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Neolithische Revolution: 7 Fragen und Antworten


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Rekonstruktion eines neolithischen Bauernhauses

Als Neolithische Revolution wird der Wendepunkt bezeichnet, als Menschen der Steinzeit zu Ackerbau und Viehzucht übergingen. Die ursprüngliche Lebensweise des Menschen bestand im Jagen und Sammeln von Nahrung. Durch den Anbau von Nutzpflanzen und die Aufzucht von Vieh entstand erstmalig eine planvolle Nahrungskontrolle in der Menschheitsgeschichte.

Der Mensch hatte die Kontrolle über seine Nahrung erlangt, konnte Reserven anlegen oder Vorratshaltung betreiben. Im Zuge dessen entstanden Sesshaftigkeit, Arbeitsteilung, die Richtlinien für Eigentum und dessen Schutz (Gesetze). Die Neolithische Revolution gilt daher als Geburtsstunde für den Aufbau von Zivilisationen und den ersten Hochkulturen. Dieser Umsturz setzte zu Beginn der Jungsteinzeit ein, welche auch als Neolithikum bezeichnet wird und Namensgeber der Revolution ist.

Was ist die Neolithische Revolution

Die Neolithische Revolution ist ein Kulturwechsel der gesamten Menschheit, als die Jäger und Sammler zu Ackerbau und Viehzucht übergingen. Da dieser Kulturwechsel in der Jungsteinzeit stattfand und diese fachlich als Neolithikum bezeichnet wird, spricht man von einem Neolithischen Wendepunkt oder Neolithischen Wendezeit in dieser Zeitspanne.

Und da die Neolithische Wende strukturell wirkte, also alle Lebensbereiche des Menschen betraf und nachhaltig bis heute wirkt, nennt man einen solchen kulturellen Umsturz auch Revolution – weshalb man von einer Neolithischen Revolution spricht.

Durch den Übergang zu Ackerbau und Viehzucht entwickelte sich für die Menschheit gleich mehrere Annehmlichkeiten, welche als Neolithisches Bündel bezeichnet werden. Zum Neolithischen Bündel zählen:

  • Landwirtschaft
  • Überangebot an Nahrung
  • Bevölkerungswachstum
  • Vorratshaltung
  • Planungsarbeit mit Kalender, welcher die Saat- und Anbaumonate prognostiziert
  • Entwicklung von Tongefäßen und Kornspeicher zur Vorratshaltung
  • Sesshaftigkeit
  • Schaffung von Besitztümern, wie Ackerland und Vieh
  • Regelung des Besitzes, wodurch Gesetze und Zivilisationen entstanden
  • Arbeitsteilung und Spezialisierung auf neue Berufe

Was bedeutet Neolithisierung

Unter Neolithisierung versteht man die Verbreitung von bäuerlichen Strukturen und Lebensweisen, welche im Zuge der Neolithischen Revolution stattfand.

Die ursprüngliche Lebensweise des Menschen, als Jäger und Sammler, war an Umweltbedingungen geknüpft. Durch den Übergang zu Ackerbau und Viehzucht fand erstmalig eine Überproduktion an Nahrungsmitteln statt, wodurch die Bevölkerung stark anwuchs.

Im Mittelmeerraum entstand durch den Bevölkerungsanstieg eine Knappheit an Ackerflächen, weshalb die Bauern neue Anbaugebiete suchen mussten. Dadurch breitete sich die Ackerbaukultur schon während der Jungsteinzeit weltweit aus.

Die Verbreitung der Landwirtschaft (Neolithisierung) begann im Mittelmeerraum. Von dort wurde die Neolithische Wende nach Europa und Asien verbreitet. Nahezu überall wurde die Nomadenkultur der Jäger und Sammler durch Bauern und Viehhirten ersetzt. Die Neolithisierung hielt bis zum Ende der Jungsteinzeit (etwa 2.000 v.Chr.) an.

Heute gilt nahezu jedes Siedlungsgebiet als neolithisiert, da überall der Nahrungsbedarf des Menschen durch Ackerbau und Nutztierhaltung gedeckt wird. Einige Ausnahmen bilden Naturvölker, wie indigene Völker im Amazonasbecken oder die Buchleute in Südafrika. In diesen Gebieten fand die Neolithisierung nicht statt bzw. wurde von diesen Kulturen nicht angenommen. Dort leben die Menschen heute noch als Jäger und Sammler – ähnlich wie die Menschen in der Mittelsteinzeit.

Wann begann die Neolithische Revolution

Laut Lehrbuch begann die Neolithische Revolution mit dem Beginn der Jungsteinzeit – also etwa 9.500 v.Chr. in Vorderasien, etwa 5.800 v.Chr. in Kerneuropa und etwa 4.200 v.Chr. in Nordeuropa.

Die Neolithische Revolution und der damit verbundene Kulturwechsel sind demnach ein Grund, warum Historiker die Steinzeit in Altsteinzeit, Mittelsteinzeit und Jungsteinzeit einteilen. Und da die Steinzeit eine Epoche der Urgeschichte ist, fand die neolithische Revolution auch in der menschlichen Urgeschichte statt.

Wo begann die Neolithische Revolution

Die Neolithische Revolution begann auf dem Gebiet des Fruchtbaren Halbmondes. Dabei handelt es sich um ein Regengebiet, welches den Nahen Osten, Mesopotamien und den Nordwesten Ägyptens (Halbinsel Sinai) einbezieht.

Im Alten Testament der Bibel wird vom fruchtbare Land oder vom geheiligten Land gesprochen, in welches Mose die Israeliten führen sollte. Wahrscheinlich ist der Fruchtbare Halbmond dieses angedeutete Land. Denn Mose führte die Israeliten aus Ägypten über die Halbinsel Sinai ins heutige Israel.

Während der Altsteinzeit kam es zu mehreren Wechseln von Warm- und Kaltzeiten. Am Ende der letzten Eiszeit – vor etwa 12.000 Jahren – verschwanden die Eisflächen in Europa und die Wiederbewaldung setzte ein. Dies markiert den Übergang zur Mittelsteinzeit in Europa. Doch im Mittelmeerraum wirkten sich sowohl die Eiszeiten als auch die Warmzeiten ganz anders aus.

Man nimmt an, dass auf dem Gebiet des Fruchtbaren Halbmondes sich die kurze Warmphase während der letzten Eiszeit, welche als Alleröd-Interstadial bezeichnet wird, anders auswirkte als in Europa. So sorgte dieses Interstadial (Warmphase) in Europa für ein kurzzeitigen Rückgang des Gletschereises mit anschließender Wiederbewaldung. Während der Eiszeit war der Mittelmeerraum aber weniger von einer Vereisung betroffen. Stattdessen gab es dort lediglich Trocken- und Regenzeiten.

Und während in Nordeuropa durch die Alleröd-Wärmephase das Eis schmolz, bewirkte das Interstadial auf dem Gebiet des Fruchtbaren Halbmondes einen Anstieg der Vegetation an Wildpflanzen. Dadurch nahm die Anzahl an Gazellen und anderen Huftieren stark zu, welche fortan auch nicht ihre Reviergrenzen verlassen mussten – da genug Nahrungsressourcen vorhanden waren. Und da die Menschen den Wildtieren nicht mehr nachwandern mussten, kam es zu einer ersten Phase der Sesshaftigkeit.

Die Sesshaftigkeit und das reichhaltige Angebot an Nahrung bewirkte, dass bereits im 12. Jahrhundert v.Chr. auf dem Gebiet des Fruchtbaren Halbmondes ein Bevölkerungsanstieg eintrat. Da die Bevölkerung schneller anstieg als die Jagdwild, kam es zu einer Überjagung in diesem Gebiet. Dies sorgte für einen Innovationsdruck. Und erstmalig wendeten sich die Menschen dem Sammeln von Wildpflanzen zu und frühe Formen der Landwirtschaft entstanden.

Die Warmphase des Alleröd-Interstadials begann etwa 11.400 v.Chr. und endete bereits 10.730 v.Chr. Danach wurde es in Europa wieder kälter und im Mittelmeerraum zunehmend trockener. Die letzte Kältephase der Eiszeit wird als Jüngere Dryaszeit bezeichnet. Diese begann anschließend, also etwa 10.700 v.Chr. und endete 9.700 v. Chr..

Während dieser letzten Kälte-Episode kultivierten die Menschen auf dem Fruchtbaren Halbmond die Landwirtschaft weiter. Und als die Eiszeit etwa 9.700 v.Chr. endgültig vorbei war und die Lebensbedingungen deutlich positiver wurden, besaßen die Menschen auf dem Gebiet des Fruchtbaren Halbmond das notwendige Wissen, um die Landwirtschaft weiter anzutreiben.

Wie breitete sich die Neolithische Revolution aus

Ein erneuter Bevölkerungsanstieg, ausgelöst die besseren landwirtschaftlichen Bedingungen, sorgte dafür, dass das Gebiet des Fruchtbaren Halbmondes irgendwann nicht mehr ausreichte und die Bauern nach neuen Ländereien suchen mussten und die Neolithische Revolution bis nach Europa führten.

Als Präkeramisches Neolithikum bezeichnet man die Kultur von Ackerbauern und Viehhirten in Vorderasien ab 9.600 v.Chr., da die Landwirtschaft bereits stattfand – aber Tongefäße für Vorratshaltung noch fehlten. In Europa sollten dann Keramik-Kulturen den Kulturwandel vorantreiben.

Ab 8.300 v.Chr. begann die Neolithisierung vom östlichen Mittelmeerraum (Levante) ausgehend, auch in Zypern einzukehren. Etwa zeitgleich breitete sich die Neolithische Revolution auch in Anatolien (Türkei) aus, von wo sie sich dann auch in Griechenland, dem Balkan, Bulgarien bis nach Nordeuropa auszubreiten begann.

Eine zweite Ausbreitungsroute führte von Griechenland nach Italien und schließlich nach Westeuropa (Spanien, Portugal). Die dritte Ausbreitungsroute führte nach Armenien und Georgien. Weitere Routen führten in den Iran, nach Afghanistan und in weitere Teile Zentralasiens.

Eine kontinental-europäische Ausbreitung begann etwa 5.800 v.Chr. oder 6.600 v.Chr. und in Nordeuropa erst etwa 4.200 v.Chr.. Die Kolonisation in Kerneuropa erfolgte weitestgehend durch die Bandkeramiker, welche die bäuerlichen Strukturen verbreiteten.

Wie lange dauerte die Neolithische Revolution

Man kann sagen, dass die endgültige Neolithische Revolution nach dem Ende der letzten Eiszeit in Vorderasien begann. Dies war etwa 9.700 oder 9.600 v.Chr. Von dort breiteten sich die Bauern über einen Zeitraum von 5.000 Jahren bis nach Europa und Asien aus, brachten den Brunnenbau, das Rad und viele andere bäuerlichen Werkzeuge und Gesellschaftsstrukturen ein. Die endgültige Neolithisierung Europas endete etwa 4.200 v.Chr.

Eine Parallelentwicklung gab es in China und Mexiko. Der amerikanische Kontinent wurde vor 12.000 Jahren (Übergang zur Mittelsteinzeit) von asiatischen Auswanderern erstmalig bevölkert. Denn während der Eiszeit gab es zwischen Asien und Amerika eine Landbrücke, welche als Beringstraße bezeichnet wird. Diese Landbrücke war während der Altsteinzeit besiedelt, wurde aber durch die Eisschmelze am Ende der Eiszeit geflutet und die Menschen flohen nach Asien. In Amerika entwickelte sich die Landwirtschaft dann parallel zur eurasischen Agrarkultur.

Wer ist für die Neolithische Revolution verantwortlich

Verantwortlich für die Neolithische Revolution als Ereignis sind die Menschen, welche vor knapp 12.000 Jahren in Vorderasien lebten und dort die Ackerbaukultur einführten. Doch geprägt wurde der Begriff durch einen britischen Archäologen, namens Vere Gordon Childe.

Dieser verwendete den Begriff in den 1930-er Jahren, um den weltweiten Kulturumbruch in der Jungsteinzeit deutlich zu machen. Dadurch wurde die Neolithische Revolution mit anderen Umwälzungen, welche ebenfalls international und nachhaltig stattfanden, gleichgesetzt. So z.B. die industrielle Revolution (Industrialisierung) oder die urbane Revolution (Urbanisierung)

Damit erfuhr die Jungsteinzeit und Urgeschichte eine Internationalisierung und Childe lieferte so den Gegenentwurf zur völkischen Siedlungsarchäologie nach Gustaf Kossina, dessen Methode er als rassistisch empfand.


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