiter sollte künftig schreiben und der Autor sollte künftig arbeiten. So sollte Kultur und Arbeit ineinander übergehen, sich gegenseitig prägen und beide Seiten beleuchtet werden. Die Zirkel Schreibender Arbeiter als Organisationsform entstanden ab den 1970-er und sollten das Künstlerische Volksschaffen voranbringen.

Die Ankunftsliteratur war geprägt durch ein Arrangieren mit dem Umständen, ein „Wir machen das Beste draus“ – Gefühl und einer gewissen Hoffnung, sich in einem engmaschigen politisch-gesellschaftlichen Rahmen bestmöglich ausbreiten zu können.

Kritische DDR-Literatur ab 1971

Ab 1971 wurde zunehmend erkannt, dass der Rahmen zu eng war, kein Platz für neue politische und gesellschaftliche Programme zuließ und dass der Verwaltungsapparat, welcher für jegliche Belange zuständig war, aufbläht, träge und korrupt war. Kritik zog in die Schriftstellerkreise ein. Man forderte eine Liberalisierung der Gesellschaft, aber keine Auflösung der DDR oder eine Eingliederung in die BRD. Stattdessen versuchten Künstler und Intellektuelle der Gesellschaft einen eigenen Weg aufzuzeigen.

Den Schriftstellern wurde in der Folge mehr Freiheit zugesprochen, solange die gesellschaftlich-sozialistische Grundordnung erhalten bliebe. Fortan war nicht mehr die Überwindung des Kapitalismus hin zum Sozialismus das dargestellte Problem. Sondern die Autoren beschäftigten sich mit Alltagsproblemen der Menschen, welche im Sozialismus allgegenwärtig auftraten.

Ausbürgerung von Wolf Biermann

Der Übergang von der Ankunftsliteratur zur systemkritischen Kultur lässt sich anhand der Biografie von Wolf Biermann darstellen. Dieser migrierte als 17-jähriger freiwillig von Hamburg in die DDR, wurde zu einem Günstling von Margot Honecker, der Ehefrau des Ministerpräsidenten. Er veröffentlichte Lyrik und Lieder, welche sich zuerst wohlwollend mit dem Sozialismus und dem Staatsapparat der DDR auseinandersetzten. Später wurden diese kritischer.

Als Wolf Biermann 1964 einen Gastaufritt in der BRD hatte, erhielt er in der DDR ein Auftrittsverbot. Dadurch wurden seine Lieder und Gedichte noch systemkritischer. Diese wurden in der DDR nicht mehr veröffentlicht, aber in Westdeutschland. Dort genoss er als Systemgegner besondere Anerkennung. Für die Premiere seines Stückes „Der Dra-Dra“ erhielt er 1971 eine Einladung nach Göteburg, welche er zunächst annahm. Daraufhin sollte ihm die Staatsbürgerschaft der DDR entzogen werden, um eine Wiedereinreise zu verhindern. Biermann reiste daraufhin nicht nach Göteburg.

Im November 1976 wurde Biermann von der IG-Metall zu einer Konzertreise nach Köln eingeladen. Diese nahm er an und der WDR übertrug das Konzert. Daraufhin wurde Biermann die Staatsbürgerschaft in der DDR entzogen, wodurch er nicht wieder einreisen konnte. Zuerst lebte er bei Bekannten, später kaufte er ein Haus in Hamburg.

Durch die Ausbürgerung wurde eine Protestwelle der DDR-Schriftsteller angestoßen. Am Abend des 19. Novembers 1976 sendete das ARD das Biermann-Konzert – wodurch viele DDR-Bürger zum ersten Mal seine Lieder hörten und gleichzeitig wussten, dass dies der Staatsfeind war, welcher ausgebürgert wurde. Biermann wurde nun auch in der DDR berühmter, da dieser zur Protestfigur avancierte.

Für die DDR-Führung bedeutete die Ausbürgerung einen tiefen Einschnitt in die eigene Kulturgeschichte. Die Ausbürgerung Biermanns wird auch als Vorbote für das Ende der DDR betrachtet.

Ein offenere Brief, welchen zahlreiche DDR-Autoren nach der Ausweisung unterschrieben, kritisierte die Haltung der SED-Führung im Fall Biermanns. Der Brief wurde in Westmedien veröffentlicht und sollte auch im Neuen Deutschland (Ostzeitung) veröffentlicht werden. Stattdessen gab es im Neuen Deutschland einige Tage später eine Stellungnahme von Wissenschaftlern, Prominenten und Autoren – welche die Ausbürgerung begrüßten.

Bedeutende Vertreter

  • Brigitte Reimann (1933 – 1973) mit „Ankunft im Alltag“ und dem Roman „Franziska Linkerhand“
  • Johannes Robert Becher (1891 – 1958) war der Verfasser der Nationalhymne der DDR
  • Bertolt Brecht (1898 – 1956) erhielt 1951 den Nationalpreis der DDR. Er gründete 1949 das Berliner Ensemble in Ost-Berlin. Sein Werk beginnt in der Weimarer Republik (Neue Sachlichkeit) und erstreckt sich über die Exiljahre (Exilliteratur) bis zur frühen DDR-Literatur der Aufbaujahre. Er war überzeugter Kommunist und Marxist der Vorkriegsjahre. Das epische Theater beinhaltet Elemente dieser Gesellschaftsformen.
  • Christa Wolf (1929 – 2011) war Leiterin eines Zirkels schreibender Arbeiter und veröffentlichte u.a. den Roman „Der geteilte Himmel“
  • Ulrich Plenzdorf (1934 – 2007) mit seinem Bühnenstück „Die neuen Leiden des jungen W.“ und seinem Drehbuch zum Film „Die Legende von Paul und Paula“.

Gegenwartsliteratur oder Postmoderne

Postmoderne (deutsch: Nachmoderne) beschreibt die Literatur ab den 1980-er Jahren. Thema ist der Zusammenbruch des Ostblocks, der Mauerfall, das Ende des Kalten Krieges, die Wiedervereinigung und die Wendejahre. Da die Gegenwartsliteratur auch die Gegenwart beschreibt, fließen politische und gesellschaftliche Umstürze – wie die Finanzkrise, die Flüchtlingskrise, die Urbanisierung, Globalisierung und Digitalisierung ein.

Typische Stilmittel gibt es nicht mehr. Demnach wird auf Dramentechnik verzichtet, genauso wie auf formelle Vorgaben in der Lyrik. Als Stilmittel tauchten der Comicroman (Graphic Novel) in den 1980-er Jahren auf, der Wenderoman in den 1990-er Jahren auf. Weitere Stilmittel sind die multikulturelle Literatur, bei denen der Autoren die Sichtweisen verschiedener Kulturräume und Nationalstaaten beleuchten oder die digitale Literatur (Netzliteratur).

Vertreter

Bedeutende deutschsprachige Vertreter sind:

  • Günter Grass (1927 bis 1925): Werk siehe BRD-Literatur
  • Uwe Timm (geboren 1940) mit der Erzählung „Der Freund und der Fremde“, in welchem er über seinen Freund Benno Ohnesorg (Studentenführer 1968) schreibt oder „Am Beispiel meines Bruders“, in welchem Timm über seinen Bruder im Zweiten Weltkrieg schreibt. Für das Kinderbuch „Rennschwein Rudi Rüssel“ erhielt Timm den Deutschen Jugendliteraturpreis.
  • Bernhard Schlink (geboren 1944) mit seinem Roman „Der Vorleser“, welcher die Liebe zwischen einem jungen Mann und einer älteren Frau während der NS-Zeit beschreibt.
  • Juli Zeh (geboren 1974), welche verschiedene gesellschaftliche Themen aufgreift. In ihrem Debütroman „Adler und Engel“ entwirft sie eine Welt nach dem Zusammenbruch von Ideologien, in der sich eine Liebe zwischen Politik und Profit verfängt. Da Juli Zeh auch ehrenamtliche Richterin ist, das Völkerrecht studierte – fließen auch rechtliche Aspekte in ihre Bücher ein.
  • Patrick Süskind (geboren 1949): siehe Literatur der BRD

Welche Autoren gehörten keiner Literaturepoche an

Heinrich von Kleist (1777 bis 1811) lebte zur Zeit der Aufklärung, des Sturm und Drangs, der Weimarer Klassik und der Romantik. Er gehörte allerdings keiner literarischen Schule seiner Zeit an. Stattdessen verweist sein Werk und sein Stil bereits auf die Moderne (ab 1880/90) und nimmt Elemente des Expressionismus vorraus.

Zu Lebzeiten wurde Kleist von Goethe, Schiller, Herder und anderen Zeitgenossen wenig geschätzt. Er war kulturell isoliert. Seine Dramen spiegeln oft Widersprüche in der Gesellschaft wider und seine Protagonisten werden oftmals extremen Situationen ausgesetzt, in denen sich ihre innersten Gefühle offenbaren und zur Entscheidungsfindung bzw. Problemlösung beitragen.

Die gewählte Sprache ist mitunter bäuerlich derb – wie in Kleists Lustspiel „Der zerbrochene Krug“. Mitunter ist die Sprache auch drastisch und stark verkürzt, wie in den Novellen „Das Erdbeben von Chilli“ oder in „Die Marquise von O.“.

Kleists beschriebene Motive sind oftmals ein Sinn für Gerechtigkeit, wie in der Novelle „Michael Kohlhaas“. Auch Legenden und Mythen wurden von Kleist aufgegriffen, wie bspw. im Drama „Prinz Friedrich von Homburg“, wo die Schlacht von Fehrbellin (1675) als Vorlage diente.

Nachdem das Heilige Römische Reich Deutscher Nationen im Jahr 1806 durch Napoleon Bonapartes Wirken aufgelöst wurde, schrieb Kleist das Drama „Die Hermannsschlacht“, welches die Geschehnisse der Varusschlacht als Gründungsmythos der Deutschen aufleben ließ. In diesem Drama zeigt sich ein neues Nationalbewusstsein der Deutschen, welches sich durch Napoleons Wirken einstellte.

Quellen und Literaturnachweis

  • Dudenredaktion (Herausgeber), Schülerduden Literatur: Das Fachlexikon von A – Z, ISBN: 3411054050*
  • Reiner Ruffing (Autor), Deutsche Literaturgeschichte, ISBN: 3825256804*
  • Yomb May (Autor), Epochen der deutschen Literatur: Alle wichtigen Epochen und Strömungen der deutschen Literaturgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, ISBN: 3804412122*
  • Wolfgang Beutin (Autor), Matthias Beilein (Autor), Wolfgang Emmerich (Autor), Christine Kanz (Autor), Bernd Lutz (Autor), Volker Meid (Autor), Michael Opitz (Autor), Carola Opitz-Wiemers (Autor), Ralf Schnell (Autor), Peter Stein (Autor), Inge Stephan (Autor), Deutsche Literaturgeschichte: Von den Anfängen bis zur Gegenwart, ISBN: 3476049523*

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