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Jesus von Nazareth


Jesus von Nazareth bzw. auch der historische Jesus genannt, war ein jüdischer Wanderprediger, welcher zwischen den Jahren 7 v.Chr. und 4 v.Chr. in Nazareth (Israel) geboren wurde und im Jahr 30 oder 31 in Jerusalem starb. Aufgrund seiner Predigten fand Jesus zahlreiche Anhänger unter der jüdischen Bevölkerung. Da Jerusalem eine Provinz des Römischen Reiches war, missfielen dem römischen Statthalter Pontius Pilatus die Ansprachen des Wanderpredigers.

Jesus von Nazareth wurde daraufhin angeklagt, sich als König der Juden auszugeben, verurteilt und gekreuzigt. Drei Tage nach seinem Tod soll Jesus wieder auferstanden sein, was seine Anhänger für ein Wunder hielten, weshalb sie in ihm einen Messias und Sohn Gottes sahen. Daraufhin wurde Jesus als der Gesalbte bzw. der Messias gefeiert, erhielt den Namen Jesus Christus, welcher fortan als Symbolfigur im Christentum fungiert.

Im Neuen Testament der Bibel wird das Leben des Jesu und dessen Lehre nacherzählt. Jesus von Nazareth hat selbst keine Schriften hinterlassen, weshalb historisches Wissen hauptsächlich auf Erzählungen seiner Anhänger beruht, deren Erinnerungen nach seinem Tod zusammengetragen wurden.

Die Geburt des Jesu von Nazareth

Der Name Jesus leitet sich von „Jeschua ben Josef“ ab, was übersetzt bedeutet: „Sohn des Josefs“. Der Genetiv von Jesus ist Jesu, weshalb man auch von Leben des Jesu oder Wirken des Christi spricht, aber mit Jesu immer Jesus Christus meint.

Die Geschichte von der Geburt Jesus wird im Christentum als Weihnachtsgeschichte erzählt, wonach der Sohn von Maria und Josef am 25. Dezember in Bethlehem geboren wurde. Die Nacht vom 24. zum 25. Dezember gilt seither als Heilige Nacht bzw. Heiligabend. Tatsächlich wurde dieses Datum erst im 4 Jahrhundert, unter dem römischen Kaiser Konstantin I., festgelegt.

Wahrscheinlich orientierten sich die christlichen Römer, beim Geburtstag des Jesu, an das Fest des Sonnengottes Sol, welcher in dessen Mythologie eine hohe Gottheit war und welcher fortan von Jesus Christus abgelöst werden sollte. Denn nachdem das Christentum im Jahr 393 n.Chr. zur römischen Staatsreligion erklärt wurde, erhielten die heidnischen Feste der römischen Mythologie eine neue christliche Bedeutung, um die Menschen wahrscheinlich behutsam an die neue Religion und das damit verbundene Brauchtum zu gewöhnen.

Solche kulturelle Assimilation hat den Vorteil, dass durch die bereits bestehenden Bräuche, welche fortan eine andere Symbolik erhielten, das Volk mitgenommen und allmählich in die neue Kultur eingeführt wurde, wodurch der Kulturwandel nicht aufgezwungen werden musste, dadurch langfristig Bestand hatte und Unruhen vermieden werden konnten.

Im Neuen Testament und im Alten Testament der Bibel wird Jesus Geburtsjahr nicht erwähnt, wurde stattdessen in der Antike rekonstruiert bzw. zurückgerechnet. Seitdem gilt das Geburtsjahr des Jesu von Nazareth als Zeitenwende in der christlichen Zeitrechnung. Die Jahre vor seiner Geburt werden deshalb als „vor Christus“ und die Jahre danach als „nach Christus“ markiert. Da das Geburtsjahr erst 400 Jahre nach seiner Geburt rekonstruiert wurde, kam es zu Fehlern bei der Rückrechnung- weshalb das eigentliche Jahr seiner Geburt nicht das Jahr 1 (Zeitenwendenjahr) ist, sondern auf die Jahre zwischen 7 und 4. v.Chr. fällt.

Im Neuen Testament, welches von Jesus Anhängern nach seinem Tod geschrieben wurde, existieren zur Geburt einige Fakten, welche das Geburtsjahr belegen sollen. Diese dienten den Wissenschaftlern der Antike als Rückrechnungsgrundlage. Allerdings wurden durch spätere Historiker einige Widersprüche festgestellt. Demnach soll Jesus geboren worden sein, als Herodes der Große in Judäa (heutige Israel) regierte. Herodes starb allerdings im Jahr 4 v.Chr., weshalb Jesus Geburt spätestens auf das Jahr 4 v.Chr. datiert wird.

Judäa war zu Lebzeiten Jesu eine römische Provinz und eine angeordnete Volkszählung des römischen Kaisers Augustus soll die Eltern von Jesus veranlasst haben, nach Bethlehem zu reisen. Denn diese Volkszählung sollte im Familienhaus des Vaters stattfinden, weshalb Josef mit seiner schwangeren Ehefrau Maria an seinen Heimatort zurückreiste.

Aber derartige Volkszählungen aus der Zeit vor dem Jahr 4 v.Chr. sind nicht historisch belegt, weshalb man annimmt, dass die Urchristen diese Geschichtsdarstellungen erfunden haben, um den Umzug nach Bethlehem erklären zu können.

Mit Hilfe des Sternes von Bethlehem, welcher in der Geburtsgeschichte des Jesu erwähnt wird, sollte das historische Geburtsjahr ebenfalls rekonstruiert werden. Allerdings waren in den Jahren zwischen 7 und 4 v.Chr. verschiedene Himmelsobjekte am Sternenhimmel sichtbar, welche als Erzählmotiv gedient haben können. Deshalb gilt auch diese Rekonstruktionsweise als unwissenschaftlich.

Weihnachtsgeschichte als Geburtsgeschichte des Jesu von Nazareth

Die Weihnachtsgeschichte wird in der Bibel im Lukasevangelium (3. Buch des Neuen Testaments) und im Matthäusevangelium (1 . Buch des Neuen Testaments) erzählt. Die 4 Evangelien sind Zeugnisberichte, welche wohlmöglich die Anhänger des Jesu nach seinem Tod verbreitet haben. Demnach beruhen die Geschichten in beiden Evangelien auf Nacherzählungen, um die Geburt des Jesu von Nazareth als ein Wunder im Christentum zu etablieren.

Beide Geschichten beschreiben, dass Josef und Maria lediglich verlobt gewesen seien. Da beide nicht verheiratet waren, fand zwischen beiden auch kein Geschlechtsverkehr statt. Maria erhält von einem Engel die Offenbarung, dass sie ein Kind gebären wird. Es sollte sich demnach um eine Jungfrauengeburt handeln, wonach der Heilige Geist dieses Kind gezeugt und empfangen hat.

Josef selbst ist ein Nachkomme des Königs Davids. Dieser König wird im Alten Testament, also dem Teil – welcher von Juden und Christen gleichermaßen als Grundlage des Glaubens betrachtet wird, erwähnt. König David konnte die 12 Stämme Israels vereinen und gilt somit als Herrscher der Israeliten (Juden und Samariter).

Nach Davids Tod trat dessen Sohn, König Salomon, die Nachfolge an. Mit dessen Tod spaltete sich das Gesamtreich in ein Nordreich Israel und ein Südreich Israel auf. Seit dem Zerfall hatte das Gebiet verschiedene Besatzer gehabt, welche in die Region eingefallen sind, die Bevölkerung unterwarfen und die Kultur unterdrückten. Zu den Besatzern zählten die Babylonier, die Perser, die Diadochen oder die Römer.

Im Alten Testament wird erwähnt, dass ein Nachfahre Davids kommen und das Reich wieder zusammenführen wird. Zur Zeit Jesus von Nazareth war dieses Gebiet eine römisch kontrollierte Provinz mit dem Namen Judäa, abgeleitet vom Königreich Juda – welches einst David einte.

Die Geburtsgeschichte des Jesu greift diese historische Darstellung auf und verknüpft diese mit der passenden Prophezeiung des Christentums. Neben der Engelsverkündung, Josefs Abstammung, der Jungfrauengeburt wird auch die Symbolik, welche von der Geburt Jesus ausgeht, in beiden Evangelien gleich betrachtet. Demnach ist Jesus der Messias bzw. Erlöser, ein Nachkomme Davids, welcher die 12 Stämme Israel wieder vereinen wird. Außerdem soll er der Sohn Gottes sein, welcher den Auftrag Gottes für die Israeliten und aller anderen Menschen erfüllen wird.

Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium

Laut der Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium soll Kaiser Augustus eine Volkszählung in den römischen Provinzen Syria (heute Syrien) und Judäa (heute Israel) veranlasst haben. Deshalb sollte sich jede Familie in den Heimatort des Familienvaters begeben. Josef und seine schwangere Frau Maria begaben sich daraufhin nach Bethlehem, in die Heimat von Josefs Vater.

Als sie dort ankommen, wollen Maria und Josef bei den Verwandten unterkommen. Doch das Haus ist bereits voll und deshalb weichen sie vermutlich in einen Stall aus. Dort bringt Maria ihren Sohn zur Welt, welcher in einen Trog gebettet wurde. Dieser Futter- oder Wassertrog war ursprünglich für das Vieh gedacht, wodurch die Vermutung hergestellt wurde, dass Jesus in einem Stall zur Welt kam. Allerdings wird im Neuen Testament von einer Herberge gesprochen, was auf ein Zimmer in einem Gasthaus schließen lässt. Einzig die Krippe, welche wahrscheinlich zusätzlich hineingestellt wurde, da keine anderes Babybett vorhanden war, stellt den Bezug zum Stall her.

Hirten, welche in der Nähe lagern, erhalten die Botschaft eines Engels, dass soeben der Messias geboren wurde. Die Messiasprophezeiung ist Bestandteil des Alten Testaments, also dem Teil der Bibel – welcher von Juden und Christen gleichermaßen genutzt wird. Demnach soll ein Erlöser (Messias) geboren werden, welcher der irdische Nachfolger des verstorbenen Königs David ist. Dieser soll das verloren Volk Israel wieder vereinen, die Fremdherrschaft in Judäa beenden und die Region wieder zu einem Königreich der vereinten Israeliten machen.

Christen glauben, dass Jesus von Nazareth diese Erlöser ist. Im Judentum wartet man immer noch auf den Erlöser, weshalb sich christusgläubige Anhänger des Judentums abspalteten und das Christentum als neue Religion ausrufen sollten. Nachdem die Hirten von der Botschaft erfahren haben, eilten sie zur Stelle der Geburt und huldigen dem Kind.

Weihnachtsgeschichte im Matthäusevangelium

Die Weihnachtsgeschichte des Matthäus führt die „Heiligen drei Könige“ und den „Stern von Bethlehem“ bzw. auch als Weihnachtsstern bezeichnet, in die Geburtsgeschichte ein. Demnach wird das Jesuskind von Sterndeutern bzw. Magiern oder Hellsehern aus dem Osten aufgesucht, welche durch das Sternbild des Weihnachtssterns zum Kind geführt wurden. Diese huldigen das Kind, sprechen davon – dass der König der Juden geboren wurde, und überbringen Geschenke.

Bevor die Heiligen Könige jedoch Jesus aufsuchen, fragen sie in Bethlehem nach – wo der Messias geboren ist. Der damalige Herrscher Herodes, welcher vom Römischen Reich als Herrscher in Judäa eingesetzt wurde – erfährt davon, dass der König der Juden geboren worden sein soll. Dieser Rivale könnte seinen Herrschaftsanspruch gefährden, weshalb alle männlichen Kleinkinder in Bethlehem ermordet werden sollen. Um dem Kindermord in Bethlehem zu entgehen, fliehen Josef und Maria mit ihrem Sohn nach Nazareth.

Kindheit und Jugend des Jesu von Nazareth

Aufgrund der Kindermorde in Bethlehem flohen die Eltern nach Nazareth, einer Stadt in der Region Galiläa, welche sich im Norden Israels befindet. Doch Jesus sollte als Wanderprediger später wieder in den Süden ziehen, um in Jerusalem (heute: Hauptstadt Israels) zu predigen.

Jesus gilt, je nach Auslegung, entweder als einziger Sohn der Maria oder als ihr erster Sohn. Am achten Tag nach seiner Geburt wurde Jesus beschnitten. Nach der Taufe von Jesus wird Josef in den Evangelien nicht mehr erwähnt, da er wahrscheinlich früh gestorben ist.

Die Zehn Gebote der Bibel sind bereits im Alten Testament enthalten und demnach Grundlage im Judentum und Christentum zugleich. Das vierte Gebot lautet, Mutter und Vater zu ehren. Da Jesus selbst Jude war, als solcher erzogen wurde – sollte er als ältester bzw. einziger Sohn für den Unterhalt der Sippe sorgen und die Familie nicht entehren.

Sein Leben als Wanderprediger, welches er später weit weg von seiner Mutter lebte, hätte demnach ein Verstoß gegen das vierte Gebot bedeutet. Doch im Markusevangelium ist folgender Satz von Jesus enthalten: „Durch keine Gelöbnisformel dürfe man sich der Unterhaltspflicht gegenüber den Eltern entziehen“. Demnach stellte er sich selbst nicht über das vierte Gebot. Bei seiner Kreuzigung soll er die Fürsorgepflicht für seine Mutter an einen seiner Jünger weitergegeben haben.

Geschwister von Jesus

Weiterhin werden 4 Brüder von Jesus erwähnt, welche in den Evangelien des Neuen Testaments namentlich genannt werden. Diese hießen Jakobus, Joses (oder Josef), Simon und Judas. Neben den Brüdern erwähnen die Evangelisten auch Schwestern, allerdings verschweigen sie die Namen.

In der katholischen Kirche, welche an der Jungfräulichkeit der Maria festhalten, wird die These – dass die Mutter von Jesus weitere Kinder gehabt haben soll, abgelehnt. Stattdessen wird gelehrt, dass Josef, bevor er Maria traf – ein Witwer war. Die Kinder stammen demnach aus Josefs erster Ehe. Im 4. Jahrhundert bezeichnete der Kirchengelehrte Hieronymus die Auslegung über weitere leibliche Kinder der Maria als eine Beleidigung an Gott.

In der protestantischen Kirche gehen die Meinungen der Theologen auseinander, was die Geschwister Jesu betrifft. Einige halten daran fest, dass die Geschwister des Jesu entweder Vetter und Cousinen oder ausschließlich Kinder des Josefs waren. Andere Theologen vertreten die Meinung, dass Maria weitere Kinder neben Jesus gehabt haben kann.

Nach Jesus Kreuzigung bildeten seine Mutter und einige Brüder einen Teil der christlichen Urgemeinde. Bruder Jakobus wurde später sogar der Leiter der Gemeinde.

Sprachen

Die Sprache des Alten Testaments ist hebräisch, welche im Altertum in der Region Palästina auch gesprochen wurde. Im 6. Jahrhundert v.Chr. wurde die Region durch Babylonier angegriffen.

Der erste Angriff auf Jerusalem war am 16. März 597 v. Chr. durch den babylonischen König Nebukadnezar II.. Dieser Zeitpunkt stellt den Beginn des sogenannten Babylonischen Exils innerhalb der jüdischen Geschichte dar, als die Juden in Babylon einzogen, dort im Exil lebten und sich die Kulturen und Sprachen mischten.

Die aramäische Sprache hielt Einzug in die jüdische Gemeinde Babylons. Und als Babylonien im Jahr 539 v. Chr. durch den Perserkönig Kyros II. erobert wurde, verließen die Juden ihr Exil wieder und kehrten nach Jerusalem zurück. Fortan wurde in Palästina auch Aramäisch gesprochen.

Jesus von Nazareth sprach Aramäisch, was einige Jesuszitate im Neuen Testament belegen. Außerdem war diese Sprache in vielen Regionen des Mittelmeerraums zur Alltagssprache der Menschen geworden. Da aber die Region Judäa in den Jahren 39 bis 37 v.Chr. durch Herodes dem Großen erobert wurde, welcher ein Vasallenkönig des Römischen Reiches war, wurde Jerusalem zur römischen Provinz. Die allgemeine Verkehrssprache war in den römischen Provinzen Koine, eine griechische Sprache mit Dialekten. Ob Jesus diese Sprache beherrschte, ist ungewiss.

Bildung

Jesus soll, laut der Bibel, als Zwölfjähriger im Tempel gewesen sein und dort mit den Predigern über die Auslegung der Tora, dem hebräischen Teil des Alten Testaments, gesprochen haben. Demnach muss der Junge auch das Lesen beherrscht haben. Allerdings wird angenommen, dass das Neue Testament lediglich einen Hinweis auf die ausgeprägten Bibelkenntnisse von Jesus geben wollte. Im Johannesevangelium des Neuen Testaments wird eine Geste erwähnt, bei der Jesus etwas auf den Boden schreibt oder zeichnet.Da aber Kinder aus ärmeren Familien der Zugang zu Bildung und zum Lesen und Schreiben versagt blieb, ist davon auszugehen, dass Jesus die Fertigkeiten nicht beherrschte.

Im Lukasevangelium (Lk 2,46 f.) wird lediglich auf seine Bibelfertigkeit hingewiesen. Im Johannesevangelium (Joh 7,15) fragen sich die Zuhörer seiner Predigten, wie er die Schrift verstehen und auslegen kann, da er diese nicht gelernt hat. Jesus entgegnete den Fragenden, dass sie nachlesen sollen. Diese Lesefertigkeit wird auch im Markusevangelium (Mk 2,25) und im Matthäusevangelium (Mt 12,5) angeführt.

Ausbildung und Beruf

Josef, der Vater von Jesus, soll ein Bauhandwerker gewesen sein. Im Matthäusevangelium (Mt 13,55) wird sein Beruf als Tekton benannt. Ein Tekton war zur damaligen Zeit ein Baumeister, Architekt oder irgendein anderer Bauhandwerker. Üblich war es, dass der Sohn den gleichen Beruf erlernte wie der Vater. Im Markusevangelium (Mk 6,3) wird dieser Beruf auch für Jesus angeführt und irreführend als Zimmermann übersetzt. Im Lukasevangelium (Lk 5,1) und im Johannesevangelium (Joh 21,4) werden allerdings auch Belege angeführt, dass Jesus auch ein Schäfer (Hirte), Bauer oder Fischer gewesen sein könnte.

Taufe durch Johannes

Jesus öffentliches Auftreten und Wirken als Prediger begann mit seiner Taufe durch Johannes dem Täufer, welche wohl in Bethanien (Palästina) am Flussufer des Jordans stattfand.

Johannes der Täufer war ein jüdischer Bußprediger, welcher zwischen 5 v.Chr. und 30 n.Chr. lebte. Ab dem Jahr 28 n.Chr. trat er öffentlich in Galiläa (im Norden Israels) und in Judäa auf, wo er auch mit Jesus in Kontakt kam. Johannes gilt als Prophet der Endzeit und Wegweiser des Jesu, welcher durch die Taufe zu seinem Anhänger wurde.

Laut dem Johannes sollte der Weltuntergang bevorstehen. Die Zeit vor dem Untergang wird als Endzeit bezeichnet, in welchem der Erlöser erscheinen wird. Johannes gilt im Islam als drittletzter Prophet vor Jesus (Īsā ibn Maryam) und Mohammed.

Neben Jesus hatte Johannes weitere Anhänger, welche er taufte. Das Taufritual bestand darin, dass der Kopf des Getauften unter Wasser gedrückt wurde. Dadurch sollten Altlasten, wie Sünden oder sonstige Verfehlungen, abgewaschen werden – wodurch eine innere Umkehr und anschließende Reue, Buße und Versöhnung mit Gott und der Menschheit stattfinden kann.

Laut Johannes stehe das Reich Gottes bevor und nur die Umkehrer werden verheißungsvoll empfangen. Alle Menschen müssten sich im bevorstehenden Gottesreich vor einem Endgericht, auch Jüngste Gericht genannt, bekennen – wo dann über die Seele des Einzelnen gerichtet wird.

Im Christentum wurde die Idee des Johannes übernommen. Alle Lebenden und Toten müssten sich dem jüngsten Gericht stellen. Dort wird dann entschieden, ob jemand ins Himmel– oder Gottesreich oder in die ewige Verdammnis (später Hölle) einkehren muss. Die Christen glauben, dass sie sich durch die Taufe mit Gott verbinden, wodurch sie in den Himmel bzw. ins Reich Gottes aufgenommen werden.

Und da Jesus von Nazareth die Johannestaufe erhielt, die Sünden aller gläubigen Menschen aufgenommen hat und später am Kreuz starb – existiert im Christentum die Vorstellung, dass jeder Gläubige bereits befreit ist und ins Himmelreich einkehren darf. Durch die Verheißung nach Erlösung gewannen die Christen später zahlreiche Anhänger, da sie selbst keine Verantwortung mehr übernehmen mussten – weil diese bereits Jesus Christus für sie übernahm.

Die Vorstellungen des Totengerichts existierten schon im Alten Ägypten, in Babylon und anderen polytheistischen Religionen, wo nach dem Ableben eines Menschen über dessen Leben geurteilt wurde. Hat man ein Leben im Sinne der Götter geführt, darf man in ein Reich einkehren, welches Erlösung, Hoffnung oder Ähnliches verspricht. Bei einem Leben, welches nicht der Ethik und Moral der Götter entsprach, wurde diese Person in die Verdammnis geschickt.

In der nordischen Mythologie wird diese Pluralität durch Walhall und dem Reich der Hel ausgedrückt. In der römischen und griechischen Mythologie bilden Hades und Pluton zwei Götter der Unterwelt. In der Vorstellung der ägyptischen Götterwelt fand ein Totengericht durch die Götter statt. Dabei wurde das Herz des Toten gewogen, um festzustellen – wie er sein Leben bestritten hat. Als Gegengewicht zum Herzen befand sich eine Feder auf der Waage. Bestand der Tote die Prüfung der Waage, durfte er ins Jenseits übertreten. Bestand er diese Prüfung nicht, musste er in die Finsternis (Keku-semau) einkehren. Höchstwahrscheinlich übernahmen die Endzeitpropheten die Vorstellung des Totengerichts von den Polytheisten, deuteten diese allerdings auf das Himmelreich eines Gottes um.

Durch seine Prophezeiungspredigten ebnete Johannes somit den Weg für die Messiasdeutung im späteren Christentum bzw. kündigte einen möglichen Erlöser an. Jesus wurde am Jordan getauft und wurde dadurch selbst zum Anhänger des Johannes. Christen, welche heutzutage nicht Jesus – sondern Johannes als den eigentlichen Messias betrachten, werden als Mandäer bezeichnet. Die Johannesoffenbarungen, welche Teil der Apokalypse sind und als „Die Offenbarung Jesu Christi durch Johannes“ bezeichnet werden, stammen vom Apostel Johannes, welcher wiederum ein Anhänger von Jesus Christus war.

Kurz nach der Jesustaufe wurde Johannes der Täufer verhaftet. Die Hinrichtung erfolgte im Jahr 28/29 oder 30/31 durch Enthauptung. Der 29. August gilt heute als Ehrentag des Heiligen Johannes des Täufers. Grund für die Hinrichtung war höchstwahrlich die Angst davor, dass der Bußprediger zu viel Einfluss gewinnen könnte. Im Matthäusevangelium (Mt 14,3) und im Lukasevangelium (Lk 3,19) wird angeführt, dass Johannes die Ehe des galiläischen Herrschers Herodes Antipas mit seiner Zweitfrau Herodias kritisierte.

Jesus übernahm die Predigten des Täufers, dessen Aufforderung zur Umkehr und die Apokalypse als Motiv. Er wandte sich den Bedürftigen, den Schutzlosen und den Verfolgten zu. Während seiner Inhaftierung soll Johannes der Täufer zu Jesus gesagt haben: Bist du der, der kommen soll und sprach damit wahrscheinlich Jesus als den Messias an. Im Matthäusevangelium (Mt 11,2) wird geschildert, wie Johannes seine Jünger ausschickt, um Jesus diese Frage zu stellen.

Jesus Leben als Wanderprediger

Im Matthäusevangelium, Kapitel 10 (Mt 10,5), trägt Jesus seinen Jüngern auf, nach verlorenen Schafen des Hauses Israel zu suchen. Man nimmt deshalb an, dass er vor allem vor Juden predigte und Nichtjuden eher die Ausnahme blieben. Von Nazareth ausgehend, zogen er und die Jünger und die 12 Apostel in Nachbarorte, um ihre Mission zu bestreiten. Im Matthäusevangelium steht dazu:

„Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe.“ (Mt 10,7)

„Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ (Mt 10,8)

Im Matthäusevangelium (Mt 10, 16 ff) fordert er seine Jünger zu einem furchtlosen Bekenntnis auf, so dass sie weder Strafe noch Gericht fürchten und stattdessen weiter an der Mission festhalten. Zentrales Motiv der Mission war die bevorstehende Gottesherrschaft auf Erden und das Gerichtsfeuer (später Fegefeuer), welches mit dem Gottesgericht einhergehen sollte.

In einigen Botschaften Jesus wird die Herrschaft Gottes angekündigt, in anderen ist diese bereits Bestandteil der Gegenwart. Daraus ergaben sich in der theologischen Wissenschaft zwei Richtungen bzw. Konzepte.

  • Die futuristische Eschatologie (Endzeitkonzept) geht von einer Endzeit in der Zukunft aus.
  • Anhänger der präsentische Eschatologie glauben, dass die Endzeit zur Zeit des Jesu von Nazareth bereits gegenwärtig war und heute noch ist.

Im heutigen Vaterunser („Dein Reich komme“ und „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“) sind beide Konzepte, Gegenwart und Zukunft, enthalten.

Menschen, welche der Botschaft Jesus folgten, sich zur Umkehr und zu einem Leben mit Gott entschlossen, könnten der Bestrafung des Gottesgerichts entkommen. Doch anders als Johannes, welcher das Gottesgericht als plötzlich eintretendes Ereignis ansah, formulierte Jesus dieses als Prozess, welcher andauert. Die Umkehr und Zuwendung zu Gott verstand er als Einladung, um das eigene Leben zu retten. Im Matthäusevangelium (Mt 8,35) steht dazu:

„Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.“

Im Lukasevangelium steht dazu folgendes:

„Ich sage euch: Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen.“ (Lk 12,8)

„Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird auch vor den Engeln Gottes verleugnet werden.“ (Lk 12,9)

„Jedem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden; wer aber den Heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben.“ (Lk 12,10)

Die Prophezeiungen von Jesus richteten sich zuerst an Menschen, welche in Armut, Unterwerfung oder in Trauer lebten. Diesen versprach er eine Seligpreisung durch Gottes Herrschaft, welche als Lohn bzw. Ausgleich für die derzeitigen Notlage dienlich sein sollte. Ein Gebot der Tora sieht vor, dass Schuldengläubiger alle 50 Jahre auf ihre Forderungen verzichten und den Schuldnern ihre Schulden erlassen. Dieses sogenannte Erlassjahr war ein vergessenes Gebot, welches Jesus für die Endzeit versprach. Im Lukasevangelium steht dazu:

„Der Geist des Herrn ruht auf mir; / denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, / damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde / und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze“ „und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ (Lk 4,18 und Lk 4,19)

Die Juden litten unter der römischen Provinzialherrschaft, mussten Abgaben und Steuern für die römischen Verwaltung erbringen und waren einer systematischen Ausbeutung ausgesetzt. Die Predigten von Jesus zielten darauf ab, diese Menschen zu gewinnen, indem man Besserung im Gottesreich versprach. Die Akzeptanz im Gottesreich konnte nur durch die innerliche Umkehr und einer Zuwendung zu Gott erreicht werden.

Theologen nehmen an, dass die Reich-Gottes-Predigten darauf abzielen sollten, dass man Gott als Ordnungsmacht anerkennt, welche das Leid der Menschen beenden und ein neues Gesellschaftsmodell durchsetzen sollte. Demnach zielten die Predigten des Jesu nicht direkt auf eine bestimmte herrschende Klasse ab oder sollten ein neues Gesellschaftsmodell aushandeln. Stattdessen sollten die Botschaften im Menschen eine Erwartungshaltung wecken, wonach Gott diese neue Ordnung durchsetzen wird.

Die Wunder des Jesu von Nazareth

Im Neuen Testament werden diverse Wunder erwähnt, welche Jesus von Nazareth begangen haben soll. Diese Wundererzählungen sind fester Bestandteil der Bibel und trugen zur Legendenbildung bei, wodurch Jesus zur Symbolfigur des Christentums werden konnte. Man unterteilt die Wunder in verschiedene Kategorien:

  • Austreibung
  • Heilung
  • Gaben
  • Totenerweckung
  • Strafwunder

Jesus als Exorzist und Dämonenaustreiber

Im Markusevangelium wird berichtet, wie Jesus einen Mann von einem unreinen Geist befreite. (Mk 1,23 – 28). Dazu steht:

„In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes. Da befahl Jesus: Schweig und verlass ihn! Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei.“

Ähnliche Austreibungen und Exorzistenberichte finden sich auch in den Evangelien des Matthäus und des Lukas. Diese Austreibungen fanden in Galiläa und in Judäa statt, bevor Jesus seine Reise nach Jerusalem antrat. Viele Menschen litten an unheilbaren Krankheiten, welche heute als Geisteskrankheit verstanden werden, damals als Besessenheit durch einen Dämon interpretiert worden. Man ging davon aus, dass der Dämon durch den Menschen spricht, vollständig von ihm Besitz ergriffen hat und somit dessen Handeln und Verhalten steuerte. Laut den Berichten in den Evangelien trieb Jesus diese Dämonen aus und heilte die Menschen von ihrer Geisteskrankheit.

Jesus als Wunderheiler

Da Heilung immer mit der Vergebung von Sünden verbunden war, ist anzunehmen, dass viele Krankheiten auf einer geplagten Psyche beruhten. Durch die Überwindung der Sünde, indem man diese aussprach, Reue zeigte, Buße tat und Verzeihung bekam – wurde das Gewissen befreit, wodurch wohlmöglich Heilung eintrat. Im Markusevangelium (Mk 1,29 – 31) wird beschreiben, wie Jesus die Schwiegermutter des Apostels Petrus heilte. Dazu steht:

„Sie verließen die Synagoge und gingen zusammen mit Jakobus und Johannes gleich in das Haus des Simon und Andreas. Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie, und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr und sie sorgte für sie.“

In einigen Berichten wird Jesus Heilkraft als eine Art von Aura dargestellt, welche seinen Körper umgibt – dann auf den Berührten übergeht und diesen schließlich von seinem Leiden befreit. Diese Wunderheilungen waren vielfältig:

  • So konnten Blinde wieder sehen (Mk 8,22), (Mk 10,46) oder (Joh 9,1)
  • Gelähmte konnten wieder laufen (Mk 5,25), (Lk 5,17)

Die Fernheilung des Knechtes eines römischen Hauptmannes wird im Matthäusevangelium (Mt 8,5 – 13) beschrieben:

„Als er nach Kafarnaum kam, trat ein Hauptmann an ihn heran und bat ihn: Herr, mein Diener liegt gelähmt zu Hause und hat große Schmerzen. Jesus sagte zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Da antwortete der Hauptmann: Herr, ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst; sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund. Und zum Hauptmann sagte Jesus: Geh! Es soll geschehen, wie du geglaubt hast. Und in derselben Stunde wurde der Diener gesund.“

Geschenkwunder

Die Geschenkwunder, welche darin bestanden, dass Menschen – welche Hunger litten – durch Jesus mit Nahrung beschenkt wurden, – werden in den Evangelien des Johannes, des Markus und des Lukas erzählt. So soll Jesus mit 5 Broten und 2 Fischen mehr als 5000 Menschen gesättigt haben. Im Markusevangelium wird diese Geschichte als die Speisung der Fünftausend erwähnt (Mk 6,35 – 44)

„Gegen Abend kamen seine Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät. Schick sie weg, damit sie in die umliegenden Gehöfte und Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können. Er erwiderte: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Sollen wir weggehen, für zweihundert Denare Brot kaufen und es ihnen geben, damit sie zu essen haben? Er sagte zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Geht und seht nach! Sie sahen nach und berichteten: Fünf Brote und außerdem zwei Fische. Dann befahl er ihnen, den Leuten zu sagen, sie sollten sich in Gruppen ins grüne Gras setzen. Und sie setzten sich in Gruppen zu hundert und zu fünfzig. Darauf nahm er die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie sie an die Leute austeilten. Auch die zwei Fische ließ er unter allen verteilen. Und alle aßen und wurden satt. Als die Jünger die Reste der Brote und auch der Fische einsammelten, wurden zwölf Körbe voll. Es waren fünftausend Männer, die von den Broten gegessen hatten.“

Rettungswunder und Naturgewalt

Im Markusevangelium (Mk 4,35 – 41) wird ein Rettungswunder beschreiben, wonach Jesus den Sturm auf der See beendet haben soll.

„Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn. Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?“

Totenerweckung

Die Totenerweckung bzw. Auferstehung von den Toten findet sich in den Evangelien des Markus (Mk 5,21 ff), als Jesus die Tochter des Synagogenvorstehers Jaïrus von den Toten erweckt. Im Evangelium des Johannes wird die Auferstehung des Lazarus beschrieben (Loh 11,1 – 45). Im Lukasevangelium (Lk 7,11 – 17) wird ein Jüngling in Nain durch Jesus wiedererweckt und seiner weinenden Mutter übergeben. Diese Textstelle macht das Wunder deutlich:

„Einige Zeit später ging er in eine Stadt namens Naïn; seine Jünger und eine große Menschenmenge folgten ihm. Als er in die Nähe des Stadttors kam, trug man gerade einen Toten heraus. Es war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe. Und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie. Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht! Dann ging er zu der Bahre hin und fasste sie an. Die Träger blieben stehen und er sagte: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf! Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück.

Wirken und Anhängerschaft des Jesu

Die Anhänger Jesus werden als Jünger bezeichnet. Der Begriff bezieht sich auf alle Menschen, welche sich einer religiösen Persönlichkeit anschließen, dieser folgen und deren Lehre verbreiten. Jesus sprach sowohl weibliche als männliche Anhänger an und machte diese zu seinen Jüngern. Daraufhin verließen diese ihre Heimat, gaben ihren Beruf auf und entfernten sich von ihren Familien – um stattdessen mit dem Propheten zusammen das Reich Gottes zu verkünden. Die Jünger wurden von Jesus entsandt, um Kranken zu helfen, diese zu heilen, Armen und Hoffnungslosen Trost zu spenden oder Besessene von ihren inneren Dämonen zu befreien.

Jesusbewegung

Die Jesusbewegung begann vor dem Jahr 30 n.Chr., also vor dem Tod des Propheten. Nach seinem Tod verbreiteten allerdings die Jünger des Jesu von Nazareth seine Botschaften weiter. Der Theologe Gerd Theißen geht davon aus, dass diese Bewegung bis 70 n.Chr. in Syrien und Palästina andauerte.

Ziel der Jesusbewegung war es, dass Judentum zu erneuern, indem die Umkehr und das Reich Gottes gepredigt wurden. Durch die Schilderung der Wundertaten des Jesu von Nazareth, der praktizierten Nächstenliebe und Unterstützung für die Armen und Unterdrückten, sollten neue Anhänger gewonnen werden – wodurch sich die Jesusbewegung immer weiterverbreiten konnte.

Theißen stellt die These auf, dass die Bewegung einem Wanderradikalismus gleicht. Demnach sorgte ein instabiles Umfeld in Jerusalem, Galiläa und Judäa dafür, dass die Menschen sich nach Veränderungen sehnten. Die Botschaften des Jesu, welche das Reich Gottes mit verheißungsvollen Änderungen für alle Umkehrer vorsah, bot neue Hoffnung. Die Anhänger vertraten eine endzeitliche Rettungsabsicht, welche eine innere Motivation bot – trugen zudem keine Waffen und lehnten Gewalt ab. Dadurch fanden sie neue Anhänger, bereitwillige Umkehrer und materielle Unterstützer.

Bergpredigt und Neuauslegung der Heiligen Schrift

In einer Bergpredigt stieg Jesus auf einen Berg, gefolgt von seinen Jüngern und verkündete dort seine neue Lehre. Da Jesus selbst Jude war, verstand er sich im Einklang mit Gott – sobald er die Vorschriften der Heiligen Schrift (Tora) erfüllen würde. Allerdings musste die Umkehr und Zuwendung des Menschen zu Gott vorangetrieben und überarbeitet werden – weshalb die Gebote der Tora von Jesus anders ausgelegt worden. Seine Neuauslegung verkündete er bei der Bergpredigt vor seinen Jüngern.

Die Tora ist der erste Teil der hebräischen Bibel. Dieser Teil enthält die 10 Gebote, welche im Judentum und Christentum gleichermaßen umzusetzen sind, um ein Leben nach Gottes Vorbild zu führen. Allerdings hat Jesus einige Gebote der Tora anders ausgelegt. So wurde die Nächstenliebe mit der Gottesfurcht gleichgestellt und beide standen über allen anderen Geboten. Außerdem verkündete er, dass auch der Feind bei der Nächstenliebe eingeschlossen werden muss.

Einige Gebote wurden nachgeschärft. So das Verbot des Tötens, gegen das jemand bereits verstößt, sobald dieser einen anderen Menschen verflucht und diesem den Tod wünscht. Ehebruch begeht schon derjenige, welcher als verheirateter Mann eine andere Frau begehrt. Der generelle Verzicht auf Gewalt, Feindesliebe und Gnade waren ebenfalls Positionen, welche die Bergpredigt verkündete.

Im Zentrum seiner Predigt stand die Vergebung der Sünde, wodurch Feindesliebe oder Gnade erst möglich werden. Die Sünde ist eine Verfehlung gegen Gott, welche überwunden werden muss. Erst durch die Vergebung ist die Überwindung möglich. Eine Nichtüberwindung der Sünde zieht weitere Sünden an sich, wodurch die Verfehlung gegenüber Gott weiter zunimmt. Jesus fühlte sich zu allen Sündern hingezogen, da gerade die es waren, welche seine Hilfe am meisten benötigten. Diese Lehre und Ansicht gab er ebenfalls an seine Jünger weiter.

Apostel

Neben der großen Schar an Jünger, welche permanent hinzugewonnen wurden und aus Männern und Frauen bestanden, gab es einen engeren Kreis um Jesus von Nazareth. Dieser enge Vertrautenkreis bestand aus 12 Aposteln bzw. die 12 Boten. Anders als die Jünger, welche vornehmlich den Armen und Kranken halfen und dabei Jesus Werk verrichteten, waren die Apostel allesamt Missionäre mit Botschaften, welche verbreitet werden sollten.

Die Anzahl von 12 Vertrauten ist den Testamenten der zwölf Patriarchen entlehnt, welche die Söhne des Jakobs waren und als die Urväter der 12 Stämme Israels gelten. Aus diesen 12 Stämmen ging das Volk der Israeliten hervor und deren Wiedervereinigung ist wesentlicher Bestandteil der hebräischen Bibelerzählung. Da Jesus später zum Messias erhoben wurde, welcher das Volk Israels vereinen würde, war die Zahl der 12 Apostel wahrscheinlich nicht willkürlich gewählt wurden.

Die 12 Boten des Jesu wurde aus der Schar der Jünger erwählt. Diese wurden von Jesus direkt beauftragt, mit einer Mission versehen, um sein Wort zu verkünden. Anders als die Jünger waren Apostel allesamt Männer.

  • Matthäus, Lukas und Johannes sollten später die Evangelien schreiben, welche Teil des Neuen Testaments sind und das Leben und Wirken des Jesu von Nazareth nacherzählen.
  • Judas Iskariot wird Jesus verraten, was zu dessen Kreuzigung führen sollte.
  • Die andere Apostel waren: Simon Petrus, Andreas, Jakobus, Thomas, Philippus, Bartholomäus, Thaddäus und Simon Zelotes

Die Apostel wirkten nach Jesus Tod stellvertretend für ihn weiter und bewirkten, dass die Jesusbewegung auch ohne den Propheten fortbestehen konnte.

Gegner, Kritiker und Feinde von Jesus

Die Neuauslegung der religiösen und gesellschaftlichen Ordnung rief Feinde und Kritiker auf, welche an den bestehenden Ordnungsprinzipien festhalten wollten, da diese Prinzipien deren Machtgrundlage waren. Unter den Kritiker befanden sich Juden, welche mit der Neuauslegung und Reformation des bestehenden Judentums nicht einverstanden waren. In größeren Städten sahen Priester durch die Jesusbewegung die eigene Anhängerschaft schwinden. Herodianer, also die Nachkommen des Herodes, sahen ihren Herrschaftsanspruch durch Jesus Reformbewegung in Gefahr.

Jesus und die pharisäischen Juden

Die Pharisäer waren eine jüdische Strömung der Antike, welche sich als Gelehrte der Tora verstanden, diese selbst auslegten und predigten. Laut dem britischen Judaist Hyam Maccoby standen sich Jesus von Nazareth und die Pharisäer sehr nahe, führten Diskussionen über die Torauslegung und profitierten vom gemeinsamen Erkenntnisgewinn durch den anderen.

Im Neuen Testament werden die Pharisäer allerdings ausschließlich als Kritiker von Jesus und seiner Bewegung gesehen und dargestellt. Besonders die Sündenvergebung steht im Mittelpunkt ihrer Kritik. Laut dem Neuen Testament glaubte Jesus, dass die Pharisäer zwar die Gebote predigten und diese – gemäß des Gesetzestextes – auch anwendeten. Aber die höhere Bedeutung der Gebote haben die Pharisäer nicht verstanden. Deshalb wird das Wort Pharisäer in der deutschen Sprache auch als Schimpfwort gebraucht – welches einen Menschen beschreibt, der Dinge predigt, sie selbst aber nicht tut. Ein Synonym zum Pharisäer ist der Heuchler, wodurch die Toragelehrten herabgewürdigt werden.

Neben der Sündenvergebung übten die Pharisäer aus Kritik daran, dass Jesus die Nächstenliebe und Feindesliebe praktiziere. Zu den Gepflogenheiten Jesus zählte die Tischgemeinschaft, wonach jeder Platz an seinem Tisch hatte und mit ihm speisen durfte. Anhänger der Pharisäer warfen ihm vor, mit Sündern und Zöllnern (Steuereintreibern) zu speisen. Sie missbilligten seine Feiern und gesellschaftlichen Zusammenkünfte mit den Jüngern, weshalb sie Jesus als „Fresser und Weinsäufer“ herabwürdigten.

Im Judentum ist der siebente Tag der Woche als Ruhetag vorgesehen. Der Sabbat, wie dieser Wochentag bezeichnet wird, gilt als heilig. An diesem Tag dürfen keine Tätigkeiten verrichtet werden, was eine Anlehnung an Gott und die Schöpfung ist. Denn Gott erschuf die Erde, dessen Wesen und Leben an sechs Tag und der siebente Tag diente der Ruhe. Die Pharisäer hielten an diesem Gottesgebot fest und kritisierten, dass Jesus auch Wunderheilungen am Sabbat vornahm. Wurde der Sabbat vorsätzlich gebrochen, sollten die Verbrecher gesteinigt werden. Im Alten Testament, im Buch Exodus Kapitel 31 steht dazu Folgendes:

„Darum haltet den Sabbat; denn er soll euch heilig sein. Wer ihn entweiht, soll mit dem Tod bestraft werden. Denn jeder, der an ihm eine Arbeit verrichtet, soll aus seinen Stammesgenossen ausgemerzt werden.“

Und als Jesus seinen Jüngern die Erlaubnis erteilte, den Sabbat zu brechen, sahen dies die Pharisäer als offene Provokation. Sie glaubten, dass sich der einfache Wanderprediger aus Nazareth über Moses und Abraham stelle.

Laut dem Markusevangelium planten die Pharisäer den Tod des Jesu und verschwören sich deshalb mit den Heriodianern, welche die Herrschaftsordnung, die seit Herodes dem Großen herrschte, erhalten wollten. Dazu steht im Evangelium des Markus (Mk 3,6):

„Da gingen die Pharisäer hinaus und fassten zusammen mit den Anhängern des Herodes den Beschluss, Jesus umzubringen.“

Unter Historikern und Theologen nimmt man heute an, dass die endgültige Rivalität zwischen den Pharisäer und den Christen erst nach dem Tod von Jesus entstand. Denn nach der Tempelzerstörung durch die Römer im Jahr 70 n.Chr. übernahmen die Pharisäer eine Führungsrolle im Judentum, wodurch sie sich stärker von der konkurrierenden Religion unterscheiden, ihre eigenen Merkmale und Gebote herausstellen, sowie die Konkurrenz durch Fehlerzuschreibungen herabsetzen mussten. Das Markusevangelium, welches zwischen 66 und 73 n.Chr. entstand, griff wahrscheinlich diese Rivalität ebenfalls auf und nutzte die Jesusdarstellung dazu, die Pharisäer als Heuchler und Verschwörer darrzustellen.

Jesus, Herodes und die Herodianer

Herodes der Große starb im Jahr 4 v.Chr.. Nach dem Tod des Königs erbten seine Nachfahren das Gebiet, nannten sich selbst ebenfalls Herodes- wodurch dieser Name zum Titel einer Dynastie und dem damit verbundenen Herrschaftsanspruch wurde.

In der Jesusgeschichte gilt Herodes als Urrivale des Jesu, welcher bereits zu dessen Geburt den Tod des Kindes suchte und deshalb die Kindermorde in Bethlehem anordnete. Die Kindermorde und die Weihnachtsgeschichte entstammen dem Neuen Testament, werden von Historikern mehr als angezweifelt und sind wahrscheinlich reine Fiktion. Dennoch gab es eine Rivalität zwischen Jesus und den Herodianern, welche sich allerdings erst im Erwachsenenalter des Jesu ergab.

Herodes der Große, Begründer der Herodes-Dynastie, war Idumäer und stammte aus einer Gegend südlich von Judäa. Während des Einfalls der Parther in Judäa im Jahr 40 v.Chr. konnte Herodes nach Rom fliehen, wo er zum Vertrauten des Feldherrn Marcus Antonius wurde. Dieser hatte Einfluss auf den damaligen Kaiser Augustus, welcher Herodes zum König über Judäa erklärte. Somit genoss er bereits den Titel über das Reich, hatte allerdings noch nicht das Staatsgebiet erobert. Mit Roms Unterstützung reiste Herodes nach Judäa zurück und eroberte im Jahr 37 v.Chr. Jerusalem und beendete so die Herrschaft der jüdischen Hasmonäer.

Fortan stand Judäa unter römischen Einfluss und Herodes war lediglich ein Vasallenkönig Roms. Nach dem Tod des Vasallenkönigs (4 v.Chr.) wurde das Herrschaftsgebiet durch den römischen Kaiser Augustus aufgeteilt. Herodes soll 15 Kinder gehabt haben, darunter auch Antipater – welcher kurz vor des Vaters Tod noch eigene Umsturzpläne verfolgte und deshalb von Herodes selbst noch hingerichtet wurde. Die verbliebenen Söhne des Herodes, mit den Namen Herodes Antipas, Herodes Archelaos und Herodes Philippos erhielten stattliche Herrschaftsgebiete – welche ihnen Kaiser Augustus zuwies. Das Haupterbe trat, auf Augustus Wunsch hin, Herodes Archelaos an und wurde zum Ethnarchen über Judäa.

Andere Söhne, wie Herodes Boethos, wurde eine Teilhabe zur Verschwörung des Antipaters nachgewiesen. Im Falle des Boethos wusste dessen Mutter Mariamne von den Umsturzplänen des Antipaters, weshalb diese vom Hof gejagt wurde. Ihr Sohn Boethos wurde enterbt, verlor sämtliche Ansprüche auf das Herodes-Reich und wurde bei der Gebietsaufteilung durch Augustus nicht berücksichtigt.

Bereits zur Herrschaftszeiten von Herodes dem Großen wurde das einfache Volk ausgebeutet. Denn geschichtlich bekannt wurde Herodes auch durch seine Pracht- und Tempelbauten, welche hohe Steuerabgaben einforderten, weshalb es immer wieder zu Aufständen durch die jüdische Bevölkerung kam. Nun wurde Judäa unter seinen Nachfolgern aufgeteilt und stand eindeutig unter römischer Kontrolle. Die Herodianer durften sich nicht König von Judäa oder König der Juden nennen, unterstanden selbst einem römischen Präfekten, welcher die alleinige Weisungsbefugnis in der Provinz innehatte.

Herodes Antipas (20 v.Chr. bis 39 n.Chr.), welcher der Tetrarch (Teilfürst) über Galiläa wurde, heirate Herodias – die Ehefrau oder Verlobte seines enterbten Bruders Boethos. Deshalb verstieß Antipas seine erste Ehefrau, welche Tochter des Nabatäerkönigs Aretas war. Es fand somit ein doppelter Ehebruch statt, welchen die jüdische Bevölkerung – bei denen die Ehe heilig war – nicht akzeptieren wollte.

Johannes der Täufer, welcher durch seine Umkehrpredigten bekannt war, kritisierte die Eheschließung öffentlich in seinen Predigten. Daraufhin ließ ihn Antipas verhaften und anschließend hinrichten. Im Matthäusevangelium wird die Verhaftung und Enthauptung des Täufers im Kapitel 14 Vers 3 bis 12 erzählt. Und da Jesus von Nazareth als Anhänger des Täufers bekannt war, wurde auch dieser verfolgt. Im Lukasevangelium wird diese Verfolgung im Kapitel 13 Vers 31 beschrieben:

„Zu dieser Zeit kamen einige Pharisäer zu ihm und sagten: Geh weg, verlass dieses Gebiet, denn Herodes will dich töten.“

Im Evangelium des Markus wird erzählt, dass die Pharisäer und die Herodianer gemeinsam den Tod von Jesus beschlossen haben (siehe oben). Laut dem Matthäusevangelium (Mt 14,13) besuchte Jesus fortan keine Städte mehr in Galiläa – da er Antipas Regentschaft dort ablehnte und sich vor dessen Verfolger schützen wollte. Laut dem Lukasevangelium (Lk 23,6 ff) wurden Herodes Antipas und Pontius Pilatus später zu Verbündeten, da beide die Absicht verfolgten, Jesus zu inhaftieren und hinzurichten.

Jesus und die Hellenistischen Templer

Die Tempelanlagen in Jerusalem wurden mehrfach zerstört, durch die Jahrhunderte von wechselnden Fremdbesatzern immer wieder entweiht und schließlich begann in den Jahren zwischen 21 und 19 v.Chr. ein Neuaufbau, initiiert durch Herodes den Großen. Der Herodianische Tempel wurde schließlich zur größten Tempelanlage im antiken Mittelmeerraum.

Zu dieser Zeit wurde der Tempel von den Sadduzäern geführt. Diese Tempelaristokraten sahen sich selbst als Erben der Leviten, denen allein es gestattet war, über den Tempeldienst zu verfügen. Sie stellten den Hohepriester, welcher durch den römischen Präfekten ein- und abgesetzt wurde. Ihre Einnahmen erhielten sie aus Tempelsteuern – zu denen die jüdische Bevölkerung verpflichtet wurde. Außerdem unterhielten sie eine Tempelgarde, welche selbst Waffen trug und Vergehen am Tempelkult maßregeln sollte.

Durch die Gabe von Opfern konnten sich Menschen von der Sünde lossagen und sich mit Gott versöhnen. Laut Jesus von Nazareth war dafür lediglich Umkehr, Reue und Buße notwendig. Außerdem ordnete er die Opfergabe der Niederlegung von Streitigkeiten unter, was die Templer scharf kritisierten. Im Evangelium des Matthäus steht dazu:

„Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.“

Bei Jesus Einzug in Jerusalem griff er den Tempelkult der Sadduzäer an und verhinderte, dass Opfergaben erbracht werden konnten. Daraufhin planten die Hohepriester seinen Tod und spannten dafür Judas, einen Vertrauten des Jesu, ein.

Jesus Reise nach Jerusalem

Die Reise und der Einzug in Jerusalem wird als Befreiung des jüdischen Volkes durch die römische Fremdbesatzung verstanden. Seine Schar von Jüngern sammelte Jesus, bevor er in Jerusalem einkehrte. Auch die meisten Wunder wurden in Galiläa und Judäischen Gebieten außerhalb Jerusalems gewirkt.

Für die Reise nach Jerusalem wurde ein Waffenkauf gebilligt, um sich vor möglichen Angriffen durch die Römer und die Herodianer zu schützen. Das Lukasevangelium beschreibt dies in Kapitel 22 Vers 36:

„Da sagte er: Jetzt aber soll der, der einen Geldbeutel hat, ihn mitnehmen und ebenso die Tasche. Wer aber kein Geld hat, soll seinen Mantel verkaufen und sich dafür ein Schwert kaufen.“

Jesus Einzug in Jerusalem

Jesus zog einige Tage vor dem Pessach in Jerusalem ein. Das Fest gehört zu den wichtigsten Feiertagen im Judentum, erinnert an die Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei (Exodus), wodurch Gott das Volk Israels zu seinen Partnern wählt (auserwählte Volk) und die Geschichte Israels beginnt.

Laut dem Markusevangelium (Mk 11,1 – 11) ritt Jesus mit einem Esel in Jerusalem ein, wurde von seiner Jüngerschar begleitet und von Pilgern mit Jubelschreien begrüßt. Der Eselritt steht als biblisches Symbol für den Propheten und Friedenskönig Sacharja, welcher auf einem Esel beritten, aus dem Babylonischen Exil kommend, nach Jerusalem einkehrte. Im Zwölfprophetenbuch des Tanach wird Sacharja als ein Prophet angeführt. Der Esel steht als Symbol für einen armen, mittellosen, nicht bewaffneten und gerechten Herrscher – welcher die Kriegswaffen abschaffen und vernichten sollte.

Der Völkerfrieden sollte durch den Einzug von Jesus in Jerusalem einkehren. Und die jüdische Pilgergemeinde, welche aufgrund des Pessachfestes in der Stadt war, hoffte, dass der Messias das Reich Davids wiederherstellen würde, die Zwölf Stämme Israels wieder vereinen würde und die fremde Besatzungsmacht (Römer) vertrieben werden würde. Die Jubelrufe zur Begrüßung Jesus werden in allen 4 Evangelien geschildert.

  • Mk 11,1–10: „Gelobt sei das Reich unseres Vaters David, das da kommt!“
  • Mt 21,9: „Hosianna dem Sohn Davids!“
  • Lk 19,38: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn!“
  • Joh 12,13: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!“

Kritik an der Obrigkeit des Tempelkultes

Einen Tag nach seinem Einzug in Jerusalem stellte sich Jesus offen gegen die Sadduzäer und deren Opferkult. Laut dem Markusevangelium vertrieb er Händler und Geldwechsel aus den Tempelanlagen und den Vorhöfen. Die Händler verkauften Opfergaben und die Templer nahmen Tempelsteuern ein, um kollektive Tieropferungen darzubieten. Jesus stieß die Stände um, sperrte das Gebiet ab und ließ nicht zu, dass weitere Opfermittel durch den Bereich transportiert werden könnten. Im Markusevangelium, Kapitel 11 Vers 15 ff, wird dies als Tempelreinigung bezeichnet.

„Dann kamen sie nach Jerusalem. Jesus ging in den Tempel und begann, die Händler und Käufer aus dem Tempel hinauszutreiben; er stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um und ließ nicht zu, dass jemand irgendetwas durch den Tempelbezirk trug. Er belehrte sie und sagte: Heißt es nicht in der Schrift: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes für alle Völker sein? Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht. Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten hörten davon und suchten nach einer Möglichkeit, ihn umzubringen. Denn sie fürchteten ihn, weil alle Leute von seiner Lehre sehr beeindruckt waren.“

Jesus wollte mit seiner Tempelreinigung auch kritisieren, dass nur Juden zum Tempelgottesdienst zugelassen sind. Andere Völker wurden ausgeschlossen und konnten nicht am Gebet teilhaben. Seine öffentlich praktizierte Tischgemeinschaft sah allerdings vor, das Brot und den Tisch mit jedem Menschen zu teilen. Im Matthäusevangelium, Kapitel 8 Vers 11, wird dies deutlich:

„Ich sage euch: Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen;

Da Jesus durch die Tempelreinigung immer mehr Zulauf genoss und das Pessachfest kurz bevorstand, welche hohen Steuereinnahmen für den Tempel bedeutet hätte, planten die Sadduzäer die Festnahme Jesus und dessen Tod.

Auf die Tempelaktion folgten einige Lehrreden und Streitgespräche mit Gelehrten und Predigern. Jesus sah sich dazu berufen, den Jerusalemer Tempel zu reinigen, die Menschen zur Umkehr zu bewegen und die Tora nach Gottes Maßstäben auszulegen. Die Priesterschaft stritt dieses Recht ab und sagte, dass Jesus keine Vollmacht für diese Handlungen besitzen würde. Insgeheim planten sie seinen Tod, konnten aber die Festnahme aufgrund der vielen Sympathisanten nicht durchsetzen und bedienten sich einer List, indem sie den Apostel Judas Iskariot Geld für die Auslieferung boten.

Jesus Salbung in Bethanien

In Bethanien, einem Ort südlich von Jerusalem an der Ostseite des Ölbergs, saßen Jesus und seine Jünger am Tisch, als eine Frau mit einem Gefäß zu ihnen kam. In diesem Gefäß befand sich Öl, welches sie Jesus über den Kopf goss. Diese Salbung gilt als religiöses Ritual der Heiligung und Heilung. Im Markusevangelium wird die Salbung in Betanien im Kapitel 14, Vers 3 bis 9, dargestellt. Die Apostel bedenken, dass das Ölvergießen eine Verschwendung sei, doch Jesus sagt, dass die Frau ihn auf seinen Tod vorbereitet.

Verrat durch Judas Iskariot

Direkt nach der Salbung beschreibt Markus den Verrat durch Judas Iskariot (Mk 14,10 -11):

„Judas Iskariot, einer der Zwölf, ging zu den Hohenpriestern. Er wollte Jesus an sie ausliefern. Als sie das hörten, freuten sie sich und versprachen, ihm Geld dafür zu geben. Von da an suchte er nach einer günstigen Gelegenheit, ihn auszuliefern.“

Im Matthäusevangelium wird der Verrat noch etwas genauer beschrieben. Dort heißt es in Kapitel 26 Vers 15:

„und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? Und sie zahlten ihm dreißig Silberstücke.“

In der Wissenschaft wird immer noch darüber diskutiert, warum Judas ein Verräter war. Einige Historiker nehmen an, dass Judas Motiv ausschließlich die 30 Silberstücke gewesen sind. Andere sind der Meinung, dass die Taten von Jesus bei Judas Zweifel hervorgerufen haben, so dass er glaubte, dass der Prophet zu mächtig werden würde und einen Aufruhr provozieren könnte. Wiederum andere Historiker sind der Meinung, dass der Verrat durch Judas und die anschließende Hinrichtung zur eigentlichen Legendenbildung führten und dies die Absicht des Judas war.

Jesus und das Letzte Abendmahl

Zur Zeit des Pessach nahmen Jesus und seine 12 Apostel ein Abendessen ein, welches unter Historikern und Theologen als das Letzte Abendmahl bezeichnet wird. Beim Abendessen brach Jesus das Brot mit den Aposteln und teilte den Wein. Jedem überreichte er Teile des Brotes und sagte: „Dies ist mein Leib“. Den gereichten Wein übergab er mit den Worten, dass dies sein Blut sei – welches zu einem neuen Bund führt.

Im Bericht des Markus (Mk 14, 12 – 26) kündigt Jesus bereits an, dass unter den Aposteln ein Verräter sei. Er nennt Judas allerdings nicht beim Namen.

„Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.“

Mit diesen Worten kündig Jesus seine Bestimmung und die seines Verräters an.

Festnahme, Anklage und Haft

Nach dem Abendmahl besuchen er und seine Jünger den Garten Getsemani, welcher eine Pilgerstätte am Ölberg ist. Die Tempelwachen und ein Hohepriester warten dort. Judas gibt Jesus einen Kuss, wodurch er von seinen Verfolgern identifiziert werden kann und gefangengenommen wird. Jesus verstand seine Gefangennahme als Willen Gottes und verbat seinen Jüngern, ihn zu verteidigen.

Es ist anzunehmen, dass die Hohepriester Jesus festnahmen, um einen möglichen Aufruhr entgegenzuwirken. Angeklagt wurde er vom Hohen Rat, dem sogenannten Sanhedrin, da man glaubte, dass er den Tempel zerstören und neuaufbauen lassen wolle. Diese Anklage konnte allerdings nicht gehalten werden, da es Widersprüche in den Zeugenaussagen gab. Deshalb versuchte man ein Geständnis von Jesus zu erzwingen, doch dieser schwieg. Der Hohepriester stellt nun die entscheidende Frage (Mk 14,61 – 64):

„Bist du der Messias, der Sohn des Hochgelobten? Jesus sagte: Ich bin es. Und ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen. Da zerriss der Hohepriester sein Gewand und rief: Wozu brauchen wir noch Zeugen? Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was ist eure Meinung? Und sie fällten einstimmig das Urteil: Er ist schuldig und muss sterben.“

Jesus wurde also nicht wegen einer geplanten Tempelzerstörung angeklagt, sondern wegen Gotteslästerung und seinem Anspruch, der Messias zu sein. Der Hohe Rat und die Tempelwachen durften keine Todesurteile vollstrecken. Denn die Sadduzäer wurden vom römischen Präfekten bzw. Statthalter eingesetzt und abgesetzt. Und deshalb mussten sie Jesus an Pontius Pilatus übergeben.

Anklage vor Pontius Pilatus

Pontius Pilatus war in den Jahren 26 bis 36 n.Chr. der Statthalter in der römischen Provinz Judäa. Da Jesus vom Hohen Rat gefangen, bereits verurteilt und durch die Priester Hannas und Kajaphas übergeben wurde, musste Pilatus das Todesurteil legitimieren und vollziehen. Dazu beschuldigte er Jesus, sich als König der Juden ausgegeben zu haben. Und da seit dem Tod von Herodes dem Großen sich niemand mehr mit diesem Titel schmücken durfte, reichte diese Beschuldigung aus, um ein Todesurteil zu fällen.

Da aber am Pessach traditionell eine Begnadigung stattfindet, sah man diese ebenfalls vor. Von der Pessachamnestie hätte entweder Jesus oder der Mitgefangene Barabbas profitiert. Letzterer wird historisch lediglich als unbedeutender Dieb, Bandit, Widerstandskämpfer der Zeloten oder als Mörder betrachtet. Die Hohepriester, welche das Todesurteil an Jesus unbedingt vollziehen wollten, brachten das Volk gegen Jesus auf. Und so hat Pilatus den Rufen der Menge nachgegeben, Barabbas freigelassen und Jesus zum Tode verurteilt. Im Evangelium des Markus wird die Verhandlung vor Pilatus im Kapitel 15 Vers 1 bis 15 beschrieben:

„Jeweils zum Fest ließ Pilatus einen Gefangenen frei, den sie sich ausbitten durften. Damals saß gerade ein Mann namens Barabbas im Gefängnis, zusammen mit anderen Aufrührern, die bei einem Aufstand einen Mord begangen hatten. Die Volksmenge zog (zu Pilatus) hinauf und bat, ihnen die gleiche Gunst zu gewähren wie sonst. Pilatus fragte sie: Wollt ihr, dass ich den König der Juden freilasse? Er merkte nämlich, dass die Hohenpriester nur aus Neid Jesus an ihn ausgeliefert hatten. Die Hohenpriester aber wiegelten die Menge auf, lieber die Freilassung des Barabbas zu fordern. Pilatus wandte sich von neuem an sie und fragte: Was soll ich dann mit dem tun, den ihr den König der Juden nennt? Da schrien sie: Kreuzige ihn!“

Die Evangelien schieben die Verantwortung des Jesusmordes vom römischen Statthalter und somit auch vom Römischen Reich ab. Stattdessen wird ein Bild gezeichnet, bei welchem die Juden die alleinige Schuld an der Hinrichtung tragen.

Von Pontius Pilatus ist zudem bekannt, dass er Massaker an Juden befohlen haben soll, schnell Todesurteile fällte und ansonsten auch grausam vorging. Der enge Palast, in welchem der Statthalter gestanden haben muss, als er die Menge befragte – bot keine räumliche Möglichkeit für Aufständische, sich zu entfalten – weshalb man davon ausgehen muss, dass Pilatus bei seiner Wahl keinen Druck verspürte.

Außerdem sind Amnestien zum Pessach oder sonstige Pilatusbegnadigungen nicht anderweitig historisch belegt. Man geht deshalb heute davon aus, dass die Urteilsverkündung und die Umstände, welche dazu führten, in den Evangelien falsch dargestellt werden. Dadurch entstanden antijüdische Passionsberichte, wonach die Juden an der Hinrichtung von Jesus schuldig seien.

Die Kreuzigung von Jesus

Den Leidensweg, welchen ein Mensch ertragen muss, um höhergesteckte Ziele zu erreichen, wird als Passion bezeichnet. Dabei wird Passion auch als Leidenschaft, Einsatzwillen und mitunter als Vorliebe übersetzt. Doch tatsächlich stammt der Begriff vom lateinischen Wort „passio“ ab, was übersetzt Leiden oder Krankheit bedeutet. Den Kreuzweg, welchen Jesus nach der Urteilsverkündung bestreiten musste, die Hinrichtung und sein Leiden bis zum Tod – wird als Passion Christi bezeichnet- welche als Motive in der Kunst und Literatur dienen.

Tatsächlich war die Kreuzigung die grausamste Hinrichtungsmethode, da die Verurteilten noch lange lebten und unter erheblichen Schmerzen litten. Man sah es deshalb vor, nur bestimmte Bevölkerungsgruppen mit einer Kreuzigung zu bestrafen. So sollten Sklaven, welche gegenüber ihres Herren auflehnerisch waren – gekreuzigt werden. Oder Widerstandskämpfer und Beteiligte eines Aufruhrs wurden gekreuzigt, um allen anderen zu zeigen, was passiert – sobald man öffentlich gegen das Römische Reich vorging. Die Kreuzigung diente, aufgrund der Zurschaustellung von Grausamkeit, vor allem der Einschüchterung, Demütigung und Abschreckung.

Laut dem Markusevangelium (Mk 15,15 – 20) wurde Jesus entkleidet, um ihn ein Purpurgewand – wie es Könige tragen – anzustecken. Ihm wurde eine Dornekrone aufgesetzt, um den Scheinkönig der Juden zu verspotten. Weitere königliche Symbole wurden Jesus angesteckt, um die Hoffnung der Juden auf den Nachfahren König Davids zu verhöhnen. Während des Kreuzgangs wurde Jesus geschlagen, ausgepeitscht, bespukt und beschimpft. Normalerweise waren diese Übergriffe bereits so hart und brutal, dass der Verurteilte schon vor der eigentlichen Kreuzigung starb.

Der Richtplatz der eigentlichen Kreuzigung war vor der Stadtmauer. Laut der Überlieferung soll Jesus auf dem Weg dorthin zusammengebrochen sein. Ein Feldarbeiter, namens Simon von Cyrene, wurde von römischen Soldaten dazu gezwungen, das Jesuskreuz bis zum Richtplatz weiter zutragen.

Tod des Jesu von Nazareth

Am Richtplatz angekommen, wurde das Kreuz aufgestellt. Man bot Jesus ein Wein an, welcher mit Myrrhe versehen war. Jesus lehnte ab. Nun wurden die Hände an den Querbalken gefesselt und festgenagelt. Der Tod setzte entweder durch Kreislaufversagen, Verdursten oder Ersticken ein. Alle drei Todesarten sind qualvoll und langwierig.

Die Kreuzigung habe um 9 Uhr morgens, auf dem Hügel Golgota, begonnen und wurde begleitet vom Hohn und Spott der Schaulustigen. Nach drei Stunden kam es zu einer Finsternis, welche ebenfalls 3 Stunden angehalten haben soll. Am Ende der Finsternis rief Jesus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Einige Zeit später wurde ihm ein Schwamm gereicht, welcher mit Wasser verdünnten Weinessig getränkt war. Er nahm das Getränk an und starb daraufhin mit lautem Schrei. Sein Tod ist um etwa 15 Uhr datiert.

Grablegung bzw. Beerdigung

Nach Jesus Tod trat der Jude Josef von Arimathäa, welcher Hohepriester des Tempels war, an Pontius Pilatus heran und bat darum, den Leichnam bestatten zu dürfen. Normalerweise ließen die Römer ihre Verurteilten noch Tage oder Wochen hängen, um die Abschreckung zu erhöhen, die Toten zu entwürdigen oder um den Angehörigen weiteres Leid anzutun.

Juden wurden in Judäa allerdings sofort bestattet, um keinen Aufruhr der Bürger zu riskieren. Denn Rom verstand sich als Provinzialmacht, welche einen Kulturwandel bei der Bevölkerung anstrebte, um diese letztlich kulturell ins Imperium einzugliedern.

Nach der Bitte des Hohepriesters, dessen Aufgabe es wahrscheinlich war – für die Bestattung zu sorgen, ließ sich Pilatus den Tod durch einen Aufseher bestätigen. Und so wurde Jesus Leiche vom Kreuz genommen, in Leichentücher gewickelt und durch Josef von Arimathäa in einem Felsengrab verstaut. Dann wurde das Grab mit einem schweren Felsen verschlossen. Beobachtet haben das Begräbnis Maria Magdalena und einige andere Frauen.

Der Ort des Jesusgrabes ist unbekannt. Man vermutet es allerdings unter der Grabeskirche in Jerusalem, weshalb die Kirche auch als Heilige Kirche bezeichnet wird. Dort konnten Grabverehrungen archäologisch nachgewiesen werden, welche in die historische Zeitspanne passen.

Auferstehung des Jesu von Nazareth

Nach drei Tagen wurde das Grab aufgesucht und leer aufgefunden. Das Markusevangelium schreibt dazu in Kapitel 16 Vers 5 bis 7:

„Sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem weißen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr. Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte. Nun aber geht und sagt seinen Jüngern, vor allem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.“

Jesus erschien zuerst Maria Magdalena, später auch Paulus – welcher eine Zeugenliste anlegte.

Quellenlage

Da Jesus selbst keine schriftlichen Quellen hinterließ, beruht sein Leben, Wirken und seine Botschaften auf Nacherzählungen. Historisch gesichert sind die Festnahme, der Hinrichtungsbefehl und die Kreuzigung Jesu, da auch römische Quellen diese Daten enthalten. Durch das Johannesevangelium, welches in der Reihe der 4 kanonischen Evangelien eine Sonderstellung einnimmt, gelten auch andere historische Berichte als plausibel.

Evangelien

Die drei synoptischen Evangelien, also das Markusevangelium, das Lukasevangelium und das Matthäusevangelium stammen aus der Zeit nach dem Jüdischen Krieg (70 n.Chr.) gegen die Römer. Es wird angenommen, dass das Markusevangelium eine Quelle für die beiden anderen Evangelien war und die Autoren, einige Passagen des Markus abänderten, umdeuteten und ihre eigenen Sichtweisen auf die Ereignisse einfließen ließen.

Durch eine direkte Gegenüberstellung der Texte (Synoptik), welche 1776 durch den deutschen Theologen Johann Jakob Griesbach vorgenommen wurde, konnte man derartige Gemeinsamkeiten zwischen Lukas und Markus bzw. zwischen Matthäus und Markus feststellen, so dass man heute das Markusevangelium als eine Urquelle der beiden anderen Evangelien annimmt.

Neben dem Markusevangelium nutzen die Evangelien eine weitere Quelle, welche unbekannt und nicht erschlossen ist und von der Forschung als Logienquelle (kurz Q) bezeichnet wird. Außerdem flossen weitere mündliche und schriftliche Quellen ein, welche man innerhalb der Forschung als Sondergut bezeichnet.

Im Johannesevangelium, welches wie die 3 synoptischen Evangelien ein Buch im Neuen Testament ist, wird das Leben des Propheten ebenfalls dargestellt. Die Darstellungen und Erzählweise unterscheiden sich von den drei anderen Evangelien, weshalb man davon ausgeht, dass nicht das Markusevangelium als Urquelle genutzt wurde.

Historiker nehmen an, dass die Autoren der 4 kanonischen Evangelien eine Verbindung zur Urgemeinde unterhielten oder aufgebaut haben. Aus mündlichen Überlieferungen, welche aus den Passionsberichten der Gemeindemitglieder stammte, wurden Glaubensbekenntnisse abgleitet. Der Autor des Markusevangeliums verfügte außerdem über Jesusberichte aus Galiläa, welche er dann mit dem Passionsbericht verknüpfte. Die beiden anderen Synoptiker (Matthäus und Lukas) erweiterten ihrerseits das Markusevangelium durch eigene Überlieferungen. Dadurch entstanden unterschiedliche Angaben zu Ort, Zeit und Personen – weshalb die Wahrhaftigkeit einiger Angaben umstritten ist.

Paulusbriefe

Die sogenannten Paulusbriefe stammen vom Pharisäer Paulus von Tarsus, welcher zunächst die Anhänger des Jesu verfolgte, die Botschaften des Propheten verkündete und sich später selbst als Apostel der Evangelien verstand. Diese Briefe liefern keine Daten oder Fakten zur Biografie des Jesu. Stattdessen werden Zitate von Anhängern der Urgemeinde Jerusalems herangezogen, welche den Messias und dessen Taten in Worten darstellen. Die Paulusbriefe entstanden zwischen 48 und 61 n.Chr., also ebenfalls nach Jesus Tod und Auferstehung.

Apokryphen und Thomasevangelium

Die Apokryphen sind religiöse Schriften, welche sowohl christliche als auch jüdische Bezüge haben und deren Verfasser weitestgehend unbekannt sind. Aus ihnen konnten weitere Hinweise entnommen werden, um das Leben des Jesu von Nazareth zu rekonstruieren. Ob diese Schriften historisch korrekt sind, ob deren Verfasser politische oder religiöse Motive vorfolgten, bleibt unklar. Das Thomasevangelium ist eine Sammlung von Apokryphen, welche circa 350 n.Chr. niedergeschrieben wurde.

Das Buch Jüdische Altertümer

Der jüdische Historiker Flavius Josephus (37/38 -100 n.Chr.) erwähnt in seinem Werk über Jüdische Altertümer (Antiquitates Iudaicae) Jesus zweimal. In der ersten Stelle wird erwähnt, dass der Wanderprediger Jesus, welchen er als vornehmen Juden ausgibt, von Pontius Pilatus zum Kreuzestod verurteilt wurde.

Die zweite Textstelle beschreibt, dass Jakobus (4 v.Chr- 62 n.Chr.) – welcher als Bruder des Jesu, die Urgemeinde in Jerusalem geleitet hatte, ebenfalls hingerichtet wurde. Allerdings wird Jakobus als Bruder von Jesus Christus bezeichnet. Von heutigen Historikern wird stark angezweifelt, dass ein Jude den Titel Christus jemals gebrauchte und den historischen Jesus von Nazareth so ansprach.

Jesusforschung

Die historische Jesusforschung untersucht die Frage, ob Jesus von Nazareth – welcher nach seiner Auferstehung zu Jesus Christus erklärt wurde, jemals gelebt hat oder nicht. Dazu werden Schriften des Urchristentums und andere historische Quellen der Antike herangezogen, in denen Jesus von Nazareth erwähnt bzw. ein Bezug zu ihm hergestellt wird.

Diese Forschungsrichtung entstand circa 1740 im Zuge der Aufklärung. In dieser Epoche sollten Denkstrukturen, welche den Fortschritt verhindern könnten, überwunden werden – so dass ein rein rationales Denken einsetzt, zu welchem der Mensch erzogen werden sollte. In diesem Zusammenhang wurde auch die Kirche kritisch hinterfragt, wodurch es zu diesem Forschungszweig kam.

Seit 1950 werden vor allem Quellen außerhalb der Bibel herangezogen, wodurch sich eine umfassende Weltanschauung ergeben soll. Dazu arbeiten Theologen und Historiker gemeinsam daran, die Glaubwürdigkeit des Neuen Testaments zu prüfen und zu revidieren. Nach heutigem Erkenntnisstand lebte Jesus von Nazareth tatsächlich als Jude in Galiläa und wurde in Jerusalem gekreuzigt. Seine Taten, Botschaften, Predigten und die Umstände, welche zu seinem Tod führten, sind allerdings weiterhin umstritten.

Man geht davon aus, dass die historischen Quellen – auf denen sich das Neue Testament bezieht, für seine Verfasser als echt wirkten und deshalb niedergeschrieben wurde. Anerkannt wird außerdem, welche Bedeutung Jesus von Nazareth für die Urgemeinde gehabt haben muss, da die Gegenwart des Christentums, welches aus dem Judentum entstand, gegeben ist.

Literatur

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