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Unterschied zwischen Tierart, Rasse, Gattung, Familie, Klasse oder Tierstamm

In der Zoologie verwendet man Rangstufen um die jeweiligen Tierarten systematisch einzuordnen. Diese Rangstufen sind Art, Gattung, Familie, Ordnung, Klasse oder der Stamm. In diesem Beitrag erfährst du, wie diese Begriffe zusammenhängen, welche Unterschiede bestehen und welchen Nutzen die Systematik für die Zoologie darstellt.

Die Tierart als kleinste Einheit der Zoologie

Die Tierart ist innerhalb der Zoologie die kleinste Einheit und stellt die unterste Rangstufe der Hierarchieebenen dar. Zu einer Tierart werden Individuen und Lebewesen aus dem Tierreich zusammengefasst, welche große Gemeinsamkeiten in ihrer Morphologie (Äußerlichkeit), Phylogenese (Stammesgeschichte), Fortpflanzung oder Ökologie aufweisen.

Diese unterschiedliche Betrachtungsweise von Gemeinsamkeiten führt dazu, dass verschiedene Artkonzepte existieren. Der deutsch-amerikanische Biologe Ernst Mayr lieferte ein Artkonzept, welches allgemeine Zustimmung findet. Dieses basiert auf Erkenntnisse der synthetischen Evolutionstheorie, welche wiederum auf den Darwinismus aufbaut, aber die Evolutionstheorie von Charles Darwin um Aspekte der Genetik, der Zoologie, der Paläontologie und der Botanik ergänzt.

Laut Mayr sind Arten eine Gruppe sich kreuzender (fortpflanzungsfähiger) Populationen, welche sich aufgrund ihrer Fortpflanzung von anderen Gruppen unterscheiden. Tiere gehören demnach der gleichen Art an, wenn sie sich untereinander fortpflanzen können, wobei deren Nachwuchs ebenfalls fortpflanzungsfähig sein muss.

Die Tierart als höchste Stufe der Evolution

Da laut Mayr nur gleiche Arten sich untereinander fortpflanzen und zeugungsfähigen Nachwuchs bekommen können, müssen alle Lebewesen – welche der gleichen Tierart angehören – einen Vorfahren haben, welcher ebenfalls dieser Art angehörte.

Der artgleiche Vorfahre impliziert, dass sich jede Tierart bereits auf der höchsten Stufe der Evolutionsleiter befindet – weshalb dieser Ausdruck heute auch nicht mehr genutzt wird. Verändern sich bestehende Arten durch Evolutionsfaktoren, wie Mutation oder Gendrift, genetisch so sehr – dass diese nicht mehr der gleichen Art angehören, entstehen zwei neue Evolutionslinien. Diese Veränderung geschieht über einen langen Zeitraum hinweg und in isolierten Populationen, in welche die veränderten Gene, über sehr viele Generationen hinweg, weitergegeben werden

Der Mensch ist demnach keine Weiterentwicklung eines Schimpansen, da beide jeweils eine eigene zoologische Art bilden und dadurch beide am Ende ihrer Evolution angekommen sind. Stattdessen besitzen beide Arten lediglich einen gemeinsamen Vorfahren bzw. Vorgänger, welcher einer anderen Art angehörte und aus dem sich zwei neuen Entwicklungslinien mit neuen Arten bildeten.

Unterarten als Erweiterung des Artbegriffes

Unterarten kommen in der Zoologie vor, sind allerdings nicht zwingend zu führen. Das bedeutet, dass die Unterart innerhalb der systematischen Einteilung der Lebewesen nicht zwingend eingetragen werden. Die Art wiederum muss in der Systematik geführt werden.

Unterarten unterscheiden sich von Arten meistens durch äußere Merkmale, verschiedene Territorien oder einer leicht genetischen Abwandlung. Dennoch können sich Unterarten mit den eigentlichen Tierarten kreuzen und die Nachkommenschaft ist fruchtbar. Der Haushund stellt beispielsweise eine Unterart zum Wolf dar.

Rasse als nichtbiologischer Begriff

Die Rasse steht ebenfalls unterhalb der Art, spielt allerdings in der Zoologie keine Rolle. Denn Rassen existieren nur innerhalb von Haustieren und sind Produkt der Domestikation. Demnach sind Haustierrassen nur durch menschliche Züchtung entstanden und stellen weder Art noch Unterart dar. So existieren beispielsweise Hunderassen, Rassen von Hauskatzen, Hühnerrassen, Kaninchenrassen oder Rinderrassen, welche sich lediglich aufgrund äußerlicher Merkmale oder einiger Wesenszüge unterscheiden. Die Biologie muss bei Haustieren keine Stammesgeschichte oder Evolution konstruieren, weshalb diese Tiere nicht zoologisch gelistet werden.

Da die unterschiedlichen Rassen immer noch der gleichen Art angehören, können sie sich ebenfalls untereinander fortpflanzen und der Nachwuchs ist ebenfalls fortpflanzungsfähig.

Tiergattung als Zusammenfassung der Arten

Besteht zwischen zwei Arten eine gemeinsame Stammesgeschichte, aus welcher der letzte gemeinsame Vorfahre erst kürzlich entstand, ergibt sich ein hoher Verwandtschaftsgrad – welcher sich im Genom äußert. Beide Arten sind demnach genetisch so verwandt, dass beide unter einer gemeinsamen Tiergattung zusammengefasst werden.

Der Mensch (homo sapiens) ist stammesgeschichtlich ein Tier und gehört beispielsweise der zoologischen Gattung homo an, in welcher auch alle ausgestorbenen Verwandten eingeordnet werden. Dies sind beispielsweise homo erectus, homo neanderthalensis oder homo habilis.

Innerhalb der Gattung ist eine Fortpflanzung zwischen den verschiedenen Arten noch möglich. Allerdings sind die Nachkommen mitunter unfruchtbar bzw. zeugungsunfähig. Beispiele dafür sind Tiger und Löwe, welche der Gattung Panthera angehören. Hybride Nachkommen der Löwen und Tiger werden als Liger oder Töwe bezeichnet. Beide sind allerdings zeugungsunfähig. Ein anderes Beispiel sind Kreuzungen zwischen Pferd und Esel, deren Nachwuchs als Maultiere bezeichnet werden. Diese sind ebenfalls zeugungsunfähig.

Tierfamilie als Zusammenfassung der Tiergattungen

Genauso wie die Tiergattung alle verwandten Arten zusammenfassen soll, werden in der Tierfamilie alle verwandten Gattungen zusammengefasst. Tierarten innerhalb einer Familie vereint immer noch die gleiche Stammesgeschichte, allerdings liegt der letzte gemeinsame Vorfahre weitaus länger zurück als bei der Tiergattung.

So gehören der Wolf und dessen Unterarten (Haushund) zur Familie der Hunde (Canidae), zu welcher auch Füchse, Schakale und Kojoten zählen. Die Hauskatze gehört zur Familie der Katzen, zu welcher auch Leopard, Löwe, Tiger und Puma zählen. Der Mensch gehört zur Familie der Menschenaffen (Hominoidea), zu denen auch Gorillas, Orang-Utans oder Schimpansen zählen.

Innerhalb der Familie sind Kreuzungen bzw. Paarungen nicht mehr möglich, da die genetische Verwandtschaft der Arten nicht ausreichen würde.

Außerdem lassen sich innerhalb einer Tierfamilie weitere Rangstufen einführen, welche unter dem Oberbegriff der Familie fallen.

Tierordnungen als Zusammenfassung verwandter Tierfamilien

Verwandte Tierfamilien werden in zoologische Ordnungen zusammengefasst. So gehört der Mensch und alle anderen Menschenaffen zur Ordnung der Primaten (Primates), zu welcher z.B. auch die Affen, die Makis, Lemuren oder Meerkatzen zählen. Die Hunde und Katzen gehören zur Ordnung der Raubtiere, zu denen beispielsweise auch die Bären, die Robben, Hyänen oder Mangusten zählen.

Die Tierordnung stellt dabei eine Gruppe von Rangstufen dar, welche sich – wie bei der Familie auch – weiter unterteilen lassen:

Tierklasse als Zusammenfassung verwandter Tierordnungen

Verwandte Ordnungen werden in zoologische Klassen zusammengefasst, welche die Stammesgeschichte weiter fortführen. Die Klassen der Raubtiere oder der Primaten gehören zur Klasse der Säugetiere. Gemeinsames Merkmal aller Arten der Tierklasse ist das Säugen bzw. die Aufzucht des Nachwuchses durch Milch, welche im Körper des Muttertiers produziert wird.

Die zoologische Klasse stellt, wie auch die Ordnung oder die Familie, eine Gruppe von Rangstufen dar – welche sich wie folgt aufteilen lässt.

Tierstämme als Zusammenfassung verwandter Tierklassen

Neben den Säugetieren gibt es weitere Tierklassen, wie zum Beispiel die Amphibien, Vögel, Kriechtiere oder Fische. Alle Vertreter dieser Klassen haben eine gemeinsame Stammesgeschichte, welche bis zu einem bestimmten Vorfahren reicht. Dieser Vorfahre besaß einen Schädel und eine Wirbelsäule, weshalb man Nachkommen des Ahnen als Wirbeltiere bzw. Chordatiere zusammenfasst.

Auf der Ebene der zoologischen Stämme sind weitere Unterteilungen nötig.

Weitere Verwandtschaftsbeziehungen

Verwandte Tierstämme werden dem Tierreich (Fauna) zugeordnet, welche ein gemeinsamer Aufbau der Zellen vereint. Dadurch unterscheiden sich Tiere von Pflanzen, welche dem Pflanzenreich (Flora) zugeordnet und zusammen mit den Pilzen und Protisten die Domäne der Eukaryoten bilden.

Zwischen Pilzen, Pflanzen, Tieren und den Mikroorganismen (Protisten) besteht eine gemeinsame Stammesgeschichte, welche sehr weit zurückreicht und deren Verwandtschaft am gemeinsamen Merkmal des bestehenden Zellkerns erkennbar wird.

Da jede Tierart mit jedem anderen Lebewesen verwandt ist, besteht auch ein Verwandtschaftsverhältnis und eine gemeinsame Stammesgeschichte zu Bakterien und Archaeen. Diese besitzen keinen Zellkern und gehören damit zur Domäne der Prokaryoten. Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten aller Lebewesen, wodurch die Verwandtschaft untereinander erkennbar wird. Diese sind: zellulärer Aufbau, die Fähigkeit zur Reizbarkeit, zum Wachstum, zur Entwicklung, zur Fortpflanzung bzw. Reproduktion und zum Stoffwechsel.


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