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Nahostkonflikt: 11 Fragen und Antworten


Als Nahostkonflikt bezeichnet man eine Aneinanderreihung verschiedener Konflikte, bestehend aus mehrere Kriegen, zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarstaaten. Neben den staatlichen Konflikten kam und kommt es auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern, welche ebenfalls Teil des Nahostkonfliktes sind. Zum Nahostkonflikt gehören aber auch Konflikte auf der Arabischen Halbinsel, in Vorderasien und Nordafrika – welche in den Nahen Osten hineinreichen oder deren Ursache dort liegt.

Was ist der Nahostkonflikt

Der Nahostkonflikt ist nicht ein Krieg und nicht ein Konflikt, sondern eine andauernde Konfliktlage im Nahen Osten. Zum Nahostkonflikt gehört der israelisch-palästinensische Konflikt zwischen dem Staat Israel und Palästina – welche seit 1948 das gleiche Staatsgebiet beanspruchen.

Aber zum Nahostkonflikt gehört auch der Syrienkrieg seit März 2011, der Krieg zwischen Iran und Irak – welcher als erster Golfkrieg bezeichnet wird und zwischen 1980 und 1988 stattfand.

Im zweiten Golfkrieg (1990 -91) eroberte der Irak den Staat Kuwait, bevor die USA, Saudi-Arabien und Großbritannien den Kuwait befreiten. Auch dieser Krieg gehört zum Nahostkonflikt, genauso wie der Libanonkrieg zwischen Israel und dem Libanon oder der Jom-Kippur-Krieg von 1973, bei dem Ägypten und Syrien den israelischen Staat angriffen.

Zum Nahostkonflikt gehören auch zahlreiche Terroranschläge im Nahen Osten, welche nahezu in jedem Konfliktland stattfinden. Dieser Terror gipfelt oftmals in einen Bürgerkrieg, wie dem libanesischen – welcher zwischen 1975 und 1989 fast 15 Jahre andauerte. Der Bürgerkrieg in Jemen besteht seit 2015 und ist ebenfalls Teil des Nahostkonfliktes.

Auch der Arabische Frühling ist Teil des Nahostkonfliktes. Dieser Arabische Frühling war eine Auflehnung in der arabischen Welt, begann 2010/2011 als Revolution in Tunesien, griff dann von Nordafrika auf den Nahen Osten über verwickelte die Gebiete im Nahen Osten und der Arabischen Halbinsel in bürgerkriegsähnliche Zustände.

Teil des Nahostkonfliktes sind auch Terrororganisationen, wie Al-Quaida oder der Islamische Staat (IS), welche in einem bestimmten Konflikt von der westlichen Welt gefördert wurden, um gemeinsam gegen einen Konfliktpartner vorzugehen. Nachdem die gemeinsamen Feinde besiegt wurden, zog sich der Westen zurück und diese Milizen bestanden weiter.

In anderen Konflikten standen diese Organisationen auf der Gegenseite und wurden zu Terrormilizen erklärt. Ob der Westen diese Milizen als Terrororganisation oder als Freiheitskämpfer einstuft, ist oftmals von der eigenen Interessenlage geprägt.

Der Nahostkonflikt ist demnach nicht ein Konflikt im Nahen Osten, sondern eine anhaltende Konfliktlage in verschiedenen Regionen und Ländern.

Was war der Auslöser für den Nahostkonflikt

Zu einer deutlichen Verschärfung des Nahostkonfliktes kam es 1948 als der jüdische Staat auf dem Gebiet Palästina gegründet wurde. Unterstützt wurde die Staatsgründung Israels durch die Vereinten Nationen (UNO), welche den jüdischen Nationalstaat auf dem historischen Palästina schaffen wollte.

Damals war Palästina ein Mandatsgebiet von Großbritannien. Die Briten führten zwischen 1915 und 1918 einen Krieg gegen das Osmanische Reich. Die sogenannte Palästinafront (1915-18) war ein Nebenkriegsschauplatz des Ersten Weltkrieges, bei der die Briten gegen die Mittelmächte (Osmanische Reich, Deutsches Reich, Österreich-Ungarn) vorgingen und das Gebiet Palästina eroberten.

Hinzu kam, dass sich in verschiedenen Staaten Europas der Antisemitismus ausbreitete. Der Ausdruck entstand zwar erst 1879, doch die Ideologie des Judenhasses reicht bis in die Antike zurück. Im 19. Jahrhundert flüchteten die ersten Juden bereits nach Palästina und der Zionismus als Ideologie entstand, welcher vorsieht – einen jüdischen Nationalstaat in Palästina zu schaffen.

Da Palästina ein Mandatsgebiet Großbritanniens war, erklärte sich Großbritannien 1917 dazu bereit, eine nationale Heimstätte für Juden aus aller Welt in Palästina zu errichten. Die Briten erhofften sich am Ende des Ersten Weltkrieges, dass viele Juden – welche in den Mittelmächten heimisch waren – dieses Vorhaben unterstützen würden, wodurch die Regierungen in den Feindstaaten unter Druck geraten sollten.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs war das Osmanische Reich zerschlagen und das Völkerbundsmandat für Palästina wurde am 19. April 1920 auf Großbritannien übertragen. Im Jahr 1947 beschloss die UNO, dass das Staatsgebiet Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat geteilt werden sollte. Als ein Jahr später der Staat Israel seine Unabhängigkeit ausrief, endete das Völkerbundsmandat der Briten.

Die arabischen Nachbarn wollten die Staatsgründung Israels verhindern. Und so erklärten noch in der Gründungsnacht die Staaten Ägypten, Saudi-Arabien, Transjordanien, der Libanon, der Irak und Syrien dem neugegründeten Staat Israel den Krieg.

Zwischen 1948 und 1949 kam es zum Israelischen Unabhängigkeitskrieg, bei dem der Staat Israel seine Unabhängigkeit gegenüber den arabischen Nachbarn bewahren konnte. Während des Kriegsjahres besetzte Israel das Gebiet, welches laut Vereinten Nationen die Heimstätte der Palästinenser sein sollte und vertrieb die Einheimischen. Diese warten bis heute darauf, dass sie ihr Land zurückbekommen.

Der Nahostkonflikt zwischen Arabern und Juden erhielt durch die Gründung Israels ab 1948 eine neue Dimension. In der Folge des Palästinakrieges (1948/49) annektierte der Libanon das Westjordanland, die Altstadt Jerusalems und der Gazastreifen fiel unter ägyptische Verwaltung. Als sich dann 1967 der Sechstagekrieg ereignete, eroberte Israel auch das Westjordanland, Gaza und die Altstadt Jerusalems.

Wo liegt der Ursprung für den Nahostkonflikt

Der Grund für den Israelisch-Palästinensischen Konflikt reicht bis ins Altertum zurück. Sowohl Palästinenser als auch Israelis sehen sich als Ureinwohner oder Ahnherren dieser Region.

Dabei verweisen die Palästinenser auf die Philister, einem Volk – welches archäologisch bis ins 12. Jahrhundert v. Chr. in diesem Gebiet nachgewiesen werden kann und die Israelis auf das biblische Volk Israels bzw. die Israeliten, welche durch Moses aus der ägyptischen Sklaverei fliehen konnten und von sich sagen, dass sie das Heilige Land zuerst bewohnten. Der Exodus des Volkes Israels fand wohlmöglich im 15. und 14. Jahrhundert v. Chr. statt.

Die Philister erbauten Stadtstaaten wie Aschkelon, Aschdod oder Gaza. Laut der Bibel eroberten die Israeliten die Stadt Jerusalem von den Jebusitern als Auftakt für die Eroberung des Landes Kanaan. Die Kanaaniter waren wohlmöglich die wahren Ahnherren des Gebiets um Jerusalem. Und die Philister waren wohlmöglich ein Seevolk, welches zuerst die Stadtstaaten in Küstennähe schuf.

In der Antike wurde das Gebiet der Philister noch als Philistäa bzw. griechisch-lateinisch als Palaestina bezeichnet. Die Bezeichnung Palästina für das historische Philistäa wurde erst üblich, nachdem die Römer das Gebiet dauerhaft besetzen und dort die Provinz Syria Palästina gründeten.

Die römische Provinz Syria Palästina entstand etwa 135 n.Chr., nachdem die Römer alle jüdischen Siedler aus dem heutigen Israel vertrieben und deren Wurzeln in dieser Region vergessen machen wollten. Deshalb wurde der bis dahin geltende Name Judäa durch Syria Palästina ersetzt.

römische reich provinzen

Iudäa bzw. Judäa war eine Provinz im römischen Reich

Das Römische Reich hatte diese Region bereits 63 v.Chr. erobert und zur römischen Provinz Judäa erklärt. Doch nachdem die Juden aufständisch worden, führten die Römer zwischen 66 n.Chr. und 135 n.Chr. drei Kriege gegen die Provinz. Der letzte Krieg wird als Bar-Koschbar-Aufstand bezeichnet, dessen Ende dazu führte, dass der römische Kaiser Hadrian alle Juden vertreiben ließ. Diese Vertreibung oder Verstreuung wird als jüdische Diaspora bezeichnet. In der Folge wurde die Provinz Judäa in die römische Provinz Syria Palaestina gewandelt und unbenannt.

Seit 135 n.Chr. hoffen die Juden auf eine Heimkehr ins Heilige Land und das Völkerbundmandat für Palästina von 1920 eröffnete eine Perspektive. Aufgrund des Völkerbundsmandant für Palästina und der sich daraus ergebenen Teilung wurden die Palästinenser von ihrem Stammgebiet vertrieben. Viele Palästinenser gelten heute als Staatenlose.

Welche Position haben Israel, Palästina und andere Staaten im Nahostkonflikt

Israels Position ist:

  • Der Teilungsplan der Vereinten Nationen von 1948 sah vor, dass das jüdische Volk einen eigenen Staat erhält.
  • Israel wurde gegründet, um der jüdischen Bevölkerung einen sicheren Staat zu bieten.
  • Es ist Aufgabe und Verantwortung des Staates Israel den jüdischen Staat zu verteidigen und zu schützen.
  • Da das Volk Israel früher schon im Heiligen Land gelebt hat, dann aber vertrieben wurde, haben die Juden heute ein Anrecht auf einen eigenen Staat in diesem Gebiet.
  • Da radikale Palästinenser als Guerilla-Armee auftreten, Selbstmordattentate verüben – kann der Staat Israel nur durch Präventivmaßnahmen geschützt werden.
  • Bei Vergeltungsmissionen sterben viele Zivilisten, da die radikalen Palästinenser keine Armee sondern Teil der Zivilgesellschaft sind. In einem Partisanenkrieg tauchen die Guerillas in die Zivilbevölkerung ab, verstecken sich in der Menge und nutzen diese als menschliche Schutzschilde. Dies ist ein Merkmal solcher Kriegsführung.
  • Die gegnerische Seite nimmt somit in Kauf, dass ihre eigenen Leute sterben.

Die Position der Palästinenser ist:

  • Der Teilungsplan von 1948 sah vor, dass Palästina ein eigenes Staatsgebiet erhält.
  • Nach dem Palästinakrieg (1948/49) hat Israel alle Palästinenser vertrieben und sich nicht an den Teilungsplan gehalten.
  • Stattdessen hat Israel im Sechstagekrieg (1967) auch das Westjordanland, die Golanhöhen, den Gazastreifen und den Osten Jerusalems besetzt.
  • Israel geht nicht nur gegen Milizen vor, sondern nimmt auch in Kauf, dass zivile Opfer sterben.

Die Position von radikalen Palästinenser und deren Unterstützer ist:

  • Palästina gehört den Muslimen.
  • Das Existenzrecht Israels besteht nicht. Der Staat muss aufgelöst werden.
  • Da der Staat Israel nicht auf dem Schlachtfeld besiegt werden kann, muss dieser destabilisiert werden. Dies geschieht durch Terroranschläge gegen Militär, Polizisten und Zivilisten.

Die Position der Staaten, welche Israel uneingeschränkt unterstützen, ist:

  • Das Existenzrecht Israels darf nicht in Abrede gestellt werden.
  • Israel wurde gegründet, um ein sicherer Zufluchtsort für die jüdische Weltgemeinschaft zu sein.
  • Israel hat die Pflicht, alle Juden zu schützen und sich dementsprechend zu verteidigen.
  • Israel ist die einzige Demokratie der Region. Und es ist die Aufgabe der westlichen Welt, diese Demokratie zu unterstützen.

Die Position der Staaten, welche Israel nicht uneingeschränkt unterstützen, lautet:

  • Bei den Vergeltungsaktionen und auch bei den Präventivmaßnahmen werden zu viele Zivilisten getötet.
  • Das Westjordanland, Ostjerusalem und auch die Golanhöhen wurden besetzt und gehören völkerrechtlich nicht zu Israels Staatsgebiet.

Wie viele Menschen starben im Nahostkonflikt

Da die arabischen Nachbarn Israels weder im Palästinakrieg (Israelischen Unabhängigkeitskrieg, 1948/49) noch im Sechstagekrieg (1967) siegreich waren, begriff man – dass Israel auf einem Schlachtfeld nicht zu bezwingen sei.

Fortan begannen sich Milizen zu bilden, welche Terroranschläge in Israel verübten, um den Staat, das Volk und die Regierung zu zermürben. Es bildeten sich Terrororganisationen wie die Hisbollah im Libanon oder die Hamas im Palästinensergebiet, welche das Ziel verfolgen, den Staat Israel aufzulösen.

Um den Terror zu bekämpfen, reagierte Israel mit übertriebener Härte. So schossen Hamas Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel und der Staat antwortete mit seiner Luftwaffe. Laut Militärexperten soll die israelische Luftwaffe zur besten Luftwaffe der Welt gehören, weshalb es oftmals zu ungleichen Kämpfen kam. Zwischen 2008 und 2019 kostete der Palästinakonflikt etwa 5500 Palästinensern und 236 Israelis das Leben.

Beim ersten Golfkrieg (1980-88) zwischen dem Irak und dem Iran gab es mehr als 1,25 Mio. Tote. Der irakische Diktator Saddam Husein setzte Giftgas ein. Beide Seiten kämpften um die Vormachtstellung in der Region, um Ölvorkommen und um Grenzen.

Beim zweiten Golfkrieg überfiel der Irak den Staat Kuweit. Es bildete sich eine Anti-Irak Allianz im Nahen Osten, angeführt durch die USA. Saddam Husein bestrafte Israel, indem er Scud-Raketen auf Israel abfeuern ließ. Die Menschen in Israel bereiteten sich auf das Giftgas vor und konnten den Angriff abwehren.

Beim dritten Golfkrieg (2003) griff die USA den Irak an, da sie die Anreicherung von Uran feststellten und vermuteten, dass der Irak eine Atomwaffe herstellen würde. Diese Massenvernichtungswaffen wurden aber nie gefunden.

Allein im libanesischen Bürgerkrieg von 1975 bis 1989 starben etwa 90.000 Menschen. Weitere 800.000 flohen ins Ausland. Beim Arabischen Frühling, welcher sich durch die ganze arabische Welt zog, lehnte sich die Bevölkerung gegen Despoten auf. Es kam zu Bürgerkriegen mit hunderttausenden Toten.

Beim Überfall der Hamas auf Israel am 07. Oktober 2023 starben 1.139 Menschen. Die Zahl wurde später auf über 1.200 nach oben korrigiert. Weitere 240 Menschen wurden von den Hamas in den Gazastreifen verschleppt. Israel antwortete mit seiner Luftwaffe und mit Bodentruppen, welche in den Gazastreifen geschickt wurden. Im Krieg zwischen Israel und Gaza starben 37.782 Menschen in Gaza (Stand 03.04.2024).

Warum haben die Europäer eine Mitschuld am Nahostkonflikt

Die Europäer tragen eine große Teilschuld an den bestehenden Konflikten. Schon während des Ersten Weltkrieges planten die Europäer, wie man sich das Osmanische Reich aufteilen könnte. Dabei wollten sie die Golfstaaten und die Mittelmeerstaaten nach ihre Vorstellung prägen und umgestalten.

In einem Briefwechsel zwischen Sir Henry McMahon, dem britischen Hochkommissar (1. Diplomat) in Ägypten und Hussein ibn Ali, dem Scherifen von Mekka – wurde deutlich, dass die Briten vorhatten, einen arabischen Staat von Palästina bis zum Persischen Golf zu gründen.

Durch dieses Hussein-McMahon-Abkommen von 1915-16 sollte ein Aufstand im Osmanischen Reich entfacht werden, indem man den Arabern eine Perspektive bot. Dadurch erhofften sich die Briten, dass der Rückhalt im Osmanischen Reich einbrechen würde.

Nachdem die Palästinafront (1915-18) siegreich für die Briten verlief, das Osmanische Reich zerschlagen und neugeordnet werden sollte, machte man den Juden ebenfalls Hoffnung. So sicherte 1917 der britische Außenminister Arthur James Balfour den Juden eine Heimstätte in Palästina zu. Auch dies geschah in der Absicht, die Juden im Deutschen Reich oder Österreich-Ungarn gegen ihre Regierung aufzuwiegeln.

Zwischen Frankreich und Großbritannien wurde zudem das Sykes-Picot-Abkommen am 16. Mai 1916 unterzeichnet, welches vorsah, den Nahen Osten in verschiedene Einflusssphären aufzuteilen. Die arabischen Staaten, welche Großbritannien und Frankreich im Ersten Weltkrieg unterstützen, erfuhren von dem Geheimabkommen nichts. Das arabische Großreich, welches McMahon dem Scherifen von Mekka im selben Jahr versprochen hatte, war längst Geschichte.

Wie mit einem Lineal teilten sich die Briten und Franzosen das arabische Reich auf. Der Norden des Nahen Osten mit Syrien und Libanon wurde zur französischen Einflusssphäre erklärt und durch das Völkerbundmandat vom 24. Juli 1922 ratifiziert. Die Briten erhielten den Süden des Nahen Ostens mit Jordanien und Palästina. Außerdem erhielten sie das Völkerbundmandat über den Irak.

Den verprellten Scherifen von Mekka wollten die Briten genügsam stimmen, indem sie dessen Sohn Faisal I. zum König vom Irak ernannten. Aber dieser musste einer Schutzherrschaft der Briten zustimmen, wodurch die irakische Regierung lediglich eine Marionettenregierung blieb.

In der Folge entstanden die Staaten im Nahen Osten, welche sich aus den ehemaligen Mandatsgebiete der Kolonialherren und den Trümmern des Osmanischen Reiches hervortaten. Bei der Grenzbestimmung spielten für die Europäer die arabischen Interessen keine Rolle.

Auch ethnische und religiöse Motive wurden bei der Grenzziehung schlichtweg missachtet. Dies hatte fatale Folgen. Denn es bildeten sich Staaten ohne echtes Nationalgefühl. Stattdessen vereinte die Bevölkerung lediglich der Wille zur Unabhängigkeit und der Krieg gegen die Kolonialherren.

Antiimperialismus als vereinendes Motiv führte dazu, dass sich Tyrannen herausbilden konnten. Der starke Mann musste her, welcher es schaffte, die Kolonialmächte aus dem Land zu treiben. Noch heute sind im Nahen Osten mehr Autokratien und Diktaturen als anderswo.

Während des Arabischen Frühlings (seit 2010) blieben einige arabische Länder stabiler als andere. In Ägypten besann man sich auf den Pharaonenstaat des Alten Ägyptens, wodurch sich schon früher ein Wir-Gefühl und eine gemeinsame Identität ergab. Dieses Land überstand den arabischen Frühling besser als bspw. Syrien, wo die gemeinsame Geschichte als nationales Element fehlt.

Im Irak wurde Saddam Husein möglich, da auch hier das Nationalgefühl fehlt. Das Nachbarland Iran besann sich auf das Perserreich und seine Errungenschaften, wodurch sich eine gemeinsame Identität in der Bevölkerung ergab. In vielen arabischen Ländern fehlt die gemeinsame Identität, was zu Spaltung und letztlich auch zu immer wiederkehrenden Unruhen führt.

Welche Bedeutung hat der Islam im Nahostkonflikt

Anstelle eines Nationalgefühls, welches in einem Staatsgebiet vereint wird, soll die Religion als verbindendes Element herhalten. Der Islam wird dadurch identitätsstiftend. Und so entsteht bei einigen Muslimen die Vorstellung eines grenzübergreifenden Islamstaates.

Die Staatsgrenzen zwischen den Ländern im Nahen Osten sind für radikale Muslime lediglich Grenzen, welche die Kolonialmächte gezogen haben. Diese Grenzen müssen beseitigt werden, da diese dem Traum eines gesamtheitlichen islamischen Staates im Wege stehen.

Als die Terrororganisation Islamische Staat (IS) die Grenze zwischen Syrien und dem Irak überquerte, stellten sie sofort ein Propaganda-Video ins Internet. Das Video trägt die Botschaft: „Das Ende von Sykes-Picot“, was bedeutet – dass die Grenzen, welche Frankreich und Großbritannien sich einst ausdachten, nun überwunden werden.

Der identitätsstiftende Islam führt nicht nur dazu, dass sich keine wahren Nationalstaaten bilden können, sondern auch – dass arabische Regierungen permanent den „Druck der Straße“ spüren. Viele Staatsoberhäupter gehen nicht auf Israel zu, da sie fürchten, eine Revolution im eigenen Land hervorzurufen.

Der Islam als verbindendes Element zwischen Nationen – welche europäisch gedacht und entworfen wurden – führt zur Ablehnung des Staates Israels, welche für viele Muslime in der Region ebenfalls eine Kolonialmacht darstellt. Neben der Auseinandersetzung mit dem Westen und dem Judentum kommt hinzu, dass der schiitische und der sunnitische Islam in verschiedenen Ländern nicht vereinbart werden können.

Warum hat der Nahostkonflikt noch immer Bestand

Als das Völkerbundsmandat der Briten (1948) auslief und Palästina in ein arabisches und einen jüdisches Staatsgebiet geteilt werden sollte, stimmten alle arabische Staaten gegen den Plan der Vereinten Nationen. Aber das war zwecklos. Er wurde trotz der vorherigen Versprechen umgesetzt und führte zu einer großen Demütigung in der arabischen Welt.

Als dann der Teilungsplan vorsah, dass die 600.000 Juden etwa 56 Prozent der Landesfläche und die 1,3 Mio. Palästinenser nur 43 Prozent der Landesfläche zugesprochen kamen, war dies die nächste Demütigung. Die arabischen Nachbarn versuchten den Staat Israel zu verhindern, indem man in der Gründungsnacht den Krieg erklärte. Aber ein Jahr später war der Krieg verloren und die Araber mussten mit der Niederlage eine weitere Demütigung einstecken.

Nach der Niederlage wurden etwa 750.000 Palästinenser aus ihren Häusern vertrieben. Diese Menschen und auch ihre Nachkommen sind mittlerweile Millionen und warten auf die Rückkehr in ihre Heimat. Die Geschehnisse von 1948 werden in der palästinensischen Geschichte als Nakba (deutsch: Unglück, Katastrophe) bezeichnet.

Als dann 1967 im Sechstagekrieg noch das Westjordanland, die Altstadt Jerusalems und der Gazastreifen besetzt wurde, steigerte sich das Unglück erneut. Gemäßigte Palästinenser wollen, dass die alten Grenzen vor 1967 wieder hergestellt werden. Radikale Palästinenser fordern stattdessen, dass der Staat Israel aufgelöst wird.

Israel feiert den Sieg von 1948 stattdessen als Unabhängigkeitskrieg. Sie führen die Bibel an, wonach das Volk Israel bereits vor der Zeitenwende diese Region bewohnte und rechtmäßig dorthin gehört. Auch der Holocaust, der Antisemitismus und dass der Staat Israel als sicherer Ort für alle Juden weltweit gedacht ist, wird von israelischer Seite angeführt.

Letztlich wird auch immer wieder erwähnt, dass die Araber eine Chance auf einen eigenen Staat vertan haben als sie den UN-Teilungsplan ablehnten.

Befeuert wird der Konflikt durch Organisationen, welche keineswegs Palästina aufgeben wollen. Eine dieser Organisationen ist die Hamas, welche 1987 in Gaza gegründet wurde und deren Ziel es ist, ganz Palästina von Israel zu befreien bzw. säubern. Laut der Charta der Hamas kann Palästina nicht bestehen, solange Israel besteht. Deshalb muss der Staat Israel vernichtet werden. Palästina sieht die Hamas als ein Lehen Allahs, welches bis zum jüngsten Gericht den Muslimen gehört. Würde man ein Teil Palästinas aufgeben, würde man den Islam aufgeben.

Aber auf der israelische Seite sind ähnliche Kräfte am Werk. Denn seit der Besetzung des Westjordanlandes tritt Israel völkerrechtlich als Besatzungsmacht auf. Die Siedler des Westjordanlandes sehen sich aber nicht als Besatzer sondern als legitime Eigentümer des Landes, welche dieses Land – bereits beim Exodus – von Gott erhalten haben.

Da die Israeliten von Gott auserwählt wurden, welcher ihnen ein Land versprach – ist ihr Glaube an Gott und mit dem Bezug zum Heiligen Land verknüpft. Für das auserwählte Volk besteht die Pflicht, das Heilige Land zu bewohnen.

Und da die Siedler im Westjordanland als gottgewählte Eigentümer verstehen, sind sie durchaus bereit, ihr Siedlungsgebiet gegen Palästinenser zu verteidigen.

Der Sanitätsoffizier Baruch Goldstein, welcher in der israelischen Armee diente, verübte am 25. Februar 1994 ein Massaker am Grab des Patriarchen – der zweitheiligsten Stätte im Judentum. Das Grab des Patriarchen ist die Machpela und laut der Bibel ein Familiengrab der Erzeltern der Israeliten. Dort begraben sind: Abraham und Sara, Isaak und Rebekka, Jakob und Lea.

Da sowohl Juden als auch Christen und Muslime den Stammvater Abraham als ihren Ahnherren anerkennen, ist diese Grabstätte für alle drei Weltreligionen wichtig. Am 25. Februar 1994 waren an der Grabstelle auch palästinensische Muslime, um die heilige Stätte zu besuchen.

Baruch Goldstein lief an diesem Tag mit einem Sturmgewehr bewaffnet auf die muslimische Seite der Gedenkstätte und erschoss wahllos betende Palästinenser. Durch das Massaker starben 29 Menschen und weitere 150 wurden schwer verletzt. Unter den Opfern waren zahlreiche Kinder. Als die Munition ausging, konnten die Anwesenden den Attentäter überwinden und erschlugen ihn mit einem Feuerlöscher.

Die klare Mehrheit der Israelis verurteilte das Massaker. Dennoch gibt es national-religiöse Anhänger, welche das Massaker als „Operation Machpela“ verherrlichen. In Hebron, dem Ort des Massakers, wurde ein Denkmal – nicht für die Toten, sondern für Goldstein errichtet. Auf dieser Gedenkstätte wurde ein Text verewigt, wonach der Massenmörder als ein Märtyrer und von Gott gesegneter hingestellt wird.

Die israelische Regierung brachte 1998 ein Gesetz gegen das Denkmal hervor. Daraufhin baute das israelische Militär die Gedenkstätte lediglich zurück, so dass sie an Auffälligkeit verlor, ließ die Inschrift aber bestehen.

Warum beendet man nicht den Nahostkonflikt, indem man die Palästinenser integriert

Das größte Problem beider Seiten ist, dass die jeweilige andere Seite nicht das Leid der Gegenseite vollumfänglich anerkennt. Würde der Staat Israel zudem die Palästinenser aufnehmen, müsste er diese wie Staatsbürger Israels behandeln. Demnach würden diese die gleichen Rechte erhalten wie die Israelis.

Da Israel eine Demokratie ist, gehört zu diesen Rechten auch das Wahlrecht und das Recht, eine Partei zur Wahl aufstellen zu können. Demnach müsste Israel akzeptieren, dass eine arabische Partei aufgestellt werden würde, welche wohlmöglich sogar die Stimmenmehrheit erhält und dann den jüdischen Staat abschafft. Da dies nicht im Sinne Israels ist, kann es nur eine Zweitstaatenlösung für den Konflikt geben.

Außerdem sind zwischen Israelis und Palästinensern so viele Gräueltaten passiert, dass die Integration unmöglich scheint. Selbst eine Zweitstaatenlösung, in welcher zwei Nationen nebeneinander leben – scheint so gut wie unmöglich. Zwischen den Jahren 1993 und 1995 gab es Annäherungsversuche und der Glaube nach solch einer Lösung wuchs.

Aber radikale Kräfte in Israel und in den Reihen der Palästinenser feuern den Konflikt immer wieder an, wodurch es zu Gewalttaten und späteren Rachetaten kommt. Für die Radikalen existiert kein Arrangement mit Status quo. Stattdessen will man lieber Krieg führen, als in irgendeiner Weise zu verzichten bzw. nachzugeben. Dieser Zustand hält bis heute an.

Sind die Palästinenser oder die Israelis Schuld am Nahostkonflikt

1967 eroberte Israel das Westjordanland, den Sinai, Ostjerusalem, den Gazastreifen und die Golanhöhen. Später annektierte Israel die Golanhöhen und Ostjerusalem. Den Sinai trat Israel 1973 wieder an Ägypten ab. Auch aus dem Gazastreifen zog sich Israel 2005 zurück. In den besetzten Gebieten wurde Israel zur Besatzungsmacht und die UN-Resolution 242 von 1967 fordert Israel dazu auf, sich aus allen besetzten Gebieten zurückzuziehen.

Einige Völkerrechtler sind der Ansicht, dass das Recht auf Selbstbestimmung der Völker auch den Widerstand einbezieht. Demnach dürfen sich völkerrechtlich Palästinenser gegen den Besatzer wehren.

Bei der ersten Intifada (deutsch: Aufstand) von 1987 ging ein Bild um die Welt, als jugendliche Palästinenser einige Steine auf gepanzerte Militärfahrzeuge Israels warfen. Dies erweckte weltweite Sympathien für die Palästinenser. Und der Aufruhr wurde medial als „Krieg der Steine“ bezeichnet.

Während dieser Zeit wird die Palästinensische Unabhängigkeitserklärung (1988) durch die Palästinensische Befreiungsorganisation (kurz PLO) geschlossen, welche das Existenzrecht Israels anerkennt. Eigentlich bedeutete dies, dass sich Palästina und Israel annähern könnten, doch Radikale aus beiden Lagern versuchen fortan die Kluft wieder zu vergrößern. Demnach artete der zivile Ungehorsam bald in Gewalttaten aus. So wurden aus Steinen irgendwann Molotowcocktails.

Schon bald wurden Beamte, welche Israel in den besetzten Gebieten einsetzte, als Kollaborateure gebrandmarkt und verfolgt. Der Staat Israel regierte auf die Proteste und Demonstrationen in den besetzten Gebieten mit Massenverhaftungen, Einsatz von Tränengas und Stockschlägen durch Polizisten.

1990 explodiert eine Bombe am Strand von Tel Aviv. Während des ersten Intifada bildet sich die Hamas, welche den Staat Israel gänzlich abschaffen will. Wohlmöglich war die Gründung eine Folge der Anerkennung Israels durch die PLO.

Die erste Intifada begann 1987 und endete 1993 durch das Oslo Abkommen. Allein bis Ende 1990 starben 609 Palästinenser und 18 Israelis.

Die zweite Intifada begann im Jahr 2000 nachdem der israelische Oppositionsführer Ariel Scharon provokant den für Muslime heiligen Tempelberg bestiegen hatte. Dort befindet sich die Al-Aksa-Moschee, die drittheiligste Moschee des Islams. Die Hamas und andere radikale Palästinensergruppierungen reagierten nun mit Terroranschlägen, bevorzugt mit Selbstmordattentaten.

Die zweite Intifada endete 2005 und hatte zur Folge, dass sich Israel endgültig von Gaza abkoppeln wollte. Zwischen 2000 und 2005 starben laut der Jedi’ot Acharonot (israelische Tageszeitung) 1.036 Israelis und 3.592 Palästinenser. Seither ist Gaza ein riesiges Freiluftgefängnis, um welches Israel einen Sperrzaun mit 200 bis 300 Metern Speerzone errichtete. In Gaza eroberte die Hamas ab 2007 endgültig die Herrschaft und entkoppelte sich von der Palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland.

Um sich gegen Raketen aus Gaza zur Wehr zu setzen, setzt Israel auf Abschreckung und auf gezielte Tötungen aus der Luft. Laut Israel handele es sich um vorbeugende Maßnahmen, um Terroristen zuvorzukommen. Diese gezielten Angriffe, bei denen zahlreiche Zivilisten sterben, sind mit dem Rechtstaat und dem Völkerrecht nicht zu vereinbaren, weshalb sich Israel immer wieder internationaler Kritik aussetzen muss.

Die Operation „Gegossenes Blei“ von 2008/2009 sollte offiziell den Beschuss von Hamas-Raketen beenden. Unter den 1.400 getöteten Palästinensern befanden sich mehr als 320 Kinder und 107 Frauen – wie die israelische Menschenrechtsgruppe B’Tselem herausfand. Bei der Operation „Protective Edge“ im Jahr 2014 starben 2.002 Palästinenser. Laut B’Tselem sollen über 60 Prozent der Opfer nicht an den Kämpfen beteiligt gewesen sein.

Das Problem beider Seiten ist, die Opferdarstellung und die Täterdarstellung. Beide sehen sich lediglich als Opfer und nicht als Täter. Die Palästinenser werden aufgrund ihrer misslichen Lage zu Terroristen gemacht. Und die Israelis befürworten Präventivmaßnahmen mit hohen zivilen Opfern. Laut einer Umfrage befürworten 77 Prozent der Israelis solche Präventivmaßnahmen und gezielten Liquidierungen.

Welche Bedeutung hat Jerusalem im Nahostkonflikt

Als die arabischen Nachbarn 1948 Israel den Krieg erklärten, wurde der Osten Jerusalems von Jordanien besetzt. Diese annektierten den Ostteil im Jahr 1950.

Im Sechstagekrieg (1967) eroberte Israel den Osten Jerusalems und hielt diesen ebenfalls besetzt. Im Jahr 1980 folgte das Jerusalemgesetz und die Annexion.

Die internationale Staatengemeinschaft erkennt weder die Annexion 1950 noch die Annexion 1980 an. Für die Palästinenser soll Jerusalem einmal die Hauptstadt Palästinas sein und bei einem Sondertreffen islamischer Staaten im Jahr 2017 wurde Ostjerusalem bereits zur palästinensischen Hauptstadt gemacht.

Der Kern des Jerusalemkonfliktes ist, dass die Stadt für alle drei Weltreligionen von Bedeutung ist. Für die Christen, welche im Nahostkonflikt eine unterstützende Rolle spielen, ist die Grabeskirche wichtig. An dieser Stelle wurde Jesus von Nazareth gekreuzigt und beerdigt. Auf der Via Dolorosa erinnern sich Christen an das Leiden Christi. Nicht umsonst wurden die Kreuzzüge im Mittelalter unternommen, um das Heilige Land für das Christentum zu erobern.

Für die Juden ist Jerusalem fast noch wichtiger, da das Volk Israel den Jerusalemer Tempel erbaute, um die Bundeslade mit den zehn Geboten dort zu lagern. Die zehn Gebote erhielt Moses, nachdem er das Volk Israel aus der ägyptischen Sklaverei führte. Auf dem Berg Sinai wurde ihm Gott offenbart und ihm wurden die zehn Gebote übergeben.

Außerdem wurde dem Volk Israel das Heilige Land versprochen. Erst durch den Auszug aus Ägypten (Exodus), die Gottesoffenbarung und die Verheißung auf das Gelobte Land wuchsen die Flüchtlinge zu einem Volk zusammen. Die Identität des Volkes ist demnach ans Land und ans Gottesversprechen geknüpft.

Die Bundeslade, in welcher die zehn Gebote aufbewahrt wurden, galten als Garant für Gottes Gegenwart. Im Allerheiligsten des Jerusalemer Tempels wurde die Bundeslade aufbewahrt, wodurch Gott für die Israeliten dort immer präsent war. Der Tempel wurde einmal durch die Babylonier (587/86 v.Chr.) zerstört, dann wieder aufgebaut und noch einmal durch die Römer (70 n.Chr.) zerstört.

Nachdem die Juden (135 n.Chr.) aus Judäa vertrieben wurden und die Islamische Expansion in den 630-er Jahren einsetzte, wurde Jerusalem durch die Araber erobert. Diese errichteten auf den Trümmern des Jerusalemer Tempels zwischen 685 und 715 n.Chr. den Felsendom und die Al-Aksa-Moschee.

Der Tempelberg in Jerusalem wird von den Juden als Zion bezeichnet. Und die Ideologie des Zionismus, welche auf den Aufbau eines jüdischen Nationalstaat abzielt, bezieht sich auf den Jerusalemer Tempelberg als Sehnsuchtsort.

Für die Juden ist Jerusalem die wichtigste Stadt, da hier die zwei zerstörten Tempel standen und König David – ein Ahnherr des Volkes Israel – seinen Staat begründete. Im Islam gilt Jerusalem als drittheiligste Stadt – hinter Mekka und Medina – in welcher der Prophet Mohammed eine wundersame Himmelsschau bzw. Himmelsfahrt (miʿrādsch) vollzog.

Am Fuße des Tempelberges in Jerusalem beten die Juden an der Klagemauer, dem letzten Überbleibsel des Jerusalemer Tempels. Wenige Meter über ihnen sitzen die Muslime vor der Al-Aksa-Moschee und drücken als Zeichen der Demut ihre Stirn auf das Pflaster.

Kleinste Grenzüberschreitungen können tödlich enden. Und als der israelische Hardliner Ariel Scharon den Tempelberg bestieg, löste dies die zweite Intifada mit mehr als 4.500 Toten aus.

Oben auf dem Tempelberg liegt verschüttet das Allerheiligste, der Innenraum des ehemaligen Jerusalemer Tempels – in welchem einst die Bundeslade aufbewahrt wurde und in dessen Innenwände die Präsenz Gottes spürbar gewesen sein soll. Jüdische Hardliner predigen seither, dass die frommen Juden auch den Tempelberg besteigen müssen, um ihren Gott nah sein zu können.

Für die Muslime ist dies ein Hausfriedensbruch. Erklommen noch 2009 etwa 5.000 Juden den Tempelberg, waren es 2015 schon etwa 20.000. Der ultraorthodoxe Rabbiner Jehuda Glick propagierte den Anspruch auf den Tempelberg, indem er seinen Anhängern erzählte, dass dies der Ort sei, welcher verpflichtend aufgesucht werden müsste. Und den Muslimen sagte er, dass diese sich an Fakten gewöhnen sollten.

Am 29. Oktober 2014 wurde Glick auf offenere Straße niedergeschossen, überlebte aber das Attentat.

Durch Weisungen Glicks und anderer Rabbiner zog es bis 2015 immer mehr Juden auf den Tempelberg. Am 03. Oktober 2015 griffen jugendliche Muslime auf dem Tempelberg mehrere Israelis mit Messern an. Wohlmöglich wollten sie die Al-Aksa-Moschee schützen. Medial wurde dieses Ereignis und einige weitere Messerangriffe in den Folgetagen als Messer-Intifada bezeichnet.

Die Frage für eine Lösung des Nahostkonfliktes scheitert allzu häufig an Jerusalem. Auch der Friedensgipfel im Jahr 2000, welcher durch den US-Präsidenten Bill Clinton vorbereitet und geführt wurde, scheiterte an der Jerusalem-Frage.

Derweil wird im Jerusalemer Tempelinstitut der Aufbau eines dritten Tempels geplant. Und dieser soll dort stehen, wo einst die beiden anderen jüdischen Tempel standen und wo heute die Al-Aksa-Moschee und der Felsendom steht. Nicht wenige Nahostexperten sind der Meinung, dass der Bau dieses Projekts das Potential hätte, den Dritten Weltkrieg auszulösen.


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