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Was sind Saumbiotope: Definition, Beispiele und Bedeutung


saumbiotope

Ein Saum bzw. ein Saumbiotop ist ein Übergangslebensraum, in welchem Gehölzpflanzen – wie Bäume und Sträucher – dominieren. Da die Bäume sich nicht an den Baumkronen berühren, ist der Saum – aufgrund eines zu geringen Deckungsgrades – kein Wald mehr. Stattdessen sind Säume ein Randbiotop zwischen Wald und Offenland. Da im Saumbiotop zahlreiche Spezies beider Biotope (Offenland und Wald) zusammenkommen, besteht eine hohe Artenvielfalt, weshalb Säume besonders geschützt werden.

Was sind Saumbiotope: Beispiele und Merkmale

Säume sind ein eigener Biotoptyp, da in dieser Landschaft die typische Vegetation eines Waldes und dessen angrenzenden Biotops aufeinandertreffen. Im engeren Sinne sind mit Säumen deshalb nur Ausläufer von Waldregionen gemeint. Denn Urwälder waren die typische Naturlandschaft in Mitteleuropa und werden deshalb als schützenswert erachtet.

Die Wiesen- und Weidelandschaften werden als Teil der Kulturlandschaft betrachtet, welche durch Landwirtschaft entstanden, indem Wälder gerodet worden, um Mähwiesen oder Futterwiesen für Nutztiere anzubauen.

Im weiteren Sinne nutzt man den Begriff allerdings auch, um jeglichen Übergangslebensraum zwischen zwei Einheitsbiotopen zu benennen. In diesem Zusammenhang wird das Saumbiotop als Synonym zum Ökoton verwendet.

Oft sind Säume nur schmale Streifen – wie Hecken – welche zwei Einheitsbiotope miteinander verbinden. Im Biotopschutz spielen sie allerdings eine besondere Rolle, da die Verbindung von zwei Einheitsbiotope zu Synergieeffekten führt.

Waldinseln und Waldbrücken

Waldinseln und Waldbrücken sind zwei Biotopausprägungen, welche Wälder miteinander verbinden. In Offenlandschaften wachsen Baumformationen als kleine Inseln, welche als natürliche Verbreitung des Waldes verstanden werden.

In diesen Waldinseln finden Waldtiere einen passenden Unterschlupf, um von einem Waldbiotop ins nächste zu ziehen. Waldbrücken stellen einen natürlichen Korridor zwischen zwei Wäldern her, welcher über eine Agrarlandschaft, eine Wiese oder eine andere Offenlandschaft führt.

Hutewald

Hutewälder bzw. Waldweiden sind Waldgebiete, in denen die Landwirte ihr Vieh trieben – damit diese Eicheln, Kastanien oder junge Triebe der Bäume fressen. Es handelt sich demnach um eine Weidelandschaft mit Baumformation. Geprägt werden diese Baumlandschaften durch Totholz, also abgestorbene Bäume oder Baumteile – welche ein eigenes und typisches Ökosystem bilden.

Da Hutewälder niemals Teil der Forstwirtschaft waren, sondern immer nur als Weideland für Vieh genutzt wurden, stehen dort Baumarten des eigentlichen Urwaldes. In Mitteleuropa werden diese Saumbiotope deshalb geschützt und stehen unter Naturschutz.

Typische Hutewaldbewohner sind der Mittelspecht, eine Vogelart – welche totholzreiche Wälder als Habitat bevorzugt. Auch verschiedene Käferarten finden sich im Totholz. So gehören Heldbock, Körnerbock und Hirschkäfer zu den bedrohten Insektenarten, welche im Totholz der Hutewälder ihr Habitat haben.

Femelwälder

Femelwälder sind Forstwälder, bei denen ganze Baumgruppen entnommen werden, wodurch Lichtungen entstehen. Durch diese Form der Holzernte werden gezielt Altbäume entfernt, wodurch junge Bäume mehr Licht erhalten und besser wachsen sollen. Es handelt sich demnach um eine Waldverjüngung durch Saumschlag, Kahlschlag oder Schirmschlag. Dadurch entstehen Saumbiotope direkt im Wald, welche zu Ersatzhabitaten von seltenen Tierarten werden.

Feldraine

Raine sind die Flur- und Ackergrenze einer Landschaft. Es handelt sich meistens um einen wild wachsenden Wiesenstreifen, welcher am Rand einer Ackerfläche oder eines Feldes wächst und auf denen mitunter Bäume in einer Reihe wachsen.

Diese Saumbiotope stellen Lebensräume für Mikrofauna und Vögel, am Rande einer Kulturlandschaft – wie dem Acker – dar. Gleichzeitig verbinden sie zwei Naturlandschaften – wie bspw. zwei Wälder – auf natürliche Weise miteinander.

Diese Form des Biotopverbundes hat den Vorteil, dass Tiere auf ihren Wanderwegen ein Übergangshabitat finden – wodurch die Migration von einem Lebensraum zum anderen gefördert wird.

Ackerrandstreifen mit Sträuchern

Ackerrandstreifen sind natürliche gewachsene Wiesenstreifen am Rande einer Ackerfläche, auf denen Wildkräuter wachsen. Diese Habitate sind Lebensraum sogenannter Segetalflora – wie der Kuhnelke – welche als Ackerunkraut neben den Kulturpflanzen gedeiht.

Ackerrandstreifen werden dann zum Saumbiotop, sobald dort Gehölze wie Sträucher oder typische Pflanzen der Krautschicht und Strauchschicht eines Waldes wachsen.

Wegränder

Wegränder, welche zwei Waldbiotope miteinander verbinden, tragen ebenfalls zur natürlichen Verbreitung der Waldpflanzen bei. Typische Pflanzen am Wegrand sind Rainfarne, Wegeriche, Glatthafer, Wegrauken, Klatschmohn, Schafgarbe, Brennnessel, Beifuß, Kratzdisteln, Natternkopf und Trittpflanzengesellschaften.

Die Flora des Wegrandes zieht die Fauna an, welche die Pflanzen als Futterquelle nutzen. So ist bspw. der Rainfarn-Mönch, eine Schmetterlingsart – welche den Rainfarn als Wirtspflanze für seine Raupen nutzt. Der Rainfarn-Blattkäfer und der Rainfarn-Schildkäfer sind zwei Käferarten, welche den Rainfarn ebenfalls als Nahrungsquelle nutzen.

Waldrand

Der Waldrand ist die Kontaktzone zwischen einem unbewaldeten Offenland – wie der Wiese oder die Steppe – und einem Waldgebiet. Am Rande eines Waldes ändert sich nicht nur die Vegetation, sondern auch der Bodentyp und die Tierwelt. Mehr Sonnenlicht, wechselnde Temperaturen und fehlende Schutzmöglichkeiten sind Umweltfaktoren, wonach die Organismen den Lebensraum entweder gezielt suchen oder meiden.

Typisch für den Waldrand ist der Krautsaumgürtel, an denen Kräuter und Wiesenpflanzen wachsen. Zum Wald hingehend folgt ein Strauchgürtel mit mittelgroßen Sträuchern und anderen kleineren Gehölzen. Auch Farne finden sich dazwischen. Auf den Krautgürtel folgt der Waldmantel.

Typische Tiere des Waldrandes sind der Wiesenpieper, eine Vogelart – welche oft auf Wiesen sitzt und den Wald als Schutzraum aufsucht. Der Baumpieper, eine weitere Pieperart, bevorzugt die Baumkronen am Waldrand als typischen Aufenthaltsort. Auch die Heidelerche, ein Singvogel aus der Familie der Lerchen, gilt als typische Vogelart des Waldrandes. Die Heckenbraunelle, ebenfalls ein Singvogel aus der Familie der Braunellen, kommt an den Rändern von Nadelwäldern oder an Gebirgskämmen häufiger vor.

Hecken

Hecken gelten ohnehin als Linienbiotope, welche dazu geeignet sind – Vögeln und Fledermäusen ein Übergangslebensraum zu bieten. Außerdem nutzen Lurche und Kriechtiere diese Biotope, um bei ihren Wanderungen zwischen Sommer- und Winterhabitat zu überleben.

Die Hecke bietet auf engstem Raum eine Fülle von Umweltfaktoren im breiten Spektrum an, weshalb sie als Randbiotop so wertvoll ist. So gibt es in der Hecke sonnige und schattige Plätze, feuchte und trockene Stellen oder auch geschützte und offene Bereiche. Aufgrund der Vielfalt können sich zahlreiche ökologische Nischen bilden, wodurch die Tier- und Pflanzenarten einer Konkurrenz mit ihren Wettbewerbern entgehen.

Böschungen

Böschungen sind künstlich oder natürlich entstandene Hänge, an denen andere Vegetation zu finden ist, als ober- oder unterhalb der Böschung. Für viele Tierarten dienen diese Hanglagen als Rückzugsort.

Alleen

Alleen sind Wege, welche durch Baumreihen rechts und links begrenzt sind. Auch diese künstlich geschaffenen Grünstrecken verbinden Straßen, aber auch Biotope miteinander – weshalb man diese als Saumbiotop bezeichnen kann.

Steinriegel

Künstliche Wälle von aufgelesenen Steinen werden als Lesesteinriegel bezeichnet. Diese wurden im Weinbau an Hängen benutzt, um Weingebiete abzugrenzen. Die Steinwälle haben aber einen nützlichen Nebeneffekt, indem sie Wärme speichern – weshalb sie für Zauneidechsen, Blindschleichen, Schlingnatter ein geeigneter Rückzugsort sind. Auf ihren Wanderungen nutzen wechselwarme Tiere, wie Reptilien und Amphibien, diese Plätze als Wärmestation.

Nahezu alle Grasmückenarten kommen im Steinriegel vor, welche im Dickicht von Sträuchern und Gebüsch der Weinberge und Steine leben. Die Steinriegellandschaften sind geprägt durch Walnuss oder Kirschbäume. Sträucher wie Haselnuss, Himbeere, Brombeere oder Heckenrosen sind im Steinriegelgebiet ebenfalls vertreten.

Ökologische Bedeutung der Saumbiotope

Säume dienen als Linienbiotope bei der Lebensraumvernetzung. Somit können Tiere, welche unterschiedliche Winter- und Sommerquartiere bewohnen – die Saumbiotope für ihre Wanderungen nutzen.

Die Pflanzen eines Einheitsbiotops können sich über den Saumverbund verbreiten, indem entweder die Samen über den Wind vom Einheitsbiotop in den Saum getragen werden oder indem Insekten als Bestäuber von Saumpflanzen angezogen werden.

Da das Saumbiotop mehr Vielfalt an abiotischen Umweltfaktoren zulässt – ergeben sich verschiedene Temperaturbereiche, Feuchtigkeitsgrade, Salzgehalte usw. im Saumverbund. Die Lebewesen, welche einen Umweltfaktor nur in einem bestimmten Ausmaß tolerieren können, finden im Saumbiotop ein reichhaltiges Angebot an Lebensräumen mit unterschiedlicher Ausprägung.

Durch das hohe Spektrum verschiedener Habitate können verschiedenste ökologische Nischen gebildet werden, wodurch Nischenkonkurrenz vermieden und Nischenkoexistenz gefördert wird.

Gefährdung und Bedrohung der Saumbiotope

Viele Saumbiotope befinden sich am Rande von landwirtschaftlich genutzten Flächen, wie Forstgebieten, Ackerflächen oder Mähwiesen. Die Bewirtschaftung dieser Gebiete beeinträchtigt auch das Leben im Saumbiotop. So werden Ackerflächen gepflügt, wobei es zu Übertritten auf die Saumlandschaft kommt. Auch die Trockenlegung von Mooren und Sümpfen hat Einfluss auf angrenzende Saumgebiete, genauso wie die Waldrodung oder der Ausbruch eines Waldbrandes.

Außerdem werden Saumbiotope dadurch bedroht, dass Landschaften immer wieder neu verteilt werden, indem sich Besitzansprüche ändern oder Forst- und Landwirtschaftsflächen zusammengelegt werden.

Auch der Einsatz von Pestiziden und Herbiziden in der Landwirtschaft hat Einfluss auf angrenzende Saumlandschaften. Da die Larven vieler Insekten, welche die Blätter von Saumpflanzen fressen, zugleich auch Schädlinge für die Landwirtschaft sind – werden Insektizide eingesetzt, welche die blattfressenden Larven töten sollen. Dies wirkt sich unmittelbar auf die Reproduktionsraten der Insekten aus, hat aber auch Auswirkungen auf andere Saumtiere, da die Nahrungskette gestört wird.

Schutz der Saumbiotope

Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (kurz: IÖR), mit Sitz in Dresden, entwarf ein Informationssystem zur Flächennutzung in Deutschland. Dieses System trägt den Namen: Monitor der Siedlungs- und Freiraumentwicklung oder IÖR-Modell.

In diesem Informationssystem werden Indikatoren herangezogen, welche die Landschaftsqualität und Flächennutzungsstruktur anzeigen sollen, um daraus ein Modell für die zukünftige Entwicklung und den derzeitigen Entwicklungsstand der Umwelt abzuleiten.

Zudem existiert eine Umweltökonomische Gesamtrechnung (UGR), welche die Umweltbelastung, den Umweltzustand und die Umweltschutzmaßnahmen als Wechselwirkung zwischen Wirtschaft und Umwelt aufzeigt. Das IÖR-Modell erweitert die Gesamtrechnung nun um Indikatoren mit Daten zur Flächenentwicklung.

Einer dieser Indikatoren ist die Anzahl und Beschaffenheit der Säume in Deutschland. Deren Anzahl und Gebietsfläche werden jedes Jahr berechnet, wodurch sich ein Trend ergibt, der durch das Modell sichtbar gemacht wird.

Im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ist der Erhalt und Schutz von Biotopverbundsystemen laut Paragraph 21 gesetzlich geregelt. Bereits im Paragraph 1 Absatz 6 des BNatSchG gilt der Saumerhalt, die Saumentwicklung und die Erschaffung neuer Säume als erklärtes Ziel der deutschen Umweltpolitik.


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