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Ur- und Frühgeschichte im Mittelmeerraum


Der Mittelmeerraum kennzeichnet sich durch ein mildes Mittelmeerklima, was es für die Menschen der Steinzeit zu einem attraktiven Gebiet machte, sich dauerhaft niederzulassen. Es wird daher angenommen, dass bereits vor 5000 Jahren erste Hochkulturen am Nil entstanden. Neben Afrika war auch die Levante, also die östlich von Italien gelegene Region, ein Gebiet, in welchen erste Zivilisationen entstanden.

Urmenschen im Mittelmeerraum

In der Höhle von Arago, im Süden Frankreichs, wurden seit 1964 zahlreiche Fossilien gefunden, welche circa 450.000 Jahre alt sind und dem Homo erectus zugeschrieben werden. Man geht davon aus, dass diese Höhle bis vor 35.000 Jahren von Individuen der Gattung Homo immer wieder genutzt wurde. Dies schließt neben den Homo erectus, auch den Homo sapiens und alle ausgestorbenen Verwandten des Jetztmenschen mit ein.

Der Neandertaler (Homo neanderthalensis), welcher ebenfalls der Gattung Homo angehört, besiedelte die europäische Levante vor circa 75.000 Jahren. Die ältesten Funde des sogenannten archaischen Homo sapiens, welcher sich anatomisch etwas vom heutigen Menschen unterscheidet, stammen aus Djebel Irhoud, einer Höhle in Marokko. Man geht deshalb davon aus, dass auch die Vorfahren des Jetztmenschen im nordafrikanischen Mittelmeerraum verbreitet waren.

Der Cro-Magnon-Mensch, also der moderne Mensch – welcher während der letzten Kaltzeit in Asien lebte, wanderte vor circa 40.000 Jahren nach Europa ein. Die Bezeichnung „Cro-Magnon“ ist irreführend, veraltet, überholt und beruht darauf, dass man lange Zeit annahm – dass diese Menschen ein Bindeglied zwischen Homo sapiens (Jetztmenschen) und dem Neandertaler darstellen. Molekulargenetische Untersuchungen ergaben allerdings, dass Homo sapiens und der Cro-Magnon-Mensch anatomisch gleich sind. Demnach stellt dieser keine eigene Menschenart oder Unterart zum Jetztmenschen dar.

Der Weg, welchen die aus Asien kommenden Cro-Magnon-Menschen nahmen, um Europa zu erreichen, war Anatolien. Dies ist das Staatsgebiet der heutigen Türkei, welches ebenfalls am Mittelmeer liegt. Die Cro-Magnon-Menschen existierten zusammen mit den Neandertaler für mehrere tausend Jahre im Mittelmeerraum Südeuropas. Doch schließlich verdrängten sie den Neandertaler zunehmend auf die Ränder Europas. Auf der Iberischen Halbinsel im Westen und der Halbinsel Krim im Osten überdauerten die Populationen des Neandertalers bis vor circa 30.000 Jahren. Dies ergeben die Datierungen einiger Funde aus diesen Regionen.

Frühe Entwicklungen im Mittelmeerraum

Man nimmt an, dass die Menschen im Mittelmeerraum eine frühe Seefahrt beherrschten. Denn in der Höhle von Franchthi, welche an der griechischen Mittelmeerküste liegt, wurden Reste eines vulkanischen Gesteinsglas gefunden, dass von der Insel Milos stammt. Dies lässt die Hypothese zu, dass es zu Überseefahrten nach Milos kam.

Beginn von Ackerbau und Viehzucht im Mittelmeerraum

Am See Gennesaret im Norden Israels ist die Neolithische Revolution, also der Übergang von Jäger- und Sammlerkulturen zu Ackerbau und Viehzucht, seit 21.000 v.Chr. nachweisbar. Das entscheidende Kriterium ist der Nachweis von domestizierten Nutzpflanzen.

Für die Levante, also dem Mittelmeerraum östlich Italiens, konnte diese Form der Pflanzenzucht ab 9.500 v.Chr. nachgewiesen werden. Die Hochkultur im Alten Ägypten folgte erst mehrere tausend Jahre später. Ackerbau wurde dort ab 5.000 v.Chr. betrieben. In Griechenland setzte die Neolithische Revolution ab 7.000 v.Chr. und auf Zypern circa 8.000 v.Chr. ein.

Für den europäischen Mittelmeerraum wird der Begriff „Neolithische Revolution“ verwendet, da der Übergang zu Ackerbau und Viehzucht vor 7500 Jahren komplett und gebündelt in Erscheinung trat. Im Mittelmeerraum Afrikas und auf anderen Teilen des Kontinents verlief das Neolithikum ganz anders.

So gab es Hirtengemeinschaften bereits 4.900 v.Chr. in Afrika. Diese Gemeinschaften betrieben bereits Viehzucht mit Schafen, Ziegen und später mit Rindern. Bei diesen Menschen handelte es sich allerdings um Nomaden, welche mit ihrem Vieh umherzogen und nicht sesshaft waren. Es wird angenommen, dass die klimatischen Bedingungen der Sahara, diese Völker ab 3000 v. Chr. dazu zwangen, ins Niltal bis nach Ägypten vorzudringen, um dort sesshaft zu werden.

Kulturpflanzen traten in Afrika allerdings erst 2.000 v.Chr. in Erscheinung. Als älteste Nutzpflanzen der Region gelten Perlhirse und Augenbohne. Tonverarbeitung und Keramik, welche die Grundlagen für Vorratshaltung sind, sind in Afrika länger bekannt als im Vorderen Orient. Da Afrika somit einen ganz eigenen Weg durch das Neolithikum ging, welcher sich vom Weg des Orients und der Levante unterscheidet, bezeichnet man diesen afrikanischen Sonderweg nicht als Revolution.

Entstehung erster Kulturen im Mittelmeerraum

Die Urgeschichte teilt sich in drei große Zeitabschnitte: die Steinzeit, die Bronzezeit und die Eisenzeit. Alle Epochen sind nach dem vornehmlichen Material benannt, welches die Menschen nutzten. Nach der Bronzezeit folgt die Eisenzeit (ab 800 v.Chr.), welche in Europa bis zur Zeitenwende andauerte. Die Eisenzeit endet mit dem Aufkommen der Schrift, da dies einen entscheidenden Kulturwandel nach sich zog, welcher die Urgeschichte als Ganzes enden und die Frühgeschichte des Menschen anbrechen ließ.

Die Steinzeit beginnt mit der Altsteinzeit vor circa 2,6 Millionen Jahren, als die Oldowankultur sich in Afrika, Europa, Asien und dem Nahen Osten ausbreitete. Die Menschen dieser Zeit gebrauchten Steine als Werkzeuge und Waffen. Zu den Menschenarten dieser Zeitepoche zählen Homo rudolfensis, Homo habilis, Homo ergaster, Homo erectus, der Neandertaler und der Jetztmensch.

Kulturen im Mittelmeerraum während der Jungsteinzeit

Auf die Alt- und Mittelsteinzeit folgt die Jungsteinzeit ab 9.500 v.Chr., auch Neolithikum genannt, als Menschen zu Ackerbau und Viehzucht übergingen. In dieser Zeit entwickelte sich eine Gruppe verwandter Kulturen, welche man unter den Begriff Cardialkultur bzw. Impressokultur zusammenfasst.

Die Cardialkultur breitete sich ab 7.000 v.Chr. an der Adria – also der Mittelmeerküsten zwischen Italien, Slowenien, Kroatien, Montenegro, Albanien, Bosnien und Herzegowina – aus. Von dort aus, erstreckte sich die Kultur weiter über das westliche Mittelmeer, den Inseln Sizilien, Korsika, Sardinien und Malta, inklusive des nordafrikanischen Festlandes. Diese Kultur vereint eine gemeinsame Tonverarbeitung und Keramikherstellung. Auf der Iberischen Halbinsel und auf Malta entstanden, noch in der Jungsteinzeit, die ersten Tempel und Megalithe.

Kulturen im Mittelmeerraum während der Kupfersteinzeit

Am Ende der Jungsteinzeit schließt sich die Kupfersteinzeit ein, bevor es zur Bronzezeit übergeht. Diese Zeitepoche begann circa 5.500 v.Chr. im Nahen Osten und relativ zeitgleich auch in Südeuropa. Während dieser Zeit begannen die Menschen damit, Bergbau zu betreiben.

Erste Staaten mit echter Verwaltung entstanden im Alten Ägypten unter den Pharaonendynastien. Dies geschah ab 3.000 v.Chr. und Thinis gilt als erste Hauptstadt Ägyptens. Der Pharao als Titel wurde allerdings erst im Neuen Reich (circa 1550 v.Chr.) eingeführt. Vorkulturen des Alten Ägyptens waren meist regional begrenzt und sind nach deren Fundort benannt: Merimde, Maadi, Fayum, Badari und Naqada.

Ebenfalls um 3000 v.Chr. entwickelten sich in Mesopotamien die ersten Stadtstaaten. Weiterhin entstanden in Asien die ersten Großreiche, wie Babylonien, Ḫatti (Hethiter) und das Assyrische Reich. Teile dieser Völker drängten fortan über die Arabische Halbinsel nach Nordafrika und in den europäischen Mittelmeerraum.

Die erste Hochkultur Europas ist die minoische Kultur auf Kreta, welche aufgrund ihrer üppigen Palastbauweise auch als Palastkultur bezeichnet wird. Diese entstand um circa 3.000 v.Chr. und die Palastbauten weisen auf enormen Reichtum hin.

Weiterhin gilt die minoische Gesellschaft als erste Thalassokratie, einer Herrschaftsform – welche ihre Seemacht einsetzten, um Dominanz gegenüber Feinden zu bewirken. Die Kultur der Minoer überdauerte circa tausend Jahre und wurde durch die Eroberung der Mykener ab circa 1150 v.Chr. abgelöst. Aus der mykenischen Kultur der Bronzezeit entwickelte sich ab 800 v.Chr. das antike Griechenland.

Kulturen im Mittelmeerraum während der Bronzezeit

Die Bronzezeit setzte in Mitteleuropa ab 2200 v.Chr. ein und überdauert bis 800 v.Chr. An der Küste der Ägäis, einem Nebenmeer des Mittelmeeres, wird diese Epoche auch als ägäische Bronzezeit bezeichnet.

In Spanien setzte um 2.300 v.Chr. mit Beginn der Bronzezeit die Epoche der El-Argar-Kultur ein, welche aus der kupfersteinzeitlichen Los-Millares-Kultur hervorging. Beide Kulturen zeichneten sich durch Arbeitsteilung und einer Gesellschaft mit unterschiedlich ausgeprägten Hierarchieebenen aus. Häuser und Siedlungen aus dieser Zeit zeigen außerdem, dass es – neben der Arbeitsteilung – auch schon Spezialisierungen in verschiedene Berufe gegeben hat. Einige Historiker bezeichnen die El-Argar-Kultur als „erstes Staatsgebilde Europa.“

Zusammenfassung

  • Bereits ausgestorbene Menschenarten, wie der Homo erectus, besiedelten den Mittelmeerraum vor 450.000 Jahren.
  • Der Neandertaler begann die europäische Levante vor circa 75.000 Jahren zu besiedeln.
  • Die ersten Jetztmenschen drangen vor 40.000 Jahren über Anatolien nach Europa und verdrängten den Neandertaler zunehmend auf die Ränder des europäischen Festlandes.
  • Ackerbau wurde in der Levante ab circa 9.500 v.Chr. nachgewiesen. Im Alten Ägypten setzte die Domestikation von Nutzpflanzen erst 5.000 v.Chr. ein.
  • Erste Kulturen des Mittelmeerraums sind die Cardialkultur ab 7.000 v.Chr., die Minoer ab 3.000 v.Chr. und die Mykener ab 1150 v.Chr.
  • Die El-Argar-Kultur in Spanien betrieb neben Arbeitsteilung, eine zunehmende Spezialisierung auf einzelne Berufe.
  • In Mesopotamien entstehen ab 3.000 v.Chr. die ersten Stadtstaaten und Großreiche, wie Assyrien, Babylonien und Hethiter, welche in den Mittelmeerwelt drängen.

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